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Daniel Hager, Vorstandsvorsitzender der Hager Group, und Architekt Matthias Sauerbruch von Sauerbruch Hutton, Berlin. Foto © Hager Group
10
Fragen an
D. Hager &
M. Sauerbruch

2. Juni 2013
Schnelle Lösungen durch neue, innovative Technologien. Dafür steht die Hager Group aus dem elsässischen Obernai, die mit einem Umsatz von 1,6 Milliarden Euro im Jahr 2012 und ihren Marken Hager, Berker, Daitem, Diagral, Efen und Elcom zu den international führenden Anbietern von Gebäudetechnik gehört. Wenn solch ein Unternehmen einen Architektenwettbewerb auslobt, sind die Erwartungen natürlich hoch. Zu den Vorgaben zählten ein harmonisches Einfügen in die Umgebung, die Einbindung der Unternehmenswerte, ökologische Aspekte sowie eine mitarbeiter- und besucherfreundliche Atmosphäre. Unter den Bewerbern wie Wandel Höfer Lorch, Saarbrücken, und Lissoni Associati, Mailand, ging das Berliner Büro Sauerbruch Hutton mit seinem Entwurf eines Gebäudes mit H-Grundriss und mächtiger Holzdach-Konstruktion hervor. Noch im Sommer dieses Jahres soll der Grundstein gelegt werden, 2014 soll der Bau abgeschlossen sein.

Robert Volhard: Wie muss ich mir das vorstellen, wenn Sie als Architekt, Herr Sauerbruch, ein Gebäude für so ein komplexes Unternehmen bauen, das mit seinen Technologien in der Gebäude-Automation und -Steuerung sich rasant entwickelt? Verzweifeln Sie gerade?

Matthias Sauerbruch: Nein. Eine der Qualitäten, die wir gesucht haben, ist eine sehr einfache Grundstruktur, das H im Grundriss mit einer sehr klaren, strukturellen Hierarchie. Da gibt es das Dach auf den Stützen, und dann gibt es die Ebenen, auf denen die Arbeitsplätze angeordnet sind. Das Ziel ist eine Struktur, die sehr flexibel ist, die die Technologien, die wir heute gar nicht kennen, in fünf Jahren auch aufnehmen kann. Durch die Flexibilität kann natürlich auch eine Beliebigkeit auftreten. Daher muss das Ziel sein, eine atmosphärisch sehr präzise Umgebung zu schaffen, wo die Materialität, das ganze Design, die Proportionen, die Oberflächen, das Licht und vieles mehr wirklich stimmen, gleichzeitig aber eine größtmögliche Freiheit für die Nutzung bietet. Das ist eine sehr interessante Aufgabe. Nicht nur für Hager, sondern generell auch für andere Unternehmen.

Herr Hager, Sie bauen als ein Unternehmer, der dafür bekannt ist, flache Hierarchien und ein motiviertes Team zu haben. Inwieweit haben Sie Ihre Mitarbeiter in die Planung des Neubaus involviert?

Daniel Hager: Zuerst haben wir uns gefragt, was wir in diesem Gebäude machen wollen. Anschließend haben wir die verschiedenen Abteilungen einbezogen und deren Bedürfnisse abgefragt: Marketing, Vertrieb, die Schulungsabteilung, Designabteilung sowie das Business Development. Ich bin der Überzeugung, dass Kommunikation auf allen und zwischen den Ebenen unheimlich wichtig ist, damit wir nicht nur ein Abteilungsdenken haben. Das betrifft auch die Entwicklung unseres Unternehmens im Moment. Wir denken in Lösungen und Systemen, und das kann nur passieren, wenn diese Vielfalt da ist. Wir setzen daher mehr auf Großraumbüros und versuchen dadurch, Kommunikation herbeizuführen. Die Leute werden einfach gezwungen, sich an verschiedenen Knotenpunkten zu treffen und zu unterhalten.

Gibt es denn dann auch noch Rückzugsorte?

Hager: Ja klar, es muss natürlich Rückzugspunkte geben. Insbesondere, wenn man alleine arbeiten muss und auch, wenn man Besprechungsräume braucht. Es ist ein anderes Arbeiten, ein neues Arbeiten, und um mein Unternehmen weiterzuentwickeln, muss sich eben das Arbeiten weiterentwickeln. Müssen sich die Dinge verändern. Ich glaube, flache Hierarchien und Kommunikation sind essenziell.

Herr Sauerbruch, das neue Unternehmensforum für die Hager Group wird eines der wenigen Gebäude von Ihnen sein, das nicht farbig ist. Die Fassade ist aus Metall, aus verschiedenen Oberflächen von Glanz bis Matt.

