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Wenn 8 mal 7 gleich 63 ist
von Thomas Wagner | 18. August 2013
Hat immer Recht: Autor und Rabbi Nilton Bonder.

Es ist ein schöner jüdischer Witz: „Während Mo ein miserabler Schüler war, war sein Vetter Danny Klassenprimus. Später aber wurde alles, was Mo anfasste, zu Gold, während Danny es nicht weit brachte. Als Mo auch noch in der Lotterie gewann, geriet Danny außer sich und stürmte zu seinem Vetter: ,Jetzt hast du auch noch in der Lotterie gewonnen! Diesmal musst du mir aber verraten, wie du das gemacht hast.’ – ,Nun gut’, antwortete Mo, ,wenn du es unbedingt wissen willst, kannst du es erfahren. In der Nacht, bevor ich mir das Los kaufte, hatte ich einen Traum. Ein Engelchor sang in lieblichen Tönen, sieben Reihen mit je acht Engeln. Da war mir alles klar. Am nächsten Morgen kaufte ich mir ein Los mit der Endziffer 63. Eigentlich eine Kleinigkeit.’ – ,Aber Mo, acht mal sieben ist doch nicht 63, sondern 56!’ – ,Ach, wirklich? Da sieht man mal wieder’, schloss Mo, ,dass du in Mathematik einfach besser bist.’“

Der Witz steht in dem Kapitel „Weisheit – Die Welt, in der Verborgenes erkennbar ist“ des Buches „Der Rabbi hat immer Recht“. Sein Autor, Rabbi Nilton Bonder, erklärt dazu: „Danny will alles über die Vernunft regeln; selbst der Intuition will er auf diesem Weg auf die Schliche kommen. Damit begreift er nicht, dass es im Leben Bereiche gibt, in denen die Lösung in der ,Leere’ liegt, wo Mo ihm trotz seiner Rechenschwäche überlegen ist.“ Und vergnügt fügt der Autor hinzu: „In dieser Welt, in der Naivität und Torheit vollkommen überraschend einzelne Aspekte der Erkenntnis aufdecken können, bringt ein ganzer Narr bessere Voraussetzungen mit als ein halber Weiser.“

Die Kunst, Probleme zu lösen

Ob der Rabbi tatsächlich immer Recht hat, ist am Ende nicht so wichtig. Denn Bonders Überlegungen kreisen überhaupt nicht darum, wer Recht behält, sondern darum, wie man Probleme löst, sich selbst und die Welt versteht. Und was das angeht, so hält die jüdische Tradition ein reichhaltiges Angebot bereit, aus dem man lernen kann, die Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Wenn Bonder von der „Kunst, Probleme zu lösen“ spricht, so meint er damit keine Methodenlehre. Er schreibt keinen weiteren Ratgeber für gestresste Zeitgenossen oder ausgebrannte Manager. Er erzählt allerlei Geschichten, analysiert sie und entwickelt daraus eine Systematik, die Wissen, Verstehen, Weisheit und Glaube in Beziehung setzt zu vier verschiedenen, doch untereinander verbundenen Welten oder, anders gesagt, zu vier Dimensionen der Wirklichkeit.

Unterwegs in vier Welten

Die erste Welt, die „Welt, in der Erkennbares erkennbar ist“ beschreibt Bonder als die Dimension menschlicher Erkenntnis, in der die Dinge klar und gegenständlich vor uns liegen. Es ist die Welt des Verstandes und wir kommen in ihr mit unserem Wissen und mit Hilfe der Logik zumeist ganz gut zurecht. Zumindest, solange wir nicht vergessen, dass es trotzdem noch jede Menge Bereiche des Nicht-Wissens gibt und wir nicht in starren Denkmustern verharren. Ein jüdisches Sprichwort sagt dazu: „Manch einer hadert mit seinem Aussehen, aber keiner mit seinem Verstand.“

