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Eine Hommage an den seltenen Stein: Für die „Miracle Chips“ aus Marmor ist Michael Anastassiades an die Grenzen dessen gegangen ist, was bei der Verarbeitung dieses Materials überhaupt möglich ist. Foto © Michael Anastassiades
Sonne, Mond und Marmor
von Martina Metzner
9. Juni 2014
Michael Anastassiades ist schon lange kein Unbekannter mehr, gilt der in London lebende Designer mit zypriotischen Wurzeln doch als Meister in der Gestaltung eleganter Leuchten, aber auch anderer Objekte wie Tische, Stühle, Spiegel und Schmuck. Manche seiner Arbeiten sind sogar in den Dauerausstellungen des Museum of Modern Art (MoMA) in New York, im Victoria & Albert Museum in London und im MAK in Wien zu sehen. Aber erst im vergangenen Jahr wurde ein größeres Publikum seines Namens gewahr, als er während des Salone del Mobile für die Ausstellung „Wallpaper Handmade“ seine „Miracle Chips“ enthüllte und die Betrachter staunen ließ: Marmor-Scheiben mit einem Durchmesser von 80 Zentimetern, die mal wie eine offene, tonnenförmige Schale, mal wie überdimensionale Kartoffelchips einwärts gebogen sind.

Um die „Miracle Chips“ herstellen zu können, hat Anastassiades mit der toskanischen Traditionsfirma Henraux zusammengearbeitet, wobei er bis an die Grenzen dessen gegangen ist, was bei der Verarbeitung von Marmor überhaupt möglich ist. Das Material, das wir zumeist mit Skulpturen nicht nur der Renaissance verbinden, in dem wir aber auch eine kühle, in sich belebte Massivität erkennen, erhält durch Anastassiades’ Formgebung plötzlich etwas spielerisch Leichtes, zumal plötzlich jede aufkeimende Verortung und Kategorisierung aufgehoben scheint. Anastassiades erklärt im Gespräch, seine „Miracle Chips“ seien als eine Hommage an diesen seltenen Stein zu verstehen, der – entgegen aller ökonomischen Krisen – derzeit vor allem im europäischen Design ein Revival erlebt. Doch von solchen Trends lässt sich der 47-Jährige nicht beeindrucken: „Mir geht es um das Material, darum, dessen eigentliche Qualität herauszuarbeiten, seine Schönheit zu zeigen.“

Hauptsächlich aber widmet sich Michael Anastassiades der Gestaltung von Leuchten. In seinen Entwürfen verbindet er einfache geometrische Formen so präzise und so galant miteinander, wie man das zuletzt bei Lichtobjekten des Art Déco gesehen hat, auch wenn der Designer seinen Objekten einen kräftigen Schuss Minimalismus verabreicht. Also verbindet er Kugel und Zylinder wie bei der kleinen Tischleuchte „Tip of the Tongue“, zeichnet klare und strenge Linien in den Raum wie beim Deckenleuchtsystem „String Lights“ für Flos oder betont einzelne Achsen wie bei seinem „Mobile Chandelier“, mittlerweile so etwas wie die Königin aller „Mobilé“-Leuchten. Dazu kombiniert er lauter hochwertige Materialien miteinander – mundgeblasenes, mattes Glas, Metalle wie Kupfer und Messing, Steine wie Onyx und Marmor. Aus dem Zusammenspiel von Form und Material entsteht eine perfekte Balance, die dem Betrachter das Gefühl äußerster Harmonie vermittelt. „Ich glaube an Qualität, an die Qualität der Materialien, an die Qualität der Arbeit, die diese Dinge hervorbringt. Ich glaube auch an Einfachheit und Zeitlosigkeit“, erklärt Anastassiades seine Maxime – und fügt hinzu: „Ich will mit meinen Designs die Leute nicht schocken.“

