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Sessel mit Pelzkragen
von Martina Metzner | 3. September 2014
Ein neues Liebespaar? In den neuen „Almora“-Loungechair des Designerpaars Doshi Levien für B&B Italia lässt es sich ähnlich gut einkuscheln wie in die Lederjacke mit Pelzfutter, die die japanische Designerin Sacai für kommenden Herbst entworfen hat. Foto © Sacai, B&B Italia
Aus Modemagazinen kennen wir das Spiel: Da werden Kleider gezeigt und dazu passende Accessoires wie Uhren, Schals, Taschen, Dessous, Schuhe und ja, manchmal auch ein Möbelstück. Farbverwandtschaften werden dabei am häufigsten ausgebeutet: alles in Gold, alles in Pastell und zum kommenden Winter alles in Grün, der neusten Trendfarbe der Catwalks. Dass Mode und Möbel zeitweilig eine Liaison eingehen, sich gegenseitig Zutaten in die Töpfe geben, lässt sich nicht bestreiten. Doch während die Mode ihre Affäre mit dem Möbel preisgibt, versucht das Möbeldesign die Nähe zur Mode oftmals zu vertuschen. Wieso nur?

In der Mode spricht man schon seit einigen Saisons vom starken Einfluss der Architektur, des Designs und zuletzt der Kunst aufs Kleid. Vorreiter dabei ist Céline mit ihren verhüllenden, kastenartigen und schlichten Entwürfen, denen allzu oft ein Bezug zum „Architektonischen“ angedichtet wird. Ähnlich schlicht und experimentell kommt die Kollektion der H&M-Tochtermarke COS (Collection of Style) daher, die stark von der Design-Welt inspiriert ist und den Kleidungsstil der Designer quasi für Jedermann salonfähig gemacht hat. Was die Kunst anbetrifft, so war es zuletzt Miuccia Prada, die zur aktuellen Sommerkollektionen mexikanische Street Art auf’s Textil bannte.

Das Design tut sich da schwerer: Natürlich gibt es Schnittmengen, lassen sich Möbel- und Produktdesigner auch von der Mode inspirieren oder agieren aus einem verwandten Verständnis einer zeitgenössischen Ästhetik heraus. Ganz so einfach verhält sich die Sache dann aber doch nicht, das wird Ihnen jeder ernstzunehmende Möbeldesigner bestätigen. „Être à la mode“ bedeutet im Französischen „aktuell sein“ – birgt das Wissen, schon bald überholt zu sein, quasi schon in sich. Mode ist schnell und vergänglich, Möbel eher langsam und beständig. Zumindest war das bislang so. Inzwischen werden auch Möbel modischer, sprich kurzlebiger. Weil sich die Welt und die Geschäfte schneller drehen, weil – um im Marketingjargon zu sprechen – Cross-Selling angesagt ist, und weil die Medienwelt nun mal von Bildern und Assoziationen lebt. Offen zugeben will man das nicht. Aus Furcht, oberflächlich oder kommerziell zu wirken. Die Frage aber bleibt: Wie modisch darf ein Möbel sein? Etwa, wenn im Fall von Kvadrat der Bezug von einem bedeutenden Modemacher wie Raf Simons stammt? Zur Erinnerung: In den 1970er Jahren waren die poppigen Möbel von Verner Panton ein absolut modisches Ereignis.

Mode und Möbel, zwei Verwandte, die auch ein Liebespaar sein könnten, treffen sich jedenfalls öfter, abends, in einem leerstehenden Haus. Am Morgen indes gehen sie getrennte Wege. Weshalb der Versuch, Ähnlichkeiten zwischen einigen Neuheiten des Mailänder Salone und Mode-Entwürfen für den kommenden Winter aufzudecken auch nicht mehr ist als ein heiteres Spiel mit dem Zufall.

www.celine.com
www.cosstores.com
www.prada.com
www.kvadrat.dk

MEHR auf Stylepark:

