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Der Wunsch nach besserem Licht
10. April 2012
Tobias Grau in seinem Büro- und Arbeitsraum. Der Unternehmer und Designer sitzt in einem ehemaligen Konferenzraum mitten im Geschehen, Foto © Jörg Zimmermann, Stylepark

Der Firmensitz von Tobias Grau, ein Entwurf von Bothe Richter Teherani, versteckt sich fast in der zweiten Reihe eines Gewerbegebiets in einem kleinen Ort vor den Toren Hamburgs. Der etwas längere Weg an den Stadtrand, das Suchen nach dem Zugang, weist einige Parallelen auf zur Annäherung an den gestalterischen Ansatz von Tobias Grau. 1987 trat der Hamburger bei der Kölner Möbelmesse erstmals mit einer eigenen Leuchtenkollektion auf und ist seither immer seinem Ansatz treu geblieben, neuste Technologie und Gestaltung miteinander zu verbinden. Angetrieben von einem ganzheitlichen Denken stellt Tobias Grau bei seinen Entwürfen weniger die Form, sondern das Licht in den Vordergrund. Die Marke Tobias Grau wird heute bei rund 800 Händlern in mehr als 50 Ländern vertrieben, teilweise mit einem integrierten Shop-in-Shop-System. In Deutschland betreibt das Unternehmen sechs eigene Markenshops. Jörg Zimmermann traf Tobias Grau zu einem Gespräch.

Jörg Zimmermann: Herr Grau, warum entwerfen Sie eigentlich Leuchten?

Tobias Grau: Oh, da muss ich ja ganz weit zurückgehen. Ich hatte zunächst BWL studiert, dann an der Parson School in New York ins Design geschnuppert, bei Knoll International gearbeitet, und anschließend in Hamburg mit dem Entwurf von Inneneinrichtungen für Läden und Büros begonnen. Da waren Aufträge dabei, wo auch mal Licht gebraucht wurde und ich habe eine erste Leuchte gemacht, die in einen Einbau integriert war. Die Niedervolt-Halogen-Technik war gerade neu. Licht geht ja immer nur mit Technik. Mit einer neuen Technik entstehen neuen Möglichkeiten. Eine Firmengründung, die nur auf der Entwicklung einer neuen Form beruht, war und ist aus meiner Sicht nicht möglich. So bin ich in dieses Feld hineingerutscht.

Wenn Ihr Einstieg mit der Niedervolt-Halogen-Technik erfolgte: Haben Sie auch mit traditionellen Glühbirnen gearbeitet?

Grau: Nein, und ich weine der Glühbirne auch nicht unbedingt hinterher. Der Stromverbrauch ist riesig. Die Form ist zwar schön, sie gibt wunderbares Licht, aber das bekommt man mittlerweile mit LED genauso hin. Der Energieverbrauch dabei ist viel geringer und die Leuchten werden nicht so heiß.

Bevor wir jetzt in das Technische abdriften, bleiben wir einen Moment bei der Gestaltung. Wie entwickeln Sie das Design der Leuchten?

Grau: Ich arbeite jetzt seit 25 Jahren als Designer und stelle immer mehr fest, es macht einen Unterschied, ob man für die eigene Kollektion zeichnet oder für einen Auftraggeber. Bei der Arbeit für das eigene Unternehmen entstehen die Ideen aus einem ganzheitlichen Ansatz. Man wird immer versuchen, alle Aspekte zu berücksichtigen. Im Mittelpunkt steht natürlich das Produkt. Dann kommt sofort das ganze integrierte Denken dazu, das Kaufmännische, die Katalog-Darstellung, die Messe-Präsentation und natürlich Überlegungen bis hin zur Einordnung des Produktes in das Gesamtprogramm. Dadurch gibt es eine Schlüssigkeit in der Sache, die riesig ist.

Abhängig vom Auftraggeber gibt es also Unterschiede in der Entwurfsarbeit?

Grau: Man arbeitet für die eigene Kollektion nicht besser oder schlechter als für freie Aufträge, die Herangehensweise ist schlicht anders. Nur wenige Firmen arbeiten wie wir. In der Mode gibt oder gab es bei den Firmen und Kollektionen ja manchmal einen Impresario wie zum Beispiel Giorgio Armani. Die ganze Kollektion, das Unternehmen, die Produkte bilden sich um diese Person, um diesen Kern. In diesem Sinne arbeiten wir eher wie eine solche Modefirma. Der Inhalt der Firma definiert sich dadurch, dass ich zu einem bestimmten Zeitpunkt entschieden habe, ich mache meine Produkte, meine Leuchten.

