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Pierre Charpin hat Kunst studiert, arbeitet aber vornehmlich als Designer. Foto © Pierre Charpin
„Slice“ erschien erstmals 1999. Foto © Pierre Charpin
Aus dem Spiel mit Schaumstärken wurde ein Spiel mit Farben. Foto © Pierre Charpin
Die neue Version von „Slice“ bei Ligne Roset ist etwas größer – die Stoffpalette erweitert. Foto © Pierre Charpin
„Untitled“ – Zeichnung von Pierre Charpin, 2009, Lithographie, 59 x 84 cm. Foto © Pierre Charpin
Ausstellung zu Pierre Charpin in der Villa Noailles in Hyères. Foto © Lothaire Hucki
Endless Slice: in der Ausstellung „Pierre Charpin - 20 years of Work" in Grand-Hornu im Jahr 2011. Foto © Pierre Antoine
Sitzen,
scheibchen-
weise
Im Gespräch: Pierre Charpin.
25. Januar 2016
Nur wenig hört, sieht oder liest man über Pierre Charpin – der französische Designer meidet das Rampenlicht und konzentriert sich lieber auf seine Arbeit. Seit Jahren kooperiert er mit Unternehmen wie Alessi, Ligne Roset, Zanotta oder Venini und fertigt limitierte Zeichnungen und Objekte für die Galerie Kréo in Paris an. Charpin, der in Bourges Kunst studiert hat, zeigt in seinen Arbeiten eine große Sensibilität für Farbe und Form. Auf der imm cologne, zu der er anlässlich der Wiederauflage seines Sessels „Slice“ bei Ligne Roset angereist war, hat Martina Metzner den „Hidden Star“ des französischen Designs getroffen.

Martina Metzner: Als ich „Slice“ zum ersten Mal gesehen habe, vermutete ich, dass dieser Sessel in 1970er oder 1980er Jahren entsprungen sein müsse – und gleichzeitig erinnerte er mich an eine Raupe …

Pierre Charpin: Da haben Sie Recht. Als ich diesen Sessel vor etwa zwanzig Jahren entwarf, hatte ich verschiedene Objekte und Bilder im Kopf: Einige Sessel aus den 1970er, 1980er Jahren von Achille Castiglioni, bei denen er sich mit unterschiedlichen Festigkeiten von Polsterschaum auseinandergesetzt hat, die Sitzlandschaft „Sormani“ von Joe Colombo, einige Entwürfe von Pierre Paulin und so weiter. Außerdem eine Arbeit von Pino Pascali, ein italienischer Künstler der Arte Povera, der eine überdimensionale Raupe aus industriellen Bürsten kreiert hatte. Bei „Slice“ war von Beginn an die Idee, den Sessel in drei Scheiben zu schneiden, um so zusätzlich einen Pouf zu kreieren und dabei mit verschiedenen Polsterschaum-Stärken zu arbeiten. Später kam zu dem Scheiben-Konzept auch noch ein Spiel mit Farben hinzu.

Wie lang könnte „Slice“ denn werden?

Pierre Charpin: Er ist quasi unendlich verlängerbar, wenn man einen Pouf nach den anderen setzen würde. Bei meiner Retrospektive in Grand-Hornu habe ich den Sessel vor einem Spiegel positioniert, so dass, wenn man den Raum betrat, er optisch bis ins Unendliche verlängert wurde. Diese Idee verweist auf Achille Castiglioni, der in seinem Büro in Mailand Spiegel ähnlich einsetzte, um zu sehen, wer den Raum betrat.

„Ein Stuhl ist ein Stuhl, wenn man darin sitzt – aber zuallererst ist es eine Form“, haben sie einmal gesagt. Wie entwerfen Sie mit dieser Haltung Möbel?

Pierre Charpin: Ich fertige nicht so viele Modelle an wie etwa Konstantin Grcic oder Stefan Diez. Ich denke beim Zeichnen, das heißt, ich beschäftige mich nicht erst nur gedanklich mit einer Idee, sondern beginne sofort mit dem Zeichnen – zunächst sehr frei und unkonkret. Die Zeichnungen helfen mir dabei, Ideen zu verwerfen – ich werfe sie wirklich weg, fini! Wenn ich etwa ein Sofa gestalte, fertige ich viele, viele, viele Skizzen an, die auch Sofas anderer Designer zitieren. Davon muss ich mich befreien, um das tatsächlich Neue herauszuarbeiten. Wenn es dann auf die Herstellung von Prototypen zugeht, helfen mir meine Assistenten, die mit CAD-Programmen umgehen können – so etwas beherrsche ich nicht.

Ist Farbe gleich zu Beginn des Entwerfens ein Thema?

Pierre Charpin: Natürlich, weil ich ja mit Farben zeichne. Die Farben verändern und entwickeln sich im Laufe des Prozesses.