Worin aber liegt das Geheimnis derart schlichter Harmonie? Wo findet Anastassiades die Quellen seiner Inspiration? Speist sie sich aus der Natur, wie uns Berichte über ihn weismachen wollen und wie es die Namen der Leuchten nahezulegen scheinen? „Nein, nicht direkt“, erklärt Anastassiades. Natur sei nicht fundamental für seine Objekte – auch wenn die Namen der Objekte das vermuten lassen wie bei der Leuchte „Baum im Mondschein“, bei der eine beleuchtete Kugel von drei gekreuzten Stäben himmelwärts gehalten wird und nicht nur namentliche sondern auch symbolische Gemeinsamkeiten mit einem Werk von Meret Oppenheim besitzt. Bei seiner Leuchte wie auch bei Meret Oppenheim gehe es nämlich um ein Spiel mit der räumlichen Wahrnehmung, so Anastassiades.

Im Jahr 1993, unmittelbar nach dem Studium des Bauingenieurwesens in London, begann Michael Anastassiades seine Laufbahn als Produktgestalter. Sein erstes Objekt war die „Message Cup“ – ein Holzbecher, in den man Botschaften hineinsprechen kann, sie elektronisch aufgenommen werden, sodass ein anderer sie durch einfaches Umdrehen der Tasse wieder abrufen kann. Heute ist die „Message Cup“ Teil der Dauerausstellung des Victoria & Albert Museums. So sehr der Sprung vom Bauingenieur zum Designer auch gewagt gewesen sein mag, so zielstrebig ging Anastassiades vor und begann nicht nur Objekte zu entwerfen, sondern sie auch zu vertreiben. An dieser Freiheit hält der Gestalter bis heute fest – und hat 2007 dafür eigens die Marke Michael Anastassiades gegründet. So stammen die Haupteinnahmen seines Studios, das er gemeinsam mit fünf Mitarbeitern betreibt und das in sein Privathaus an der Lower Marsh Street im Londoner Stadtteil Waterloo integriert ist, aus dem eigenen Vertrieb. Produzieren lässt Anastassiades in kleinen Handwerksbetrieben vorwiegend in Europa, unter anderen in der Tschechischen Republik oder in Großbritannien. So gesehen sind Leuchten mit Preisen von 615 Pfund (umgerechnet 755 Euro) für „Ball Lights“ oder 780 Pfund (957 Euro) für „Tip of the Tongue“ nicht so hoch wie man vermuten würde. Nur manchmal macht der Meister eleganter Lichtgestaltung eine Ausnahme und tut sich mit Herstellern zusammen – wie erst jüngst mit Flos für „String“, seine erste, mit LEDs ausgestattete Leuchte. Oder mit der Pariser Besteck-Manufaktur Puiforcat, für die er ein Wein-Sommelier-Set entworfen hat, das schon bald auf den Markt kommen soll.

