transparent_layer
db-images/cms/banner/img/l1_v369373_958_728_90-1.jpg
Blättern: First Back
von 2143 Forward End
Wo Trolle den Berg erklimmen
von Milenka Thomas | 14. September 2012
Ebenso majestätisch wie die Bedeutung ihrer Namen, recken Bispen (Bischof), Kongen (König) und Dronninga (Königin) ihre schneebedeckten Spitzen gen Himmel. Zwischen den drei Bergen stürzt der Wasserfall Stigfossen 180 Meter in die Tiefe. Wenige Kilometer entfernt beginnt der berühmte Geiranger Fjord, der 2005 zum UNESCO-Naturerbe ernannt wurde.

Inmitten dieser spektakulären Landschaft im Westen Norwegens befindet sich der Trollstigen, eine Passstraße, die sich über elf enge Haarnadelkurven bis zu einer Höhe von 852 Meter die Berge hinaufwindet. Es ist wohl der Kombination aus Naturschauspiel und der teilweise direkt in den Stein geschlagenen Straße zu verdanken, dass der Trollstigen heute zu den bekanntesten Touristenattraktionen des Landes zählt.

Seit kurzem lockt nun obendrein ein architektonisches Großprojekt Besucher aus aller Welt in die Region. Nach siebenjähriger Bauzeit wurde im Juni diesen Jahres die Eröffnung der „Trollstigen National Tourist Route“ gefeiert. Das groß angelegte Architekturprojekt umfasst verschiedene Bauten, darunter ein Touristenzentrum mit Restaurant, Brücken, Fußpfaden und Aussichtsplattformen, allesamt mit spektakulärer Aussicht auf die Berge und die umliegende, charakteristische Fjordlandschaft.

Die gestalterischen Anforderungen an das Projekt wurden im Vorhinein klar definiert. Da das Naturspektakel weiter im Vordergrund stehen sollte, durfte die Architektur nicht zu spektakulär ausfallen. Sie sollte sich vielmehr dezent in das Umfeld einfügen, ohne der Landschaft die Schau zu stehlen. Dieses wahrlich nicht leichte Unterfangen wurde in die Hände eines einheimischen Architektenbüros gegeben, da diesem ein größtmögliches Verständnis für die Platzierung von Architektur in die typisch norwegische Landschaft zugetraut wurde.

Das Studio Reiulf Ramstad Architects aus Oslo entschloss sich dazu, bei der Umsetzung des Projekts die natürlichen Gegebenheiten direkt in die Architekturgestaltung einzubeziehen. Wie einst bei der Passstraße, wurden auch jetzt Teile der neuen Fußwege direkt in den Berg geschlagen. Bei der Wahl der Materialien und deren Farben orientierte man sich ebenfalls an den landschaftlichen Gegebenheiten und wählte Werkstoffe wie Beton oder Zement, die sich optisch in die Umgebung einfügen. Einige Geländer wurden zusätzlich mit Cor-Ten Stahl verkleidet, dessen charakteristische rostfarbene Patina einen künstlichen Alterungsprozess simuliert und einen gelungenen farblichen Kontrast zu den übrigen Materialien bildet. Mit ihrer zackigen Form wurden die Fußpfade und Aussichtsplattformen zudem optisch an die berühmten Serpentinen der Straße angeglichen.

