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Tatiana Bilbaos Ortskenntnis
von Sophia Walk | 3. April 2014
Die Erde, die dem Beton für „Casa Ajijic“ beigemischt wurde, ist charakteristisch für Tatiana Bilbaos Entwurf dieses Wohnhauses in Jalisco im Westen Mexicos. Auch im Innenraum ist der Sichtstampfbeton prägend. Foto © Iwan Baan
Als den Wendepunkt in ihrem Schaffen beschreibt die mexikanische Architektin Tatiana Bilbao das Projekt des Wohnhauses für den Künstler Gabriel Orozco. Bis dahin entwarf Bilbao nach eigener Aussage so, wie es ihr in der Universität mit auf dem Weg gegeben wurde: Alles kann überall mit allen Materialien gebaut werden, erzählte die Architektin in einem Interview für Baunetz Florian Heilmeyer. Die Abgelegenheit des schwer zugänglichen Bauplatzes an der Pazifikküste Mexikos brachte Bilbao dazu, örtliche Baumaterialien zu verwenden und lokale Konstruktionsprinzipien einzusetzen.

Bilbaos Interpretation des Genius loci

Nach diesem Projekt war für die 1972 in Mexico City geborene Architektin nichts mehr wie zuvor: Der Ort bestimmt ihre Architektur. Und damit ist nicht nur die unmittelbare Umgebung gemeint, sondern auch das ortsspezifische Wissen der ansässigen Bewohner, deren Arbeitsweisen und vor allem die lokalen Baumaterialien. All das dient als Grundlage für ihren Entwurfsprozess.

Das Erforschen der lokalen Bedingungen führte im Falle des Wohnhauses „Casa Ajijic“ 2011 in Jalisco im Westen Mexikos zur Entscheidung, hauptsächlich gestampfte Erde zu verwenden. Beton wäre für dieses Projekt zu teuer gewesen, das lokale Holz zu brüchig. „Die Stampfmischung aus Erde und Zement hingegen konnte Tragstruktur, Dämmung und Sichtoberfläche in einem werden.“, so die Architektin im Interview mit Florian Heilmeyer über die Wahl des Baumaterials.

Grüne Patina gewünscht

Auch der „Jardín Botanico“, der Botanische Garten in Culiacán, einer Stadt im Nordwesten Mexikos im Bundesstaat Sinaloa, spiegelt die sensible und anschauliche Arbeitsweise der Architektin wieder. Sie inszeniert eine Wegführung, die die Parklandschaft mit den Bauten des Gartens verwebt. Gesäumt werden die Wege von 16 Pavillons, die den vor 30 Jahren angelegten Botanischen Garten inmitten der Stadt durch zusätzliche Nutzungsangebote erweitern – so soll die Attraktivität des Stadtparks erhöht werden. In den kleinen Pavillons befinden sich Lernräume, Sonderausstellungen und auch ein Auditorium. Die Gebäude wurden in diesem Jahr fertig gestellt, doch ihre Fassade wird sich mit der Zeit verändern. Nach Bilbao sollen die Oberflächen der Pavillons durch die Luftfeuchtigkeit eine grüne Patina ansetzen und sich so der Umgebung anpassen.

Tatiana Bilbaos Wissen um den Ort bestimmt ihre Gebäude. In ihren Augen stützt sich die Qualität von Architektur auf die Menschen, die das Gebäude bauen und mit welchen Materialien und Techniken sie zu arbeiten gewohnt sind. Bilbaos Architektur sind zeitgemäße Gebäude, die die Tradition einschließen, anstatt sie zu negieren.
Schnittzeichnung des Wohnhauses “Casa Ajijic”. Zeichnung © Tatiana Bilbao
Im Botanischen Garten in Culiacán verfolgt Tatiana Bilbao die Idee einer komplexen Wegführung durch die Landschaft. Foto © Iwan Baan
Grundriss eines Pavillons des Botanischen Gartens. Zeichnung © Tatiana Bilbao
Die Wege durch den Botanischen Garten werden gesäumt von insgesamt 16 Pavillons. Zeichnung © Tatiana Bilbao
Schnittzeichnung eines Pavillons des Botanischen Gartens in Culiacán. Zeichnung © Tatiana Bilbao
Architektur › 2014 › April
Tatiana Bilbaos Ortskenntnis
von Sophia Walk | 3. April 2014
Die Mexikanerin Tatiana Bilbao entwirft Gebäude, die sensibel auf die Bedingungen des jeweiligen Ortes eingehen und schafft eine Architektur, die angenehm irritiert.
Als den Wendepunkt in ihrem Schaffen beschreibt die mexikanische Architektin Tatiana Bilbao das Projekt des Wohnhauses für den Künstler Gabriel Orozco. Bis dahin entwarf Bilbao nach eigener Aussage so, wie es ihr in der Universität mit auf dem Weg gegeben wurde: Alles kann überall mit allen Materialien gebaut werden, erzählte die Architektin in einem Interview für Baunetz Florian Heilmeyer. Die Abgelegenheit des schwer zugänglichen Bauplatzes an der Pazifikküste Mexikos brachte Bilbao dazu, örtliche Baumaterialien zu verwenden und lokale Konstruktionsprinzipien einzusetzen.

Bilbaos Interpretation des Genius loci

Nach diesem Projekt war für die 1972 in Mexico City geborene Architektin nichts mehr wie zuvor: Der Ort bestimmt ihre Architektur. Und damit ist nicht nur die unmittelbare Umgebung gemeint, sondern auch das ortsspezifische Wissen der ansässigen Bewohner, deren Arbeitsweisen und vor allem die lokalen Baumaterialien. All das dient als Grundlage für ihren Entwurfsprozess.

Das Erforschen der lokalen Bedingungen führte im Falle des Wohnhauses „Casa Ajijic“ 2011 in Jalisco im Westen Mexikos zur Entscheidung, hauptsächlich gestampfte Erde zu verwenden. Beton wäre für dieses Projekt zu teuer gewesen, das lokale Holz zu brüchig. „Die Stampfmischung aus Erde und Zement hingegen konnte Tragstruktur, Dämmung und Sichtoberfläche in einem werden.“, so die Architektin im Interview mit Florian Heilmeyer über die Wahl des Baumaterials.

Grüne Patina gewünscht

Auch der „Jardín Botanico“, der Botanische Garten in Culiacán, einer Stadt im Nordwesten Mexikos im Bundesstaat Sinaloa, spiegelt die sensible und anschauliche Arbeitsweise der Architektin wieder. Sie inszeniert eine Wegführung, die die Parklandschaft mit den Bauten des Gartens verwebt. Gesäumt werden die Wege von 16 Pavillons, die den vor 30 Jahren angelegten Botanischen Garten inmitten der Stadt durch zusätzliche Nutzungsangebote erweitern – so soll die Attraktivität des Stadtparks erhöht werden. In den kleinen Pavillons befinden sich Lernräume, Sonderausstellungen und auch ein Auditorium. Die Gebäude wurden in diesem Jahr fertig gestellt, doch ihre Fassade wird sich mit der Zeit verändern. Nach Bilbao sollen die Oberflächen der Pavillons durch die Luftfeuchtigkeit eine grüne Patina ansetzen und sich so der Umgebung anpassen.

Tatiana Bilbaos Wissen um den Ort bestimmt ihre Gebäude. In ihren Augen stützt sich die Qualität von Architektur auf die Menschen, die das Gebäude bauen und mit welchen Materialien und Techniken sie zu arbeiten gewohnt sind. Bilbaos Architektur sind zeitgemäße Gebäude, die die Tradition einschließen, anstatt sie zu negieren.