Das hört sich nach einem sehr planvollen Vorgehen an.

Grau: Natürlich gehört Planung dazu. Ich arbeite ja nicht nur an einer Leuchte, sondern an rund sechs bis zwölf Entwürfen parallel. Die stecken immer in unterschiedlichen Phasen, mal ist es eine Idee, mal eine Skizze, mal ein fast fertiges Produkt. Die Aufgabe ist, die Kollektion gesamtheitlich zu sehen. Im Kopf bin ich jetzt schon bei den Produkten für die Euroluce 2013 in Mailand.

Wie entstehen denn Ihre Ideen und Entwürfe? Gibt es einen besonderen gestalterischen Ansatz?

Grau: Bei meiner Arbeit steht gar nicht so sehr der Wunsch im Mittelpunkt, neue Leuchten zu schaffen. Die Triebfeder hinter meinen Entwürfen ist viel mehr der Wunsch nach besserem Licht. Licht ist für mich immer mit den technischen Möglichkeiten verknüpft. Ich habe gerade die Biographie über Steve Jobs gelesen. Was da beschrieben wird, ist ein Siegeszug des Design. Bei Apple findet dieser integrierte Gedanke ja auch statt, allerdings in einer vielfachen Vergrößerung. Das ist ja eine kleine Firma, die ich hier betreibe. Aber der Gedanke „Mach dein eigenes Ding" treibt mich an. Für mich begründen sich dann die Zusammenhänge.

Auf der Light+Buildung werden Sie wieder viele Firmen finden, die nur einen Verschnitt von anderen Produkten machen. Kaufmännisch vermutlich erfolgreich, aber schrecklich. Für mich wäre es undenkbar. Innovationen entstehen so nicht. Gestaltung macht nur Freude, wenn man einen eigenen Weg geht. Das Dollar-Zeichen im Auge muss dann mal nach hinten geblendet werden. Wenn man ein gutes Produkt macht, wird man in der Folge auch Geld verdienen.

Was ist denn Ihr erfolgreichstes Produkt?

Grau: Man kann wohl jetzt schon sagen, dass die Leuchte „Falling" der größte Erfolg ist. Die ist jetzt drei Jahre auf den Markt. Die LED-Technik ermöglicht diese schöne fließende Form der „Falling", dabei treibt mich das Organische eigentlich überhaupt nicht. Aber hier passt es prima. Ich versuche bei der Gestaltung immer ein gehöriges Maß an Zurückhaltung. Es gibt lediglich den Wunsch, den Entwurf auf das Wesentliche zu reduzieren, damit eine Klarheit in der Form entsteht. Trotz aller Reduktion muss aber ein emotionales Moment bleiben. Wenn man die Form völlig herunterrechnet, hat man den Bogen überspannt. Man muss die Balance finden zwischen einer vielleicht archetypischen Form und einer persönlichen Äußerung, sonst wird es beliebig. Wenn es zu individuell wird, fange ich an, nervös zu werden.

Was passiert dann?

Grau: Oft muss ich die Entwürfe dann für Wochen an die Wand hängen und darüber nachdenken, ob eine Idee sich durchträgt. Normalerweise zeichne ich meine Entwürfe in Skizzenbücher, lasse sie dann liegen, geben sie an die Entwickler, die die Zeichnungen in 3-D-Bilder umsetzen. Wir schicken dann oft wochenlang Bilder hin und her, bis eine endgültige Entscheidung erfolgt.

Gibt es Kollegen, die Sie als Vorbild sehen?

Grau: Nein, Vorbilder für meine Gestaltung habe ich nicht. Aber bei manchen Kollegen sehe ich ähnliche Arbeitsweisen. Ich arbeite sehr eigenständig aus mir heraus und gehe meinen Weg. Ähnliches habe ich zum Beispiel bei Ingo Maurer beobachtet, der auch unbeirrt auf seinem Weg voranschreitet. Da sind wir ähnlich, aber die Arbeiten sind ja grundsätzlich verschieden.

Werfen wir noch einen Blick auf die technischen Entwicklungen. Wie verändern neue Leuchtmittel die Entwürfe?

