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von 2140 Forward End
This is the bigshow
von Thomas Wagner | 19. Oktober 2015
Davide Tommaso Ferrando analysiert in "Bigshow" Bjarke Ingels gestenreiche Architekturerläuterungen. Video © Davide Tommaso Ferrando
Architekten haben im digital beschleunigten 21. Jahrhundert ganz generell ein Problem: Es dauert einfach zu lang, erfordert viel Geduld und ist obendrein noch kompliziert, große Häuser zu bauen. Dabei könnte alles so einfach sein: Mit einer Handbewegung wie Gott am fünften oder sechsten Schöpfungstag, so würde unser „alter creator“ gern, was er sich ausgedacht, ohne Umschweife in die Realität überführen, sprich, mit einem Fingerzeig hinsetzen und ausrufen: Mein Gebäude, ihr sollt es lassen stahn!

„The(Un)RealShit“ heißt die Seite von Davide Tommaso Ferrando. Eine „laufende Untersuchung gegenwärtiger Praktiken des Architekturmarketings auf der Basis von Video-Kommunikation“ nennt er sein Projekt, das die Selbstdarstellung und das Selbstmarketing einer frei flottierenden architektonischen Kreativität weltweit agierender Stararchitekten kritisch hinterfragt. Und das auf originelle Weise.

Ferrando, Kritiker und Architekturtheoretiker, Chefredakteur der webzine „OII+“ und Professor für „Urban Landscape Design“ am Polytechnikum in Turin, braucht dazu keinen Text; er nimmt einfach die Gesten der Architekten und die aalglatten Bilder und Renderings, in denen ihre aseptischen Phantasien digital Gestalt annehmen und lässt sie im Rhythmus passender Musik sich selbst decouvrieren. Erkennbar wird, wie Architektur als Bild und Ideologie im Netz auftritt.

„Bigshow“ heißt das Video, das Ferrando am besten gelungen ist. Es treten auf: Bjarke Ingels, Landkarten, New York, Hochhäuser und jede Menge Modelle. Das heißt, sie alle, aber besonders der Architekt, agieren zu den Rhythmen des Songs „Go“ der Chemical Brothers – und wie! Bjarke Ingels reicht eine Geste – und schon entsteht Architektur gleichsam aus dem Nichts.

Erforscht werde, so Ferrando selbst, ein „locus amoenus“ dieses noch jungen Filmgenres: die sich selbst konstruierende Architektur, das Entstehen von Gebäuden aus der Geisterhand der Architekten. Also wachsen Gebäude wie Bäume im Märchen in die Höhe und fügen sich mühelos aus Linien und Modellen zu einem Produkt der reinen Phantasie. Politische, soziale, ökonomische und ökologische Parameter von Architektur – Fehlanzeige.

Eine andere Variante, und womöglich die letzte Konsequenz einer sich selbst schaffenden Architektur, zeigt das Video „Building It Up“. Nun gibt es, welch Wunder, nichts mehr außer der sich selbst organisierenden Materie, weder Architekt noch Bauherr. Die Bauteile fallen einfach vom Himmel und finden auf magische Art und Weise zur Form üppig verglaster Appartements, die sich wie Bauklötze übereinanderschichten. Das Wirkliche daran ist das Unwirkliche.

www.theunrealshit.tumblr.com
„Building It Up“ ist eine Kollage aus Architekturfilmen in denen sich Architektur selbst erschafft. Video © Davide Tommaso Ferrando
News & Stories › 2015 › Oktober
This is the bigshow
von Thomas Wagner | 19. Oktober 2015
Davide Tommaso Ferrando zeigt es: Glaubt man dem Selbstmarketing von Architekten im Netz, so bauen sich Häuser schon heute wie von selbst.
Architekten haben im digital beschleunigten 21. Jahrhundert ganz generell ein Problem: Es dauert einfach zu lang, erfordert viel Geduld und ist obendrein noch kompliziert, große Häuser zu bauen. Dabei könnte alles so einfach sein: Mit einer Handbewegung wie Gott am fünften oder sechsten Schöpfungstag, so würde unser „alter creator“ gern, was er sich ausgedacht, ohne Umschweife in die Realität überführen, sprich, mit einem Fingerzeig hinsetzen und ausrufen: Mein Gebäude, ihr sollt es lassen stahn!

„The(Un)RealShit“ heißt die Seite von Davide Tommaso Ferrando. Eine „laufende Untersuchung gegenwärtiger Praktiken des Architekturmarketings auf der Basis von Video-Kommunikation“ nennt er sein Projekt, das die Selbstdarstellung und das Selbstmarketing einer frei flottierenden architektonischen Kreativität weltweit agierender Stararchitekten kritisch hinterfragt. Und das auf originelle Weise.

Ferrando, Kritiker und Architekturtheoretiker, Chefredakteur der webzine „OII+“ und Professor für „Urban Landscape Design“ am Polytechnikum in Turin, braucht dazu keinen Text; er nimmt einfach die Gesten der Architekten und die aalglatten Bilder und Renderings, in denen ihre aseptischen Phantasien digital Gestalt annehmen und lässt sie im Rhythmus passender Musik sich selbst decouvrieren. Erkennbar wird, wie Architektur als Bild und Ideologie im Netz auftritt.

„Bigshow“ heißt das Video, das Ferrando am besten gelungen ist. Es treten auf: Bjarke Ingels, Landkarten, New York, Hochhäuser und jede Menge Modelle. Das heißt, sie alle, aber besonders der Architekt, agieren zu den Rhythmen des Songs „Go“ der Chemical Brothers – und wie! Bjarke Ingels reicht eine Geste – und schon entsteht Architektur gleichsam aus dem Nichts.

Erforscht werde, so Ferrando selbst, ein „locus amoenus“ dieses noch jungen Filmgenres: die sich selbst konstruierende Architektur, das Entstehen von Gebäuden aus der Geisterhand der Architekten. Also wachsen Gebäude wie Bäume im Märchen in die Höhe und fügen sich mühelos aus Linien und Modellen zu einem Produkt der reinen Phantasie. Politische, soziale, ökonomische und ökologische Parameter von Architektur – Fehlanzeige.

Eine andere Variante, und womöglich die letzte Konsequenz einer sich selbst schaffenden Architektur, zeigt das Video „Building It Up“. Nun gibt es, welch Wunder, nichts mehr außer der sich selbst organisierenden Materie, weder Architekt noch Bauherr. Die Bauteile fallen einfach vom Himmel und finden auf magische Art und Weise zur Form üppig verglaster Appartements, die sich wie Bauklötze übereinanderschichten. Das Wirkliche daran ist das Unwirkliche.

www.theunrealshit.tumblr.com