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Fliesen im Maßanzug
11.07.2012

Handwerk ist nach wie vor ein Synonym für Individualität. Dass sich diese ebenso gut mit alter wie mit neuester Technik verträgt, demonstriert die Artefactur von Villeroy & Boch Fliesen in Mettlach. Ob maßgefertigtes und individuelles Fliesendesign oder anspruchsvolle, perfekt umgesetzte und von Hand geschlagene, gesetzte und geschnittene Mosaike, ob individuelle Bemalung von Hand oder im Digitaldruck, ob gegossene oder gepresste Formteile und exquisite Glasuren – für Architekten und Designer erweist sich das Know-how der Artefactur immer häufiger als unverzichtbar. Garantiert wird all das durch eine lange Tradition, über Generationen weitergegebenes Wissen und einen großen Fundus hochwertiger, zum Teil einzigartiger Materialien und Techniken, darunter historische Musterblätter sowie Steine und Farben in limitierter Zahl. Aus der Liebe zum Detail entsteht so eine Synthese aus Handwerk und Design. Thomas Wagner sprach mit Jacqueline Bauer, Leiterin Marketing sowie mit Heike Koltes, Leiterin Entwicklung und Qualitätsmanagement von Villeroy & Boch Fliesen.

Thomas Wagner: Frau Koltes, die Herstellung von Mosaiken ist eine alte Kulturtechnik. Ist diese heute auch deshalb wieder besonders aktuell, weil sie Muster und Bilder in ähnlicher Weise darzustellen erlaubt wie gepixelte digitale Bilder? Wie arbeiten Sie in der Artefactur?

Heike Koltes: Planer, Architekten und Bauherren wünschen sich immer häufiger eine individuelle Raumgestaltung. Durch die vielfältigen Möglichkeiten, die uns die Artefactur bietet, können wir jeden Wunsch zielgenau umsetzen, ganz gleich, wie ausgefallen er ist, eher traditionellen oder modernen Vorstellungen entspricht. Was die technische Seite der Umsetzung angeht, so besteht diese heutzutage aus dem Einlesen und Rastern eines Kunstwerks, welches anschließend digital weiterverarbeitet und am Ende in Teilstücken von jeweils sechzig mal sechzig Zentimetern auf der Baustelle wieder zu einem Ganzen zusammengefügt wird. Die Herausforderung liegt dabei darin, die Druckglasurfarben exakt an die Vorlage anzupassen. Selbst historische Vorlagen lassen sich nach heutigem Stand der Technik mit unserem modernen Equipment im Digitaldruck umsetzen. So können etwa Materialien, die heutigen Anforderungen genügen, mit klassischen Mustern bedruckt werden, wobei obendrein durch Einsatz von Großformaten der Fugenanteil minimiert werden kann. Auch was Reinigung, Rutschhemmung und Oberflächenhaptik angeht, können wir praktikable und nutzbare Sonderanfertigungen für jeden Einsatzbereich realisieren.

Liegen die Schwerpunkte Ihrer Arbeit eher im Bereich der Restaurierung historischer Mosaiken oder entwickeln Sie vor allem neue Muster und Formen?

Koltes: Wenn gewünscht, können wir auch traditionell arbeiten. Das Herstellen von Schablonen oder das Entwerfen von Mustern oder Motiven hat bei uns bereits seit Jahrhunderten Tradition. Auch Ergänzungen und Restaurierungen mit originalen Materialien können wir realisieren, weil wir auf einen großen Fundus an Beständen aus zurückliegenden Produktionen zurückgreifen oder durch Nachstellung die gewünschten Farben herstellen können. Ob es der Entwurf eines Künstlers ist, der realisiert werden soll, oder eine eigene Idee, das entscheidet der Auftraggeber nach seinem Geschmack. Was die Umsetzung angeht, so kann er sich zwischen der traditionellen oder der modernen Handwerkstechnik entscheiden.

Frau Bauer, welche besondere Funktion hat die Artefactur innerhalb der Firma?

Jacqueline Bauer: In einer technoiden und von Konsum geprägten Massengesellschaft suchen viele Menschen nach dem Besonderen und Einzigartigen, um sich von anderen zu unterscheiden. Mittels weitgehend standardisierter Produkte lässt sich das nur bedingt erreichen. Weltweit – und in fast allen Branchen – finden sie, oft auch übers Internet, mehr oder weniger dieselben Angebote. Der Mensch strebt aber nach etwas Einzigartigem, und genau das wollen wir ihm in der Artefactur bieten.

Wie muss man sich das vorstellen – etwa im Architekturbereich?

Bauer: Beschäftigt man sich damit, wie Mensch, Einzigartigkeit und Architektur zusammenhängen, so kommt man zu dem Ergebnis, dass der Mensch im Grunde drei Hüllen besitzt, die ihn umgeben: Erstens, seine eigene Körperhaut, die einzigartigartig ist; es gibt keine zweite Haut, die identisch ist. Zweitens, seine Kleidung, die ihn umgibt und Signalwirkung hat. Und drittens, seine architektonische Umgebung. Mit dieser dritten Hülle, der Architektur, beschäftigt sich die Artefactur, um dem Individuum ein personalisiertes, auf ihn abgestimmtes, also einmaliges Umfeld zu ermöglichen. Dies ist Hauptauftrag der Artefactur.

