transparent_layer
db-images/cms/banner/img/l1_v369373_958_728_90-1.jpg
Blättern: First Back
von 2143 Forward End
Siegerstimmung in Berlin: Der mexikanische Architekt und Stadtplaner José Castillo, der gemeinsam mit Gabriella Gomez-Mont und Carlos Gershenson ein „Betriebssystem für urbane Mobilität“ für Mexico City entwickelt hat, empfängt den Audi Urban Future Award von AUDI AG Vorstandsvorsitzendem Rupert Stadler (im Bild links). Foto © Audi Urban Future Initiative
Spende Daten. Rette Stadt
von Ludwig Engel
13. November 2014
Vor dem Hintergrund der Megatrends „Urbanisierung“ und „Digitalisierung“ hatte die AUDI AG gemeinsam mit Stylepark zum dritten Mal einen Wettbewerb für innovative Mobilitätslösungen ausgerufen. Unter dem Motto „Auto findet Stadt“ forschten dazu vier Teams über neun Monate hinweg und in Zusammenarbeit mit Experten des Audi-Konzerns an neuen Lösungen für die Mobilität der Gegenwart und der Zukunft.

War die erste Ausgabe des Audi Urban Future Award im Jahr 2010 noch ein Ideenwettbewerb für urbane Visionen der Zukunft (Gewinner: „A.Way“ – Jürgen Mayer H.), so richtete sich 2012 das Augenmerk des zweiten Awards auf großflächige Agglomerate und Metropolen von der Region „BosWash“ zwischen Boston und Washington über Mumbai, das Pearl River Delta und Istanbul bis São Paulo und untersuchte deren künftige Entwicklungsmöglichkeiten (Gewinner: „Shareway“ – Höweler+Yoon). In diesem Jahr war der Arbeitsauftrag an die Teilnehmer konkreter und spezifischer gefasst: Im Vordergrund stand die Frage, wie „effiziente Mobilität, nachhaltige Urbanität und Lebensqualität gestaltet werden können,“ so Audi-Vorstandsvorsitzender Rupert Stadler.

Statt auf das große Ganze zu schauen, wurden daher der Business District Santa Fe in Mexico City, der Bostoner Vorort Somerville, die Nachnutzung des Flughafenareals Berlin-Tegel und das Szeneviertel Gangnam in Seoul dahingehend untersucht, welche Verbesserungen im urbanen Mobilitätsumfeld durch den Einsatz von digitalen Technologien nicht nur möglich erscheinen, sondern wie sie sich konkret erreichen lassen.

Team Mexico City

Die Gewinner aus Mexico City traten mit der Ambition an, „das Auto vom Verursacher der Probleme zur Lösung der Probleme zu machen“, wie es der in Harvard lehrende Stadtforscher José Castillo formulierte. In Mexico City treffen täglich 9 Millionen Autos auf eine völlig überforderte Infrastruktur. Ein permanenter Verkehrskollaps und lange Staus sind die Folge. Um diesem Chaos Herr zu werden, entwickelte das Team eine Datenplattform, auf der über eine Smartphone-App freiwillig gesammelte Daten von Autofahrern in Echtzeit die städtische Verkehrssituation abbildet. Das soll die Verkehrssituation in der Megametropole einerseits dahingehend verändern, dass die Stadt selbst ihre Verkehrsinfrastrukturen bedarfsgerechter ausbauen kann. Andererseits werden die Autofahrer durch die zusätzlichen Informationen selbst in die Lage versetzt, ihre Fahrten besser planen zu können: Durch veränderte Routen und Zeitplanungen, durch Carpooling – und generell durch ein besseres Verständnis für ihre selbst hervorgerufene Situation.

Um all das erreichen zu können, setzen José Castillo, IT-Experte Carlos Gershenson und die Leiterin des Innovationslabors von Mexiko City, Gabriella Gomez-Mont, auf eine freiwillige Datenspende zur Bildung der Gemeinschaft. Ganz im Sinne Otto Neuraths, hatte doch schon der Österreicher mit seinen legendären Informationsgraphiken die Idee verfolgt, Menschen handelten nicht mutwillig falsch, sondern aufgrund von fehlenden Informationen. Ebenfalls im Geist selbstbestimmten Handelns entwickelte das Team Mexico City ein Analysetool, das nicht willkürlich irgendwelche, sondern vor allem relevante Daten aktueller Autofahrer – ihrer Strecken und Fahrtmotive – aufzeichnet und somit die Möglichkeit einer intelligenten Verkehrssteuerung ermöglicht, die weitestgehend ohne großflächige Investition in neue Verkehrsinfrastrukturen auskommt. Kurz gesagt: Es geht um die Optimierung vorhandener Verkehrsflüsse statt um eine Revolution in Sachen Mobilität.

