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Umzug unters Zeltdach
von Alexander Menden | 1. Februar 2012
New Design Museum entworfen von John Pawson, Image © Alex Morris Visualisation

Die Frage, ob es für ihn eine besondere Genugtuung sei, dass das Londoner Design-Museum sein neues Heim im selben Viertel finden wird wie das Victoria & Albert Museum (V&A), beantwortet Terence Conran ebenso kurz wie nachdrücklich mit: „Ja!" Schließlich hatten die V&A-Kuratoren die erste Version des Design-Museums im Kesselraum des viktorianischen Riesenbaus als derartige Bedrohung ihrer eigenen Arbeit betrachtet, dass sie es 1987, nach fünf Jahren erfolgreicher Arbeit, hinauskomplimentiert hatten. Das hat Conran, Doyen des britischen Industrie-Designs und Mitbegründer des Museums, nicht vergessen. Doch wie der Achtzigjährige es an diesem verregneten Morgen in Kensington darstellt, war der Rausschmiss damals auch eine Art Glücksfall: „Hätten wir nicht unser eigenes Gebäude finden müssen, wäre es immer die Design-Abteilung des V&A geblieben", sagt Conran.

So aber zog das Design-Museum 1989 ins gegenwärtige Quartier, ein ehemaliges Bananen-Lagerhaus in Bermondsey am Südufer der Themse, das die Conran-Gruppe in ein modernistisches Kleinod verwandelte. Es etablierte sich mit seinen erstklassigen Wechselausstellungen rasch als eines der weltweit bedeutendsten Häuser seiner Art. Welchen Aufstieg diese Institution seit ihren Anfängen 1982 erlebt hat, das lässt sich an nichts so deutlich ablesen wie an den Plänen, die ihr Direktor Deyan Sudijc nun gemeinsam mit Terence Conran vorgestellt hat: Von 2014 soll das Design-Museum seinen Sitz im ehemaligen Commonwealth Institute an der Kensington High Street finden – in „Albertopolis", wie das Kulturviertel genannt wird, das auch das Natural History Museum, das Science Museum, das Royal College of Art, die Serpentine Gallery und eben das V&A umfasst. Damit rückt es nicht nur ins Zentrum der Stadt, es gewinnt auch ein ungleich größeres, architektonisch wegweisendes und denkmalgeschütztes Gebäude als Heimat. Auf fünf Ebenen wird das Commonwealth Institute rund 10.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche bieten – dreimal so viel, wie gegenwärtig in Bermondsey zur Verfügung steht. Das Commonwealth Institute sei bei seiner Eröffnung 1962 das „utopischste, aufregendste, modernste Gebäude in London" gewesen, so Sudijc. Entworfen vom Edinburgher Büro RMJM, ist sein prägendes Charakteristikum ein zeltartiges, „hyperbolisch-parabolisches" Dach, wie der Architekt John Pawson es beschreibt. Pawson, dem das Design-Museum vor zwei Jahren eine eigene Ausstellung widmete, hat den Auftrag, das seit einem Jahrzehnt leer stehende Konstrukt seiner neuen Bestimmung gemäß umzugestalten. Bei der Präsentation seiner Entwürfe sagt er: „Man darf diesen Begriff ja eigentlich nicht mehr verwenden, aber das Commonwealth Institute ist eine Ikone. Ich finde es auch heute noch sehr gewagt".