Sauerbruch: Für Außenstehende sieht es vielleicht so aus, als würden bestimmte Themen immer wieder kommen. Aber es ist so, dass wir in jedem Projekt einen neuen Ansatz suchen. Manchmal in der Gestalt, manchmal in der technischen Lösung, manchmal in beidem. Für das Projekt der Hager Group hatten wir Holz als Material schnell im Kopf. Im Elsass gibt es sehr viel Holzarchitektur. Deshalb und auch, weil wir in letzter Zeit mit Holz relativ viel gearbeitet haben. Und weil wir das Gefühl hatten – das wurde uns ja auch kommuniziert – , dass die Leute sich wohlfühlen sollen. Holz ist da natürlich ein gutes Material. Bei der Präsentation hat mich Daniel Hager provokativ gefragt, „ob das hier irgendwie so eine Schwarzwald-Bude werden soll?“. Davon hätten sie hier genug (beide lachen).

Als „Schwarzwald-Bude“ hätte ich Ihren Entwurf nicht bezeichnet.

Sauerbruch: Uns ist das natürlich auch durch den Kopf gegangen. Daher fanden wir, dass es noch etwas anderes braucht. Wir entschieden uns für Metall, da wir gesehen haben, dass bei Hager viel mit Metall gearbeitet wird. Man muss auch sagen, dass es sich um ein Industriegelände handelt. Ein Stück weiter gibt es einen großen Supermarkt und andere Unternehmen, die sich alle sehr farbenfroh zeigen. Da fanden wir eine gewisse elegante Zurückhaltung ganz angemessen.

Zählt zu der von Ihnen angesprochenen Zurückhaltung auch die Firmenbeschriftung bei dem Neubau? Man sieht nur das Hager Logo, nicht aber das der Hager Group.

Hager: Die Hager Group ist das verbindende Element für alle Mitarbeiter in der Gruppe. Wir haben uns als Leitbild gesetzt, die Marken der Gruppe stärker in den Vordergrund zu stellen, besonders dort, wo unsere Kunden hinkommen. Das ist auch bei diesem Gebäude der Fall. Früher war das die Farbe Blau. Wir haben uns über die Jahre in diese Farbe reingesteigert. Mittlerweile wurde das Blau so dominant, dass wir es in den vergangenen Jahren stark zurückgefahren haben. Billig wäre es gewesen, das neue Gebäude blau anzustreichen. Den Effekt, den wir mit der Metallfassade, mit den Grauabstufungen und den Segeln, die sich nach der Sonneneinstrahlung einstellen, erzielen werden, wird sicherlich interessanter sein.

Vor 20 Jahren haben Sie eines der ersten firmeneigenen Schulungszentren geplant. Schulungen halten Sie in der Kundenbindung sehr wichtig. Dürfen wir auf ein neues Schulungszentrum gespannt sein?

Hager: Das Interessante wird sein, wie wir das Gebäude am Ende bespielen werden. Die Flexibilität im Entwurf ist sehr hoch. Durch die Einheiten, die sich in diesem Gebäude wiederfinden werden und auch durch gestalterische Elemente wollen wir unsere Kollegen dazu animieren, den Raum in Besitz zu nehmen. Wir glauben, dass dieses Gebäude uns anspornen wird, noch weiter zu gehen, und dass es die Zeit, die wir dort mit unseren Kunden und Partnern verbringen werden, zu einem unvergesslichen Erlebnis macht.

Sie haben sich einen rasanten Zeitplan gestellt: Der Grundstein soll diesen Sommer liegen und bis Januar 2014 soll der Bau abgeschlossen sein. Wie wollen Sie das schaffen?

Sauerbruch: So ein öffentlicher Bauvorgang ist natürlich zeitintensiv, weil wir sehr exakt vorgeschriebene Vergabeverfahren haben, bestimmte Fristen und so weiter und so fort. Das geht alles ewig, Daher haben wir den zweiten Schritt schon vor dem ersten getan: Wir sitzen schon mit mehreren Firmen am Tisch bevor wir wissen, wie genau das gelöst wird. Damit kann man die Sache sehr beschleunigen.

Hager: Ich bin zuversichtlich, dass wir die Meilensteine, die wir uns gesetzt haben, auch realisieren werden. Das Dach ist einer der Kernmeilensteine. Wenn wir das bis Oktober haben, können wir den restlichen Zeitplan auch einhalten. Wir freuen uns alle auf das Gebäude.

In dem neuen Gebäude laufe ich dann als Besucher an einem Entwickler vorbei, der gerade einen neuen Schalter oder Schrank fertigt. Ist diese Transparenz auch das Ziel und auch in Ihrem Sinne?

