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Von Miami lernen?
von Daniel von Bernstorff | 12. Juni 2008
Ja, tatsächlich, es ist Brad Pitt, der da ziemlich unauffällig durch die wunderbare Markthalle in Basel schlendert und sich die neusten Design-Trends erklären lässt. Man hätte ihn gar nicht erkannt, im besten Fall mit seiner weißen Mütze für den Designer Ron Arad gehalten; erst als eine Galeristin einen Sicherheitsmann fragt, wer denn der lässige Kerl mit der Mütze sei, werde ich aufmerksam. Ein Aufreger in einer ansonsten merkwürdig uninspirierten und scheinbar wahllosen und ohne klares kuratorisches Konzept zusammengestellten Ansammlung von mehr oder weniger guten und prominenten Design-Galerien.

Es ist schon komisch: Fast nebenan auf der Art Basel ist die Hölle los, die Menschen drängen sich durch die Hallen, diskutieren die neuen Entwicklungen in der Kunst, eine aufgeregte, hoch emotionale Stimmung – die Art Basel eben. Und beim Design? Es ist der erste offizielle Tag und höchstens 50 Menschen haben sich in die Markthalle zur Design Miami verirrt. Darunter Brad Pitt. Na und? Es drängt sich die Frage auf, ob sich Design im klassischen Kunstformat Galerie überhaupt adäquat präsentieren lässt. Wird hier verkauft oder nur ausgestellt? Wo sind die spannenden Trends und Entwicklungen, wo die Protagonisten? Wer erklärt mir, was gutes Design eigentlich ist? Sicher, es gibt auch Gutes zu sehen, die Ron-Arad-Show bei Gabriele Ammann etwa, oder auch die Präsentation von Moss aus New York. Aber insgesamt bleibt das fade Gefühl, dass es sich eigentlich um ein großes Missverständnis handelt. Design ist nicht Kunst und gehört eigentlich nicht in Galerien, möchte man - sicher politisch unkorrekt - in die Runde rufen. Dem Anspruch der Veranstaltung, ein „global Forum for collecting, exhibiting, discussing and creating Design“ darzustellen, wird jedenfalls nicht im Ansatz Rechnung getragen. Dafür fehlt schon bei der Auswahl der Teilnehmer das Qualitätsmanagement. Die groß angekündigten Design Talks scheitern schon am nur spärlich vorhandenen Publikum. Stellen Sie sich vor: Georg Baselitz redet und keiner geht hin. Undenkbar.

Was mir gefallen hat, waren die von Franziska Kessler aus Zürich mitgebrachten, verschiedenfarbig lackierten Objekte von Frédéric Dedelley. Doch die gab es nicht auf der Design Miami zu sehen, sondern im Domizil in der Elisabethenstraße. Basel ist nicht Miami – und das ist gut so.