transparent_layer
db-images/cms/banner/img/l2_v369288_958_728_90-1.jpg
Blättern: First Back
von 2139 Forward End
Sieben Freunde sollt ihr sein
von Uta Abendroth | 22. Juli 2016
Ein Kreis von Freunden: Tulga Beyerle und Maria Cristina Didero haben sich (hinten) im April während der Mailänder Möbelmesse mit Tomás Alonso, Mathias Hahn, Michael Young, Jerszy Seymour, Richard Hutten, Bethan Laura Wood und Philippe Malouin (v.l.). getroffen. Foto © Marco Cappelletti
Mit Freundschaften ist das so eine Sache. In digitalen Zeiten gibt es das Dilemma zahlreicher virtueller Freunde, von denen man oft nicht so genau weiß, wie wie real sie eigentlich sind. Es sind verschiedene Aspekte, die Beziehungsgeflechte begleiten: Was macht beispielsweise äußerlicher Druck mit einer Freundschaft, etwa dann, wenn man in der gleichen Branche tätig ist und in der Hinsicht als Konkurrenten auftritt? Was können Freunde füreinander tun, was bewegt sie? Inwieweit können Designer oder Künstler überhaupt miteinander befreundet sein und diese Beziehung in ein Projekt einfließen lassen?

Solche und ähnliche Fragen haben Tulga Beyerle, die Direktorin des Kunstgewerbemuseums im Schloss Pillnitz, schon länger beschäftigt: „Mit meiner Freundin Maria Cristina Didero“, sagt sie, „habe ich bestimmt zwei Jahre lang immer wieder über Freundschaften im Design gesprochen, und wie man das Thema umsetzen kann. Im April diesen Jahres, während des Salone in Mailand, hat das ganze Projekt dann endlich Form angenommen.“

Die beiden Kuratorinnen haben sieben Designer eingeladen und daraus drei „Freunde-Teams“ gebildet: Bethan Laura Wood und Philippe Malouin, Tomás Alonso und Mathias Hahn sowie Richard Hutten, Michael Young und Jerszy Seymour. Faszinierend ist nicht nur, dass die Freundschaften zwischen diesen Designern teilweise schon seit Jahrzehnten bestehen, sondern auch, dass sie verschiedene Nationalitäten auf das Selbstverständlichste miteinander verbinden. „Wir haben den drei Crews drei unterschiedliche Aufgaben gestellt“, erklärt Tulga Beyerle. „Wood und Malouin sollten für den jeweils anderen einen Entwurf umsetzen, bei Alonso und Hahn ging es darum, dem Partner ein Geschenk zu machen, während Hutten, Young und Seymour gemeinsam ein Produkt entwerfen sollten.“



Ein Bett von Bethan Laura Wood für Philippe Malouin: Die Inspiration dafür lieferte „The Ace Stool“, ein Hocker aus Birke, den der kanadische Designer für ein Hotel entworfen hat.
Foto Tomáš Souček, © Staatliche Kunstsammlung Dresden
Die Ergebnisse sind gleichermaßen originell wie verschieden, so dass die Beziehungen zwischen den sieben Gestaltern in den Auftragsarbeiten erfahrbar werden. Die Britin Bethan Laura Wood und der Kanadier Philippe Malouin haben sich dafür entschieden, das gleichzeitig alltäglichste und intimste Objekt füreinander zu entwerfen: ein Bett. Wood diente ein Hocker ihres Freundes als Inspiration für den eigenen Entwurf. Er nimmt bei der Gestaltung der einzelnen Elemente des Bettes Formen von Malouins Sitzmöbels auf. Malouin wiederum gibt in seinem Bett für die stets schrill-bunt gekleidete Wood ihren modischen „Look“ wieder: jede Menge Kugeln, deren Farbverlauf sich von einem Seitenteil zum anderen beziehungsweise vom Kopf- bis zum Fußteil des Bettes verändert, reihen sich aneinander.

