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Lieber Leser,
mit dieser Ausgabe stellen wir Ihnen in "Materialworks Zoom"
wieder ein Beispiel für den innovativen Umgang mit Material vor.
Dieses Mal aus der Perspektive eines Verarbeiters.
Die Firma Hannecke Display Systeme ist auf die Herstellung von Displays
für Medien spezialisiert und hat sich dabei verstärkt mit der
Entwicklung verschiedener Falttechniken auseinandergesetzt. In diesem
Kontext hat Hannecke eine dreidimensionale Falttechnik für Acrylglas
entwickelt, die ganz neue Möglichkeiten für dessen Anwendung
in Design und Architektur eröffnet.
Wie gewohnt finden
Sie darüber hinaus alle Informationen über unsere Materialworks
Material Editionen, über neue Materialien in unserer Datenbank und
unsere aktuellen Aktivitäten.
Viel Spaß beim
Erkunden der Welt der Materialien wünscht Ihnen
Ihr Materialworks Team
»
www.materialworks.com

Materialworks Zoom:
Origami in Plexiglas®-
das CUT'N FOLD®-Verfahren der Northeimer Firma Hannecke

Origami gilt vielen
als harmloses Hobby Stille suchender Ästheten, die kleine Schwäne
oder Hasen aus Papier falten. Doch immer öfter werden die Prinzipien
der japanischen Papierfaltkunst auf andere Bereiche übertragen, werden
intelligente Falttechniken auch in technischen Bereichen - beispielsweise
bei Airbags, den Solarsegeln von Satelliten oder bei Weltraumteleskoplinsen
- angewandt. Die Verarbeitung thermoplastischer Materialien durch Faltung
war dabei bisher auf einfache Formen beschränkt. Die Northeimer Firma
Hannecke Display Systeme widmete sich deshalb der Frage, ob sich eine
dreidimensionale Falttechnik auch mit Plexiglas® realisieren ließe.
Mit CUT'N FOLD®
entwickelte das Unternehmen ein international patentiertes Verfahren,
um thermoplastische Plattenmaterialien in dreidimensionale Körper
zu falten, die das Standardverfahren der Abkant-Technik alt aussehen lassen:
Während das Material bislang lediglich entlang gerader Linien erwärmt
und dann zu einfachen, profilartigen Körpern gebogen werden konnte,
lassen sich mit der neuen Technik auch gekrümmte oder sich kreuzende
Biegelinien und damit dreidimensionale Produkte realisieren. Dazu werden
Plexiglas®-Zuschnitte gefertigt und anschließend entlang genau
festgelegter Biegelinien zum Endprodukt gefaltet. Erhitzt werden nur die
erforderlichen Biegelinien, dazwischen liegende Bereiche bleiben kalt
und passen sich während des Faltvorgangs der neuen Form an.

(Fa Hannecke: Nils
Gloth, Christian Pein)
Mit über dreißigjähriger Erfahrung in der Display-Herstellung
verfügt Hannecke zwar über umfassende Kenntnis in der Verarbeitung
von Plexiglas®, dennoch bedurfte es zur Entwicklung der neuen Technik
zahlreicher Versuchsreihen. Selbst das Fraunhofer Institut wurde von Erfinder
und Firmenchef Wolf-Dietrich Hannecke damit beauftragt, die optimale Aufheizung
der Biegelinien im Plexiglas und die ideale Heiztechnik herauszufinden.
Am Ende fand das Unternehmen die Ideallösung jedoch in Eigenregie.
Dabei half auch die Erfahrung des Hannecke-Mitarbeiters Dr. Stefan Delecat,
der als Origami-Experte seit Jahren mit kurvenförmigen Faltungen
in Papier experimentiert. "Die neue Art des Faltens entlang berechneter
Kurven," so Dr. Delecat, "wurde bislang im Origami mit Papier
nur wenig beachtet und erfuhr erst in den letzten Jahren größeres
Interesse. Dass CUT'N FOLD® nun zeitgleich eine Umsetzung solcher
Faltideen in Plexiglas® ermöglicht, gibt mir die Möglichkeit,
eigene Ideen in die Produktion von Gebrauchsgegenständen einzubringen."

Das Verfahren ermöglicht nicht nur neue Formen, sondern hat auch
handfeste praktische Vorteile: Durch gekreuzte oder gekrümmte Biegelinien
erhalten selbst Produkte aus dünnem Material hohe Stabilität.
Die Faltung entlang gebogener Linien lässt gekrümmte Flächen
im Material entstehen, die Druck- und Zugbelastungen besser abfedern.
Das Verfahren füllt die Lücke zwischen herkömmlicher Abkant-Technik
und der Verformung durch flächige Erwärmung wie etwa dem Tiefziehen,
bei dem Struktur oder Transparenz des Materials verändert werden.
Da auch Kombinationen zwischen punktueller, linearer und flächiger
Erwärmung möglich sind, ergeben sich weitere formgebende Möglichkeiten
und Anwendungen im technischen Bereich. Die geringen Werkzeugkosten des
CUT'N FOLD®-Verfahrens lassen auch kleine Auflagen zu. Bisher wurden
Leuchten, Möbel, Displays oder Accessoires realisiert. Produkte wie
Vitrinen, Abdeckungen, Raumteiler, Lärm-, Sichtschutz-, Messe- und
Ladenbauelemente sowie Anwendungen im Bausektor wie Vordächer für
Bushaltestellen sind geplant.
»
www.cutnfold.de
»
www.hannecke.de

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