Grau: Klar beeinflusst das Leuchtmittel die Form von Leuchten. Nehmen Sie nur mal die Temperatur-Entwicklung. Bei Glüh- oder Halogenbirnen entstehen 150 bis 200 Grad. Da sollte schon die Form der Leuchte verhindern, dass man damit in Berührung kommt. LED dürfen im Betrieb nur 50 bis 60 Grad warm werden. Mit diesen Temperaturen sind dann andere Formen denkbar. So wurde zum Beispiel die kleine Kugelleuchte „Falling in love" möglich. Die kann dank der LED-Technik einfach so rumliegen, auch Kinder können mal hinfassen. Die technischen Möglichkeiten durchdringen sich so mit den formalen Aspekten.

Richtig gute LED-Leuchten kann man aber erst seit zwei Jahren bauen. Ungefähr seit diesem Zeitpunkt gibt es LED, die von der Lichtqualität an das Licht von Glühlampen heranreichen. Glühlampenlicht ist immer weich und hat eine super Farbwiedergabe. Bei der Farbwiedergabe bleiben LED etwas zurück und das Licht ist härter. Man muss schon viele Ideen entwickeln, um mit den LED dann ein phantastisches Licht zu erzeugen. Im Wohnbereich ist die LED in den letzten 12 Monaten so weiterentwickelt worden, dass der private Nutzer mit bloßem Auge keinen Unterschied mehr sehen wird zwischen Glühlampenlicht und Licht aus LED.

Gelten diese Entwicklungen auch für den Bürobereich?

Grau: Im Bürobereich ist die Herausforderung anders. An erster Stelle steht die Energieeffizienz. Dort werden ja aus energetischen Gründen keine Glühlampen eingesetzt, sondern Leuchtstoffröhren, was dann das Problem der Lichtqualität mit sich bringt. Leuchtstoffröhren haben eine furchtbare Farbwiedergabe.

Jetzt ist die Effizienz der LEDs aber so gestiegen, dass man LED-Leuchten bauen kann, die 20 Prozent weniger Strom verbrauchen und wesentlich bessere Lichtqualität liefern. Der Preis ist noch hoch, aber das Sparpotenzial ist da und die Qualität des Lichtes ist deutlich besser.

Vielleicht noch ein Blick in die Zukunft. Werden die Leuchten sich dematerialisieren, weil die LED immer kleinere Bauformen erlauben?

Grau: Nein, man will Leuchten anfassen können, man will sie an bestimmten Punkten, zum Beispiel über dem Tisch einsetzen. Ich glaube, man wird in Zukunft mehr und vor allem kleinere Leuchten haben. Zumindest im Wohnbereich. Vielleicht bin ich an einigen Stellen nicht so visionär, aber ich finde ganz konservativ den Bereich des Lichts von der Kerze bis zur Glühbirne und LED einfach wunderbar. Es wird Leute geben, die sich mit leuchtenden Wänden beschäftigen und auf diesem Feld Avantgarde sein werden, aber das ist nicht mein Ding.

