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Am Mut hängt der Erfolg
von Amelie Znidaric | 24. April 2010
Jungdesigner haben es nicht leicht. Unprofessionell, heißt es schnell, wenn sie ihre Werke roh und ohne viel Rundherum präsentieren. Wird aber poliert, glatt gebügelt und fein geschliffen, müssen sie sich den Vorwurf gefallen lassen, sie seien zu wenig experimentell. Und trotzdem muss man über die diesjährige Salone Satellite, die Mailänder Designmesse für junges Design, sagen: Herzklopfen? Überraschung? Staunen? Eher weniger.

132 Labels und Designer unter 35 Jahren sowie 20 Schulen haben im Rahmen des Salone Internazionale del Mobile vom 14. bis 19. April 2010 ihre Arbeiten präsentiert, und vieles davon unterschied sich nicht maßgeblich von dem, was in den anderen Messehallen, jenen der großen Hersteller, zu sehen war: gut durchdacht, serienreif ausgearbeitet, professionell präsentiert. Das ist nicht schlecht, ganz im Gegenteil. Die Satellite wurde 1998 gegründet, um Jungdesigner mit etablierten Produzenten zu vernetzen. Dieses Ziel wurde in diesem Jahr noch verstärkt, indem im Vorfeld ein Wettbewerb in den Kategorien Küche und Bad ausgeschrieben wurde - passend zu den gleichzeitig stattfindenden Eurocucina und International Bathroom Exhibition. Es gehe nicht darum, die Ideen der jungen Gestalter zu beschneiden, hieß es dazu von der Messeleitung, sondern sie zu kanalisieren, sodass sie Relevanz für die ausstellenden Hersteller hätten. Das ist gut. Junge Designer wollen ihre Entwürfe verwirklichen und Geld damit verdienen. Hersteller wollen - vor allem in Zeiten der Krise - Produkte auf den Markt bringen, die sich verkaufen, und nicht lange herum experimentieren. Gewonnen hat den Salone Satellite Award übrigens die US-Japanerin Nao Tamura für „Seasons", grüne Blätter aus Silikon, die als Teller und Servierplatten dienen. Ein Produkt, das man sich gut etwa bei Authentics vorstellen kann.

Aber ein bisschen Kratzbürstigkeit darf man sich von Jungdesignern doch eigentlich schon erwarten. Oder? Zum Glück waren nicht alle so gefällig. Das schwedische Label Brikolör etwa präsentierte einen leeren Stand, an dessen Rückwand stand: „It takes more than a year to make a difference", stand da zu lesen, „the work is done. But we're not happy. Just good isn't good enough for Brikolör." Und dann noch ein Absatz darüber, dass Produkte Systeme verändern und die Welt retten könnten, dass die Designer entsprechend ihrer Vision „Fewer products for the many" gar nicht jedes Jahr neue Produkte präsentieren müssten und dass sie darum zuhause geblieben seien. Das ist frech und mutig. Im Ausstellungskatalog allerdings kündigt Brikolör noch mehrere Produkte an, ein Regalsystem etwa und einen Hocker. Damit war die ganze Aktion wohl doch nur... unprofessionell?

Jedenfalls haben die Schweden etwas angesprochen, das auch sonst Thema war: Ökologie. Im hintersten Winkel der Halle war dazu der einzige wirkliche Hingucker der Messe zu sehen: eine winzig kleine LED-Tischleuchte, die von sechszehn herrlichen, essbaren Tomaten und einem fein säuberlich ausgelegten Metallleitersystem mit Strom versorgt wurden. „On/Off" hieß die Sammelschau von d-Vision, einem Programm, das ähnlich der Benetton'schen Fabrica vom israelischen Kunststoffhersteller Keter initiiert wurde. 23 Strom sparende LED-Leuchten demonstrierten eindrucksvoll, wie fabelhaft „gut" und „schön" zusammengehen, wenn man nur will. Ein Model war etwa aus 97-prozentiger Seife - die dank der kühlen LED-Lämpchen nicht schmolz -, ein anderes aus ultraleichtem Styropor und ein drittes ließ sich einschalten, indem zwei Leuchtenteile wie zum Kuss zueinander geführt werden. Und zum Beweis für den niedrigen Energieverbrauch hing ein Stromzähler am Stand.

Der Bremer Wolfgang Behrend präsentierte „zu_tisch", einen Beistelltisch aus schwarz gefärbten Bananenschachteln und Sperrholz: gutes Gewissen und ein hübsches Möbelstück für nur um die 100 Euro. Einen anderen Zugang zu Ökodesign zeigte die Schwedin Lisa Hilland mit ihrem „My Granddaughter's Cabinet". Statt Recyclingstoffen verwendete sie Materialien, die schön altern - ideal, um das Kästchen weiterzuvererben.

Ganz grundsätzlich ist den jungen Ausstellern ein Hang zur Tradition nicht abzusprechen. Denn eines fehlte auf der Satellite: Produkte, die widerspiegeln, dass die Welt, in der wir leben, eine digitale ist. Dabei gibt es Objekte, die beides sind, materiell und virtuell. Man findet sie in Spielzeuggeschäften, Puppen etwa, die per USB-Anschluss zu Figuren in Onlinespielen werden. Warum sollte eine ähnlich intelligente Verknüpfung von realer und virtueller Welt nicht auch im Möbelbereich möglich sein? Von Jungdesignern darf man eigentlich erwarten, dass sie sich mit so etwas beschäftigen. Oder?
Leuchte "Friday" von Reinhard Dienes (links) und Chalice von Sebastian Herkner
Präsentation von der libanesischen Akademie der schönen Künste "Alba"
Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur (Hochschule Ostwestfalen-Lippe)
Jalousie "Kontuur" von Helena Karelson, London
Präsentation von Lime Studio, Barcelona
Uhr "Continue Time" von Sander Mulder
Stuhl "Antelope 2" von Tom Brett (vorn) und Tisch "Clamped" von Ryan Sorrell, London
Präsentation von Laura Passalacqua und Silvia Viti
Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur (Hochschule Ostwestfalen-Lippe)
Präsentation von Hildur & Konrad, Oslo
Tisch "You and me" von marama, Italien