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Zwanzigelf – eine Spekulation
von Thomas Wagner | 1. Januar 2011
Grafik: Dimitrios Tsatsas, Stylepark

Zweinulleinseins oder Zwanzigelf. Zwei Zehner und elf Einsen, 20+1+1+1+1+1+1+1+1+1+1+1. Als ob die immergleichen und sich addierenden Impulse und die daraus entstehende Reihe nicht enden wollten. Zwei runde und zwei - oder elf - spitze Zahlzeichen - welch merkwürdige Konstellation. Was aus ihr erwächst, liegt im Dunkel der Zeit, was sie am Ende bedeuten wird, entscheidet jeder für sich. Von allzu viel Harmonie ist die Zahlenfolge freilich nicht getragen. Folgte bei der 2010 die Hälfte auf das Ganze und wirkte die Zahlenfolge deshalb recht ausgewogen, so hat sich das Gleichgewicht nun verschoben. Unwucht ist reichlich in der Welt, weshalb es uns nicht allzu sehr überraschen kann, dass hier und da etwas klemmt. Vorsichtig gesagt. Es kann, ist das Gleichgewicht erst dahin, auch vieles kippen - zum Besseren und zum Schlechteren, wer weiß das schon.

Auch der Wechsel zu anderen Deutungssystemen vermag unsere Ratlosigkeit nicht wirklich zu mildern. Aus der Literatur kennen wir den Zwölfelf. Von einem Zwanzigelf indes ist, soweit ich weiß, nirgendwo die Rede. Wenn der Dichter Christian Morgenstern also von jenem leidlich bekannten Tiere sagt - „Der Zwölfelf hebt die linke Hand: Da schlägt es Mitternacht im Land" -, so können wir nicht daraus schließen, was geschehe, höbe der Zwanzigelf die rechte. Mit einem mythischen Tier hat Zwanzigelf wohl nicht allzu viel zu tun. Also versuchen wir es noch mal, nun mit den einzelnen Teilen der Jahreszahl.

Die Zahl 20 markiert eine Zählgrenze und bildet in vielen Kulturen eine Basis der Zählung, so wie etwa im Französischen achtzig als „quatre-vingt", als vier mal zwanzig ausgedrückt wird. Insofern zwanzig eine Zählgrenze beschreibt, markiert sie auch eine Zäsur. Zu den Merkwürdigkeiten der Zahlensymbolik gehört es, dass etwa die „Schneise", wie wir sie heute im Wald kennen, ursprünglich ein Band bezeichnete, an dem man etwa zwanzig Thunfische zum Trocknen aufhängen konnte. Zwanzig Thunfische für elf Freunde? Nein, nein, das lassen wir lieber.

Komplizierter ist die Sache bei der Elf. Für sich betrachtet ist diese symbolisch seit jeher mit negativen Vorzeichen belastet, weil sie zwischen den beiden „Rundzahlen", der Zehn und der Zwölf, steht. Elf Apostel sind eine Unmöglichkeit, elf Freunde, nun, auch sie treffen nicht immer das Tor, und nicht nur die Angst des Tormanns beim Elfmeter ist berüchtigt. Ganz Schlaue wollen in der Elfzahl der Fußballspieler sogar einen Hinweis auf die menschliche Unvollkommenheit sehen. Wobei die Häufung der Elf an Tagen wie dem 1.1.11 oder dem 11.11.11 um 11 Uhr 11, dem Beginn der Fastnachtszeit im kommenden Jahr, sich wohl eher dem Amüsement verdankt, das solche Zahlenwerte hervorrufen. Als Heiratstermin wird der 11.11.11 wohl schon längst ausgebucht sein, auch wenn offenbleiben muss, was man in anderen Weltgegenden davon hält.

Anders verhält es sich mit dem Elferrat, der seine demokratisch-bürgerlichen Ambitionen unter der Narrenkappe ja nur versteckte. Wurde von den ihrer Rechte beraubten Bürgern- im Geiste der Französischen Revolution - die Elf doch so interpretiert, dass sich in ihr die Gleichheit aller Menschen versinnbildliche. Lauter Einsen, eine neben der andern und eine wie die andere - wie ein freier Bürger neben dem anderen. Auch lässt sich, im Deutschen, die Elf spielerisch aus den Anfangsbuchstaben der Losung der Französischen Revolution bilden: „Egalité, Liberté, Fraternité" = ELF! Und nimmt man die aus 0 und 1 gebildete Sprache des Computers, so bedeutet 11 ja immerhin ja, ja.

Was folgt nun aus alledem für 2011? Antwortet auf zwei Versuche mit Null Ergebnis ein grimmiges ja, ja? Dass wir auch in diesem Jahr in unruhigen Zeiten leben werden wissen wir sowieso. Dass eins neben eins steht und wir Weltbürger uns die Gleichheit von keinem nehmen lassen? Das wäre kein schlechtes Motto für ein Jahr, das inmitten einer Zeit der Zäsuren irgendwo dazwischen stehen könnte. „Allons enfants de la patrie" - nehmt sie nicht nur hin, nehmt sie an, die Elf, was immer sie bringen wird. „Le Jour ... est arrivé" - denn längst schon hob der Zwanzigelf seine rechte Hand - und wieder zog ein Neues Jahr ins Land. Cheerio! Elfmal Cheerio!