www.tobias-grau.com

Alle Entwürfe, wie zum Beispiel „MY Table“, zeichnet Tobias Grau zunächst in Skizzenbücher, Foto © Jörg Zimmermann, Stylepark
Die neue LED-Leuchte „MY Table“ läuft im Dauertest im firmeneigenen Testlabor, Foto © Jörg Zimmermann, Stylepark
Alle Leuchten durchlaufen eine mehrstufige Entwicklung. Nach den 3-D-Renderings entstand von der Leuchte „Falling Leaf“ zunächst ein Holzmodell, Foto © Jörg Zimmermann, Stylepark
Einblick in die Entwicklungsabteilung mit Prototypen der „Falling Leaf“ , Foto © Jörg Zimmermann, Stylepark
Die Pendelleuchten aus der Serie „OH“ mit Leuchtenkörper aus Bone China Porzellan werden weiterhin mit Niedervolt-Halogen-Technik ausgerüstet, Foto © Jörg Zimmermann, Stylepark
Neuste LED-Technologie verarbeitet in Handarbeit. Hier die Fertigung von effizienten Leuchten für den Objektbereich, Foto © Jörg Zimmermann, Stylepark
Moderne LED-Technologie bedeutet auch den Einsatz von Steuerelektronik, Foto © Jörg Zimmermann, Stylepark
Produkte
Tobias Grau: Jane Floor @ Stylepark
Tobias Grau
Jane Floor
Tobias Grau
Tobias Grau: Simple @ Stylepark
Tobias Grau
Simple
Tobias Grau
Tobias Grau: GO XT Rectangle @ Stylepark
Tobias Grau
GO XT Rectangle
Tobias Grau
Tobias Grau: Taa Up @ Stylepark
Tobias Grau
Taa Up
Tobias Grau
Tobias Grau: My Table 35 @ Stylepark
Tobias Grau
My Table 35
Tobias Grau
Tobias Grau: Falling Leaf Up @ Stylepark
Tobias Grau
Falling Leaf Up
Tobias Grau
Tobias Grau: George Floor @ Stylepark
Tobias Grau
George Floor
Tobias Grau
Tobias Grau: Anna Table @ Stylepark
Tobias Grau
Anna Table
Tobias Grau
Tobias Grau: GO XT Rectangle @ Stylepark
Tobias Grau
GO XT Rectangle
Tobias Grau
Tobias Grau: Less Wall @ Stylepark
Tobias Grau
Less Wall
Tobias Grau
Tobias Grau: Name Track @ Stylepark
Tobias Grau
Name Track
Tobias Grau
Tobias Grau: George Suspension Go @ Stylepark
Tobias Grau
George Suspension Go
Tobias Grau
Tobias Grau: Falling in Love @ Stylepark
Tobias Grau
Falling in Love
Tobias Grau
Tobias Grau: Name Spot Up @ Stylepark
Tobias Grau
Name Spot Up
Tobias Grau
Tobias Grau: Oh 9 Quattro @ Stylepark
Tobias Grau
Oh 9 Quattro
Tobias Grau
Tobias Grau: Falling Up Round @ Stylepark
Tobias Grau
Falling Up Round
Tobias Grau
News & Stories › 2012 › April
Der Wunsch nach besserem Licht
10. April 2012
Für Tobias Grau gehören Gestaltung und technologische Entwicklung eng zusammen. Dabei treibt ihn weniger das Forschen nach neuen Formen als die Suche nach besserem Licht an. Ein Interview von Jörg Zimmermann.
Der Firmensitz von Tobias Grau, ein Entwurf von Bothe Richter Teherani, versteckt sich fast in der zweiten Reihe eines Gewerbegebiets in einem kleinen Ort vor den Toren Hamburgs. Der etwas längere Weg an den Stadtrand, das Suchen nach dem Zugang, weist einige Parallelen auf zur Annäherung an den gestalterischen Ansatz von Tobias Grau. 1987 trat der Hamburger bei der Kölner Möbelmesse erstmals mit einer eigenen Leuchtenkollektion auf und ist seither immer seinem Ansatz treu geblieben, neuste Technologie und Gestaltung miteinander zu verbinden. Angetrieben von einem ganzheitlichen Denken stellt Tobias Grau bei seinen Entwürfen weniger die Form, sondern das Licht in den Vordergrund. Die Marke Tobias Grau wird heute bei rund 800 Händlern in mehr als 50 Ländern vertrieben, teilweise mit einem integrierten Shop-in-Shop-System. In Deutschland betreibt das Unternehmen sechs eigene Markenshops. Jörg Zimmermann traf Tobias Grau zu einem Gespräch.

Jörg Zimmermann: Herr Grau, warum entwerfen Sie eigentlich Leuchten?

Tobias Grau: Oh, da muss ich ja ganz weit zurückgehen. Ich hatte zunächst BWL studiert, dann an der Parson School in New York ins Design geschnuppert, bei Knoll International gearbeitet, und anschließend in Hamburg mit dem Entwurf von Inneneinrichtungen für Läden und Büros begonnen. Da waren Aufträge dabei, wo auch mal Licht gebraucht wurde und ich habe eine erste Leuchte gemacht, die in einen Einbau integriert war. Die Niedervolt-Halogen-Technik war gerade neu. Licht geht ja immer nur mit Technik. Mit einer neuen Technik entstehen neuen Möglichkeiten. Eine Firmengründung, die nur auf der Entwicklung einer neuen Form beruht, war und ist aus meiner Sicht nicht möglich. So bin ich in dieses Feld hineingerutscht.

Wenn Ihr Einstieg mit der Niedervolt-Halogen-Technik erfolgte: Haben Sie auch mit traditionellen Glühbirnen gearbeitet?

Grau: Nein, und ich weine der Glühbirne auch nicht unbedingt hinterher. Der Stromverbrauch ist riesig. Die Form ist zwar schön, sie gibt wunderbares Licht, aber das bekommt man mittlerweile mit LED genauso hin. Der Energieverbrauch dabei ist viel geringer und die Leuchten werden nicht so heiß.