Das Trio Hutten, Young und Seymour entschied sich bei dem gemeinsam entwickelten Objekt für einen Tisch, denn, so Richard Hutten, „das ist doch genau das Möbelstück, an dem Freunde zusammenkommen.“ Der Marmortisch, der in Belgien gefertigt wurde, setzt sich aus zwei Unterteilen zusammen, einem mit rau-gebrochenen Kanten von Syemour und einem eher elegant-symmetrischen von Young, sowie einer massiven Platte. Die Platte, ein Entwurf von Hutten, zieren verschiedene Ornamente, zum Beispiel das ins Gigantische vergrößerte Muster einer Samenkapsel. Zwei der Einsätze aus farbigem Marmor überließ Hutten seinen Teamgefährten, damit man ihre Handschrift nicht nur unter, sondern auch auf dem Tisch erkennen kann.
Links: Farbige Perlen für Bethan Laura Wood – so stellt sich Philippe Malouin das Bett für seine britische Kollegin vor. Rechts: Ein Tisch in dem drei unterschiedlichen Handschriften vereint sind – Michael Young, Jerszy Seymour und Richard Hutten fusionierten ihre Stile in diesem Marmortisch. Fotos Tomáš Souček, © Staatliche Kunstsammlung Dresden
Tomás Alonso und Mathias Hahn haben das Geschenk, das sie einander machen sollten, sehr originell interpretiert, denn was könnte in unserem verdichteten Alltag persönlicher sein, als sich „Zeit“ zu schenken? Der Spanier und der Deutsche, die beide in London leben, gingen für sieben Tage auf eine Reise, die sie in einem Mini, einer britischen Designikone schlechthin, von der britischen Hauptstadt nach Pillnitz führte. Während der Reise besuchten sie Manufakturen jenseits und diesseits des Kanals und brachten unter anderem Objekte von Bootsbauern, Schuhmachern, Glasbläsern, Messerfabrikanten, Fahrradherstellern und Schalterproduzenten mit. Die beiden setzen sich dabei mit Handwerk, Materialien, Herstellungsverfahren und Gestaltung auseinander. Kurz vor dem Ende der Reise, stand zudem der Besuch der Stiftung Bauhaus in Dessau an, ein Ort, den beide noch nicht kannten, von dem sie sich jedoch jahrelang erzählt hatten, dass sie ihn gerne mal sehen würden. „Wir haben die verschiedensten Erfahrungen auf dieser Reise gemacht“, sagt Tomás Alonso. „Wir haben jeden Tag mehrere Betriebe aufgesucht. Nicht überall waren wir willkommen, manche haben gar nicht verstanden, was wir da wollten. Aber wir haben auch tiefe Einblicke in teilweise schon sehr alte Produktionsverfahren bekommen, für Mathias und mich ein besonderes Erlebnis.“ So kurz nach dem Brexit machten die beiden „global player“ übrigens eine interessante Beobachtung: Unterwegs mit einem Mini mit britischem Kennzeichen, zeigten ihnen einige Passanten den ausgestreckten Mittelfinger. Ein kleines aufgeklebtes EU-Schildchen am Heck des Autos sollte wenigstens optisch Verbundenheit suggerieren – oder gar Freundschaft?

Die Ausstellung im Pillnitzer Wasserpalais ist klein, aber fein. Sämtliche Objekte regen zum Dialog an, zum Nachdenken über Gemeinsamkeiten und Unterschiede, darüber, wie man sich in einem Team ergänzt – und über freundschaftliche Bindungen. Ein anregender Beitrag zu mehr Miteinander, trotz aller Konkurrenz.

Friends + Design
Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Kunstgewerbemuseum Schloss Pillnitz
bis 1. November 2016
www.skd.museum/de/museen-institutionen/schloss-pillnitz
Trouvaillen einer gemeinsamen Reise: Tomás Alonso und Mathias Hahn schenkten sich Zeit und eine Tour durch Manufakturen, aus denen sie Objekte mitgebracht haben.
Foto Tomáš Souček, © Staatliche Kunstsammlung Dresden
Deutsch-britische Idylle: Der alte Mini im Park vor Schloss Pillnitz, wo im Wasserpalais die Ausstellung „Friends + Design“ stattfindet.
Foto Tomáš Souček, © Staatliche Kunstsammlung Dresden
News & Stories › 2016 › Juli
Sieben Freunde sollt ihr sein
von Uta Abendroth | 22. Juli 2016
Das Dresdner Kunstgewerbemuseum hat sieben internationale Designer nach Schloss Pillnitz eingeladen, um in Zeiten allgegenwärtiger Konkurrenz über Freundschaft im Design nachzudenken.
Mit Freundschaften ist das so eine Sache. In digitalen Zeiten gibt es das Dilemma zahlreicher virtueller Freunde, von denen man oft nicht so genau weiß, wie wie real sie eigentlich sind. Es sind verschiedene Aspekte, die Beziehungsgeflechte begleiten: Was macht beispielsweise äußerlicher Druck mit einer Freundschaft, etwa dann, wenn man in der gleichen Branche tätig ist und in der Hinsicht als Konkurrenten auftritt? Was können Freunde füreinander tun, was bewegt sie? Inwieweit können Designer oder Künstler überhaupt miteinander befreundet sein und diese Beziehung in ein Projekt einfließen lassen?