www.michaelanastassiades.com


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Vintage allein reicht nicht: Auf der Messe Design Miami, die parallel zur Art Basel stattfindet, fehlten eine kuratorische Handschrift, spannende Ausstellungen und Statements.
(16. Juni 2013)
„String Lights“ von Michael Anastassiades für Flos. Foto © Flos
Michael Anastassiades. Foto © Michael Anastassiades
Die Mutter aller „Mobilé“-Leuchten: „Mobile Chandelier 3” von Michael Anastassiades.
Foto © Michael Anastassiades
„Mir geht es um das Material, darum, dessen eigentliche Qualität herauszuarbeiten“:
„Copper Mirror 1” von Michael Anastassiades. Foto © Michael Anastassiades
„Tree in the Moonlight” ist inspiriert von dem gleichnamigen Gemälde von Meret Oppenheim.
Foto © Michael Anastassiades
„Lit Lines 2” von Michael Anastassiades. Foto © Michael Anastassiades
„Strip Light” von Michael Anastassiades. Foto © Michael Anastassiades
Spiel mit der Geometrie: „Tip of the Tongue” von Michael Anastassiades.
Foto © Michael Anastassiades
„Faceted Table” ist Michael Anastassiades' persönlicher Esszimmertisch. Foto © Michael Anastassiades
Produkte
Swarovski: Tulsa 1 @ Stylepark
Swarovski
Tulsa 1
Michael Anastassiades
Swarovski: Tulsa 2 @ Stylepark
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Tulsa 2
Michael Anastassiades
Flos: String Light Sphere @ Stylepark
Flos
String Light Sphere
Michael Anastassiades
Flos: String Light Cone @ Stylepark
Flos
String Light Cone
Michael Anastassiades
News & Stories › 2014 › Juni
Sonne, Mond und Marmor
von Martina Metzner | 9. Juni 2014
Wenn es um die Gestaltung fragiler, minimalistisch-eleganter Leuchten geht, gilt der in Zypern geborene und in London lebende Designer Michael Anastassiades als Meister seines Fachs. Doch auch aus einem massiven Marmorblock vermag er erstaunliche Formen hervorzulocken.
Michael Anastassiades ist schon lange kein Unbekannter mehr, gilt der in London lebende Designer mit zypriotischen Wurzeln doch als Meister in der Gestaltung eleganter Leuchten, aber auch anderer Objekte wie Tische, Stühle, Spiegel und Schmuck. Manche seiner Arbeiten sind sogar in den Dauerausstellungen des Museum of Modern Art (MoMA) in New York, im Victoria & Albert Museum in London und im MAK in Wien zu sehen. Aber erst im vergangenen Jahr wurde ein größeres Publikum seines Namens gewahr, als er während des Salone del Mobile für die Ausstellung „Wallpaper Handmade“ seine „Miracle Chips“ enthüllte und die Betrachter staunen ließ: Marmor-Scheiben mit einem Durchmesser von 80 Zentimetern, die mal wie eine offene, tonnenförmige Schale, mal wie überdimensionale Kartoffelchips einwärts gebogen sind.

Um die „Miracle Chips“ herstellen zu können, hat Anastassiades mit der toskanischen Traditionsfirma Henraux zusammengearbeitet, wobei er bis an die Grenzen dessen gegangen ist, was bei der Verarbeitung von Marmor überhaupt möglich ist. Das Material, das wir zumeist mit Skulpturen nicht nur der Renaissance verbinden, in dem wir aber auch eine kühle, in sich belebte Massivität erkennen, erhält durch Anastassiades’ Formgebung plötzlich etwas spielerisch Leichtes, zumal plötzlich jede aufkeimende Verortung und Kategorisierung aufgehoben scheint. Anastassiades erklärt im Gespräch, seine „Miracle Chips“ seien als eine Hommage an diesen seltenen Stein zu verstehen, der – entgegen aller ökonomischen Krisen – derzeit vor allem im europäischen Design ein Revival erlebt. Doch von solchen Trends lässt sich der 47-Jährige nicht beeindrucken: „Mir geht es um das Material, darum, dessen eigentliche Qualität herauszuarbeiten, seine Schönheit zu zeigen.“

Hauptsächlich aber widmet sich Michael Anastassiades der Gestaltung von Leuchten. In seinen Entwürfen verbindet er einfache geometrische Formen so präzise und so galant miteinander, wie man das zuletzt bei Lichtobjekten des Art Déco gesehen hat, auch wenn der Designer seinen Objekten einen kräftigen Schuss Minimalismus verabreicht. Also verbindet er Kugel und Zylinder wie bei der kleinen Tischleuchte „Tip of the Tongue“, zeichnet klare und strenge Linien in den Raum wie beim Deckenleuchtsystem „String Lights“ für Flos oder betont einzelne Achsen wie bei seinem „Mobile Chandelier“, mittlerweile so etwas wie die Königin aller „Mobilé“-Leuchten. Dazu kombiniert er lauter hochwertige Materialien miteinander – mundgeblasenes, mattes Glas, Metalle wie Kupfer und Messing, Steine wie Onyx und Marmor. Aus dem Zusammenspiel von Form und Material entsteht eine perfekte Balance, die dem Betrachter das Gefühl äußerster Harmonie vermittelt. „Ich glaube an Qualität, an die Qualität der Materialien, an die Qualität der Arbeit, die diese Dinge hervorbringt. Ich glaube auch an Einfachheit und Zeitlosigkeit“, erklärt Anastassiades seine Maxime – und fügt hinzu: „Ich will mit meinen Designs die Leute nicht schocken.“