Team Boston

Das Team Boston, bestehend aus den Stadtplanern Philip Parsons und Janne Corneil und unterstützt von dem Mobilitätsexperten Federico Parolotto, entwickelte für sein Konzept „Multi Modal Mobility Market“ (4M) eine aufwendige Steuerungssoftware. Mithilfe dieses „Urban Dashboards“ analysierten sie Somerville, einen im dynamischen Wandel befindlichen Vorort Bostons, unter Einbeziehung großer Mengen an Daten. Die Software verspricht urbane Transformationen soweit zu simulieren, dass Programmierungen neuer oder umzunutzender Gebäude antizipiert werden können.

Im Somerville-Entwurf erweist sich das hochtechnologisch Geplante als überraschend menschlich: Somerville sieht in etwa so aus, als wäre Jane Jacobs Theorie zur lebenswerten Stadt über die Parkplätze und charakterlosen Architekturen gelegt worden. Jacobs Mantra von Funktions-, Maßstabs- und Sozialdurchmischung ist allgegenwärtig: In kleinen, den Londoner „Mews“ nachempfundenen Gässchen, entstehen kreative Dörfer, gut abgeschirmt vom situativ-optimal verknüpften multimodalen Verkehrsangebot, der den Vorort mit der weitläufigen urbanen Agglomeration verknüpft.

Team Berlin

Für einen anderen Ansatz hat sich das Team Berlin entschieden: Der Architekt Max Schwitalla, der Aufzugexperte Paul Friedli und der Neurowissenschaftler Arndt Pechstein entwickelten in einem Mix aus Erkenntnissen der Fahrstuhlwissenschaft und biologischem Mimikry ein neues urbanes Gefährt, das sogenannte „Flywheel“. Das kreisrunde Gefährt, das sich zu größeren Verbänden zusammenschließen lässt, nutzt parasitär die bestehenden Verkehrsinfrastrukturen von Straße und Schiene und entledigt sich damit in bester Science-Fiction-Manier der herkömmlichen automobilen Individualmobilität. Ergebnis dieser Zukunftsvision des Teams Berlin: Ein urbanes Arkadien ohne parkende Autos, ohne Staus, mit viel öffentlichem Raum und neuen Bekanntschaften auf den Reisen durch die Stadt im „Flywheel“.

Team Seoul

Die Koreaner Sung Gul Hwang, Ethnograph und Experience Stratege, der Stadtplaner Taig Youn Cho und der Produktdesigner Yeongkyu Yoo präsentierten schließlich ihre Analyse des hippen Stadtviertels Gangnam in Seoul. Aufwendige Bewohner- und Nutzersegmentierungen führten zu einer Vision, in der das Auto zu einer beweglichen Kapsel wird, ganz so als wäre sie Archigrams Vision einer „Plug-in City“ der Sixties entsprungen. Die autonom fahrenden Kapseln bieten aber nicht nur Rückzugsraum für verschiedene Aktivitäten. Sie sind gleichzeitig Stadtkommunikator und Stadtspielfläche, also so eng mit der Stadtstruktur verwoben, dass das Auto ein Teil der Stadt wird. Die hochdigitale koreanische Gesellschaft bekommt im Entwurf des Teams Seoul eine fast schon post-digitale Anmutung: Alles ist von unseren Kommunikationsnetzen durchdrungen, der Mensch aber findet trotz (oder gerade wegen) der Technologie wieder zu seinem Maßstab zurück.

Urbanes Lebens konkret verbessern

Wird in all den Vorschlägen, die im Rahmen des Audi Urban Future Award 2014 erarbeitet wurden, erkennbar, auf was für eine urbane Mobilität der Zukunft wir zusteuern? Sicherlich nicht direkt. Deutlich wird aber, wie viele unterschiedliche Möglichkeiten existieren, den über den Städten liegenden Datennebel zu lichten und die darin verborgenen Informationen produktiv zur konkreten Verbesserung der urbanen Lebensbedingungen einzusetzen. Gleichzeitig werden die vielfältigen Chancen sichtbar, die für Stadtforschung, Stadtplanung, Stadtnutzung und Mobilität in der Analyse der digitalen Hülle liegen, die unaufhaltsam nicht nur unsere Städte, sondern auch unseren Alltag umgibt und bestimmt.

