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von 2143 Forward End
Das Tuch und der Porsche
von Thomas Wagner | 19. August 2010
Alle Fotos © Dimitrios Tsatsas, Stylepark

Es ist so eine Sache mit den Erwartungen. Oder woran denken Sie beim Titel „The Porsche Book"? Doch wohl an Autos - oder? Genauer: an den einen oder anderen Porsche, an was sonst. An viele dieser ganz besonderen Fahrmaschinen, in gestochen scharfen, hinreißenden, edlen Fotografien im Großformat auf feinem Hochglanzpapier. Und dazu jede Menge Informationen, eben all das, was man schon immer mal über die Autos der Marke wissen wollte.

Was das Format angeht, so liegen Sie nicht falsch. Nun steht aber schon auf der ersten Seite und gleich in fünf Sprachen: „Dieses Buch handelt vom Fesseln. Besser gesagt: Entfesseln. Wehe, wenn sie losgelassen werden." Dann wird man darüber unterrichtet, dass „den Turbo einschalten" angeblich auch „mit Gefühlen und mit Bildern" funktioniere und obendrein mit Plattitüden über Kraft, Freiheit, Ästhetik und Erlebnis belästigt. Was folgt, sind 24 Kapitel mit so netten und vielsagenden Überschriften wie „Now", „Green" oder „Up", in denen der eine oder andere Porsche nur zum Anlass zu irgendeiner Art der fotografischen und grafischen Inszenierung genommen wird. Alles sehr aufwendig, aber selten spannend.

Der Fotograf Frank M. Orel, der das Buch gemacht hat, mag ein wichtiger und mit Preisen dekorierter Fotodesigner sein. Die Nähe zu Motiv, von der in seiner Biografie die Rede ist, kann ich hier nicht erkennen. Fast jede Aufnahme wirkt überladen, bei nahezu allen hat man den Endruck, der sie gemacht hat, klopfe sich ständig selbst auf die Schulter, was ihm nun wieder eingefallen ist. Und dann die Sätze, die ein Kapitel einleiten. Kostproben gefällig? „Die Karawane zieht weiter, zur Sandimental (!) Journey." Oder: „Betucht sind nicht ungedingt nur die Besitzer." Weshalb das Tuch über dem wohlgeformten Autokörper dann auch sogleich eine Hauptrolle bekommt.

Sorry, aber mir ist jeder Porsche näher als das Tuch, das ihn dekorativ verdeckt. Für mich sind Betrachten und Fahren wichtiger als die Grafik und der tatsächliche Ladeluftdruck wichtiger als das Überladen mit grafischen Spielereien. Es ist übrigens ein Unterschied, ob man von etwas gefesselt wird, oder ob man an etwas gefesselt wird. Weshalb ich es vorziehe, nicht an eine bestimmte Art oder Ästhetik von Grafikdesign gefesselt zu werden, wenn ich eigentlich Autos betrachten will.

The Porsche Book, The Best Porsche Images By Frank M. Orel
Verlag teNeues, 2010
296 Seiten, gebunden
Englisch, Französisch, Russisch, Chinesisch, Deutsch

www.teneues.com

News & Stories › 2010 › August
Das Tuch und der Porsche
von Thomas Wagner | 19. August 2010
Wer hinter dem Titel „The Porsche Book" ein Buch über Autos vermutet, der irrt. Hier geht es vor allem um die Inszenierungen des Fotodesigners Frank M. Orel. Die Autos spielen nur eine Nebenrolle.
Es ist so eine Sache mit den Erwartungen. Oder woran denken Sie beim Titel „The Porsche Book"? Doch wohl an Autos - oder? Genauer: an den einen oder anderen Porsche, an was sonst. An viele dieser ganz besonderen Fahrmaschinen, in gestochen scharfen, hinreißenden, edlen Fotografien im Großformat auf feinem Hochglanzpapier. Und dazu jede Menge Informationen, eben all das, was man schon immer mal über die Autos der Marke wissen wollte.

Was das Format angeht, so liegen Sie nicht falsch. Nun steht aber schon auf der ersten Seite und gleich in fünf Sprachen: „Dieses Buch handelt vom Fesseln. Besser gesagt: Entfesseln. Wehe, wenn sie losgelassen werden." Dann wird man darüber unterrichtet, dass „den Turbo einschalten" angeblich auch „mit Gefühlen und mit Bildern" funktioniere und obendrein mit Plattitüden über Kraft, Freiheit, Ästhetik und Erlebnis belästigt. Was folgt, sind 24 Kapitel mit so netten und vielsagenden Überschriften wie „Now", „Green" oder „Up", in denen der eine oder andere Porsche nur zum Anlass zu irgendeiner Art der fotografischen und grafischen Inszenierung genommen wird. Alles sehr aufwendig, aber selten spannend.

Der Fotograf Frank M. Orel, der das Buch gemacht hat, mag ein wichtiger und mit Preisen dekorierter Fotodesigner sein. Die Nähe zu Motiv, von der in seiner Biografie die Rede ist, kann ich hier nicht erkennen. Fast jede Aufnahme wirkt überladen, bei nahezu allen hat man den Endruck, der sie gemacht hat, klopfe sich ständig selbst auf die Schulter, was ihm nun wieder eingefallen ist. Und dann die Sätze, die ein Kapitel einleiten. Kostproben gefällig? „Die Karawane zieht weiter, zur Sandimental (!) Journey." Oder: „Betucht sind nicht ungedingt nur die Besitzer." Weshalb das Tuch über dem wohlgeformten Autokörper dann auch sogleich eine Hauptrolle bekommt.

Sorry, aber mir ist jeder Porsche näher als das Tuch, das ihn dekorativ verdeckt. Für mich sind Betrachten und Fahren wichtiger als die Grafik und der tatsächliche Ladeluftdruck wichtiger als das Überladen mit grafischen Spielereien. Es ist übrigens ein Unterschied, ob man von etwas gefesselt wird, oder ob man an etwas gefesselt wird. Weshalb ich es vorziehe, nicht an eine bestimmte Art oder Ästhetik von Grafikdesign gefesselt zu werden, wenn ich eigentlich Autos betrachten will.

The Porsche Book, The Best Porsche Images By Frank M. Orel
Verlag teNeues, 2010
296 Seiten, gebunden
Englisch, Französisch, Russisch, Chinesisch, Deutsch

www.teneues.com