Couture trifft Collage: Dries Van Noten ist ein eigenwilliger Kleidermacher, der noch nie den Gesetzen der Modewelt gefolgt ist und lieber auf Langsamkeit und Qualität setzt.
(2. Mai 2014)
Alles im Griff: Dank Kordeln an der Jacke von Cèline und den Lehnen des „Seliunte“-Stuhls von Alfredo Häberli für Alias. Foto © Cèline, Alias
Disk-o-grafie: Ob sich der Oberkörper drehen lässt? Jean-Marie Massauds „Rock Table“ für MDF Italia trifft auf David Koma. Foto © David Koma, MDF Italia
Ready-for-pattern: Auf einem Mustermix à la Dries Van Noten lässt es sich auch gut sitzen – wie „Twist“ von Emilio Nanni für Zanotta zeigt. Foto © Dries Van Noten, Zanotta
Aktenzeichen: So aufgeräumt-fröhlich wie „Zinta“ von Lievore Altherr Molina für Arper daherkommt, zeigt sich auch Jasper Conrans Business-Woman. Foto © Jasper Conran, Arper
Gut gesteppt: Ob in den Mantel von Sacai auch Schaumstoffflocken per Staubsauger reingepustet werden wie bei der „Couch“ von Stefan Diez für Flötotto? Foto © Sacai, Flötotto
Ab ins Körbchen: Die Flechtstruktur von Daniel Pouzets „Swing Me“ für Dedon wird von Jonathan Saunders zweidimensional aufs Textil gebannt. Foto © Jonathan Saunders, Dedon
Legere Nuss: Ob A.F. Vandeforst ihre Entwürfe auch vorab probieren wie es Patricia Urquiola mit ihren Möbeln – hier „Tabano“ für B&B Italia – macht? Foto © A.F. Vandeforst/ B&B Italia
Weiße Welle: Während Nendo mit „Softer than Steel“ bei Desalto aufschlägt, wirft Ann Demeulemeester ihre letzte Kollektion auf den Laufsteg. Foto © Demeulemeester/ Desalto
Renaissance: Die Schönheit des Vergänglichen ziert nicht nur die Models bei Jil Sander, sondern auch „Doge“ von Moroso. Foto © Jil Sander, Moroso
Finaler Schnitt: Kleiner „Blitzer“, große Wirkung – bei „Conduit“ von Jörg Schellmann für Moroso ebenso wie bei Pringle of Scotland. Foto © Pringle of Scotland, Moroso
Alle meine Farben: Ein neuer Anstrich hat noch niemandem geschadet – Mantel von Marni nebst „Shanty“ von Doshi Levien für BD Barcelona. Foto © Marni/ BD Barcelona
Geborgenheit: „Feel Good“ ist das Motto von Antonio Citterio für seinen neuen Sessel für Flexform – ebenso wie bei A.F. Vandeforst. Foto © A.F. Vandeforst/ Flexform
Blitzgefahr: Gesprengte Aludosen können auch ihren Reiz haben, ob bei Christian Siriano oder bei Ross Lovegroves „Diatom“ für Moroso. Foto © Christian Siriano/ Moroso
Produkte
Alias: selinunte armchair @ Stylepark
Alias
selinunte armchair
Alfredo Häberli
MDF Italia: ROCK TABLE @ Stylepark
MDF Italia
ROCK TABLE
Jean-Marie Massaud
Zanotta: 2288 TWIST BARSTOOL @ Stylepark
Zanotta
2288 TWIST BARSTOOL
Emilio Nanni
Desalto: Softer than Steel Bank @ Stylepark
Desalto
Softer than Steel Bank
Nendo
BD Barcelona Design: Shanty @ Stylepark
BD Barcelona Design
Shanty
Nipa Doshi
Jonathan Levien
B&B Italia: ALMORA @ Stylepark
B&B Italia
ALMORA
Nipa Doshi
Jonathan Levien
DEDON: SwingMe @ Stylepark
DEDON
SwingMe
Daniel Pouzet
Arper: Zinta - Waiting @ Stylepark
Arper
Zinta - Waiting
Lievore Altherr Molina
Moroso: Conduit Sessel @ Stylepark
Moroso
Conduit Sessel
Jörg Schellmann
B&B Italia: TABANO @ Stylepark
B&B Italia
TABANO
Patricia Urquiola
Moroso: Doge @ Stylepark
Moroso
Doge
Daniele Bortotto
Giorgia Zanellato
Fritz Hansen: DROP™ @ Stylepark
Fritz Hansen
DROP™
Arne Jacobsen
Moroso: Diatom @ Stylepark
Moroso
Diatom
Ross Lovegrove
Flexform: Feel Good Sessel Metalgestell @ Stylepark
Flexform
Feel Good Sessel Metalgestell
Antonio Citterio
News & Stories › 2014 › September
Sessel mit Pelzkragen
von Martina Metzner | 3. September 2014
Was passiert, wenn Mode und Möbel eine Liaison eingehen? Wir haben einige Paarungen aus den Neuheiten des Mailänder Salone und den Catwalk-Entwürfen für den kommenden Winter für Sie zusammengestellt. Alles nur Zufall?
Aus Modemagazinen kennen wir das Spiel: Da werden Kleider gezeigt und dazu passende Accessoires wie Uhren, Schals, Taschen, Dessous, Schuhe und ja, manchmal auch ein Möbelstück. Farbverwandtschaften werden dabei am häufigsten ausgebeutet: alles in Gold, alles in Pastell und zum kommenden Winter alles in Grün, der neusten Trendfarbe der Catwalks. Dass Mode und Möbel zeitweilig eine Liaison eingehen, sich gegenseitig Zutaten in die Töpfe geben, lässt sich nicht bestreiten. Doch während die Mode ihre Affäre mit dem Möbel preisgibt, versucht das Möbeldesign die Nähe zur Mode oftmals zu vertuschen. Wieso nur?