Worin aber liegt das Geheimnis derart schlichter Harmonie? Wo findet Anastassiades die Quellen seiner Inspiration? Speist sie sich aus der Natur, wie uns Berichte über ihn weismachen wollen und wie es die Namen der Leuchten nahezulegen scheinen? „Nein, nicht direkt“, erklärt Anastassiades. Natur sei nicht fundamental für seine Objekte – auch wenn die Namen der Objekte das vermuten lassen wie bei der Leuchte „Baum im Mondschein“, bei der eine beleuchtete Kugel von drei gekreuzten Stäben himmelwärts gehalten wird und nicht nur namentliche sondern auch symbolische Gemeinsamkeiten mit einem Werk von Meret Oppenheim besitzt. Bei seiner Leuchte wie auch bei Meret Oppenheim gehe es nämlich um ein Spiel mit der räumlichen Wahrnehmung, so Anastassiades.

Im Jahr 1993, unmittelbar nach dem Studium des Bauingenieurwesens in London, begann Michael Anastassiades seine Laufbahn als Produktgestalter. Sein erstes Objekt war die „Message Cup“ – ein Holzbecher, in den man Botschaften hineinsprechen kann, sie elektronisch aufgenommen werden, sodass ein anderer sie durch einfaches Umdrehen der Tasse wieder abrufen kann. Heute ist die „Message Cup“ Teil der Dauerausstellung des Victoria & Albert Museums. So sehr der Sprung vom Bauingenieur zum Designer auch gewagt gewesen sein mag, so zielstrebig ging Anastassiades vor und begann nicht nur Objekte zu entwerfen, sondern sie auch zu vertreiben. An dieser Freiheit hält der Gestalter bis heute fest – und hat 2007 dafür eigens die Marke Michael Anastassiades gegründet. So stammen die Haupteinnahmen seines Studios, das er gemeinsam mit fünf Mitarbeitern betreibt und das in sein Privathaus an der Lower Marsh Street im Londoner Stadtteil Waterloo integriert ist, aus dem eigenen Vertrieb. Produzieren lässt Anastassiades in kleinen Handwerksbetrieben vorwiegend in Europa, unter anderen in der Tschechischen Republik oder in Großbritannien. So gesehen sind Leuchten mit Preisen von 615 Pfund (umgerechnet 755 Euro) für „Ball Lights“ oder 780 Pfund (957 Euro) für „Tip of the Tongue“ nicht so hoch wie man vermuten würde. Nur manchmal macht der Meister eleganter Lichtgestaltung eine Ausnahme und tut sich mit Herstellern zusammen – wie erst jüngst mit Flos für „String“, seine erste, mit LEDs ausgestattete Leuchte. Oder mit der Pariser Besteck-Manufaktur Puiforcat, für die er ein Wein-Sommelier-Set entworfen hat, das schon bald auf den Markt kommen soll.

www.michaelanastassiades.com


MEHR auf Stylepark:

15 Fragen an Paul Cocksedge: Der in London lebende Lichtdesigner über seine jüngsten Projekte, seine anstehende Einzelausstellung in New York und seine Faszination für die Idee des Crowd-Fundind.
(1. September 2013)

Vintage allein reicht nicht: Auf der Messe Design Miami, die parallel zur Art Basel stattfindet, fehlten eine kuratorische Handschrift, spannende Ausstellungen und Statements.
(16. Juni 2013)