News & Stories › 2011 › Januar
Zwanzigelf – eine Spekulation
von Thomas Wagner | 1. Januar 2011
Aus 2010 ist über Nacht 2011 geworden. Was kommt da auf uns zu? Was bedeutet die Zahlenfolge? Keine Ahnung! Ein wenig spekuliert werden darf trotzdem.
Zweinulleinseins oder Zwanzigelf. Zwei Zehner und elf Einsen, 20+1+1+1+1+1+1+1+1+1+1+1. Als ob die immergleichen und sich addierenden Impulse und die daraus entstehende Reihe nicht enden wollten. Zwei runde und zwei - oder elf - spitze Zahlzeichen - welch merkwürdige Konstellation. Was aus ihr erwächst, liegt im Dunkel der Zeit, was sie am Ende bedeuten wird, entscheidet jeder für sich. Von allzu viel Harmonie ist die Zahlenfolge freilich nicht getragen. Folgte bei der 2010 die Hälfte auf das Ganze und wirkte die Zahlenfolge deshalb recht ausgewogen, so hat sich das Gleichgewicht nun verschoben. Unwucht ist reichlich in der Welt, weshalb es uns nicht allzu sehr überraschen kann, dass hier und da etwas klemmt. Vorsichtig gesagt. Es kann, ist das Gleichgewicht erst dahin, auch vieles kippen - zum Besseren und zum Schlechteren, wer weiß das schon.

Auch der Wechsel zu anderen Deutungssystemen vermag unsere Ratlosigkeit nicht wirklich zu mildern. Aus der Literatur kennen wir den Zwölfelf. Von einem Zwanzigelf indes ist, soweit ich weiß, nirgendwo die Rede. Wenn der Dichter Christian Morgenstern also von jenem leidlich bekannten Tiere sagt - „Der Zwölfelf hebt die linke Hand: Da schlägt es Mitternacht im Land" -, so können wir nicht daraus schließen, was geschehe, höbe der Zwanzigelf die rechte. Mit einem mythischen Tier hat Zwanzigelf wohl nicht allzu viel zu tun. Also versuchen wir es noch mal, nun mit den einzelnen Teilen der Jahreszahl.

Die Zahl 20 markiert eine Zählgrenze und bildet in vielen Kulturen eine Basis der Zählung, so wie etwa im Französischen achtzig als „quatre-vingt", als vier mal zwanzig ausgedrückt wird. Insofern zwanzig eine Zählgrenze beschreibt, markiert sie auch eine Zäsur. Zu den Merkwürdigkeiten der Zahlensymbolik gehört es, dass etwa die „Schneise", wie wir sie heute im Wald kennen, ursprünglich ein Band bezeichnete, an dem man etwa zwanzig Thunfische zum Trocknen aufhängen konnte. Zwanzig Thunfische für elf Freunde? Nein, nein, das lassen wir lieber.

Komplizierter ist die Sache bei der Elf. Für sich betrachtet ist diese symbolisch seit jeher mit negativen Vorzeichen belastet, weil sie zwischen den beiden „Rundzahlen", der Zehn und der Zwölf, steht. Elf Apostel sind eine Unmöglichkeit, elf Freunde, nun, auch sie treffen nicht immer das Tor, und nicht nur die Angst des Tormanns beim Elfmeter ist berüchtigt. Ganz Schlaue wollen in der Elfzahl der Fußballspieler sogar einen Hinweis auf die menschliche Unvollkommenheit sehen. Wobei die Häufung der Elf an Tagen wie dem 1.1.11 oder dem 11.11.11 um 11 Uhr 11, dem Beginn der Fastnachtszeit im kommenden Jahr, sich wohl eher dem Amüsement verdankt, das solche Zahlenwerte hervorrufen. Als Heiratstermin wird der 11.11.11 wohl schon längst ausgebucht sein, auch wenn offenbleiben muss, was man in anderen Weltgegenden davon hält.

Anders verhält es sich mit dem Elferrat, der seine demokratisch-bürgerlichen Ambitionen unter der Narrenkappe ja nur versteckte. Wurde von den ihrer Rechte beraubten Bürgern- im Geiste der Französischen Revolution - die Elf doch so interpretiert, dass sich in ihr die Gleichheit aller Menschen versinnbildliche. Lauter Einsen, eine neben der andern und eine wie die andere - wie ein freier Bürger neben dem anderen. Auch lässt sich, im Deutschen, die Elf spielerisch aus den Anfangsbuchstaben der Losung der Französischen Revolution bilden: „Egalité, Liberté, Fraternité" = ELF! Und nimmt man die aus 0 und 1 gebildete Sprache des Computers, so bedeutet 11 ja immerhin ja, ja.

Was folgt nun aus alledem für 2011? Antwortet auf zwei Versuche mit Null Ergebnis ein grimmiges ja, ja? Dass wir auch in diesem Jahr in unruhigen Zeiten leben werden wissen wir sowieso. Dass eins neben eins steht und wir Weltbürger uns die Gleichheit von keinem nehmen lassen? Das wäre kein schlechtes Motto für ein Jahr, das inmitten einer Zeit der Zäsuren irgendwo dazwischen stehen könnte. „Allons enfants de la patrie" - nehmt sie nicht nur hin, nehmt sie an, die Elf, was immer sie bringen wird. „Le Jour ... est arrivé" - denn längst schon hob der Zwanzigelf seine rechte Hand - und wieder zog ein Neues Jahr ins Land. Cheerio! Elfmal Cheerio!