transparent_layer
db-images/cms/banner/img/l1_v369374_958_728_90-1.jpg
Blättern: First Back
von 2143 Forward End
Das ist doch mal ein toller Stand!
Teil 2
4. März 2013
Amandus Sattler durchstreift gemeinsam mit Robert Volhard weiter die Hallen der „Bau“. Die beiden passieren den Stand eines Maschinenherstellers und er merkt an: „Seltsam, hier trifft man auf eine Firma wie Sky-Frame und in der selben Halle stellt auch ein Maschinenhersteller aus. Da fragt man sich doch, was das soll. Warum dieser Mix? Das bedeutet doch nur, dass man unglaublich viel laufen muss, um an die richtigen Stände zu kommen. Eine Bau-Messe spricht ja unterschiedliche Professionen an, warum ordnet man nicht die Themen wie bei kuratierten Messen? Dort findet man nur die Produkte konzentriert, die einen Architekt tatsächlich interessieren.“

Wir kommen zum Stand von SSS Siedle und Sattler kommentiert: „Das ist doch mal ein toller Stand. Es werden nicht nur Produkte ausgestellt, sondern auch die ,Arch+-Features’ präsentiert, die Veranstaltungsreihe die von SSS Siedle gesponsored wird. Allein die Fotos, die dabei entstanden sind, vermitteln fast ein museales Raumerlebnis. Mich würde mal interessieren, ob andere Sponsoren der Arch+-Features das auch so prominent zeigen? Hier merke ich als Architekt, dass das Unternehmen wirklich hinter den Veranstaltungen für Architekten steht. Das zahlt für mich auf die Marke ein. In einem zweiten Bereich werden dann die Produkte gezeigt. Sehr zurückhaltend und unaufdringlich. Dieser Stand ist sehr gelungen.“

Weiter geht’s. Sattler stoppt spontan bei Lamberts. Ich möchte wissen, was ihn hier interessiert.
Amandus Sattler: Es gab doch mal das Projekt von Gigon+Guyer für das Kunstmuseum Winterthur. Das wurde gerade fertig, als wir noch studiert haben. Die durchscheinenden Glaspanele haben uns alle fasziniert und nicht mehr losgelassen. Wir haben dieses Industrieglas zuletzt für ein Projekt in Tel Aviv als Fassadenmaterial eingesetzt. Das Gebäude ist neunzig Meter tief, da bekommen wir mit „Lamberts Linit“ von allen Seiten Licht ins Gebäude. Wir können auch zusätzlich mit einer transparenten Dämmung arbeiten oder mit verschiedenen Beschichtungen. Solche Fassadenlösungen haben nach wie vor unser Interesse und ein großes Potenzial, besonders wenn, wie in Tel Aviv, die Wärmeschutzeigenschaften nicht im Vordergrund stehen und die Fenster nicht regelmäßig angeordnet werden müssen. Dann lassen sich mit den U-Gläsern Projekte realisieren, die zu monolitischen, scharf geschnittenen Glaskuben werden. Das ist doch wahnsinnig schön!

Wir haben eine weitere Halle geschafft. Mein Begleiter steuert zielstrebig auf den Stand von Haver & Boecker zu. Ich frage ihn, wie er zum Thema „Digitalisierung der Fassade“ steht. Findet er das spannend oder ist ihm das zu viel des Guten?
Amandus Sattler: Ich denke, das ist ein spannendes Thema. In Deutschland gibt es Probleme mit der Anwendung. Die Behörden genehmigen Medienfassaden oft nicht, weil man mit diesen Fassaden die „Lichtverschmutzung“ der Städte intensiviert. Ich finde es trotzdem gut, wenn eine Fassade unterschiedliche Dinge leisten kann. Soweit ist das sehe, gibt es bei den Geweben keinen Unterschied zu „GKD“, einem Hersteller aus Düren. Dort produziert man auch eine Vielzahl von unterschiedlichen Architekturgeweben. Bemerkenswert an dem Produkt von Haver & Boecker ist: Man sieht im ausgeschalteten Zustand nicht, dass es sich um eine Medienfassade handelt. Das gestalterisch ansprechendste digital bespielbare Material aber hat Kvadrat zusammen mit Philipps entwickelt.

Robert Volhard: Sie meinen „Philips Luminous Textile“

Amandus Sattler: Ja, hier sieht man nur einen Stoff, den man aber mittels LEDs mit Licht, aber eben auch mit bewegten Bildern bespielen kann. Faszinierend!

Robert Volhard: Wo haben Sie das gesehen?

Amandus Sattler: Auf der Light+Building.

Robert Volhard: Hat der Stoff noch andere Eigenschaften, die Sie schätzen?

Amandus Sattler: Ja akustische. Die Basis ist das Soft Cells-System, und das bringt die Absorbereigenschaften. Man erreicht damit den notwendigen Schallschutz und hat gleichzeitig eine Projektionsfläche, die aber nicht immer in Funktion sein muss. Zudem kann der Stoff natürlich auch farbig sein, wodurch sich eine Raumoberfläche bildet, die hochqualitativ ist. Einfach ein tolles Produkt.
Am Stand von LUCCON wird uns zunächst das Produkt erläutert, ein Spezialbeton, in den Fieberglasmatten eingewebt werden, wodurch das Material „transluzent“ wird. Sattler möchte wissen, ob sich das Material nur im Innenbereich einsetzen lässt oder auch für Außenfassaden geeignet ist. Uns wird erklärt: „Das geht auch für Fassaden, ganz klar. Die Platte ist absolut porenfrei. Wir sind derzeit in der Lage, Platten bis zu einer Länge von 2,6 Meter herzustellen, entwickeln aber gerade Platten von drei Metern Länge, weil Raumtrennwände oder Zwischenwände diese Maße verlangen. Der Kunde möchte natürlich keine Stoßkanten sehen. Wenn Sie die Platte ganz genau anschauen: Sie hat keine Poren und keinerlei Risse. Unser Beton wird im eigenen Werk hergestellt. Wir kaufen keine Fertigbetonmischungen.“