Frau Koltes, worin sehen Sie den besonderen ästhetischen Reiz und die Vorzüge von Mosaiken? Welche Anwendungsbereiche stehen im Vordergrund? Kann ich beispielsweise mein Badezimmer oder mein Schwimmbad von Ihnen gestalten lassen?

Koltes: Die dauerhafte und individuelle Gestaltung eines Mosaiks steht für uns immer im Vordergrund. Jedes bei uns gefertigte, handgesetzte Mosaik ist ein Unikat und existiert nur einmal auf der Welt. Die Anwendungsbereiche unserer Mosaike sind extrem vielfältig und fordern die Kreativität unserer Kunden. Das Format der einzelnen Bilder ist nicht beschränkt und beliebig in der Größe darstellbar. Kleinste Muster und Kunstwerke bis zu Wand- oder Bodengestaltungen von mehreren Hundert Quadratmetern können nach von uns angefertigten Verlegeplänen eingebaut werden. Auch die Ausschreibung solcher Leistungen kann sowohl durch unsere Anwendungstechnik als auch durch unsere Abteilung „Technik und Gestaltung“ während der Ausführung eng begleitet und beraten werden.

Die Umsetzung einer persönlichen Idee, etwa in einem Badezimmer oder in einem Schwimmbad, ist für uns immer eine Herausforderung. Durch unser reichhaltiges Programm an Basisfliesen gibt es auch die Möglichkeit, die handgefertigten Mosaikflächen genau an die angrenzenden Fliesen anzupassen.

Welches historische Mosaik bewundern Sie am meisten? Und was war das aufwendigste und aus Ihrer Sicht schönste Mosaik, das die Artefactur bislang realisiert hat?

Koltes: Ein sehr schönes Beispiel für die Umsetzung eines Motivs als handgesetztes Mosaik aus der römischen Zeit ist der Fußboden in Nennig in einer Größe von 160 Quadratmetern – immerhin das größte römische Mosaik nördlich der Alpen. Der 1874 wiederhergestellte und 1960 restaurierte Boden wurde nach historischen Unterlagen im 2. beziehungsweise 3. Jahrhundert nach Christus in einer damaligen Villa eingebaut. Was unsere eigenen Projekte angeht, so realisieren wir zurzeit unter anderem die Ergänzung eines Mäanders aus dem Jahre 1883 an der königlich bayrischen Post in Pirmasens. Das bestehende Mosaik ist noch in einem sehr guten Zustand; es ist sehr reichhaltig und farbenfroh verziert. Für seine Herstellung waren – damals wie heute – rund 250.000 Einzelstücke nötig, die auf einer Fläche von rund 16 Quadratmetern sorgsam eingebaut werden mussten – und müssen. Für uns ein faszinierender Beweis für die Haltbarkeit unseres Mosaiks sogar im Außenbereich. Die Ergänzung komplettiert also eine bereits vor 129 Jahren begonnene künstlerische Arbeit und führt sie zu Ende.

Welche Funktion hat die Artefactur innerhalb der Firma? Muss man sich diese als eine Art Labor vorstellen, in dem mit neuen Mustern und Materialien experimentiert wird?

Koltes: In der Artefactur selbst gibt es zwei Herangehensweisen für uns – mit traditionellen Methoden oder auf der Basis neuester Technologien. Die Artefactur ist für uns ein wichtiges Bindeglied zwischen diesen beiden Polen.

Bauer: Zudem ist es der Auftrag der Artefactur, einen Begriff von Qualität deutlich zu machen, der über den bei anderen Produkten üblichen hinausgeht. Das reicht bis ins Ideelle. Individuelles Design ist eine persönliche Qualitätsaussage. Da sich der Kunde heute auch als „Prosument“ versteht, also möglichst intensiv daran beteiligt sein will, was für ihn hergestellt wird, bietet unsere Artefactur die Möglichkeit, dass der Auftraggeber gemeinsam mit uns ein individuelles und einzigartiges Produkt entwickeln kann. Hier reicht das Spektrum von künstlerischen Anfragen über abstrakte Muster bis hin zu Reproduktionen von denkmalgeschützten Objekten. Dass wir ein sehr breites Spektrum von Umsetzungsmöglichkeiten anbieten können, macht unsere Artefactur einzigartig und unterscheidet sie von anderen Manufakturen, die oft nur einen eingeschränkten Service und ein begrenztes Angebot bieten können.

www.artefactur-4me.com

Mosaiksteine von Hand gefertigt, Foto © Stylepark
Religiöses Mosaik, Foto © Stylepark
Detail eines Mosaiks, Foto © Stylepark
Für den perfekten Schliff, Foto © Stylepark
Historisches Musterbuch, Foto © Stylepark
Handwerk als Synonym für Individualität, Foto © Stylepark
Geometrische und florale Muster, Foto © Stylepark
Anspruchsvolle Handarbeit, Foto © Stylepark
In der Artefactur von Villeroy & Boch Fliesen in Mettlach, Foto © Stylepark
Hoher Grad an Präzision, Foto © Stylepark
Petrus nach Buonarotti Michelangelo aus der Sixtinischen Kapelle, Foto © Stylepark
Kisten markiert mit Farbmustern, Foto © Stylepark
Ton für Ton, Foto © Stylepark
Mit Liebe zum Detail, Foto © Stylepark
In Reih und Glied, Foto © Stylepark
Sternformen, Foto © Stylepark
Über Generationen überliefertes Wissen, Foto © Stylepark

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