Als größte Herausforderung empfindet es Pawson, innerhalb einer existierenden Hülle zu arbeiten. Das Interieur offener, mittels Treppen verbundener Stockwerke, die von einer zentralen Plattform aus einseh- und erreichbar sind, soll erhalten bleiben. Pawson will den Innenraum optisch sogar noch weiter öffnen und auch im bisher abgetrennten Foyer den Blick auf das gesamte Innere freigeben. Wichtig ist es ihm, dass die kühne Kurve des Daches aus jeder Perspektive den Gesamteindruck mitbestimmt. So soll der Eindruck der Großzügigkeit dieses extravaganten Aufsatzes erhalten bleiben, der selbst im obersten Stockwerk noch erstaunliche sechzehn Meter Kopfhöhe lässt. Besondere Ansprüche wird dabei, wie sich während einer Begehung des Gebäudes erweist, die Beleuchtung stellen: Das Commonwealth Institute lässt nicht viel Tageslicht herein. Die Entwürfe suggerieren, dass Pawson mit der für ihn typischen reduzierten, hellen Material- und Farbpalette ein Maximum an Helligkeit herausholen will, um dabei, wie er selbst sagt, „Atmosphäre und Qualitäten des existierenden Gebäudes zu erhalten und zu verstärken".
Ziel des insgesamt auf achtzig Millionen Pfund taxierten Projekts ist aber nicht nur die Wiederbelebung des Gebäudes des Commonwealth Institute, sondern auch die Regeneration des umgebenden Grundstücks. Während John Pawson den Umbau des Museums besorgt, ist für die Planung der umgebenden Luxus-Wohnsiedlung Reinier de Graaf von OMA zuständig. Nach der Eröffnung des ersten Londoner Gebäudes aus dem Hause Koolhaas im vergangenen November, dem Rothschild-Hauptquartier in der City, ist dies ein weiteres Projekt, bei dem das Rotterdamer Büro seine Theorien der Verdichtung von Wohn- und Arbeitsraum in die britische Metropole importieren kann. Der Errichtung der drei OMA-Wohnblocks, die den Blick auf das Commonwealth Institute von der Kensington High Street aus übrigens weitgehend verstellen werden, verdankt es sich überhaupt, dass das Design-Museum hierher umziehen kann: Geländeeigner Chelsfield PLC machte die Stiftung des Gebäudes von der Genehmigung des Luxuswohnprojekts abhängig.

Wenn das Design-Museum plangemäß in gut zwei Jahren seine Türen öffnet, erwartet Direktor Deyan Sudijc bis zu einer halben Million Besucher im Jahr. Und hofft, mit im Londoner Olympia-Jahr durchaus angebrachtem Ehrgeiz, dass sein Haus dann „für das Design leisten wird, was Tate Modern für die Zeitgenössische Kunst geleistet hat."

Zweiter Stock mit permanenter Ausstellung, Image © Alex Morris Visualisation
Blick von zweiten Stock ins Erdgeschoss, Image © Alex Morris Visualisation
Eingangsbereich des New Design Museums, Image © Alex Morris Visualisation
Foto © Luke Hayes
Foto © Luke Hayes
Foto © Alexander Menden
Foto © Alexander Menden
Foto © Alexander Menden
Architektur › 2012 › Februar
Umzug unters Zeltdach
von Alexander Menden | 1. Februar 2012
Von 2014 soll das Londoner Design-Museum seinen Sitz im ehemaligen Commonwealth Institute an der Kensington High Street finden. Kein Geringerer als der Architekt John Pawson soll das Gebäude, das seit einem Jahrzehnt leer steht, seiner neuen Bestimmung gemäß umgestalten. In London wurden die Pläne vorgestellt.
Die Frage, ob es für ihn eine besondere Genugtuung sei, dass das Londoner Design-Museum sein neues Heim im selben Viertel finden wird wie das Victoria & Albert Museum (V&A), beantwortet Terence Conran ebenso kurz wie nachdrücklich mit: „Ja!" Schließlich hatten die V&A-Kuratoren die erste Version des Design-Museums im Kesselraum des viktorianischen Riesenbaus als derartige Bedrohung ihrer eigenen Arbeit betrachtet, dass sie es 1987, nach fünf Jahren erfolgreicher Arbeit, hinauskomplimentiert hatten. Das hat Conran, Doyen des britischen Industrie-Designs und Mitbegründer des Museums, nicht vergessen. Doch wie der Achtzigjährige es an diesem verregneten Morgen in Kensington darstellt, war der Rausschmiss damals auch eine Art Glücksfall: „Hätten wir nicht unser eigenes Gebäude finden müssen, wäre es immer die Design-Abteilung des V&A geblieben", sagt Conran.