Hager: Es ist immer ein Spagat zwischen einer gewissen Geheimhaltung und der Kommunikation nach außen. Unsere eigene Designagentur, Winco in Straßburg, möchten wir nun auch ins eigene Haus holen. Diese Designagentur arbeitet auch für externe Auftraggeber. Ziel ist es natürlich, mit unserem Hauptdesigner, Erwin van Handenhoven, zu experimentieren und dabei näher an die Kundenwünsche heranzugehen, an die Bedürfnisse eines Architekten, eines Planers, eines Elektrotechnikers. Mit dem direkten Erlebnis des Kunden am Designprozess werden wir auf eine neue, andere Weise unsere Produkte entwickeln.

Herr Sauerbruch, ist das Arbeiten mit einem inhabergeführten Familienunternehmen anders als mit großen Konzernen oder Aktiengesellschaften?

Sauerbruch: Natürlich, das ist ein Riesenunterschied. In einem Familienunternehmen sind die Entscheidungswege kurz, die Identifikation mit der Entscheidung sehr hoch, die Bereitschaft, Verantwortung dafür zu tragen, vorhanden. Das sind alles Dinge, von denen man nicht unbedingt ausgehen kann, wenn es sich um verzweigtere Strukturen handelt. Bei der Architektur ist das natürlich absolut entscheidend. Richtig gute Architektur kommt nur zustande, wenn ein guter Bauherr und ein guter Architekt zusammenkommen. Aus diesem Dialog, diesem Pingpong zwischen Bauherren und Architekten, da entstehen die neuen Dinge. Das ist die Chance bei einem Unternehmen wie die Hager Group, was durch Personen geführt wird, die Meinungen, Vorlieben und eigene Schwerpunkte haben.

Ich danke Ihnen beiden für das Gespräch.

Moderne „Schwarzwaldbude“ mit mächtiger Holzkonstruktion. Foto © Hager Group
Einfache Grundstruktur mit einem H im Grundriss sollen präzise Atmosphären schaffen. Hier die Forumshalle. Foto © Hager Group
Im Sommer 2013 soll mit dem Bau begonnen werden, 2014 soll er abgeschlossen sein. Foto © Hager Group
Die Jury in Aktion: Daniel Hager (dritter von links), Vorstandsvorsitzender Hager Group, mit Architekt Jens Bothe (ganz rechts), der ebenso einen Entwurf beim Wettbewerb einreichte. Foto © Hager Group
News & Stories › 2013 › Juni
10 Fragen an D. Hager & M. Sauerbruch
2. Juni 2013
Sauerbruch Hutton realisiert für die Hager Group ein Forum am Stammsitz im elsässischen Obernai. Robert Volhard sprach mit Daniel Hager, Vorstandsvorsitzender der Hager Group, und dem Architekten Matthias Sauerbruch über die Anforderungen an das neue Gebäude, den Faktor Mitarbeiter und die Vorteile flexibler, offener Strukturen.
Schnelle Lösungen durch neue, innovative Technologien. Dafür steht die Hager Group aus dem elsässischen Obernai, die mit einem Umsatz von 1,6 Milliarden Euro im Jahr 2012 und ihren Marken Hager, Berker, Daitem, Diagral, Efen und Elcom zu den international führenden Anbietern von Gebäudetechnik gehört. Wenn solch ein Unternehmen einen Architektenwettbewerb auslobt, sind die Erwartungen natürlich hoch. Zu den Vorgaben zählten ein harmonisches Einfügen in die Umgebung, die Einbindung der Unternehmenswerte, ökologische Aspekte sowie eine mitarbeiter- und besucherfreundliche Atmosphäre. Unter den Bewerbern wie Wandel Höfer Lorch, Saarbrücken, und Lissoni Associati, Mailand, ging das Berliner Büro Sauerbruch Hutton mit seinem Entwurf eines Gebäudes mit H-Grundriss und mächtiger Holzdach-Konstruktion hervor. Noch im Sommer dieses Jahres soll der Grundstein gelegt werden, 2014 soll der Bau abgeschlossen sein.

Robert Volhard: Wie muss ich mir das vorstellen, wenn Sie als Architekt, Herr Sauerbruch, ein Gebäude für so ein komplexes Unternehmen bauen, das mit seinen Technologien in der Gebäude-Automation und -Steuerung sich rasant entwickelt? Verzweifeln Sie gerade?

