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Eine alte, sandige Straße schlängelt sich durch das bewaldete, 25 Hektar große Grundstück im portugiesischen Grândola, nicht weit entfernt vom Naturschutzgebiet der Serra de Grândola, einem mit Korkeichenwäldern bedeckten Küstengebirge. Wo die Straße über einen Sandhügel führt, öffnet sich der Wald mit einem Mal und der Reisende gelangt zu einer Lichtung. Und, welch Wunder, zu einer für diese Gegend charakteristischen Barchan Düne, die sich vom Atlantikstrand in das bewaldete Areal verirrt zu haben scheint. Auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage, weshalb dem so ist, wird unverzagt der Berg erklommen. Auf dem höchsten Punkt angekommen, erblickt man am Fuße des sandigen Hügels eine holzverkleidete Terrasse und einen großzügigen Poolbereich. Allmählich offenbart sich des Pudels Kern: Es ist ein Haus, auf dem man hier steht!

Das Bauwerk aus Beton, das sich unter all dem Sand verbirgt, wurde 2008 von den Architekten Pereira Miguel aus Lissabon erbaut. „Casa Monte“ lautet der offizielle Name – durchgesetzt hat sich jedoch die schlichte, der Lage entsprechende Bezeichnung „The Dune House“.

Was dem neugierigen Beobachter verborgen bleibt, sind die vier Arme des Hauses, die unter dem Sandberg x-förmig auseinanderstreben und das Gebäude in vier Wohnbereiche mit unterschiedlichen Funktionen unterteilen. In die dicken Betonwände wurden großzügige, mit Holz umrandete Fensterfronten eingelassen, die das Haus mit einer ausreichenden Menge an Tageslicht versorgen; und auch der Terrassenbereich wurde mit Holz ausgekleidet. Doch nicht nur die Verwendung natürlicher Materialen sorgt dafür, dass sich das Gebäude optisch in seine Umgebung einfügt. Auch architektonische Details, wie das wellenförmig verlaufende Dach, das den organischen Verlauf einer Düne nachzeichnen soll, harmonisieren mit den landschaftlichen Gegebenheiten.

Der Idee, die Konstruktion des Gebäudes am Ende mit Sand zu bedecken und auf diese Weise eine künstliche Dünenlandschaft zu schaffen, liegen zum einen Aspekte wie Nachhaltigkeit und eine ausgeglichene Energiebilanz zugrunde. Zum anderen musste – durch die vorhandene Waldlichtung – für den Bau kein weitreichender Eingriff in die Natur erfolgen, weshalb die Architekten für die nachgebildete Düne auch den Sand aus der Baugrube verwendeten, was eine Reduzierung von Material- und Transportkosten zur Folge hatte.

Da die Region rund um Grândola hohen tagesbedingten Temperaturschwankungen ausgesetzt ist, sorgen die dicken Betonwände, die von innen durch eine Wandverkleidung aus Backstein verstärkt wurden, aber auch der Sand und die darauf heranwachsende Vegetation, für eine gute Isolierung und eine natürliche Klimatisierung des Gebäudeinneren. Zusätzlich wurden die meisten Fenster gen Süden ausgerichtet, sodass sie auch in den Wintermonaten viel Licht hineinlassen. Im Sommer können sie dagegen mit hölzernen Fensterläden verschlossen werden.

Neben diesen bautechnischen Aspekten ist die zugrunde liegende Idee dieses Bauobjekts von großem Idealismus geprägt. Mit ihrem „Dune House“ wollten die Architekten einen Lebensraum schaffen, in dem die Grenzen zwischen Architektur und Natur verschwimmen. Dank seines höhlenartigen Charakters, entsteht bei den Bewohnern das Gefühl, im Inneren des Hauses geschützt und geborgen zu sein. Gleichzeitig bildet das Dünen-Haus einen neuen Lebensraum für Flora und Fauna, wird es durch Witterungseinflüsse und die sich verändernde Vegetation mit der Zeit immer mehr von der Natur überformt.

Wie tief der Wunsch verankert ist, eine Verbindung zwischen Architektur und Natur zu schaffen, wird an einer Äußerung der Architekten deutlich: „Vielleicht“, sagen sie, „wird eines Tages eine Ziege auf unserem Dach grasen, während wir unten im Swimmingpool schwimmen.“

