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Das Mando Footloose ist zwar klappbar, lässt sich aber dennoch schwer tragen.
Alle Fotos © Leyla Basaran, Stylepark
Der Bordcomputer des Footloose dient auch als digitales Fahrradschloss, das das E-Bike sichert.
Als weltweit erstes E-Bike kommt das Footloose ohne Kette aus.
Durch die versteckte Technik wird das Augenmerk auf das Design des Fahrradrahmens gelenkt.
Durch Treten der Pedale wird zusätzlich Strom erzeugt, der die Reichweite des E-Bikes verlängert.
Das Mando Footloose ist zwar nicht der Inbegriff der E-Mobility, aber ein wichtiger Schritt in diese Richtung.
Schweiß fließt erst im Treppenhaus
von Michael Baumgartner
14. März 2014
In den letzten Jahren erlebte das Fahrrad in den europäischen Metropolen einen Boom, wie man ihn sich in den automobilaffinen Jahrzehnten davor nicht hätte träumen lassen. Vom Fortbewegungsmittel ökologisch bewegter Technikskeptiker wurde es zum schicken Accessoire einer hippen Großstadtelite. Im Zeitalter allgemeiner Effizienzsteigerung verhalten sich viele urbane Radler dabei überraschend antizyklisch:„Fixies“ und klassische Fahrräder machen das Rennen gegenüber optimierten High-Tech-Maschinen. Nicht Hardfacts wie Gewicht und Anzahl der Gänge, sondern Ästhetik und Fahrgefühl wurden zu entscheidenden Kauffaktoren. Darüber hinaus steht das Fahrrad heute mehr als je zuvor für die Freiheit einer von Fahrplänen und Staus unabhängigen Mobilität, ergänzt von Fitnessstreben und ökologischem Bewusstsein. Können E-Bikes wie das Footloose des koreanischen Herstellers Mando dieses Lebensgefühl aufgreifen und in ein neues Produkt verpacken?

Organisch inspirierter Futurismus

Von Wind und Wasser geschliffene Kieselsteine, weiche Kurven des menschlichen Körpers und Seemöwenflügel nennt der britische Industriedesigner Mark Sanders als Inspirationsquellen für das Design des klappbaren E-Bikes Mando Footloose. Gleichwohl mutet das Footloose erstaunlich futuristisch an und wirkt wie geschaffen für einen Ritt durch den Großstadtdschungel. Im Jahr 2013 wurde der Firma Mando ein Red Dot Design Award für das zeitgeistige Gefährt verliehen, wobei die Begründung lauetete:. „Es fasziniert durch seinen skulpturalen Charakter und die Art und Weise, wie es sich unkompliziert zusammenklappen und transportieren lässt.“ Kritischere Betrachter erkennen in dem E-Bike dennoch eher die Züge eines für die Straße umgebauten Hometrainers. Als wir das Footloose in der Stylepark-Redaktion begutachteten, waren sich Fans und Kritiker in einem Punkt einig: Die breiten, ungeschliffenen Schweißnähte brechen die ansonsten klaren Linien des Rahmens und stechen daher unangenehm ins Auge.

Die Hose bleibt sauber

Nun aber zur Praxis. Bei einer Rundfahrt durch Frankfurt wurde schnell klar: Das Mando Footloose sorgt im Alltag für Aufsehen. Das außergewöhnliche Design in Verbindung mit dem Surren des Motors zog jede Menge neugieriger Blicke auf sich. Sowohl Geschäftsmänner im Bankenviertel als auch Familien am Mainufer starrten ungeniert auf das Fahrrad. Ob aus blanker Neugier auch Begeisterung wurde, lässt sich schwer abschätzen.

Angetrieben wird das Mando Footloose mittels einer Serie-Hybrid-Technologie, die ganz ohne Fahrradkette auskommt. Durch Treten der Pedalen gibt der Fahrer den Impuls zur Beschleunigung und generiert zusätzlichen Strom, der die Reichweite des E-Bikes verlängert. Im Gegensatz zum traditionellen Parallel-Hybrid-Antrieb mit Kette werden viele mechanische Bauteile eingespart, was die Produktionskosten reduziert und die Wartung deutlich erleichtert. Der Nutzen für den Fahrer: Ölverschmutze Hosenbeine bleiben einem erspart.

Der Akku ist fest ins Fahrrad integriert. Innerhalb von drei Stunden wird er an einer herkömmlichen Steckdose komplett aufgeladen. Mit einer Akkuladung kommt man – je nach Fahrverhalten und Straßenverhältnissen – bis zu 40 Kilometer weit, was für eine Rundfahrt durch die Stadt mehr als ausreicht. Das ist auch besser so, denn bei leerem Akku ist ein mechanischer Antrieb über die Pedale nicht möglich und das E-Bike muss entweder geschoben oder in ein Taxi verladen werden. Bei einem Gewicht von 21,7 Kilogramm muss dabei so mancher auf die Mithilfe des Taxifahrers hoffen.