Matthias Sauerbruch: Nein. Eine der Qualitäten, die wir gesucht haben, ist eine sehr einfache Grundstruktur, das H im Grundriss mit einer sehr klaren, strukturellen Hierarchie. Da gibt es das Dach auf den Stützen, und dann gibt es die Ebenen, auf denen die Arbeitsplätze angeordnet sind. Das Ziel ist eine Struktur, die sehr flexibel ist, die die Technologien, die wir heute gar nicht kennen, in fünf Jahren auch aufnehmen kann. Durch die Flexibilität kann natürlich auch eine Beliebigkeit auftreten. Daher muss das Ziel sein, eine atmosphärisch sehr präzise Umgebung zu schaffen, wo die Materialität, das ganze Design, die Proportionen, die Oberflächen, das Licht und vieles mehr wirklich stimmen, gleichzeitig aber eine größtmögliche Freiheit für die Nutzung bietet. Das ist eine sehr interessante Aufgabe. Nicht nur für Hager, sondern generell auch für andere Unternehmen.

Herr Hager, Sie bauen als ein Unternehmer, der dafür bekannt ist, flache Hierarchien und ein motiviertes Team zu haben. Inwieweit haben Sie Ihre Mitarbeiter in die Planung des Neubaus involviert?

Daniel Hager: Zuerst haben wir uns gefragt, was wir in diesem Gebäude machen wollen. Anschließend haben wir die verschiedenen Abteilungen einbezogen und deren Bedürfnisse abgefragt: Marketing, Vertrieb, die Schulungsabteilung, Designabteilung sowie das Business Development. Ich bin der Überzeugung, dass Kommunikation auf allen und zwischen den Ebenen unheimlich wichtig ist, damit wir nicht nur ein Abteilungsdenken haben. Das betrifft auch die Entwicklung unseres Unternehmens im Moment. Wir denken in Lösungen und Systemen, und das kann nur passieren, wenn diese Vielfalt da ist. Wir setzen daher mehr auf Großraumbüros und versuchen dadurch, Kommunikation herbeizuführen. Die Leute werden einfach gezwungen, sich an verschiedenen Knotenpunkten zu treffen und zu unterhalten.

Gibt es denn dann auch noch Rückzugsorte?

Hager: Ja klar, es muss natürlich Rückzugspunkte geben. Insbesondere, wenn man alleine arbeiten muss und auch, wenn man Besprechungsräume braucht. Es ist ein anderes Arbeiten, ein neues Arbeiten, und um mein Unternehmen weiterzuentwickeln, muss sich eben das Arbeiten weiterentwickeln. Müssen sich die Dinge verändern. Ich glaube, flache Hierarchien und Kommunikation sind essenziell.

Herr Sauerbruch, das neue Unternehmensforum für die Hager Group wird eines der wenigen Gebäude von Ihnen sein, das nicht farbig ist. Die Fassade ist aus Metall, aus verschiedenen Oberflächen von Glanz bis Matt.

Sauerbruch: Für Außenstehende sieht es vielleicht so aus, als würden bestimmte Themen immer wieder kommen. Aber es ist so, dass wir in jedem Projekt einen neuen Ansatz suchen. Manchmal in der Gestalt, manchmal in der technischen Lösung, manchmal in beidem. Für das Projekt der Hager Group hatten wir Holz als Material schnell im Kopf. Im Elsass gibt es sehr viel Holzarchitektur. Deshalb und auch, weil wir in letzter Zeit mit Holz relativ viel gearbeitet haben. Und weil wir das Gefühl hatten – das wurde uns ja auch kommuniziert – , dass die Leute sich wohlfühlen sollen. Holz ist da natürlich ein gutes Material. Bei der Präsentation hat mich Daniel Hager provokativ gefragt, „ob das hier irgendwie so eine Schwarzwald-Bude werden soll?“. Davon hätten sie hier genug (beide lachen).

Als „Schwarzwald-Bude“ hätte ich Ihren Entwurf nicht bezeichnet.

Sauerbruch: Uns ist das natürlich auch durch den Kopf gegangen. Daher fanden wir, dass es noch etwas anderes braucht. Wir entschieden uns für Metall, da wir gesehen haben, dass bei Hager viel mit Metall gearbeitet wird. Man muss auch sagen, dass es sich um ein Industriegelände handelt. Ein Stück weiter gibt es einen großen Supermarkt und andere Unternehmen, die sich alle sehr farbenfroh zeigen. Da fanden wir eine gewisse elegante Zurückhaltung ganz angemessen.

Zählt zu der von Ihnen angesprochenen Zurückhaltung auch die Firmenbeschriftung bei dem Neubau? Man sieht nur das Hager Logo, nicht aber das der Hager Group.

