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Das Private als Konstruktion
von Jörg Zimmermann | 27. Dezember 2012
Andreas Dornbracht und Susanne Pfeffer begrüßen die Gäste des „Dornbracht Conversations“ Panels mit dem Titel „Public Intimacy“, Foto © Dornbracht

In einer Ausstellung die Kunstwerke ganz allein und ungestört betrachten, ohne die Anwesenheit weiterer Besucher? Eine ungewöhnliche und zugleich herausfordernde Vorstellung, ist der Ausstellungsbetrieb doch zumeist mit Betriebsamkeit und einem Bei- und Miteinander der Besucher verbunden. In den Berliner Kunst-Werken hat die Kuratorin Susanne Pfeffer eine Situation geschaffen, die eine unmittelbare Begegnung und die persönliche Auseinandersetzung mit den gezeigten Arbeiten formal erzwingt. „One On One“ heißt die Ausstellung, die klare Regeln für die Rezeption der Werke diktiert. Nur jeweils ein Betrachter darf eine der weißen Boxen betreten, in denen die Arbeiten eher bewahrt als präsentiert werden. Das Kunstwerk und der Betrachter auf (meist) engem Raum, die Umgebung scheinbar ausgeblendet. Der Betrachter gefangen in einer privaten Situation mit dem Werk? Befangen vielleicht eher, denn mit dem Betreten der Boxen werden die gelernten Verhaltens- und Wahrnehmungsmuster zumindest in Frage gestellt. Die Boxen schaffen eine visuelle Grenze, auch wenn die Kopplung an den gesamten Ausstellungsraum akustisch erhalten bleibt. Ein spannendes Ausstellungsexperiment also, das neben der Auseinandersetzung mit den gezeigten Arbeiten die Diskussion über die Ausstellungssituation an sich fordert – und damit verknüpft die Frage nach privaten und öffentlichen Situationen stellt.

Zur Diskussion steht also die Frage nach Öffentlichem und Privatem, nach Grenzziehungen und deren Wirkung für die Wahrnehmung und darüber hinaus. Gibt es das Private (noch) und wie kann eine Abgrenzung zum Öffentlichen erfolgen? Es sind solche Fragen, die Susanne Pfeffer, die Kuratorin der Schau, Carolyn Christov-Bakargiev, die Leiterin der Documenta13, und der kanadische Künstler Jeremy Shaw bei den „Dornbracht Conversations“ unter dem Titel „Private Intimacy“ erörtert haben.

In Museen und Ausstellungsräumen treffen das Private und das Öffentliche aufeinander, konstatierte Moderatorin Charlotte Klonk. Spätestens seit den frühen 1970er Jahren und dem Aufkommen der Frauenbewegung gelte: das Private sei öffentlich – und damit auf jeden Fall auch politisch, wie Carolyn Christov-Bakargiev betonte. Kunsträume seien somit als Orte politischer Möglichkeiten zu betrachten.

Auf dem Podium herrschte weitgehend Einigkeit, die Grenze zwischen dem Privaten und Öffentlichen sei aufgehoben, das Private unbestreitbar kapitalisiert. Doch mit welcher Konsequenz? Mit der Lesung einer E-Mail des libanesischen Künstlers Rabin Mroué aus dem „Logbuch“ der Documenta 13, einer Sammlung unter anderem ihres Schriftverkehrs mit Künstlern und Autoren, konnte Carolyn Christov-Bakargiev den Fokus der Diskussion nicht schärfer stellen. Ist eine E-Mail, die dermaßen – im Buch und beispielsweise in einer Lesung – öffentlich ausgebreitet wird, noch privat? War sie überhaupt privat gedacht, weil das Verhältnis zwischen Sender und Empfänger, zwischen Künstler und Kuratorin gar nicht privat, sondern von vorne herein öffentlich ist?

Privat sei ja eindeutig „eine definierte soziale Kategorie“, spannte Charlotte Klonk den Bogen zurück zu Aussagen des Soziologen und Philosphen Jürgen Habermas. Und Christov-Bakargiev stellte die „große Frage“: „Was ist das Selbst?’“.

Schon zu Beginn der Gesprächsrunde war angesprochen worden, dass die Verteilung von privat und öffentlich angesichts der neuen, sogenannten sozialen Medien doch zum geschützten Privaten hin tendiert. Weil zumindest in diesem Kontext privat im Sinne von intim zu betrachten sei. Eine wortreiche Bestandsaufnahme von unterschiedlichen Begriffen also, die deren Verbindungen zueinander freilich nicht wirklich zu ergründen vermochte.