www.pm-arq.com
Das Bauwerk aus Beton wurde auf einer Waldlichtung nahe Grândola erbaut, Foto © Fernando Guerra + Sérgio Guerra
„Vielleicht wird einmal eine Ziege auf unserem Dach grasen“
von Milenka Thomas
28. März 2013
2008 bauten die Architekten Pereira Miguel aus Lissabon das „Casa Monte“, auch „Dune House“ genannt, Foto © Fernando Guerra + Sérgio Guerra
Durch seine organische Form und die Verwendung natürlicher Materialien fügt sich das „Dune House“ optisch in seine Umgebung ein, Foto © Fernando Guerra + Sérgio Guerra
Der Sand der künstlich errichteten Düne entstammt der Baugrube des Hauses, Foto © Fernando Guerra + Sérgio Guerra
Mit der Zeit wird die heranwachsende Vegetation das „Dune House“ auf natürliche Weise überformen, Foto © Fernando Guerra + Sérgio Guerra
Durch die großzügigen Fensterfronten und die Verwendung heller Farben wird Weiträumigkeit erzeugt, Foto © Fernando Guerra + Sérgio Guerra
Innenansicht des Dünen-Hauses, Foto © Fernando Guerra + Sérgio Guerra
Die Fensterfronten können je nach Bedarf mit massiven, hölzernen Fensterläden verschlossen werden, Foto © Fernando Guerra + Sérgio Guerra
Die beim Bau des Hauses verwendeten Material finden sich auch im Gebäudeinneren wieder, Foto © Fernando Guerra + Sérgio Guerra
Architektur › 2013 › März
„Vielleicht wird einmal eine Ziege auf unserem Dach grasen“
von Milenka Thomas | 28. März 2013
Wer hat eigentlich beschlossen, dass das Dach eines Hauses mit Ziegeln gedeckt sein muss? Wie wäre es stattdessen mit einer Düne, die das Haus umschließt und über die man es sogar überqueren kann – wie beim „Dune House“ im portugiesischen Grândola.
Eine alte, sandige Straße schlängelt sich durch das bewaldete, 25 Hektar große Grundstück im portugiesischen Grândola, nicht weit entfernt vom Naturschutzgebiet der Serra de Grândola, einem mit Korkeichenwäldern bedeckten Küstengebirge. Wo die Straße über einen Sandhügel führt, öffnet sich der Wald mit einem Mal und der Reisende gelangt zu einer Lichtung. Und, welch Wunder, zu einer für diese Gegend charakteristischen Barchan Düne, die sich vom Atlantikstrand in das bewaldete Areal verirrt zu haben scheint. Auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage, weshalb dem so ist, wird unverzagt der Berg erklommen. Auf dem höchsten Punkt angekommen, erblickt man am Fuße des sandigen Hügels eine holzverkleidete Terrasse und einen großzügigen Poolbereich. Allmählich offenbart sich des Pudels Kern: Es ist ein Haus, auf dem man hier steht!

Das Bauwerk aus Beton, das sich unter all dem Sand verbirgt, wurde 2008 von den Architekten Pereira Miguel aus Lissabon erbaut. „Casa Monte“ lautet der offizielle Name – durchgesetzt hat sich jedoch die schlichte, der Lage entsprechende Bezeichnung „The Dune House“.

Was dem neugierigen Beobachter verborgen bleibt, sind die vier Arme des Hauses, die unter dem Sandberg x-förmig auseinanderstreben und das Gebäude in vier Wohnbereiche mit unterschiedlichen Funktionen unterteilen. In die dicken Betonwände wurden großzügige, mit Holz umrandete Fensterfronten eingelassen, die das Haus mit einer ausreichenden Menge an Tageslicht versorgen; und auch der Terrassenbereich wurde mit Holz ausgekleidet. Doch nicht nur die Verwendung natürlicher Materialen sorgt dafür, dass sich das Gebäude optisch in seine Umgebung einfügt. Auch architektonische Details, wie das wellenförmig verlaufende Dach, das den organischen Verlauf einer Düne nachzeichnen soll, harmonisieren mit den landschaftlichen Gegebenheiten.

Der Idee, die Konstruktion des Gebäudes am Ende mit Sand zu bedecken und auf diese Weise eine künstliche Dünenlandschaft zu schaffen, liegen zum einen Aspekte wie Nachhaltigkeit und eine ausgeglichene Energiebilanz zugrunde. Zum anderen musste – durch die vorhandene Waldlichtung – für den Bau kein weitreichender Eingriff in die Natur erfolgen, weshalb die Architekten für die nachgebildete Düne auch den Sand aus der Baugrube verwendeten, was eine Reduzierung von Material- und Transportkosten zur Folge hatte.

Da die Region rund um Grândola hohen tagesbedingten Temperaturschwankungen ausgesetzt ist, sorgen die dicken Betonwände, die von innen durch eine Wandverkleidung aus Backstein verstärkt wurden, aber auch der Sand und die darauf heranwachsende Vegetation, für eine gute Isolierung und eine natürliche Klimatisierung des Gebäudeinneren. Zusätzlich wurden die meisten Fenster gen Süden ausgerichtet, sodass sie auch in den Wintermonaten viel Licht hineinlassen. Im Sommer können sie dagegen mit hölzernen Fensterläden verschlossen werden.

Neben diesen bautechnischen Aspekten ist die zugrunde liegende Idee dieses Bauobjekts von großem Idealismus geprägt. Mit ihrem „Dune House“ wollten die Architekten einen Lebensraum schaffen, in dem die Grenzen zwischen Architektur und Natur verschwimmen. Dank seines höhlenartigen Charakters, entsteht bei den Bewohnern das Gefühl, im Inneren des Hauses geschützt und geborgen zu sein. Gleichzeitig bildet das Dünen-Haus einen neuen Lebensraum für Flora und Fauna, wird es durch Witterungseinflüsse und die sich verändernde Vegetation mit der Zeit immer mehr von der Natur überformt.

Wie tief der Wunsch verankert ist, eine Verbindung zwischen Architektur und Natur zu schaffen, wird an einer Äußerung der Architekten deutlich: „Vielleicht“, sagen sie, „wird eines Tages eine Ziege auf unserem Dach grasen, während wir unten im Swimmingpool schwimmen.“

www.pm-arq.com