Wenig Einfluss auf die Beschleunigung

Da das Treten der Pedale nur Strom für den E-Motor erzeugt und nicht direkt zur mechanischen Kraftübertragung beiträgt, sind besonders die ersten auf dem Footloose zurückgelegten Meter äußerst gewöhnungsbedürftig. Die Beschleunigung überzeugt unmittelbar, allerdings strampelt man als konditionierter Radfahrer gerne mal ins Leere, was, dieser Meinung waren auch meine amüsierten Kollegen nicht eben elegant aussieht. Ein stärkeres Treten in die Pedale führt beim Footloose nämlich nicht zwangsweise zu einer höheren Geschwindigkeit. Auch vermittelt der Antrieb den Eindruck eines eher ungleichmäßigen Fortkommens, was daran liegen könnte, dass der Fahrer zu wenig Einfluss auf den Zeitpunkt der Beschleunigung hat. Sensoren und automatische Gangschaltung können ein gleichmäßiges Fahren leider nicht gewährleisten. Bei 25 Kilometern pro Stunde ist die Höchstgeschwindigkeit erreicht, weshalb man auf der Promenade des Mainufers von Fahrern konventioneller Räder bequem überholt wird.

Nutzt man das Footloose dazu, täglich zwischen Wohnung und Büro zu pendeln, muss man also Abstriche machen. Zudem gibt es keinen Gepäckträger und auch sonst keine Möglichkeit, eine Tasche anzubringen: Ohne Rucksack wird es also nichts mit der Mobilität der Zukunft.

Schweißfrei zu fahren, aber schwer zu tragen

Der „Bordcomputer“ des Mando Footloose zeigt die Geschwindigkeit, den Ladezustand des Akkus und die zurückgelegte Distanz an. Gleichzeitig soll er als Sicherheitssystem dienen, denn ohne ihn kann man den E-Motor des Fahrrades nicht in Betrieb setzen. Das Bike kann aber problemlos weggeschoben werden. Was bedeutet: Nach entspannt-schweißfreiem E-Biken wartet ein umso herausfordernderes Workout im Treppenhaus zur aufzuglosen Altbauwohnung. Schließlich sind nicht alle Gebäude und U-Bahn-Stationen mit Aufzügen ausgestattet und so wird aus dem stylischen E-Mobility-Ausflug schnell ein echter Kraftakt.

Styling statt Funktionalität

Fassen wir zusammen: Für knapp 4000 Euro bekommt man ein Designer-Bike, das mehr auf futuristische Ästhetik und falsch verstandenen Lifestyle als auf Funktion fokussiert ist. Für ein Produkt, das den Prototypenstatus bereits überwunden hat und in Serie produziert wird, gibt es deutlich zu viele Schwachpunkte. Darunter leiden Fahrspaß und Alltagstauglichkeit gleichermaßen. Die Freiheit auf zwei Rädern – noch ist sie nicht grenzenlos.

www.mandofootloose.com
News & Stories › 2014 › März
Schweiß fließt erst im Treppenhaus
von Michael Baumgartner | 14. März 2014
Die Fangemeinde einer elektrisch beschleunigten Fahrradmobilität wächst. Das Footloose des koreanischen Autoteilezulieferers Mando steht geradezu sinnbildlich für eine neue Generation von E-Bikes, die den Zweiradmarkt erobern möchte. Was hat es zu bieten?
In den letzten Jahren erlebte das Fahrrad in den europäischen Metropolen einen Boom, wie man ihn sich in den automobilaffinen Jahrzehnten davor nicht hätte träumen lassen. Vom Fortbewegungsmittel ökologisch bewegter Technikskeptiker wurde es zum schicken Accessoire einer hippen Großstadtelite. Im Zeitalter allgemeiner Effizienzsteigerung verhalten sich viele urbane Radler dabei überraschend antizyklisch:„Fixies“ und klassische Fahrräder machen das Rennen gegenüber optimierten High-Tech-Maschinen. Nicht Hardfacts wie Gewicht und Anzahl der Gänge, sondern Ästhetik und Fahrgefühl wurden zu entscheidenden Kauffaktoren. Darüber hinaus steht das Fahrrad heute mehr als je zuvor für die Freiheit einer von Fahrplänen und Staus unabhängigen Mobilität, ergänzt von Fitnessstreben und ökologischem Bewusstsein. Können E-Bikes wie das Footloose des koreanischen Herstellers Mando dieses Lebensgefühl aufgreifen und in ein neues Produkt verpacken?

Organisch inspirierter Futurismus

Von Wind und Wasser geschliffene Kieselsteine, weiche Kurven des menschlichen Körpers und Seemöwenflügel nennt der britische Industriedesigner Mark Sanders als Inspirationsquellen für das Design des klappbaren E-Bikes Mando Footloose. Gleichwohl mutet das Footloose erstaunlich futuristisch an und wirkt wie geschaffen für einen Ritt durch den Großstadtdschungel. Im Jahr 2013 wurde der Firma Mando ein Red Dot Design Award für das zeitgeistige Gefährt verliehen, wobei die Begründung lauetete:. „Es fasziniert durch seinen skulpturalen Charakter und die Art und Weise, wie es sich unkompliziert zusammenklappen und transportieren lässt.“ Kritischere Betrachter erkennen in dem E-Bike dennoch eher die Züge eines für die Straße umgebauten Hometrainers. Als wir das Footloose in der Stylepark-Redaktion begutachteten, waren sich Fans und Kritiker in einem Punkt einig: Die breiten, ungeschliffenen Schweißnähte brechen die ansonsten klaren Linien des Rahmens und stechen daher unangenehm ins Auge.