In der „Welt, in der Erkennbares verborgen ist“, geht es sodann um prinzipiell offenbare Dinge, vor allem aber um das Bewusstsein, das wir von diesen haben, wobei uns etwas Offensichtliches verhüllt bleibt. In dieser eher gefühlsbetonten Welt machen wir uns ein Bild von dem Nicht-Wissen, das uns umgibt, um unser seelisches Gleichgewicht aufrechtzuerhalten. Oft ist es so, dass wir etwas erst dann verstehen oder klären können, wenn wir den Bezugsrahmen wechseln, die Dinge also von einer anderen Warte aus betrachten. Löst sich eine Blockade auf und wir haben endlich verstanden, worum es gegangen war, so ist das, wie wenn man ausruft: „Warum ist mir das nicht schon früher aufgefallen?“

In der dritten „Welt, in der Verborgenes erkennbar ist“, die Welt der Weisheit, haben wir es mit dem Unbewussten zu tun. In dieser Dimension der Wirklichkeit zeigt sich das Verborgene nur in Umrissen oder in Traumbildern, um sich unserer Erkenntnis sogleich wieder zu entziehen. Etwa so, wie in Mos Traum vom Engelchor. Es handelt sich um eine Welt, in der sich mittels Intuition mehr erreichen lässt als mit bloßem Wissen, um eine Welt, in der es wenig bringt, wenn wir ein bestimmtes Ziel anvisieren, weil sich das wahre Ziel erst dann formiert, „wenn der Pfeil bereits von der Sehne geschnellt ist, das Ziel sich aber in einer absurden Verdrehung oder Umkehrung den Pfeil sucht, der es treffen wird“. In der Welt der Weisheit lässt sich durchaus Unmögliches zustande bringen, und sie steckt voller Paradoxien und Absurditäten, wie die folgende Erzählung des jiddischen Schriftstellers Scholem Alechem zeigt, der Geschichten aus einem Dorf namens Chelm verfasst hat:

„Zwei Männer aus Chelm gingen spazieren. Der eine nahm seinen Regenschirm mit, der andere nicht. Nach einer Weile fing es an zu regnen. ,Mach deinen Schirm auf!’, sagte der Mann, der keinen dabeihatte. ,Das nützt nichts’, erwiderte der andere. ,Was soll das heißen, das nützt nichts? Der Schirm schützt uns vor dem Regen.’ – ,Der Schirm ist löchrig wie ein Sieb.’ – ,Warum hast du ihn dann mitgenommen?’, fragte der Erste perplex. ,Ich habe gedacht, es würde nicht regnen.’“

Erst handeln, dann erkennen

War das Fassbare in diesen ersten drei Welten immer auf die eine oder andere Weise präsent, so betreten wir mit der vierten Welt – der „Welt, in der Verborgenes verborgen ist“ – schließlich ein Feld, „auf dem sich aus unserer Urteilskraft keine konkreten Handlungen mehr ergeben“. Überraschenderweise beschreibt Bonder diese Welt des Glaubens als eine, in die wir nicht mittels unseres Verstandes, sondern nur durch Handeln vordringen können. Indem er das Verhältnis von Erkennen und Handeln umkehrt, verbindet Bonder die jüdische Überlieferung unausgesprochen mit Einsichten der Kybernetik zweiter Ordnung. Was erst noch der Erklärung bedarf, das kann, so Bonder, „erst durch die Sphäre des Handelns – des Verborgenen – mit Sinn gefüllt und analysiert werden. So wie der Rabbi von Kozk fragt: „Was bedeutet das Gebot: ,Du sollst nicht stehlen’?“ „Ganz einfach“, erwidert der Schüler, „es bedeutet: ,Nimm deinem Nächsten nichts weg’.“ – „Nein“, sagt der Rabbi, „ es bedeutet: ,Nimm dir selbst nichts weg’.“
Sich selbst nichts wegnehmen aber heißt, ganz offen zu bleiben. „Wer sich dem Leben nicht öffnet, sondern sich davor versteckt, bringt sich um grundlegendes Wissen über sich selbst und über das Leben – Wissen, das sich nicht rational erwerben lässt.“