Bevor wir jetzt in das Technische abdriften, bleiben wir einen Moment bei der Gestaltung. Wie entwickeln Sie das Design der Leuchten?

Grau: Ich arbeite jetzt seit 25 Jahren als Designer und stelle immer mehr fest, es macht einen Unterschied, ob man für die eigene Kollektion zeichnet oder für einen Auftraggeber. Bei der Arbeit für das eigene Unternehmen entstehen die Ideen aus einem ganzheitlichen Ansatz. Man wird immer versuchen, alle Aspekte zu berücksichtigen. Im Mittelpunkt steht natürlich das Produkt. Dann kommt sofort das ganze integrierte Denken dazu, das Kaufmännische, die Katalog-Darstellung, die Messe-Präsentation und natürlich Überlegungen bis hin zur Einordnung des Produktes in das Gesamtprogramm. Dadurch gibt es eine Schlüssigkeit in der Sache, die riesig ist.

Abhängig vom Auftraggeber gibt es also Unterschiede in der Entwurfsarbeit?

Grau: Man arbeitet für die eigene Kollektion nicht besser oder schlechter als für freie Aufträge, die Herangehensweise ist schlicht anders. Nur wenige Firmen arbeiten wie wir. In der Mode gibt oder gab es bei den Firmen und Kollektionen ja manchmal einen Impresario wie zum Beispiel Giorgio Armani. Die ganze Kollektion, das Unternehmen, die Produkte bilden sich um diese Person, um diesen Kern. In diesem Sinne arbeiten wir eher wie eine solche Modefirma. Der Inhalt der Firma definiert sich dadurch, dass ich zu einem bestimmten Zeitpunkt entschieden habe, ich mache meine Produkte, meine Leuchten.

Das hört sich nach einem sehr planvollen Vorgehen an.

Grau: Natürlich gehört Planung dazu. Ich arbeite ja nicht nur an einer Leuchte, sondern an rund sechs bis zwölf Entwürfen parallel. Die stecken immer in unterschiedlichen Phasen, mal ist es eine Idee, mal eine Skizze, mal ein fast fertiges Produkt. Die Aufgabe ist, die Kollektion gesamtheitlich zu sehen. Im Kopf bin ich jetzt schon bei den Produkten für die Euroluce 2013 in Mailand.

Wie entstehen denn Ihre Ideen und Entwürfe? Gibt es einen besonderen gestalterischen Ansatz?

Grau: Bei meiner Arbeit steht gar nicht so sehr der Wunsch im Mittelpunkt, neue Leuchten zu schaffen. Die Triebfeder hinter meinen Entwürfen ist viel mehr der Wunsch nach besserem Licht. Licht ist für mich immer mit den technischen Möglichkeiten verknüpft. Ich habe gerade die Biographie über Steve Jobs gelesen. Was da beschrieben wird, ist ein Siegeszug des Design. Bei Apple findet dieser integrierte Gedanke ja auch statt, allerdings in einer vielfachen Vergrößerung. Das ist ja eine kleine Firma, die ich hier betreibe. Aber der Gedanke „Mach dein eigenes Ding" treibt mich an. Für mich begründen sich dann die Zusammenhänge.

Auf der Light+Buildung werden Sie wieder viele Firmen finden, die nur einen Verschnitt von anderen Produkten machen. Kaufmännisch vermutlich erfolgreich, aber schrecklich. Für mich wäre es undenkbar. Innovationen entstehen so nicht. Gestaltung macht nur Freude, wenn man einen eigenen Weg geht. Das Dollar-Zeichen im Auge muss dann mal nach hinten geblendet werden. Wenn man ein gutes Produkt macht, wird man in der Folge auch Geld verdienen.

Was ist denn Ihr erfolgreichstes Produkt?

Grau: Man kann wohl jetzt schon sagen, dass die Leuchte „Falling" der größte Erfolg ist. Die ist jetzt drei Jahre auf den Markt. Die LED-Technik ermöglicht diese schöne fließende Form der „Falling", dabei treibt mich das Organische eigentlich überhaupt nicht. Aber hier passt es prima. Ich versuche bei der Gestaltung immer ein gehöriges Maß an Zurückhaltung. Es gibt lediglich den Wunsch, den Entwurf auf das Wesentliche zu reduzieren, damit eine Klarheit in der Form entsteht. Trotz aller Reduktion muss aber ein emotionales Moment bleiben. Wenn man die Form völlig herunterrechnet, hat man den Bogen überspannt. Man muss die Balance finden zwischen einer vielleicht archetypischen Form und einer persönlichen Äußerung, sonst wird es beliebig. Wenn es zu individuell wird, fange ich an, nervös zu werden.