Auf die Frage, wie dünn eine solche Platte sein könne, erfahren wir: „In der Regel darf man nicht unter 20 Millimeter gehen. Wenn es der Kunde explizit wünscht, können wir auch auf 12 Millimeter runter gehen, und die allerfeinste Stärke, die wir fahren, sind 7 Millimeter.
Solche Platten werden im Flugzeug oder Yachtbau eingesetzt. Der Kunde kann zudem wählen, welche Beimischung mit Naturstein er haben möchte, ob er zum Beispiel rohes Material, große oder kleine Quarzanteile haben möchte. Da lässt sich sehr, sehr viel machen.“

Robert Volhard: Wirklich ein faszinierendes Material.

Amandus Sattler: Ja. Das ist die Firma, die schon seit zehn Jahren transparenten Beton herstellt. So etwas beobachten wir natürlich. Es gibt ja ganz tolle technische Innovationen, die man leider fast nie einsetzen kann, weil Bauherren nur selten bereit sind, 4.000 Euro oder mehr für einen Quadratmeter zu zahlen.

Robert Volhard: Die Firma „Lindner“ kennen Sie sicher? Eine Firma, die sehr vieles kann.

Amandus Sattler: Sicher, die sich aber auch sehr schwer damit tut, das den Kunden auch zu zeigen.

Robert Volhard: Fühlen Sie sich als Architekt nicht angesprochen?

Amandus Sattler: Von der Leistung ja, vom Messeauftritt nein, nicht im Geringsten.
Unsere Unterhaltung ist am Stand von Lindner nicht unbemerkt geblieben. Also werden wir gefragt: „Gefällt Ihnen der Stand? Sagen Sie es ehrlich. Ein bisschen weiß, oder?“ – Sattler: „Naja. Lindner kennt man natürlich. Aber bei dem Stand weiß man nicht so recht, wo es hingeht.“ – „Es ist, wie Sie sagen. Sie erkennen nicht sofort, um was geht es hier eigentlich? Aber das liegt einfach an unserer großen Produktpalette.“ – Sattler: „Genau. Sie können einfach nicht alles zeigen.“ – „Wie Sie sagen, Lindner ist als Fachfirma für Innenausbau sehr bekannt, also Boden, Decke, Wand. Leider kennen viele unsere Fassaden noch nicht, obwohl wir international große Projekte abgewickelt haben. Übrigens auch im deutschen Bereich, auch mit Eigenentwicklungen.“

Robert Volhard: Herr Sattler, wussten Sie, dass „Lindner“ Fassaden anbietet?

Amandus Sattler: Nein, das wusste selbst ich nicht, obwohl ich „Lindner“ kenne und wir mit „Lindner“ natürlich schon viel gemacht haben. Aber nochmal zum Stand: Ich finde es sehr gut, dass Sie keine Produkte zeigen, weil Ihre ganzen Trockenbauplatten und Bodendeckensysteme etc. – die muss man hier nicht unbedingt sehen. Trotzdem finde ich den Stand von Ihrem Qualitätsanspruch her nicht angemessen. Da braucht es noch ein bisschen was. Sie müssen ihre Kompetenz auch über Design und ästhetische Qualität vermitteln, selbst wenn sie ein Innenausbauprodukt haben, das der Maler später überstreicht. Ich finde, der Stand zeigt keine Architekturqualität.

Wir kommen auf das Thema „Schallschutz“. Ob Sattler wohl abgehängte Decken mag?

Amandus Sattler: Naja, das ist bei uns nicht so eindeutig, weil wir bei energetischen Konzepten ja auch mit Themen wie „Bauteilkühlung“ zu tun haben, was überhaupt keine abgehängte Decke erlaubt. Also versuchen wir, für den Schallschutz unterschiedliche Elemente einzusetzen, um das Thema zu bewältigen: Fußboden, Möbel, Wandbehänge usw. Eben nicht nur über die relativ einfache Deckenlösung. Was wir einsetzen, ist beispielsweise relativ feiner Akustikputz, der nicht wie Rauputz aussieht. Hat natürlich nicht so gute Werte. Deshalb ist es gut, nicht nur auf ein System zurückzugreifen, sondern mehrere Lösungsansätze miteinander zu koppeln. Das Problem von Fertigdeckensystemen besteht doch darin, dass man immer an diese Standardmaße gebunden ist, 62,5 auf 62,5 Zentimeter gelocht, mit Würmchen etc. Das kannst du als Architekt eigentlich nicht machen. Also, ich möchte so etwas jedenfalls nicht bauen.

Lesen Sie demnächst mehr in Teil 3 unseres Rundgangs über die „Bau“ mit Amandus Sattler.
News & Stories › 2013 › März
Das ist doch mal ein toller Stand!
Teil 2
4. März 2013
Im zweiten Teil unseres Messerundgangs mit Amandus Sattler, entdeckt dieser gut gestaltete Stände, erklärt, was er von Schallschutz hält und weshalb er Fassaden aus transluzentem Glas, aber auch Medienfassaden aus Stoff schätzt.