So lässt uns – jenseits billiger Ratschläge, wie es sie heutzutage an jeder Ecke gibt – „der jiddische Kopp“ – wie Bonder die Fähigkeit nennt, unkonventionell an bestimmte Fragen heranzugehen oder die passende Frage zu einer bereits vorhandenen Antwort zu suchen – immer wieder staunen, weil er überraschend anders denkt und anders handelt. Dabei geht es auch „um die Fähigkeit, die Probleme so lange auf sich zukommen zu lassen, bis sie so etwas wie eine kritische Masse erreichen.“ Sind sie erst einmal zu einer bedrohlichen Größen angewachsen, „so weiß der jiddische Kopp, lösen sie einen geradezu existenziellen Prozess in unserem Bewusstsein aus: Plötzlich fragt man sich, ob das, was gemeinhin als unmöglich gilt, denn tatsächlich unmöglich sein muss.“

Nach der Lektüre dieses lebenspraktischen Buches versteht man sehr gut, welch wunderbare, lebenskluge Perspektivwechsel die reiche jüdische Tradition bereithält, welche Lösungskompetenz und welch tiefer Witz sich aufgrund jahrtausendealter Bedrohungen in ihr ausgebildet haben. So kommt der Leser spielerisch in Kontakt mit vielen nützlichen Erfahrungen und Strategien, wie sie der „jiddische Kopp“ zu bieten hat, um komplexe Sachverhalte rasch zu erfassen und völlig neu zu betrachten. Und die Geschichten, die Rabbi Bonder ausgewählt hat, erfrischen den Geist sowieso. Vielleicht nehmen Sie, um nicht vor die Wand zu fahren, ja auch einmal einen durchlöcherten Schirm mit, weil sie denken, es wird nicht regnen.

Der Rabbi hat immer Recht
Die Kunst, Probleme zu lösen
Von Rabbi Nilton Bonder
Carl Auer Verlag, geb., 160 Seiten,
17,95 Euro

www.carl-auer.de

www.niltonbonder.com

"Probleme so lange auf sich zukommen zu lassen, bis sie so etwas wie eine kritische Masse erreichen“ - eine von Rabbi Bonders Weisheiten. Foto © Carl Auer Verlag
Lebenskluge Lösungskompetenzen und tiefer Witz aufgrund jahrtausendealter Bedrohungen der jüdischen Kultur: „Der Rabbi hat immer Recht“. Foto © Thomas Wagner, Stylepark
News & Stories › 2013 › August
Wenn 8 mal 7 gleich 63 ist
von Thomas Wagner | 18. August 2013
Der „jiddische Kopp“ mit seinem Witz und die Geschichten von Rabbis stecken nicht nur voller Lebensklugheit, sie helfen auch, Probleme zu lösen. Rabbi Nilton Bonder erklärt, wie das geht und weshalb es nicht reicht, sich in nur einer Welt auszukennen.

Es ist ein schöner jüdischer Witz: „Während Mo ein miserabler Schüler war, war sein Vetter Danny Klassenprimus. Später aber wurde alles, was Mo anfasste, zu Gold, während Danny es nicht weit brachte. Als Mo auch noch in der Lotterie gewann, geriet Danny außer sich und stürmte zu seinem Vetter: ,Jetzt hast du auch noch in der Lotterie gewonnen! Diesmal musst du mir aber verraten, wie du das gemacht hast.’ – ,Nun gut’, antwortete Mo, ,wenn du es unbedingt wissen willst, kannst du es erfahren. In der Nacht, bevor ich mir das Los kaufte, hatte ich einen Traum. Ein Engelchor sang in lieblichen Tönen, sieben Reihen mit je acht Engeln. Da war mir alles klar. Am nächsten Morgen kaufte ich mir ein Los mit der Endziffer 63. Eigentlich eine Kleinigkeit.’ – ,Aber Mo, acht mal sieben ist doch nicht 63, sondern 56!’ – ,Ach, wirklich? Da sieht man mal wieder’, schloss Mo, ,dass du in Mathematik einfach besser bist.’“