Was passiert dann?

Grau: Oft muss ich die Entwürfe dann für Wochen an die Wand hängen und darüber nachdenken, ob eine Idee sich durchträgt. Normalerweise zeichne ich meine Entwürfe in Skizzenbücher, lasse sie dann liegen, geben sie an die Entwickler, die die Zeichnungen in 3-D-Bilder umsetzen. Wir schicken dann oft wochenlang Bilder hin und her, bis eine endgültige Entscheidung erfolgt.

Gibt es Kollegen, die Sie als Vorbild sehen?

Grau: Nein, Vorbilder für meine Gestaltung habe ich nicht. Aber bei manchen Kollegen sehe ich ähnliche Arbeitsweisen. Ich arbeite sehr eigenständig aus mir heraus und gehe meinen Weg. Ähnliches habe ich zum Beispiel bei Ingo Maurer beobachtet, der auch unbeirrt auf seinem Weg voranschreitet. Da sind wir ähnlich, aber die Arbeiten sind ja grundsätzlich verschieden.

Werfen wir noch einen Blick auf die technischen Entwicklungen. Wie verändern neue Leuchtmittel die Entwürfe?

Grau: Klar beeinflusst das Leuchtmittel die Form von Leuchten. Nehmen Sie nur mal die Temperatur-Entwicklung. Bei Glüh- oder Halogenbirnen entstehen 150 bis 200 Grad. Da sollte schon die Form der Leuchte verhindern, dass man damit in Berührung kommt. LED dürfen im Betrieb nur 50 bis 60 Grad warm werden. Mit diesen Temperaturen sind dann andere Formen denkbar. So wurde zum Beispiel die kleine Kugelleuchte „Falling in love" möglich. Die kann dank der LED-Technik einfach so rumliegen, auch Kinder können mal hinfassen. Die technischen Möglichkeiten durchdringen sich so mit den formalen Aspekten.

Richtig gute LED-Leuchten kann man aber erst seit zwei Jahren bauen. Ungefähr seit diesem Zeitpunkt gibt es LED, die von der Lichtqualität an das Licht von Glühlampen heranreichen. Glühlampenlicht ist immer weich und hat eine super Farbwiedergabe. Bei der Farbwiedergabe bleiben LED etwas zurück und das Licht ist härter. Man muss schon viele Ideen entwickeln, um mit den LED dann ein phantastisches Licht zu erzeugen. Im Wohnbereich ist die LED in den letzten 12 Monaten so weiterentwickelt worden, dass der private Nutzer mit bloßem Auge keinen Unterschied mehr sehen wird zwischen Glühlampenlicht und Licht aus LED.

Gelten diese Entwicklungen auch für den Bürobereich?

Grau: Im Bürobereich ist die Herausforderung anders. An erster Stelle steht die Energieeffizienz. Dort werden ja aus energetischen Gründen keine Glühlampen eingesetzt, sondern Leuchtstoffröhren, was dann das Problem der Lichtqualität mit sich bringt. Leuchtstoffröhren haben eine furchtbare Farbwiedergabe.

Jetzt ist die Effizienz der LEDs aber so gestiegen, dass man LED-Leuchten bauen kann, die 20 Prozent weniger Strom verbrauchen und wesentlich bessere Lichtqualität liefern. Der Preis ist noch hoch, aber das Sparpotenzial ist da und die Qualität des Lichtes ist deutlich besser.

Vielleicht noch ein Blick in die Zukunft. Werden die Leuchten sich dematerialisieren, weil die LED immer kleinere Bauformen erlauben?

Grau: Nein, man will Leuchten anfassen können, man will sie an bestimmten Punkten, zum Beispiel über dem Tisch einsetzen. Ich glaube, man wird in Zukunft mehr und vor allem kleinere Leuchten haben. Zumindest im Wohnbereich. Vielleicht bin ich an einigen Stellen nicht so visionär, aber ich finde ganz konservativ den Bereich des Lichts von der Kerze bis zur Glühbirne und LED einfach wunderbar. Es wird Leute geben, die sich mit leuchtenden Wänden beschäftigen und auf diesem Feld Avantgarde sein werden, aber das ist nicht mein Ding.

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