In der Mode spricht man schon seit einigen Saisons vom starken Einfluss der Architektur, des Designs und zuletzt der Kunst aufs Kleid. Vorreiter dabei ist Céline mit ihren verhüllenden, kastenartigen und schlichten Entwürfen, denen allzu oft ein Bezug zum „Architektonischen“ angedichtet wird. Ähnlich schlicht und experimentell kommt die Kollektion der H&M-Tochtermarke COS (Collection of Style) daher, die stark von der Design-Welt inspiriert ist und den Kleidungsstil der Designer quasi für Jedermann salonfähig gemacht hat. Was die Kunst anbetrifft, so war es zuletzt Miuccia Prada, die zur aktuellen Sommerkollektionen mexikanische Street Art auf’s Textil bannte.

Das Design tut sich da schwerer: Natürlich gibt es Schnittmengen, lassen sich Möbel- und Produktdesigner auch von der Mode inspirieren oder agieren aus einem verwandten Verständnis einer zeitgenössischen Ästhetik heraus. Ganz so einfach verhält sich die Sache dann aber doch nicht, das wird Ihnen jeder ernstzunehmende Möbeldesigner bestätigen. „Être à la mode“ bedeutet im Französischen „aktuell sein“ – birgt das Wissen, schon bald überholt zu sein, quasi schon in sich. Mode ist schnell und vergänglich, Möbel eher langsam und beständig. Zumindest war das bislang so. Inzwischen werden auch Möbel modischer, sprich kurzlebiger. Weil sich die Welt und die Geschäfte schneller drehen, weil – um im Marketingjargon zu sprechen – Cross-Selling angesagt ist, und weil die Medienwelt nun mal von Bildern und Assoziationen lebt. Offen zugeben will man das nicht. Aus Furcht, oberflächlich oder kommerziell zu wirken. Die Frage aber bleibt: Wie modisch darf ein Möbel sein? Etwa, wenn im Fall von Kvadrat der Bezug von einem bedeutenden Modemacher wie Raf Simons stammt? Zur Erinnerung: In den 1970er Jahren waren die poppigen Möbel von Verner Panton ein absolut modisches Ereignis.

Mode und Möbel, zwei Verwandte, die auch ein Liebespaar sein könnten, treffen sich jedenfalls öfter, abends, in einem leerstehenden Haus. Am Morgen indes gehen sie getrennte Wege. Weshalb der Versuch, Ähnlichkeiten zwischen einigen Neuheiten des Mailänder Salone und Mode-Entwürfen für den kommenden Winter aufzudecken auch nicht mehr ist als ein heiteres Spiel mit dem Zufall.

www.celine.com
www.cosstores.com
www.prada.com
www.kvadrat.dk

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(2. Mai 2014)