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Die Dinge des Lebens
von Sandra Hofmeister | 3. Mai 2009
Es war kein großer Showroom, in dem sich das neu gegründete Möbellabel „Moustache" erstmals in Mailand vorstellte. Dennoch ein Ausstellungsraum, der es in sich hatte: Die beiden Zimmer des Ladenlokals in der Via Tortona wirkten eher wie eine private Wohnung als ein Verkaufsraum. Ein Alltagsszenario mit Tischen, Stühlen und Schränken, die kompatibel für viele Situationen, erweiterbar, leicht zu verstauen und relativ preiswert sind. Witz und Ironie kündigt bereits der Name des Möbellabels an. „Wir wollten einen Namen, der sich graphisch erklärt, ohne Worte", meint Stéphane Arriubergé, der Moustache gemeinsam mit Massimiliano Iorio gründete. Die beiden Geschäftsführer kennen sich als Geschäftspartner von Domestic - einem Label für „wall stickers" von namhaften Designern.

Witz und Ironie gehören auch zu den Entwürfen der fünf Designer, die die beiden Geschäftsführer für ihre erste Kollektion gewonnen haben: Das Design-Studio Big-Game experimentierte ebenso wie François Azambourg mit Polyruethan-Schaum. Die Stahlstruktur des Comic haften Big Game-Stuhl „Bold" ist mit dem Material überzogen und im Finish mit einem abziehbaren Textilbezug umhüllt. Wider Erwarten entpuppt sich „Bold" auch durchaus praktikabel zum Sitzen - ein avantgardistisches Kabinettstück experimenteller Stuhlkunst. Die flachen Tische von Big Game hingegen sind aus Aluminium gefaltet - ein coffee table, der vielseitig verwendbar und wie die meisten Entwürfe des Labels in vielen Farben lieferbar ist. Fantasie und Praktikabilität beweist Inga Sempé mit ihrer Leuchte „Vempeur" aus Tyvek. Das Flugobjekt ist aus papiervliesartigem Faserfunktionstextil - thermisch verschweißten Polyethylen-Fasern in hoher Dichte - gefertigt und kann je nachdem als Hänge- oder als Tischleuchte eingesetzt werden. Die einfachen Schrankmodule von Inga Sempé - Holzrahmen mit gefalteten Textiltüren zum Aufschieben - rundet das breite Sortiment von Moustache ab und ergänzt Stühle und Tische von Matali Crasset und François Azambourg. Wandelbar je nach Raum und Lebenssituation zeigt sich auch der Rückzugsraum „Xtra room" von Matali Crasset: Eine Höhle, deren Textilwände sich über ein Holzgestell stülpen und leicht abgebaut werden können. Auch die Garderobe „Slastic" von Ana Mir + Emili Padros und die Etagère „Mètre" von François Azambourg setzen auf einfache Mittel und Kompatibilität für jede Lebenssituation.

Moustache präsentiert sich als ein Möbellabel mit frischen, am Leben orientierten Entwürfen. Das Label stetzt auf Essenzielles statt modische Applikationen auszukosten. Stéphane Arriubergé und Massimiliano Iorio haben lauter alltagstaugliche und vielseitig verwendbare Möbel in ihre erste Kollektion aufgenommen - die Dinge des Lebens, die jeder braucht und jeder sein ganzes Leben lang um sich hat. Insofern verweigert sich Moustache den Trends in der Möbelbranche, setzt aber gezielt auf brauchbare, neue Materialien und einfache Lösungen. Vielleicht liegt in der Wirtschaftskrise auch die Chance zu einem Label wie Moustache. Man kann sich deshalb nur wünschen, dass der Vertrieb der neu gegründeten Firma genauso exzellent funktioniert wie die Möbel selbst.