Solche und ähnliche Fragen haben Tulga Beyerle, die Direktorin des Kunstgewerbemuseums im Schloss Pillnitz, schon länger beschäftigt: „Mit meiner Freundin Maria Cristina Didero“, sagt sie, „habe ich bestimmt zwei Jahre lang immer wieder über Freundschaften im Design gesprochen, und wie man das Thema umsetzen kann. Im April diesen Jahres, während des Salone in Mailand, hat das ganze Projekt dann endlich Form angenommen.“

Die beiden Kuratorinnen haben sieben Designer eingeladen und daraus drei „Freunde-Teams“ gebildet: Bethan Laura Wood und Philippe Malouin, Tomás Alonso und Mathias Hahn sowie Richard Hutten, Michael Young und Jerszy Seymour. Faszinierend ist nicht nur, dass die Freundschaften zwischen diesen Designern teilweise schon seit Jahrzehnten bestehen, sondern auch, dass sie verschiedene Nationalitäten auf das Selbstverständlichste miteinander verbinden. „Wir haben den drei Crews drei unterschiedliche Aufgaben gestellt“, erklärt Tulga Beyerle. „Wood und Malouin sollten für den jeweils anderen einen Entwurf umsetzen, bei Alonso und Hahn ging es darum, dem Partner ein Geschenk zu machen, während Hutten, Young und Seymour gemeinsam ein Produkt entwerfen sollten.“



Die Ergebnisse sind gleichermaßen originell wie verschieden, so dass die Beziehungen zwischen den sieben Gestaltern in den Auftragsarbeiten erfahrbar werden. Die Britin Bethan Laura Wood und der Kanadier Philippe Malouin haben sich dafür entschieden, das gleichzeitig alltäglichste und intimste Objekt füreinander zu entwerfen: ein Bett. Wood diente ein Hocker ihres Freundes als Inspiration für den eigenen Entwurf. Er nimmt bei der Gestaltung der einzelnen Elemente des Bettes Formen von Malouins Sitzmöbels auf. Malouin wiederum gibt in seinem Bett für die stets schrill-bunt gekleidete Wood ihren modischen „Look“ wieder: jede Menge Kugeln, deren Farbverlauf sich von einem Seitenteil zum anderen beziehungsweise vom Kopf- bis zum Fußteil des Bettes verändert, reihen sich aneinander.

Das Trio Hutten, Young und Seymour entschied sich bei dem gemeinsam entwickelten Objekt für einen Tisch, denn, so Richard Hutten, „das ist doch genau das Möbelstück, an dem Freunde zusammenkommen.“ Der Marmortisch, der in Belgien gefertigt wurde, setzt sich aus zwei Unterteilen zusammen, einem mit rau-gebrochenen Kanten von Syemour und einem eher elegant-symmetrischen von Young, sowie einer massiven Platte. Die Platte, ein Entwurf von Hutten, zieren verschiedene Ornamente, zum Beispiel das ins Gigantische vergrößerte Muster einer Samenkapsel. Zwei der Einsätze aus farbigem Marmor überließ Hutten seinen Teamgefährten, damit man ihre Handschrift nicht nur unter, sondern auch auf dem Tisch erkennen kann.
Tomás Alonso und Mathias Hahn haben das Geschenk, das sie einander machen sollten, sehr originell interpretiert, denn was könnte in unserem verdichteten Alltag persönlicher sein, als sich „Zeit“ zu schenken? Der Spanier und der Deutsche, die beide in London leben, gingen für sieben Tage auf eine Reise, die sie in einem Mini, einer britischen Designikone schlechthin, von der britischen Hauptstadt nach Pillnitz führte. Während der Reise besuchten sie Manufakturen jenseits und diesseits des Kanals und brachten unter anderem Objekte von Bootsbauern, Schuhmachern, Glasbläsern, Messerfabrikanten, Fahrradherstellern und Schalterproduzenten mit. Die beiden setzen sich dabei mit Handwerk, Materialien, Herstellungsverfahren und Gestaltung auseinander. Kurz vor dem Ende der Reise, stand zudem der Besuch der Stiftung Bauhaus in Dessau an, ein Ort, den beide noch nicht kannten, von dem sie sich jedoch jahrelang erzählt hatten, dass sie ihn gerne mal sehen würden. „Wir haben die verschiedensten Erfahrungen auf dieser Reise gemacht“, sagt Tomás Alonso. „Wir haben jeden Tag mehrere Betriebe aufgesucht. Nicht überall waren wir willkommen, manche haben gar nicht verstanden, was wir da wollten. Aber wir haben auch tiefe Einblicke in teilweise schon sehr alte Produktionsverfahren bekommen, für Mathias und mich ein besonderes Erlebnis.“ So kurz nach dem Brexit machten die beiden „global player“ übrigens eine interessante Beobachtung: Unterwegs mit einem Mini mit britischem Kennzeichen, zeigten ihnen einige Passanten den ausgestreckten Mittelfinger. Ein kleines aufgeklebtes EU-Schildchen am Heck des Autos sollte wenigstens optisch Verbundenheit suggerieren – oder gar Freundschaft?

Die Ausstellung im Pillnitzer Wasserpalais ist klein, aber fein. Sämtliche Objekte regen zum Dialog an, zum Nachdenken über Gemeinsamkeiten und Unterschiede, darüber, wie man sich in einem Team ergänzt – und über freundschaftliche Bindungen. Ein anregender Beitrag zu mehr Miteinander, trotz aller Konkurrenz.

Friends + Design
Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Kunstgewerbemuseum Schloss Pillnitz
bis 1. November 2016
www.skd.museum/de/museen-institutionen/schloss-pillnitz