www.dornbracht.com

Carolyn Christov-Bakargiev: Leiterin und künstlerische Direktorin der Documenta 13, Foto © Dornbracht
An dem „Dornbracht Conversations“ Panel am 11. Dezember nahmen unter Moderation von Susanne Klonk Susanne Pfeffer, Carolyn Christov-Bakargiev und Jeremy Shaw teil (v.l.n.r.), Foto © Dornbracht
Diskussionsteilnehmerin und Kuratorin Susanne Pfeffer, Foto © Dornbracht
Podiumsteilnehmer Jeremy Shaw, Künstler der Ausstellung “One On One”, Foto © Dornbracht
Die Diskussionsrunde widmete sich der Wahrnehmung und Kommunikation im Spannungsfeld von Intimität und Öffentlichkeit, Foto © Dornbracht
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News & Stories › 2012 › Dezember
Das Private als Konstruktion
von Jörg Zimmermann | 27. Dezember 2012
Gibt es noch eine Grenze zwischen Privatem und Öffentlichem? Die „Dornbracht Conversations“ in den Berliner Kunst-Werken gerieten zu einer wortreichen Bestandsaufnahme.
In einer Ausstellung die Kunstwerke ganz allein und ungestört betrachten, ohne die Anwesenheit weiterer Besucher? Eine ungewöhnliche und zugleich herausfordernde Vorstellung, ist der Ausstellungsbetrieb doch zumeist mit Betriebsamkeit und einem Bei- und Miteinander der Besucher verbunden. In den Berliner Kunst-Werken hat die Kuratorin Susanne Pfeffer eine Situation geschaffen, die eine unmittelbare Begegnung und die persönliche Auseinandersetzung mit den gezeigten Arbeiten formal erzwingt. „One On One“ heißt die Ausstellung, die klare Regeln für die Rezeption der Werke diktiert. Nur jeweils ein Betrachter darf eine der weißen Boxen betreten, in denen die Arbeiten eher bewahrt als präsentiert werden. Das Kunstwerk und der Betrachter auf (meist) engem Raum, die Umgebung scheinbar ausgeblendet. Der Betrachter gefangen in einer privaten Situation mit dem Werk? Befangen vielleicht eher, denn mit dem Betreten der Boxen werden die gelernten Verhaltens- und Wahrnehmungsmuster zumindest in Frage gestellt. Die Boxen schaffen eine visuelle Grenze, auch wenn die Kopplung an den gesamten Ausstellungsraum akustisch erhalten bleibt. Ein spannendes Ausstellungsexperiment also, das neben der Auseinandersetzung mit den gezeigten Arbeiten die Diskussion über die Ausstellungssituation an sich fordert – und damit verknüpft die Frage nach privaten und öffentlichen Situationen stellt.

Zur Diskussion steht also die Frage nach Öffentlichem und Privatem, nach Grenzziehungen und deren Wirkung für die Wahrnehmung und darüber hinaus. Gibt es das Private (noch) und wie kann eine Abgrenzung zum Öffentlichen erfolgen? Es sind solche Fragen, die Susanne Pfeffer, die Kuratorin der Schau, Carolyn Christov-Bakargiev, die Leiterin der Documenta13, und der kanadische Künstler Jeremy Shaw bei den „Dornbracht Conversations“ unter dem Titel „Private Intimacy“ erörtert haben.

In Museen und Ausstellungsräumen treffen das Private und das Öffentliche aufeinander, konstatierte Moderatorin Charlotte Klonk. Spätestens seit den frühen 1970er Jahren und dem Aufkommen der Frauenbewegung gelte: das Private sei öffentlich – und damit auf jeden Fall auch politisch, wie Carolyn Christov-Bakargiev betonte. Kunsträume seien somit als Orte politischer Möglichkeiten zu betrachten.

Auf dem Podium herrschte weitgehend Einigkeit, die Grenze zwischen dem Privaten und Öffentlichen sei aufgehoben, das Private unbestreitbar kapitalisiert. Doch mit welcher Konsequenz? Mit der Lesung einer E-Mail des libanesischen Künstlers Rabin Mroué aus dem „Logbuch“ der Documenta 13, einer Sammlung unter anderem ihres Schriftverkehrs mit Künstlern und Autoren, konnte Carolyn Christov-Bakargiev den Fokus der Diskussion nicht schärfer stellen. Ist eine E-Mail, die dermaßen – im Buch und beispielsweise in einer Lesung – öffentlich ausgebreitet wird, noch privat? War sie überhaupt privat gedacht, weil das Verhältnis zwischen Sender und Empfänger, zwischen Künstler und Kuratorin gar nicht privat, sondern von vorne herein öffentlich ist?

Privat sei ja eindeutig „eine definierte soziale Kategorie“, spannte Charlotte Klonk den Bogen zurück zu Aussagen des Soziologen und Philosphen Jürgen Habermas. Und Christov-Bakargiev stellte die „große Frage“: „Was ist das Selbst?’“.

Schon zu Beginn der Gesprächsrunde war angesprochen worden, dass die Verteilung von privat und öffentlich angesichts der neuen, sogenannten sozialen Medien doch zum geschützten Privaten hin tendiert. Weil zumindest in diesem Kontext privat im Sinne von intim zu betrachten sei. Eine wortreiche Bestandsaufnahme von unterschiedlichen Begriffen also, die deren Verbindungen zueinander freilich nicht wirklich zu ergründen vermochte.

www.dornbracht.com