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Das Edelste, was ein Pixel werden kann
von Vera Siegmund | 8. Oktober 2007
Die Bezeichnung „Fliesenhersteller" ist zwar korrekt, doch für das Unternehmen Bisazza lange nicht ausreichend. Denn aus dem Format 10 mal 10 beziehungsweise 20 mal 20 Millimeter puzzelt die italienische Mosaik-Manufaktur ganze Welten von Glitzer und Glamour zusammen. Die kleinen quadratischen Steinchen formen opulente Dekors und traten dank ihrer ornamentalen Tapetenwirkung einen beeindruckenden Siegeszug vom Bodenbelag in Nassbereichen über Wohnzimmerwände bis hin zur Auskleidung von Luxussuiten und Showrooms an.

Piero Bisazza, der das Familienunternehmen im Jahr 2000 von seinem Vater Renato übernahm, etablierte es innerhalb kürzester Zeit zur Luxusmarke. Seither entwerfen für den noblen Marktführer Designer wie Alessandro Mendini, Jaime Hayon, Patricia Urquiola oder Studio Job. Der venezianischen Mosaiktradition verschrieben, interpretiert Bisazza klassische Motive und edle Dessins, die per Computer direkt in die Mosaiktechnik übertragen werden können. Doch obgleich die Pixelassoziation bei einem Mosaik auf der Hand liegt, hatte die digitale Ästhetik bisher keinen Einfluss auf die ornamentale Formensprache der Bisazza-Kreationen.Das änderte jetzt der Architekt und Designer Jürgen Mayer H., dessen Entwurf „Data" von digital erstellten „Dekors" inspiriert ist: den verschlüsselten Datensicherungsmustern, wie sie in vertraulichen Vordrucken benutzt werden. Weiße und graue Digitalziffern rieseln über eine schwarze Fläche und verschränken sich zu einem verklausulierten Muster. Dies ist nicht die erste Arbeit von Mayer H. für Bisazza. Schon mit seinen Schaumstoffsesseln „Soft Mosaic Collection", deren Sitzflächen mit den quadratischen Steinchen überzogen sind, bewies er, dass es eigentlich nichts gibt, was man nicht mit den kleinen Bisazza-Juwelen kombinieren könnte. Überraschte hierbei der konträre Materialeinsatz, radikalisiert Mayer H. mit „Data" nun den bisherigen Ornamentkanon von Bisazza: Ein alltägliches, rein zweckmäßiges und zudem digital generiertes Muster (Mayer H. nennt es ein „strategisches Ornament") wird zum Bisazza-Dekor geadelt. So offensiv wurde die Pixel- und Digitalästhetik in diesem Hause noch nicht umgesetzt.