Welche Erkenntnisse wird Audi aufnehmen und umsetzen? Welche Vorschläge werden weiter verfolgt und implementiert? Welche Erfolge und welche Hemmnisse liegen auf dem Weg von der Vision zu ihrer Realisierung? Man darf gespannt sein, wie es weitergeht.

www.audi-urban-future-initiative.com
www.arq911.com


MEHR auf Stylepark:

Diese Stadt ist blind, taub und dumm: Team Mexiko Stadt: Betrachtet man Mexiko Stadt als Organismus, benötigt die Metropole in Zukunft Augen, Ohren und Gehirn.
(18. August 2014)

Systemoptimierung, Team Mexiko: José Castillo, Carlos Gershenson und Gabriella Gomez-Mont sind auf der Suche nach Lösungen für dieses Verkehrsproblem.
(21. April 2014)

Mein Kollege, das Roboter-Auto: Könnte das pilotierte Fahren irgendwann einmal den Job von Fahrlehrern kosten?
(9. November 2014)


Das Gewinnerteam des Audi Urban Future Award 2014 setzt auf Hilfe zur Selbsthilfe und macht mobile Menschen zu Datenspendern. Foto © Audi Urban Future Initiative
Nicht nur Pendler können über eine Webseite und eine App ihre eigenen Bewegungsdaten mit anderen Nutzern teilen. Foto © Audi Urban Future Initiative
Stehen genügend Echtzeit-Daten zur Verfügung, können Menschen ihr Verhalten an die Vorhersagen anpassen. Foto © Audi Urban Future Initiative
Team Boston: Die Stadtentwicklungs- und Mobilitätsexperten Federico Parolotto, Janne Corneil und Philip Parsons. Foto © Audi Urban Future Initiative
Für den Bostoner Vorort Somerville entwickelte das Team Boston die innovative Technologie „Multi-Modal Mobility Marketplace“ (4M). Foto © Audi Urban Future Initiative
Team Berlin: Fahrstuhlexperte Paul Friedli, Architekt Max Schwitalla und Neurowissenschaftler Arndt Pechstein (v.l.n.r.). Foto © Audi Urban Future Initiative
Das Mobilitätskonzept „Fly Wheels“ vom Team Berlin setzt auf neuartige Vehikel, die im Kollektiv und individuell einsetzbar sind – und den Flughafen Berlin-Tegel mit der Stadt verbinden.
Foto © Audi Urban Future Initiative
Team Seoul: Produkt Designer Yeongkyu Yoo, Ethnograph Sung Gul Hwang und Stadtplaner
Taig Youn Cho (v.l.n.r.). Foto © Audi Urban Future Initiative
Dank des neuartigen Kapsel-Auto „Moveable“ mit digitalen Helfern macht das Team Seoul jeden Stau zum Ausflug in den Freizeitpark. Foto © Audi Urban Future Initiative
Team Mexico City stellt in einem Film sein Konzept „Betriebssystems für urbane Mobilität“ vor. Video © Audi Urban Future Initiative
José Castillo präsentiert sein Konzept bei der Preisverleihung in Berlin. Video © Audi Urban Future Initiative
News & Stories › 2014 › November
Spende Daten. Rette Stadt
von Ludwig Engel | 13. November 2014
Der Audi Urban Future Award 2014 geht nach Mexico City. Mit ihrem Vorschlag für ein „Betriebssystem für urbane Mobilität“ hat sich die interdisziplinäre Forschergruppe um José Castillo gegen Teams aus Boston, Berlin und Seoul durchgesetzt.
Vor dem Hintergrund der Megatrends „Urbanisierung“ und „Digitalisierung“ hatte die AUDI AG gemeinsam mit Stylepark zum dritten Mal einen Wettbewerb für innovative Mobilitätslösungen ausgerufen. Unter dem Motto „Auto findet Stadt“ forschten dazu vier Teams über neun Monate hinweg und in Zusammenarbeit mit Experten des Audi-Konzerns an neuen Lösungen für die Mobilität der Gegenwart und der Zukunft.

