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Drei Fragen an Inga Sempé

Inga Sempé ist für ihre zarten und spielerischen Entwürfe bekannt. Wie vielfältig ihr Portfolio ist und was sie in diesem Jahr alles geplant hat, erzählt sie uns im Interview.
01.02.2022

Alexander Russ: An welchen Projekten arbeiten Sie derzeit?

Inga Sempé: Eines meiner aktuellen Projekte ist die Wand- und Einbauleuchte "Matin", die im Dezember 2021 von HAY als Erweiterung der gleichnamigen Tischleuchte vorgestellt wurde. 2022 werden wir zudem eine Keramikkasserolle und weiteres Kochgeschirr für Revol auf den Markt bringen – eine historische französische Manufaktur, die auf Kochgeschirr aus Porzellan spezialisiert ist und seit 1768 existiert. Die Kollektion soll im Herbst 2022 auf den Markt kommen. Wir haben insgesamt fünf Größen für die Kasserollen entworfen, auf Französisch "Cocotte" genannt. Hinzu kommt verschiedenes Ofengeschirr mit drei unterschiedlichen Emaillen. Wir haben auch alle Accessoires für die Kollektion entworfen, wie die Servierlöffelhalter, Deckelhalter und einige kleine Saucenpfannen. Darüber hinaus werden wir dieses Jahr eine Kollektion für die finnische Marke Iittala vorstellen. Geplant sind große, mundgeblasene Glasschalen, Bettwäsche und Kissen sowie eine Kollektion mit Glasfotorahmen in fünf verschiedenen Größen. Auf dem Salone del Mobile 2022 wollen wir auch Schränke aus gebogenen Spiegeln für die italienische Marke Glas Italia präsentieren. Auch ist eine Kollektion von drei Holzhockern für Articles geplant, ein kleines schwedisches Unternehmen, dessen künstlerischer Leiter Björn Dahlström ist. Wir arbeiten zudem an Keramikfliesen für die italienische Firma Mutina und an Beleuchtungen für Hay und Wästberg, die von einer kleinen Akkuleuchte bis zur großen Stehleuchte reichen. Hinzu kommen Teppiche für nanimarquina und Stoffe für Kinnasand.

Wie hat sich Ihre Herangehensweise an das Produktdesign im Laufe der Zeit verändert?

Inga Sempé: Es hat mich schon immer gereizt mit einem Unternehmen zusammenzuarbeiten, das eine Serienproduktion bietet. Inspiration finde ich im Alltag, daher versuche ich Ideen, Systeme oder Formen zu entwerfen, die einfach zu verwenden sind und das tägliche Leben verbessern. Das hat sich bis heute nicht geändert und war auch schon mein Standpunkt, als ich noch Design studierte. Was sich geändert hat ist, dass ich mir mehr und mehr über die Schwierigkeiten bewusst bin, mit denen Unternehmen zu kämpfen haben – zum Beispiel bei der Produktion oder den Investitionskosten für die Werkzeuge. Ansonsten ist mein Ansatz immer noch derselbe: Ich mag weiche und zarte Objekte, die vielleicht ein wenig anders sind, Charme haben und Menschen von Jung bis Alt gefallen könnten.

Zu Ihren Arbeiten zählt auch ein Fokus auf das Leuchtendesign, was fasziniert Sie daran?

Inga Sempé: Ich interessiere mich für Leuchten, da es sich um eine sehr vielfältige Typologie handelt. Das bedeutet, dass man an mehreren Modellen gleichzeitig arbeiten kann, ohne sich zu langweilen – wohingegen es für mich extrem eintönig wäre, zwei Sofas gleichzeitig zu entwerfen, da das Volumen jeweils mehr oder weniger gleich ist. Außerdem muss eine Leuchte schön sein, wenn sie ein- und ausgeschaltet ist. Und sie sollte beweglich sein, da mich Mechanismen faszinieren. Aber ich liebe immer die Typologie des Objekts, das ich entwerfe – wenn auch nicht am Anfang, aber während der Arbeit, wenn ich mich damit beschäftige.

Leuchtendesign von Inga Sempé: W103, W153 und Lampyre für Wästberg, Cappuccina für Luceplan, Vapeur für Moustache, Matin für HAY

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