Hager: Die Hager Group ist das verbindende Element für alle Mitarbeiter in der Gruppe. Wir haben uns als Leitbild gesetzt, die Marken der Gruppe stärker in den Vordergrund zu stellen, besonders dort, wo unsere Kunden hinkommen. Das ist auch bei diesem Gebäude der Fall. Früher war das die Farbe Blau. Wir haben uns über die Jahre in diese Farbe reingesteigert. Mittlerweile wurde das Blau so dominant, dass wir es in den vergangenen Jahren stark zurückgefahren haben. Billig wäre es gewesen, das neue Gebäude blau anzustreichen. Den Effekt, den wir mit der Metallfassade, mit den Grauabstufungen und den Segeln, die sich nach der Sonneneinstrahlung einstellen, erzielen werden, wird sicherlich interessanter sein.

Vor 20 Jahren haben Sie eines der ersten firmeneigenen Schulungszentren geplant. Schulungen halten Sie in der Kundenbindung sehr wichtig. Dürfen wir auf ein neues Schulungszentrum gespannt sein?

Hager: Das Interessante wird sein, wie wir das Gebäude am Ende bespielen werden. Die Flexibilität im Entwurf ist sehr hoch. Durch die Einheiten, die sich in diesem Gebäude wiederfinden werden und auch durch gestalterische Elemente wollen wir unsere Kollegen dazu animieren, den Raum in Besitz zu nehmen. Wir glauben, dass dieses Gebäude uns anspornen wird, noch weiter zu gehen, und dass es die Zeit, die wir dort mit unseren Kunden und Partnern verbringen werden, zu einem unvergesslichen Erlebnis macht.

Sie haben sich einen rasanten Zeitplan gestellt: Der Grundstein soll diesen Sommer liegen und bis Januar 2014 soll der Bau abgeschlossen sein. Wie wollen Sie das schaffen?

Sauerbruch: So ein öffentlicher Bauvorgang ist natürlich zeitintensiv, weil wir sehr exakt vorgeschriebene Vergabeverfahren haben, bestimmte Fristen und so weiter und so fort. Das geht alles ewig, Daher haben wir den zweiten Schritt schon vor dem ersten getan: Wir sitzen schon mit mehreren Firmen am Tisch bevor wir wissen, wie genau das gelöst wird. Damit kann man die Sache sehr beschleunigen.

Hager: Ich bin zuversichtlich, dass wir die Meilensteine, die wir uns gesetzt haben, auch realisieren werden. Das Dach ist einer der Kernmeilensteine. Wenn wir das bis Oktober haben, können wir den restlichen Zeitplan auch einhalten. Wir freuen uns alle auf das Gebäude.

In dem neuen Gebäude laufe ich dann als Besucher an einem Entwickler vorbei, der gerade einen neuen Schalter oder Schrank fertigt. Ist diese Transparenz auch das Ziel und auch in Ihrem Sinne?

Hager: Es ist immer ein Spagat zwischen einer gewissen Geheimhaltung und der Kommunikation nach außen. Unsere eigene Designagentur, Winco in Straßburg, möchten wir nun auch ins eigene Haus holen. Diese Designagentur arbeitet auch für externe Auftraggeber. Ziel ist es natürlich, mit unserem Hauptdesigner, Erwin van Handenhoven, zu experimentieren und dabei näher an die Kundenwünsche heranzugehen, an die Bedürfnisse eines Architekten, eines Planers, eines Elektrotechnikers. Mit dem direkten Erlebnis des Kunden am Designprozess werden wir auf eine neue, andere Weise unsere Produkte entwickeln.

Herr Sauerbruch, ist das Arbeiten mit einem inhabergeführten Familienunternehmen anders als mit großen Konzernen oder Aktiengesellschaften?

Sauerbruch: Natürlich, das ist ein Riesenunterschied. In einem Familienunternehmen sind die Entscheidungswege kurz, die Identifikation mit der Entscheidung sehr hoch, die Bereitschaft, Verantwortung dafür zu tragen, vorhanden. Das sind alles Dinge, von denen man nicht unbedingt ausgehen kann, wenn es sich um verzweigtere Strukturen handelt. Bei der Architektur ist das natürlich absolut entscheidend. Richtig gute Architektur kommt nur zustande, wenn ein guter Bauherr und ein guter Architekt zusammenkommen. Aus diesem Dialog, diesem Pingpong zwischen Bauherren und Architekten, da entstehen die neuen Dinge. Das ist die Chance bei einem Unternehmen wie die Hager Group, was durch Personen geführt wird, die Meinungen, Vorlieben und eigene Schwerpunkte haben.

Ich danke Ihnen beiden für das Gespräch.