Haben sich die Farben der Re-Edition von „Slice“ im Hinblick auf die erste Präsentation im Jahr 1998 verändert? Gibt es feste Farbkombinationen?

Pierre Charpin: Ja, wir haben einiges verändert: Die Qualität des Stoffes und auch die Größe des Sessels haben wir an heutige Bedürfnisse angepasst – er ist etwas größer geworden. Es gibt feste Farbkombinationen, die ich vorgeschlagen habe, aber der Kunde kann auch individuell wählen.

Wieso hat Ligne Roset den Sessel wieder aufgelegt?

Pierre Charpin: Michel Roset verfolgt meine Arbeit seit einigen Jahren. Wir kennen uns gut, ich habe schon ein paar Objekte für Ligne Roset entworfen. Michel hat mich seit langem gefragt, wieso wir „Slice“ nicht wieder auflegen könnten. Es war nicht ganz einfach, weil die rechtliche Situation mit dem ersten Produzenten nicht ganz eindeutig war („Slice“ wurde zunächst von Cinova produziert und ab 1999 von der Galerie Kréo in Paris vertrieben, Anm. d. Red.). Dieses Jahr war es dann soweit.

Sie arbeiten mit der Galerie Kréo zusammen, ihre Objekte tauchen immer wieder in Ausstellungen und Museen auf. Wie würden Sie sich bezeichnen –sind Sie Designer oder Künstler?

Pierre Charpin: (Lacht) Ich bin kein Künstler, ich bin ein Designer. Voilà. Für mich ist Kunst zwar essenziell – ich habe Kunst studiert, meine Eltern sind Künstler. Auch wenn sie mich stark beeinflusst haben, auch wenn ich zeichne und diese Zeichnungen für sich stehen können – ich bin kein Künstler. Ich brauche das Zeichnen, weil ich in diesem Moment von nichts und niemandem abhängig bin. Ich verkaufe die Zeichnungen auch – an Freunde, aber nicht kommerziell. Bis auf wenige Ausnahmen, wie etwa über den Webshop von Sebastian Wrong. Ich habe ihn sogar auf die Idee gebracht, Zeichnungen von Designern zu verkaufen. Aber auch die ist keine Kunstwerke, sondern gehören zum Design.

Sie haben als junger Student bei dem britischen Designer George Sowden gearbeitet, einem der Mitbegründer der Gruppe Memphis. Was denken Sie über das Revival von Memphis?

Pierre Charpin: Das sind die normalen Zyklen, alles kommt wieder. Bon. Als ich zwanzig Jahre alt war, erlebte ich Memphis als eine Art Erweckung. Dadurch bin ich zum Design gekommen. Da war eine wilde Energie, ein Bruch im System. Memphis hatte den gleichen Effekt auf mich, wie Punk zu hören.

Und in welcher Phase des Designs befinden wir uns aktuell?

Pierre Charpin: Derzeit ist Design wie ein Dschungel. Es gibt viele Dinge, aber es gibt nur wenige, die wirklich delikat sind, manche sind sogar giftig (lacht). In den 1980er Jahren, als ich mit dem Design anfing, war diese Welt eine kleine. Sie ist enorm gewachsen, Design ist überall. Ich weiß nicht, ob das gut oder schlecht zu bewerten ist. Aber es gibt nur wenige Dinge, die tatsächlich gut gemacht sind und die mich wirklich interessieren.

www.ligne-roset.de

www.pierrecharpin.com


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(22. Januar 2016)

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(21. Januar 2016)


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ligne roset: MOBIDEC @ Stylepark
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weise
25. Januar 2016
Er ist wieder da: „Slice“ von Pierre Charpin. Martina Metzner hat mit dem französischen Designer über seinen ungewöhnlichen Sessel gesprochen.
Nur wenig hört, sieht oder liest man über Pierre Charpin – der französische Designer meidet das Rampenlicht und konzentriert sich lieber auf seine Arbeit. Seit Jahren kooperiert er mit Unternehmen wie Alessi, Ligne Roset, Zanotta oder Venini und fertigt limitierte Zeichnungen und Objekte für die Galerie Kréo in Paris an. Charpin, der in Bourges Kunst studiert hat, zeigt in seinen Arbeiten eine große Sensibilität für Farbe und Form. Auf der imm cologne, zu der er anlässlich der Wiederauflage seines Sessels „Slice“ bei Ligne Roset angereist war, hat Martina Metzner den „Hidden Star“ des französischen Designs getroffen.