Der Witz steht in dem Kapitel „Weisheit – Die Welt, in der Verborgenes erkennbar ist“ des Buches „Der Rabbi hat immer Recht“. Sein Autor, Rabbi Nilton Bonder, erklärt dazu: „Danny will alles über die Vernunft regeln; selbst der Intuition will er auf diesem Weg auf die Schliche kommen. Damit begreift er nicht, dass es im Leben Bereiche gibt, in denen die Lösung in der ,Leere’ liegt, wo Mo ihm trotz seiner Rechenschwäche überlegen ist.“ Und vergnügt fügt der Autor hinzu: „In dieser Welt, in der Naivität und Torheit vollkommen überraschend einzelne Aspekte der Erkenntnis aufdecken können, bringt ein ganzer Narr bessere Voraussetzungen mit als ein halber Weiser.“

Die Kunst, Probleme zu lösen

Ob der Rabbi tatsächlich immer Recht hat, ist am Ende nicht so wichtig. Denn Bonders Überlegungen kreisen überhaupt nicht darum, wer Recht behält, sondern darum, wie man Probleme löst, sich selbst und die Welt versteht. Und was das angeht, so hält die jüdische Tradition ein reichhaltiges Angebot bereit, aus dem man lernen kann, die Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Wenn Bonder von der „Kunst, Probleme zu lösen“ spricht, so meint er damit keine Methodenlehre. Er schreibt keinen weiteren Ratgeber für gestresste Zeitgenossen oder ausgebrannte Manager. Er erzählt allerlei Geschichten, analysiert sie und entwickelt daraus eine Systematik, die Wissen, Verstehen, Weisheit und Glaube in Beziehung setzt zu vier verschiedenen, doch untereinander verbundenen Welten oder, anders gesagt, zu vier Dimensionen der Wirklichkeit.

Unterwegs in vier Welten

Die erste Welt, die „Welt, in der Erkennbares erkennbar ist“ beschreibt Bonder als die Dimension menschlicher Erkenntnis, in der die Dinge klar und gegenständlich vor uns liegen. Es ist die Welt des Verstandes und wir kommen in ihr mit unserem Wissen und mit Hilfe der Logik zumeist ganz gut zurecht. Zumindest, solange wir nicht vergessen, dass es trotzdem noch jede Menge Bereiche des Nicht-Wissens gibt und wir nicht in starren Denkmustern verharren. Ein jüdisches Sprichwort sagt dazu: „Manch einer hadert mit seinem Aussehen, aber keiner mit seinem Verstand.“

In der „Welt, in der Erkennbares verborgen ist“, geht es sodann um prinzipiell offenbare Dinge, vor allem aber um das Bewusstsein, das wir von diesen haben, wobei uns etwas Offensichtliches verhüllt bleibt. In dieser eher gefühlsbetonten Welt machen wir uns ein Bild von dem Nicht-Wissen, das uns umgibt, um unser seelisches Gleichgewicht aufrechtzuerhalten. Oft ist es so, dass wir etwas erst dann verstehen oder klären können, wenn wir den Bezugsrahmen wechseln, die Dinge also von einer anderen Warte aus betrachten. Löst sich eine Blockade auf und wir haben endlich verstanden, worum es gegangen war, so ist das, wie wenn man ausruft: „Warum ist mir das nicht schon früher aufgefallen?“

In der dritten „Welt, in der Verborgenes erkennbar ist“, die Welt der Weisheit, haben wir es mit dem Unbewussten zu tun. In dieser Dimension der Wirklichkeit zeigt sich das Verborgene nur in Umrissen oder in Traumbildern, um sich unserer Erkenntnis sogleich wieder zu entziehen. Etwa so, wie in Mos Traum vom Engelchor. Es handelt sich um eine Welt, in der sich mittels Intuition mehr erreichen lässt als mit bloßem Wissen, um eine Welt, in der es wenig bringt, wenn wir ein bestimmtes Ziel anvisieren, weil sich das wahre Ziel erst dann formiert, „wenn der Pfeil bereits von der Sehne geschnellt ist, das Ziel sich aber in einer absurden Verdrehung oder Umkehrung den Pfeil sucht, der es treffen wird“. In der Welt der Weisheit lässt sich durchaus Unmögliches zustande bringen, und sie steckt voller Paradoxien und Absurditäten, wie die folgende Erzählung des jiddischen Schriftstellers Scholem Alechem zeigt, der Geschichten aus einem Dorf namens Chelm verfasst hat:

