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Multitalente, die im Verborgenen wirken
von Thomas Wagner | 16.03.2010

Eine hervorstechende Eigenschaft, die alle in diesem thematischen Schwerpunkt versammelten Produkte miteinander teilen, ist Diskretion. Sie verbergen ihre vielfältigen Eigenschaften und drängen sich optisch nicht in den Vordergrund. Sie fallen dadurch auf, dass sie gerade nicht auffallen. Daneben lässt sich beobachten, dass einige Produkte an sich schon komplexe Teilsysteme integrieren und dadurch zu einer neuen Form von Einfachheit finden. In gewisser Weise verbergen sie ihre eigene Komplexität hinter einer Tarnung, mag diese nun eher technizistisch oder puristisch ausfallen.

Auf dem Feld der Fassaden scheint sich gegenwärtig einiges zu bewegen. Die Firma Schüco bietet mit Ihrer E2 Fassade eine hoch integrierte Lösung, die auch, aber eben nicht nur zur Reduzierung des Energie- und Klimaproblems beiträgt. Um Energie sparen und Energie gewinnen zu können, kann die E2-Fassade über intelligente Schnittstellen bis zu vier Module miteinander verbinden: Öffnungselemente, Sonnenschutz, Lüftungstechnik und Photovoltaikmodule. Die Module lassen sich einzeln, gruppenweise oder als energieeffizientes Gesamtsystem in ein Gebäude integrieren. Dabei eröffnet jedes Modul der Planung Gestaltungsfreiräume. Die einzeln ausstellbaren Fenster lassen sich flächenbündig integrieren, der außen liegende Sonnenschutz aus filigranen Mikro-Lamellen sorgt bei Bedarf für Schatten, und auch die dezentrale Lüftungstechnik schafft durch den Wegfall von Schacht- und Technikflächen ästhetische Spielräume. Gleichzeitig machen flexibel gestaltbare Photovoltaikmodule, die statt einer konventionellen Verglasung eingesetzt werden können, die Gebäudehülle zu einem Energieproduzenten.

Die Firma Wacotech setzt mit ihrer transluzenten Wärmedämmung Wacotec Timax GL eher auf eine Reduzierung der technischen Komplexität. Mittels ihrer Systeme können Profilglas-Fassaden den aktuellen Anforderungen an Raumklima, Beleuchtung und Energieeffizienz angepasst und das Gebäude optisch aufgewertet werden. Zu diesem Zweck werden sehr dünne, gesponnene Glasfasern mit einem lichtstabilen Binder versehen und zu einem extrem leichten und lichtdurchlässigem Glasgespinst verwoben. Durch die eingeschlossene Luft wird eine sehr gute Wärmedämmung erreicht. Gleichzeitig führt die gute Lichtdurchlässigkeit in Verbindung mit einer starken Streuung des Lichts dazu, dass dieses blendfrei einfallen und sich gleichmäßig verteilen kann. Im Sommer wird der Wärmeeintrag überdies durch die sehr gute Sonnenschutzwirkung stark reduziert.

Ein neues, in die Zukunft weisendes Feld sind nicht nur Licht und Energie absorbierende, also passiv klimatisierende Fassaden, sondern solche, die selbst Energie erzeugen. Hier hat die Firma Sulfurcell, einer der drei weltweit führenden Hersteller von CIS-Dünnschicht-Solarmodulen, Kassettenmodule entwickelt, die sich rahmenlos in die Fassadenkonstruktion einhängen lassen. Anders als bei konkurrierenden, ebenfalls in die Fassade integrierten Solaranlagen, zeichnen sich die Elemente dadurch aus, dass sie eine geschlossene Glasfassade bilden. Was edel aussieht, erzeugt obendrein Strom.

Mehr als alles andere ist Licht mit dem Thema Wahrnehmung verknüpft. Denn Licht ermöglicht Sicht. Wobei Licht nicht gleich Licht ist und Beleuchtung beileibe nicht alles. So beschreibt die Firma Erco ihr kontinuierliches Streben nach optimalen Lösungen für die Architekturbeleuchtung - ganz gleich, ob es im konkreten Fall um die Erzeugung, Lenkung oder Steuerung von Licht geht, das Sehen komfortabler gemacht oder szenografisch mittels Licht gestaltet werden soll - nicht zufällig mit dem Leitsatz „tune the light". Für Erco ist Licht ein Werkzeug. Man spricht selbst ausdrücklich davon, man wolle durch den Einsatz des faszinierenden „immateriellen Baustoffs" Licht Technologie in Kultur transformieren. Unter dem Produktname Quintessence bietet Erco beispielsweise ein System von runden oder rechteckigen Deckeneinbauleuchten an, die in ihrer Ausführung der ganzen Vielfalt vorhandener Beleuchtungsaufgaben angepasst werden können. Wesentlich daran ist aber nicht allein, dass der Beleuchtungskörper ganz in der Decke verschwindet und sich in die Architektur einfügt, sondern dass Licht hier konsequent als Phänomen im Raum auftritt. Entscheidend ist weniger die Gestaltung der Lichtquelle selbst, entscheidend ist die Gestaltung, die durch Licht möglich wird. Was unserem Thema insofern einen weiteren Aspekt hinzufügt, als eine Lichtquelle, die selbst zunehmend der Wahrnehmung entzogen ist, die Wahrnehmung des Raumes erst ermöglicht und dessen Wirkung entscheidend mit gestaltet.


Detail eines Fassadenprofils mit innenliegendem Glasgespinst TimaxGL | Foto © Wacotech
Detail der Solar-Fassadenkassette SCG-CC | Foto © Sulufrcell
Vollintegrierte Energiefassade | Foto © Schüco
Foto © Quintessence, ERCO
Szenografische Beleuchtungsvarianten durch Quintessence Downlights mit Varychromfuge Foto © ERCO
Kunstschule Waiblingen/Galerie Stiehl, Waiblingen, Deutschland | Foto © Wacotech
Integrierte Solar-Fassadenmodule | Foto © Sulufrcell
Energiefassade E² mit Ausstellfenstern | Foto © Schüco

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