Martina Metzner: Als ich „Slice“ zum ersten Mal gesehen habe, vermutete ich, dass dieser Sessel in 1970er oder 1980er Jahren entsprungen sein müsse – und gleichzeitig erinnerte er mich an eine Raupe …

Pierre Charpin: Da haben Sie Recht. Als ich diesen Sessel vor etwa zwanzig Jahren entwarf, hatte ich verschiedene Objekte und Bilder im Kopf: Einige Sessel aus den 1970er, 1980er Jahren von Achille Castiglioni, bei denen er sich mit unterschiedlichen Festigkeiten von Polsterschaum auseinandergesetzt hat, die Sitzlandschaft „Sormani“ von Joe Colombo, einige Entwürfe von Pierre Paulin und so weiter. Außerdem eine Arbeit von Pino Pascali, ein italienischer Künstler der Arte Povera, der eine überdimensionale Raupe aus industriellen Bürsten kreiert hatte. Bei „Slice“ war von Beginn an die Idee, den Sessel in drei Scheiben zu schneiden, um so zusätzlich einen Pouf zu kreieren und dabei mit verschiedenen Polsterschaum-Stärken zu arbeiten. Später kam zu dem Scheiben-Konzept auch noch ein Spiel mit Farben hinzu.

Wie lang könnte „Slice“ denn werden?

Pierre Charpin: Er ist quasi unendlich verlängerbar, wenn man einen Pouf nach den anderen setzen würde. Bei meiner Retrospektive in Grand-Hornu habe ich den Sessel vor einem Spiegel positioniert, so dass, wenn man den Raum betrat, er optisch bis ins Unendliche verlängert wurde. Diese Idee verweist auf Achille Castiglioni, der in seinem Büro in Mailand Spiegel ähnlich einsetzte, um zu sehen, wer den Raum betrat.

„Ein Stuhl ist ein Stuhl, wenn man darin sitzt – aber zuallererst ist es eine Form“, haben sie einmal gesagt. Wie entwerfen Sie mit dieser Haltung Möbel?

Pierre Charpin: Ich fertige nicht so viele Modelle an wie etwa Konstantin Grcic oder Stefan Diez. Ich denke beim Zeichnen, das heißt, ich beschäftige mich nicht erst nur gedanklich mit einer Idee, sondern beginne sofort mit dem Zeichnen – zunächst sehr frei und unkonkret. Die Zeichnungen helfen mir dabei, Ideen zu verwerfen – ich werfe sie wirklich weg, fini! Wenn ich etwa ein Sofa gestalte, fertige ich viele, viele, viele Skizzen an, die auch Sofas anderer Designer zitieren. Davon muss ich mich befreien, um das tatsächlich Neue herauszuarbeiten. Wenn es dann auf die Herstellung von Prototypen zugeht, helfen mir meine Assistenten, die mit CAD-Programmen umgehen können – so etwas beherrsche ich nicht.

Ist Farbe gleich zu Beginn des Entwerfens ein Thema?

Pierre Charpin: Natürlich, weil ich ja mit Farben zeichne. Die Farben verändern und entwickeln sich im Laufe des Prozesses.

Haben sich die Farben der Re-Edition von „Slice“ im Hinblick auf die erste Präsentation im Jahr 1998 verändert? Gibt es feste Farbkombinationen?

Pierre Charpin: Ja, wir haben einiges verändert: Die Qualität des Stoffes und auch die Größe des Sessels haben wir an heutige Bedürfnisse angepasst – er ist etwas größer geworden. Es gibt feste Farbkombinationen, die ich vorgeschlagen habe, aber der Kunde kann auch individuell wählen.

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Pierre Charpin: Michel Roset verfolgt meine Arbeit seit einigen Jahren. Wir kennen uns gut, ich habe schon ein paar Objekte für Ligne Roset entworfen. Michel hat mich seit langem gefragt, wieso wir „Slice“ nicht wieder auflegen könnten. Es war nicht ganz einfach, weil die rechtliche Situation mit dem ersten Produzenten nicht ganz eindeutig war („Slice“ wurde zunächst von Cinova produziert und ab 1999 von der Galerie Kréo in Paris vertrieben, Anm. d. Red.). Dieses Jahr war es dann soweit.

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Sie haben als junger Student bei dem britischen Designer George Sowden gearbeitet, einem der Mitbegründer der Gruppe Memphis. Was denken Sie über das Revival von Memphis?

Pierre Charpin: Das sind die normalen Zyklen, alles kommt wieder. Bon. Als ich zwanzig Jahre alt war, erlebte ich Memphis als eine Art Erweckung. Dadurch bin ich zum Design gekommen. Da war eine wilde Energie, ein Bruch im System. Memphis hatte den gleichen Effekt auf mich, wie Punk zu hören.

Und in welcher Phase des Designs befinden wir uns aktuell?

Pierre Charpin: Derzeit ist Design wie ein Dschungel. Es gibt viele Dinge, aber es gibt nur wenige, die wirklich delikat sind, manche sind sogar giftig (lacht). In den 1980er Jahren, als ich mit dem Design anfing, war diese Welt eine kleine. Sie ist enorm gewachsen, Design ist überall. Ich weiß nicht, ob das gut oder schlecht zu bewerten ist. Aber es gibt nur wenige Dinge, die tatsächlich gut gemacht sind und die mich wirklich interessieren.

www.ligne-roset.de

www.pierrecharpin.com


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