War die erste Ausgabe des Audi Urban Future Award im Jahr 2010 noch ein Ideenwettbewerb für urbane Visionen der Zukunft (Gewinner: „A.Way“ – Jürgen Mayer H.), so richtete sich 2012 das Augenmerk des zweiten Awards auf großflächige Agglomerate und Metropolen von der Region „BosWash“ zwischen Boston und Washington über Mumbai, das Pearl River Delta und Istanbul bis São Paulo und untersuchte deren künftige Entwicklungsmöglichkeiten (Gewinner: „Shareway“ – Höweler+Yoon). In diesem Jahr war der Arbeitsauftrag an die Teilnehmer konkreter und spezifischer gefasst: Im Vordergrund stand die Frage, wie „effiziente Mobilität, nachhaltige Urbanität und Lebensqualität gestaltet werden können,“ so Audi-Vorstandsvorsitzender Rupert Stadler.

Statt auf das große Ganze zu schauen, wurden daher der Business District Santa Fe in Mexico City, der Bostoner Vorort Somerville, die Nachnutzung des Flughafenareals Berlin-Tegel und das Szeneviertel Gangnam in Seoul dahingehend untersucht, welche Verbesserungen im urbanen Mobilitätsumfeld durch den Einsatz von digitalen Technologien nicht nur möglich erscheinen, sondern wie sie sich konkret erreichen lassen.

Team Mexico City

Die Gewinner aus Mexico City traten mit der Ambition an, „das Auto vom Verursacher der Probleme zur Lösung der Probleme zu machen“, wie es der in Harvard lehrende Stadtforscher José Castillo formulierte. In Mexico City treffen täglich 9 Millionen Autos auf eine völlig überforderte Infrastruktur. Ein permanenter Verkehrskollaps und lange Staus sind die Folge. Um diesem Chaos Herr zu werden, entwickelte das Team eine Datenplattform, auf der über eine Smartphone-App freiwillig gesammelte Daten von Autofahrern in Echtzeit die städtische Verkehrssituation abbildet. Das soll die Verkehrssituation in der Megametropole einerseits dahingehend verändern, dass die Stadt selbst ihre Verkehrsinfrastrukturen bedarfsgerechter ausbauen kann. Andererseits werden die Autofahrer durch die zusätzlichen Informationen selbst in die Lage versetzt, ihre Fahrten besser planen zu können: Durch veränderte Routen und Zeitplanungen, durch Carpooling – und generell durch ein besseres Verständnis für ihre selbst hervorgerufene Situation.

Um all das erreichen zu können, setzen José Castillo, IT-Experte Carlos Gershenson und die Leiterin des Innovationslabors von Mexiko City, Gabriella Gomez-Mont, auf eine freiwillige Datenspende zur Bildung der Gemeinschaft. Ganz im Sinne Otto Neuraths, hatte doch schon der Österreicher mit seinen legendären Informationsgraphiken die Idee verfolgt, Menschen handelten nicht mutwillig falsch, sondern aufgrund von fehlenden Informationen. Ebenfalls im Geist selbstbestimmten Handelns entwickelte das Team Mexico City ein Analysetool, das nicht willkürlich irgendwelche, sondern vor allem relevante Daten aktueller Autofahrer – ihrer Strecken und Fahrtmotive – aufzeichnet und somit die Möglichkeit einer intelligenten Verkehrssteuerung ermöglicht, die weitestgehend ohne großflächige Investition in neue Verkehrsinfrastrukturen auskommt. Kurz gesagt: Es geht um die Optimierung vorhandener Verkehrsflüsse statt um eine Revolution in Sachen Mobilität.

Team Boston

Das Team Boston, bestehend aus den Stadtplanern Philip Parsons und Janne Corneil und unterstützt von dem Mobilitätsexperten Federico Parolotto, entwickelte für sein Konzept „Multi Modal Mobility Market“ (4M) eine aufwendige Steuerungssoftware. Mithilfe dieses „Urban Dashboards“ analysierten sie Somerville, einen im dynamischen Wandel befindlichen Vorort Bostons, unter Einbeziehung großer Mengen an Daten. Die Software verspricht urbane Transformationen soweit zu simulieren, dass Programmierungen neuer oder umzunutzender Gebäude antizipiert werden können.