So aber zog das Design-Museum 1989 ins gegenwärtige Quartier, ein ehemaliges Bananen-Lagerhaus in Bermondsey am Südufer der Themse, das die Conran-Gruppe in ein modernistisches Kleinod verwandelte. Es etablierte sich mit seinen erstklassigen Wechselausstellungen rasch als eines der weltweit bedeutendsten Häuser seiner Art. Welchen Aufstieg diese Institution seit ihren Anfängen 1982 erlebt hat, das lässt sich an nichts so deutlich ablesen wie an den Plänen, die ihr Direktor Deyan Sudijc nun gemeinsam mit Terence Conran vorgestellt hat: Von 2014 soll das Design-Museum seinen Sitz im ehemaligen Commonwealth Institute an der Kensington High Street finden – in „Albertopolis", wie das Kulturviertel genannt wird, das auch das Natural History Museum, das Science Museum, das Royal College of Art, die Serpentine Gallery und eben das V&A umfasst. Damit rückt es nicht nur ins Zentrum der Stadt, es gewinnt auch ein ungleich größeres, architektonisch wegweisendes und denkmalgeschütztes Gebäude als Heimat. Auf fünf Ebenen wird das Commonwealth Institute rund 10.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche bieten – dreimal so viel, wie gegenwärtig in Bermondsey zur Verfügung steht. Das Commonwealth Institute sei bei seiner Eröffnung 1962 das „utopischste, aufregendste, modernste Gebäude in London" gewesen, so Sudijc. Entworfen vom Edinburgher Büro RMJM, ist sein prägendes Charakteristikum ein zeltartiges, „hyperbolisch-parabolisches" Dach, wie der Architekt John Pawson es beschreibt. Pawson, dem das Design-Museum vor zwei Jahren eine eigene Ausstellung widmete, hat den Auftrag, das seit einem Jahrzehnt leer stehende Konstrukt seiner neuen Bestimmung gemäß umzugestalten. Bei der Präsentation seiner Entwürfe sagt er: „Man darf diesen Begriff ja eigentlich nicht mehr verwenden, aber das Commonwealth Institute ist eine Ikone. Ich finde es auch heute noch sehr gewagt".

Als größte Herausforderung empfindet es Pawson, innerhalb einer existierenden Hülle zu arbeiten. Das Interieur offener, mittels Treppen verbundener Stockwerke, die von einer zentralen Plattform aus einseh- und erreichbar sind, soll erhalten bleiben. Pawson will den Innenraum optisch sogar noch weiter öffnen und auch im bisher abgetrennten Foyer den Blick auf das gesamte Innere freigeben. Wichtig ist es ihm, dass die kühne Kurve des Daches aus jeder Perspektive den Gesamteindruck mitbestimmt. So soll der Eindruck der Großzügigkeit dieses extravaganten Aufsatzes erhalten bleiben, der selbst im obersten Stockwerk noch erstaunliche sechzehn Meter Kopfhöhe lässt. Besondere Ansprüche wird dabei, wie sich während einer Begehung des Gebäudes erweist, die Beleuchtung stellen: Das Commonwealth Institute lässt nicht viel Tageslicht herein. Die Entwürfe suggerieren, dass Pawson mit der für ihn typischen reduzierten, hellen Material- und Farbpalette ein Maximum an Helligkeit herausholen will, um dabei, wie er selbst sagt, „Atmosphäre und Qualitäten des existierenden Gebäudes zu erhalten und zu verstärken".
Ziel des insgesamt auf achtzig Millionen Pfund taxierten Projekts ist aber nicht nur die Wiederbelebung des Gebäudes des Commonwealth Institute, sondern auch die Regeneration des umgebenden Grundstücks. Während John Pawson den Umbau des Museums besorgt, ist für die Planung der umgebenden Luxus-Wohnsiedlung Reinier de Graaf von OMA zuständig. Nach der Eröffnung des ersten Londoner Gebäudes aus dem Hause Koolhaas im vergangenen November, dem Rothschild-Hauptquartier in der City, ist dies ein weiteres Projekt, bei dem das Rotterdamer Büro seine Theorien der Verdichtung von Wohn- und Arbeitsraum in die britische Metropole importieren kann. Der Errichtung der drei OMA-Wohnblocks, die den Blick auf das Commonwealth Institute von der Kensington High Street aus übrigens weitgehend verstellen werden, verdankt es sich überhaupt, dass das Design-Museum hierher umziehen kann: Geländeeigner Chelsfield PLC machte die Stiftung des Gebäudes von der Genehmigung des Luxuswohnprojekts abhängig.

Wenn das Design-Museum plangemäß in gut zwei Jahren seine Türen öffnet, erwartet Direktor Deyan Sudijc bis zu einer halben Million Besucher im Jahr. Und hofft, mit im Londoner Olympia-Jahr durchaus angebrachtem Ehrgeiz, dass sein Haus dann „für das Design leisten wird, was Tate Modern für die Zeitgenössische Kunst geleistet hat."