Die Hose bleibt sauber

Nun aber zur Praxis. Bei einer Rundfahrt durch Frankfurt wurde schnell klar: Das Mando Footloose sorgt im Alltag für Aufsehen. Das außergewöhnliche Design in Verbindung mit dem Surren des Motors zog jede Menge neugieriger Blicke auf sich. Sowohl Geschäftsmänner im Bankenviertel als auch Familien am Mainufer starrten ungeniert auf das Fahrrad. Ob aus blanker Neugier auch Begeisterung wurde, lässt sich schwer abschätzen.

Angetrieben wird das Mando Footloose mittels einer Serie-Hybrid-Technologie, die ganz ohne Fahrradkette auskommt. Durch Treten der Pedalen gibt der Fahrer den Impuls zur Beschleunigung und generiert zusätzlichen Strom, der die Reichweite des E-Bikes verlängert. Im Gegensatz zum traditionellen Parallel-Hybrid-Antrieb mit Kette werden viele mechanische Bauteile eingespart, was die Produktionskosten reduziert und die Wartung deutlich erleichtert. Der Nutzen für den Fahrer: Ölverschmutze Hosenbeine bleiben einem erspart.

Der Akku ist fest ins Fahrrad integriert. Innerhalb von drei Stunden wird er an einer herkömmlichen Steckdose komplett aufgeladen. Mit einer Akkuladung kommt man – je nach Fahrverhalten und Straßenverhältnissen – bis zu 40 Kilometer weit, was für eine Rundfahrt durch die Stadt mehr als ausreicht. Das ist auch besser so, denn bei leerem Akku ist ein mechanischer Antrieb über die Pedale nicht möglich und das E-Bike muss entweder geschoben oder in ein Taxi verladen werden. Bei einem Gewicht von 21,7 Kilogramm muss dabei so mancher auf die Mithilfe des Taxifahrers hoffen.

Wenig Einfluss auf die Beschleunigung

Da das Treten der Pedale nur Strom für den E-Motor erzeugt und nicht direkt zur mechanischen Kraftübertragung beiträgt, sind besonders die ersten auf dem Footloose zurückgelegten Meter äußerst gewöhnungsbedürftig. Die Beschleunigung überzeugt unmittelbar, allerdings strampelt man als konditionierter Radfahrer gerne mal ins Leere, was, dieser Meinung waren auch meine amüsierten Kollegen nicht eben elegant aussieht. Ein stärkeres Treten in die Pedale führt beim Footloose nämlich nicht zwangsweise zu einer höheren Geschwindigkeit. Auch vermittelt der Antrieb den Eindruck eines eher ungleichmäßigen Fortkommens, was daran liegen könnte, dass der Fahrer zu wenig Einfluss auf den Zeitpunkt der Beschleunigung hat. Sensoren und automatische Gangschaltung können ein gleichmäßiges Fahren leider nicht gewährleisten. Bei 25 Kilometern pro Stunde ist die Höchstgeschwindigkeit erreicht, weshalb man auf der Promenade des Mainufers von Fahrern konventioneller Räder bequem überholt wird.

Nutzt man das Footloose dazu, täglich zwischen Wohnung und Büro zu pendeln, muss man also Abstriche machen. Zudem gibt es keinen Gepäckträger und auch sonst keine Möglichkeit, eine Tasche anzubringen: Ohne Rucksack wird es also nichts mit der Mobilität der Zukunft.

Schweißfrei zu fahren, aber schwer zu tragen

Der „Bordcomputer“ des Mando Footloose zeigt die Geschwindigkeit, den Ladezustand des Akkus und die zurückgelegte Distanz an. Gleichzeitig soll er als Sicherheitssystem dienen, denn ohne ihn kann man den E-Motor des Fahrrades nicht in Betrieb setzen. Das Bike kann aber problemlos weggeschoben werden. Was bedeutet: Nach entspannt-schweißfreiem E-Biken wartet ein umso herausfordernderes Workout im Treppenhaus zur aufzuglosen Altbauwohnung. Schließlich sind nicht alle Gebäude und U-Bahn-Stationen mit Aufzügen ausgestattet und so wird aus dem stylischen E-Mobility-Ausflug schnell ein echter Kraftakt.

Styling statt Funktionalität

Fassen wir zusammen: Für knapp 4000 Euro bekommt man ein Designer-Bike, das mehr auf futuristische Ästhetik und falsch verstandenen Lifestyle als auf Funktion fokussiert ist. Für ein Produkt, das den Prototypenstatus bereits überwunden hat und in Serie produziert wird, gibt es deutlich zu viele Schwachpunkte. Darunter leiden Fahrspaß und Alltagstauglichkeit gleichermaßen. Die Freiheit auf zwei Rädern – noch ist sie nicht grenzenlos.

www.mandofootloose.com