Wer dieses Bauprojekt selbst bewundern will, muss sich in den Sommermonaten zum Trollstigen begeben. Im Winter ist die Touristenattraktion aufgrund der strengen Witterungsbedingungen nämlich nicht passierbar.
Die Fußpfade der „Trollstigen National Tourist Route“ führen durch eine spektakuläre Fjord- und Berglandschaft, Foto © Reiulf Ramstad Architects
Aussichtsplattformen gewähren Aussicht auf den Wasserfall Stigfossen, Foto © Diephotodesigner
Die zackige Form der Fußpfade gleicht optisch dem Trollstigen, einer serpentinenartigen Passstraße im norwegischen Romsdal, Foto © Diephotodesigner
Der verwendete Cor-Ten Stahl zeichnet sich durch eine rostrote Patina aus, Foto © Reiulf Ramstad Architects
Das architektonische Großprojekt wurde optisch dezent in die Umgebung integriert, Foto © Diephotodesigner
Dank der neuen Aussichtsplattformen können die Besucher des Trollstigen das Naturschauspiel aus nächster Nähe erleben, Foto © Reiulf Ramstad Architects
Die „Trollstigen National Tourist Route“ verschmilzt optisch mit der rauen Fjordlandschaft, Foto © Reiulf Ramstad Architects
Ein Touristenzentrum ist ebenfalls Teil des Großprojekts, Foto © Reiulf Ramstad Architects
Stahl, Zement und Glas sind die am häufigsten verwendeten Materialien, Foto © Reiulf Ramstad Architects
Für die Touristenroute wurden Brücken, Fußpfade und Aussichtsplattformen gebaut, Foto © Reiulf Ramstad Architects
Der Trollstigen liegt in einer von Bergen eingerahmten Fjordlandschaft im Westen Norwegens, Foto © Reiulf Ramstad Architects
Im Winter ist die „Trollstigen National Tourist Route“ aufgrund der Witterungsbedingungen nicht passierbar, Foto © Reiulf Ramstad Architects
Architektur › 2012 › September
Wo Trolle den Berg erklimmen
von Milenka Thomas | 14. September 2012
Kürzlich wurde in Norwegen die „Trollstigen National Tourist Route“ eröffnet. Die Aussicht auf die spektakuläre Landschaft lässt sich nun über ein architektonisches Großprojekt der Reiulf Ramstad Architects aus Brücken, Fußpfaden, Aussichtsplattformen und einem Touristenzentrum erleben.
Ebenso majestätisch wie die Bedeutung ihrer Namen, recken Bispen (Bischof), Kongen (König) und Dronninga (Königin) ihre schneebedeckten Spitzen gen Himmel. Zwischen den drei Bergen stürzt der Wasserfall Stigfossen 180 Meter in die Tiefe. Wenige Kilometer entfernt beginnt der berühmte Geiranger Fjord, der 2005 zum UNESCO-Naturerbe ernannt wurde.

Inmitten dieser spektakulären Landschaft im Westen Norwegens befindet sich der Trollstigen, eine Passstraße, die sich über elf enge Haarnadelkurven bis zu einer Höhe von 852 Meter die Berge hinaufwindet. Es ist wohl der Kombination aus Naturschauspiel und der teilweise direkt in den Stein geschlagenen Straße zu verdanken, dass der Trollstigen heute zu den bekanntesten Touristenattraktionen des Landes zählt.

Seit kurzem lockt nun obendrein ein architektonisches Großprojekt Besucher aus aller Welt in die Region. Nach siebenjähriger Bauzeit wurde im Juni diesen Jahres die Eröffnung der „Trollstigen National Tourist Route“ gefeiert. Das groß angelegte Architekturprojekt umfasst verschiedene Bauten, darunter ein Touristenzentrum mit Restaurant, Brücken, Fußpfaden und Aussichtsplattformen, allesamt mit spektakulärer Aussicht auf die Berge und die umliegende, charakteristische Fjordlandschaft.

Die gestalterischen Anforderungen an das Projekt wurden im Vorhinein klar definiert. Da das Naturspektakel weiter im Vordergrund stehen sollte, durfte die Architektur nicht zu spektakulär ausfallen. Sie sollte sich vielmehr dezent in das Umfeld einfügen, ohne der Landschaft die Schau zu stehlen. Dieses wahrlich nicht leichte Unterfangen wurde in die Hände eines einheimischen Architektenbüros gegeben, da diesem ein größtmögliches Verständnis für die Platzierung von Architektur in die typisch norwegische Landschaft zugetraut wurde.

Das Studio Reiulf Ramstad Architects aus Oslo entschloss sich dazu, bei der Umsetzung des Projekts die natürlichen Gegebenheiten direkt in die Architekturgestaltung einzubeziehen. Wie einst bei der Passstraße, wurden auch jetzt Teile der neuen Fußwege direkt in den Berg geschlagen. Bei der Wahl der Materialien und deren Farben orientierte man sich ebenfalls an den landschaftlichen Gegebenheiten und wählte Werkstoffe wie Beton oder Zement, die sich optisch in die Umgebung einfügen. Einige Geländer wurden zusätzlich mit Cor-Ten Stahl verkleidet, dessen charakteristische rostfarbene Patina einen künstlichen Alterungsprozess simuliert und einen gelungenen farblichen Kontrast zu den übrigen Materialien bildet. Mit ihrer zackigen Form wurden die Fußpfade und Aussichtsplattformen zudem optisch an die berühmten Serpentinen der Straße angeglichen.

Wer dieses Bauprojekt selbst bewundern will, muss sich in den Sommermonaten zum Trollstigen begeben. Im Winter ist die Touristenattraktion aufgrund der strengen Witterungsbedingungen nämlich nicht passierbar.