„Zwei Männer aus Chelm gingen spazieren. Der eine nahm seinen Regenschirm mit, der andere nicht. Nach einer Weile fing es an zu regnen. ,Mach deinen Schirm auf!’, sagte der Mann, der keinen dabeihatte. ,Das nützt nichts’, erwiderte der andere. ,Was soll das heißen, das nützt nichts? Der Schirm schützt uns vor dem Regen.’ – ,Der Schirm ist löchrig wie ein Sieb.’ – ,Warum hast du ihn dann mitgenommen?’, fragte der Erste perplex. ,Ich habe gedacht, es würde nicht regnen.’“

Erst handeln, dann erkennen

War das Fassbare in diesen ersten drei Welten immer auf die eine oder andere Weise präsent, so betreten wir mit der vierten Welt – der „Welt, in der Verborgenes verborgen ist“ – schließlich ein Feld, „auf dem sich aus unserer Urteilskraft keine konkreten Handlungen mehr ergeben“. Überraschenderweise beschreibt Bonder diese Welt des Glaubens als eine, in die wir nicht mittels unseres Verstandes, sondern nur durch Handeln vordringen können. Indem er das Verhältnis von Erkennen und Handeln umkehrt, verbindet Bonder die jüdische Überlieferung unausgesprochen mit Einsichten der Kybernetik zweiter Ordnung. Was erst noch der Erklärung bedarf, das kann, so Bonder, „erst durch die Sphäre des Handelns – des Verborgenen – mit Sinn gefüllt und analysiert werden. So wie der Rabbi von Kozk fragt: „Was bedeutet das Gebot: ,Du sollst nicht stehlen’?“ „Ganz einfach“, erwidert der Schüler, „es bedeutet: ,Nimm deinem Nächsten nichts weg’.“ – „Nein“, sagt der Rabbi, „ es bedeutet: ,Nimm dir selbst nichts weg’.“
Sich selbst nichts wegnehmen aber heißt, ganz offen zu bleiben. „Wer sich dem Leben nicht öffnet, sondern sich davor versteckt, bringt sich um grundlegendes Wissen über sich selbst und über das Leben – Wissen, das sich nicht rational erwerben lässt.“

So lässt uns – jenseits billiger Ratschläge, wie es sie heutzutage an jeder Ecke gibt – „der jiddische Kopp“ – wie Bonder die Fähigkeit nennt, unkonventionell an bestimmte Fragen heranzugehen oder die passende Frage zu einer bereits vorhandenen Antwort zu suchen – immer wieder staunen, weil er überraschend anders denkt und anders handelt. Dabei geht es auch „um die Fähigkeit, die Probleme so lange auf sich zukommen zu lassen, bis sie so etwas wie eine kritische Masse erreichen.“ Sind sie erst einmal zu einer bedrohlichen Größen angewachsen, „so weiß der jiddische Kopp, lösen sie einen geradezu existenziellen Prozess in unserem Bewusstsein aus: Plötzlich fragt man sich, ob das, was gemeinhin als unmöglich gilt, denn tatsächlich unmöglich sein muss.“

Nach der Lektüre dieses lebenspraktischen Buches versteht man sehr gut, welch wunderbare, lebenskluge Perspektivwechsel die reiche jüdische Tradition bereithält, welche Lösungskompetenz und welch tiefer Witz sich aufgrund jahrtausendealter Bedrohungen in ihr ausgebildet haben. So kommt der Leser spielerisch in Kontakt mit vielen nützlichen Erfahrungen und Strategien, wie sie der „jiddische Kopp“ zu bieten hat, um komplexe Sachverhalte rasch zu erfassen und völlig neu zu betrachten. Und die Geschichten, die Rabbi Bonder ausgewählt hat, erfrischen den Geist sowieso. Vielleicht nehmen Sie, um nicht vor die Wand zu fahren, ja auch einmal einen durchlöcherten Schirm mit, weil sie denken, es wird nicht regnen.

Der Rabbi hat immer Recht
Die Kunst, Probleme zu lösen
Von Rabbi Nilton Bonder
Carl Auer Verlag, geb., 160 Seiten,
17,95 Euro

www.carl-auer.de

www.niltonbonder.com