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von 2143 Forward End
Bjarke Ingels erklärt die Welt, wie sie uns gefällt
von Sandra Hofmeister | 18. Dezember 2010
Yes is More: An Archicomic on Architectural Evolution; Alle Fotos: Dimitrios Tsatsas, Stylepark

Von der Geschichte zur Gegenwart und von Kopenhagen nach Shanghai: Dieses Buch schlägt Brücken zwischen Generationen und Kontinenten, stellt dabei waghalsige Thesen auf und bleibt vor allem eins - verdammt unterhaltsam. Auf konventionelle Wege der Architekturvermittlung lässt sich die Monographie „Yes is More" erst gar nicht ein, obwohl die schrillbunten Seiten des Taschenbuchs eine Art Visitenkarte für ein Architekturbüro sind, nämlich für die Bjarke Ingels Group (BIG). Die dänischen Architekten, allen voran ihr Anführer Bjarke Ingels, vertrauen unter Beibehaltung ihrer routinierten, international bekannten Handschrift auf den Elan neuer Wege, brechen gängige Muster auf und geben sich doch nicht revolutionär, sondern pragmatisch. „Yes is More" überträgt all diese Eigenschaften auf das Buchformat, zeigt gebaute Projekte sowie Entwürfe aus dem Portfolio von BIG und erklärt sie in Comicform. Statt professioneller Hochglanzfotos geben bunte Bildchen und Sprechblasen Einblicke in die Entwurfsphilosophie von BIG, statt technischer Details werden politische Hintergründe angeschnitten. Geographische Analysen wie die der höchsten Bergspitzen in Aserbaidschan, zeugen von der peniblen Entwurfsmethode, mit der BIG vorgeht und die sich in den letzten Jahren als Erfolgsmodell bewährt hat. Als Fremdenführer dieses fabelhaften bibliophilen Universums, in dem sich Menschen, Bauaufgaben und Orte begegnen, führt Bjarke Ingels höchstpersönlich durch das Buch. Eigentlich wollte er ursprünglich nicht Architekt, sondern Comiczeichner werden - umso geglückter ist sein erster Auftritt als Geschichtenerzähler im Comicformat.

„Less is more" sagt Mies van der Rohe auf den ersten Seiten des Buches, „I'm a whore" antwortet Philip Johnson, „...more and more..." geht es dann mit Rem Koolhaas weiter, in dessen Rotterdamer Büro Bjarke Ingels nach seinem Abschluss in Kopenhagen ein Lehrjahr verbracht hatte. Und als ob dies nicht genug wäre, kulminiert diese Reihe in Barack Obamas „Yes we can" und ganz zum Schluss behält Bjarke Ingels das letzte Wort - mit „Yes is more". Jung und frech hat sich der Däne schon immer gegeben, war dabei jedoch nie als Angry Young Man unterwegs. Vieles, was im ersten Moment naiv klingen mag, entpuppt sich auf den zweiten Blick als taktisches Manöver und Strategie, die der 36 Jahre alte Professor der Columbia University gezielt anwendet. Es geht ihm um Architektur als Verhandlungssache, um einen Schritt in der Evolutionskette und um den uneingeschränkten Glauben, dass wir alle die Welt voranbringen können. Besonders eklatant zeigt sich dieses Weltverständnis in den ironisch-ernsthafen Entwürfen der Architekten, die der Comic ausführlich dokumentiert und die vermutlich nie gebaut werden: Ein gigantischer Hafen zwischen Deutschland und Dänemark, der einen Großteil des europäischen Schiffsverkehrs aufnehmen soll, eine energieautarke Insel in der Bucht von Baku, ein Hochhaus, welcher das Porträt eines Scheichs wie eine Fata Morgana in der Wüste platziert und den passenden Namen Sheikh chich" trägt.

Völlig zu Recht erhält „Yes is more" dieses Jahr den Preis für die beste Architektenmonografie des Deutschen Architekturmuseums in Frankfurt am Main. Wer neben dem Buch noch mehr von BIG sehen möchte, sollte sich die Ausstellung „Yes is more" in der Stuttgarter Galerie Wechselraum ansehen - oder eine Exkursion nach Kopenhagen machen. Dort wurde im Ørestad-Gebiet gerade das „8 House" fertig gestellt.