Im Somerville-Entwurf erweist sich das hochtechnologisch Geplante als überraschend menschlich: Somerville sieht in etwa so aus, als wäre Jane Jacobs Theorie zur lebenswerten Stadt über die Parkplätze und charakterlosen Architekturen gelegt worden. Jacobs Mantra von Funktions-, Maßstabs- und Sozialdurchmischung ist allgegenwärtig: In kleinen, den Londoner „Mews“ nachempfundenen Gässchen, entstehen kreative Dörfer, gut abgeschirmt vom situativ-optimal verknüpften multimodalen Verkehrsangebot, der den Vorort mit der weitläufigen urbanen Agglomeration verknüpft.

Team Berlin

Für einen anderen Ansatz hat sich das Team Berlin entschieden: Der Architekt Max Schwitalla, der Aufzugexperte Paul Friedli und der Neurowissenschaftler Arndt Pechstein entwickelten in einem Mix aus Erkenntnissen der Fahrstuhlwissenschaft und biologischem Mimikry ein neues urbanes Gefährt, das sogenannte „Flywheel“. Das kreisrunde Gefährt, das sich zu größeren Verbänden zusammenschließen lässt, nutzt parasitär die bestehenden Verkehrsinfrastrukturen von Straße und Schiene und entledigt sich damit in bester Science-Fiction-Manier der herkömmlichen automobilen Individualmobilität. Ergebnis dieser Zukunftsvision des Teams Berlin: Ein urbanes Arkadien ohne parkende Autos, ohne Staus, mit viel öffentlichem Raum und neuen Bekanntschaften auf den Reisen durch die Stadt im „Flywheel“.

Team Seoul

Die Koreaner Sung Gul Hwang, Ethnograph und Experience Stratege, der Stadtplaner Taig Youn Cho und der Produktdesigner Yeongkyu Yoo präsentierten schließlich ihre Analyse des hippen Stadtviertels Gangnam in Seoul. Aufwendige Bewohner- und Nutzersegmentierungen führten zu einer Vision, in der das Auto zu einer beweglichen Kapsel wird, ganz so als wäre sie Archigrams Vision einer „Plug-in City“ der Sixties entsprungen. Die autonom fahrenden Kapseln bieten aber nicht nur Rückzugsraum für verschiedene Aktivitäten. Sie sind gleichzeitig Stadtkommunikator und Stadtspielfläche, also so eng mit der Stadtstruktur verwoben, dass das Auto ein Teil der Stadt wird. Die hochdigitale koreanische Gesellschaft bekommt im Entwurf des Teams Seoul eine fast schon post-digitale Anmutung: Alles ist von unseren Kommunikationsnetzen durchdrungen, der Mensch aber findet trotz (oder gerade wegen) der Technologie wieder zu seinem Maßstab zurück.

Urbanes Lebens konkret verbessern

Wird in all den Vorschlägen, die im Rahmen des Audi Urban Future Award 2014 erarbeitet wurden, erkennbar, auf was für eine urbane Mobilität der Zukunft wir zusteuern? Sicherlich nicht direkt. Deutlich wird aber, wie viele unterschiedliche Möglichkeiten existieren, den über den Städten liegenden Datennebel zu lichten und die darin verborgenen Informationen produktiv zur konkreten Verbesserung der urbanen Lebensbedingungen einzusetzen. Gleichzeitig werden die vielfältigen Chancen sichtbar, die für Stadtforschung, Stadtplanung, Stadtnutzung und Mobilität in der Analyse der digitalen Hülle liegen, die unaufhaltsam nicht nur unsere Städte, sondern auch unseren Alltag umgibt und bestimmt.

Welche Erkenntnisse wird Audi aufnehmen und umsetzen? Welche Vorschläge werden weiter verfolgt und implementiert? Welche Erfolge und welche Hemmnisse liegen auf dem Weg von der Vision zu ihrer Realisierung? Man darf gespannt sein, wie es weitergeht.

www.audi-urban-future-initiative.com
www.arq911.com


MEHR auf Stylepark:

Diese Stadt ist blind, taub und dumm: Team Mexiko Stadt: Betrachtet man Mexiko Stadt als Organismus, benötigt die Metropole in Zukunft Augen, Ohren und Gehirn.
(18. August 2014)

Systemoptimierung, Team Mexiko: José Castillo, Carlos Gershenson und Gabriella Gomez-Mont sind auf der Suche nach Lösungen für dieses Verkehrsproblem.
(21. April 2014)

Mein Kollege, das Roboter-Auto: Könnte das pilotierte Fahren irgendwann einmal den Job von Fahrlehrern kosten?
(9. November 2014)