Yes is More: An Archicomic on Architectural Evolution
Von Bjarke Ingels
Softcover, 400 Seiten, deutsche und englische Ausgabe
Taschen, Köln, 2010
19,99 Euro
www.taschen.com

Yes is More
Vom 21. Januar bis zum 19. März 2011
Architekturgalerie, München
www.muenchner-galerien.de

Architektur › 2010 › Dezember
Bjarke Ingels erklärt die Welt, wie sie uns gefällt
von Sandra Hofmeister | 18. Dezember 2010
Die Monographie „Yes is More" von Bjarke Ingels präsentiert Architekturgeschichte in Comicform. Zu Recht erhält das grafisch aufwendig gestaltete Taschenbuch dieses Jahr den Preis für die beste Architektenmonografie des Deutschen Architekturmuseums in Frankfurt am Main.
Von der Geschichte zur Gegenwart und von Kopenhagen nach Shanghai: Dieses Buch schlägt Brücken zwischen Generationen und Kontinenten, stellt dabei waghalsige Thesen auf und bleibt vor allem eins - verdammt unterhaltsam. Auf konventionelle Wege der Architekturvermittlung lässt sich die Monographie „Yes is More" erst gar nicht ein, obwohl die schrillbunten Seiten des Taschenbuchs eine Art Visitenkarte für ein Architekturbüro sind, nämlich für die Bjarke Ingels Group (BIG). Die dänischen Architekten, allen voran ihr Anführer Bjarke Ingels, vertrauen unter Beibehaltung ihrer routinierten, international bekannten Handschrift auf den Elan neuer Wege, brechen gängige Muster auf und geben sich doch nicht revolutionär, sondern pragmatisch. „Yes is More" überträgt all diese Eigenschaften auf das Buchformat, zeigt gebaute Projekte sowie Entwürfe aus dem Portfolio von BIG und erklärt sie in Comicform. Statt professioneller Hochglanzfotos geben bunte Bildchen und Sprechblasen Einblicke in die Entwurfsphilosophie von BIG, statt technischer Details werden politische Hintergründe angeschnitten. Geographische Analysen wie die der höchsten Bergspitzen in Aserbaidschan, zeugen von der peniblen Entwurfsmethode, mit der BIG vorgeht und die sich in den letzten Jahren als Erfolgsmodell bewährt hat. Als Fremdenführer dieses fabelhaften bibliophilen Universums, in dem sich Menschen, Bauaufgaben und Orte begegnen, führt Bjarke Ingels höchstpersönlich durch das Buch. Eigentlich wollte er ursprünglich nicht Architekt, sondern Comiczeichner werden - umso geglückter ist sein erster Auftritt als Geschichtenerzähler im Comicformat.

„Less is more" sagt Mies van der Rohe auf den ersten Seiten des Buches, „I'm a whore" antwortet Philip Johnson, „...more and more..." geht es dann mit Rem Koolhaas weiter, in dessen Rotterdamer Büro Bjarke Ingels nach seinem Abschluss in Kopenhagen ein Lehrjahr verbracht hatte. Und als ob dies nicht genug wäre, kulminiert diese Reihe in Barack Obamas „Yes we can" und ganz zum Schluss behält Bjarke Ingels das letzte Wort - mit „Yes is more". Jung und frech hat sich der Däne schon immer gegeben, war dabei jedoch nie als Angry Young Man unterwegs. Vieles, was im ersten Moment naiv klingen mag, entpuppt sich auf den zweiten Blick als taktisches Manöver und Strategie, die der 36 Jahre alte Professor der Columbia University gezielt anwendet. Es geht ihm um Architektur als Verhandlungssache, um einen Schritt in der Evolutionskette und um den uneingeschränkten Glauben, dass wir alle die Welt voranbringen können. Besonders eklatant zeigt sich dieses Weltverständnis in den ironisch-ernsthafen Entwürfen der Architekten, die der Comic ausführlich dokumentiert und die vermutlich nie gebaut werden: Ein gigantischer Hafen zwischen Deutschland und Dänemark, der einen Großteil des europäischen Schiffsverkehrs aufnehmen soll, eine energieautarke Insel in der Bucht von Baku, ein Hochhaus, welcher das Porträt eines Scheichs wie eine Fata Morgana in der Wüste platziert und den passenden Namen Sheikh chich" trägt.

Völlig zu Recht erhält „Yes is more" dieses Jahr den Preis für die beste Architektenmonografie des Deutschen Architekturmuseums in Frankfurt am Main. Wer neben dem Buch noch mehr von BIG sehen möchte, sollte sich die Ausstellung „Yes is more" in der Stuttgarter Galerie Wechselraum ansehen - oder eine Exkursion nach Kopenhagen machen. Dort wurde im Ørestad-Gebiet gerade das „8 House" fertig gestellt.

Yes is More: An Archicomic on Architectural Evolution
Von Bjarke Ingels
Softcover, 400 Seiten, deutsche und englische Ausgabe
Taschen, Köln, 2010
19,99 Euro
www.taschen.com

Yes is More
Vom 21. Januar bis zum 19. März 2011
Architekturgalerie, München
www.muenchner-galerien.de