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Azulejos an einer Fassade in Lissabon, Foto © Dimitrios Tsatsas
Die kleinen Steine von Lissabon
von Esther Schulze-Tsatsas
24. August 2012
Die Fassade ist bekanntlich das Antlitz eines Gebäudes. Doch seit Fassaden größtenteils zu funktionalen Elementen eines Bauwerks geworden sind und dämmen, belüften, verschatten und einiges mehr leisten sollen, hat ihr Charakter etwas gelitten. Nur noch selten erzählen sie Geschichten und verleihen dem städtischen Leben einen besonderen Charme.

Etwas mehr Charakter würde den Städten hier und da sicher gut tun. Blickt man beispielsweise nach Lissabon, so findet man schnell einige überzeugende Antworten auf die Frage, wie das einst bewerkstelligt wurde. Die Bilder der farbigen, in der Sonne glänzenden Fassaden der portugiesischen Hauptstadt brennen sich in das Gedächtnis eines jeden Reisenden ein. Unzählige kleine Fliesen schmücken Wohngebäude ebenso wie Kirchen, Museen und Paläste. Das jahrhundertelange Einwirken des rauen Klimas des Atlantiks und die unzähligen Sonnenstunden beschleunigten allerdings den Verfall und unterstreichen heute den maroden Charme der Stadt.

Mit Motiven wie Seeschlachten, floralen Stillleben und allerlei orientalischen Dekors geben die keramischen Wandverkleidungen wie alte Zeitzeugen die bewegte Historie Lissabons wieder. „Azulejos“ heißen die bunt bemalten und glasifizierten Keramikfliesen, was wörtlich übersetzt „kleine polierte Steine“ bedeutet. Ihren Ursprung haben die Azulejos in Persien. In Portugal sind sie Erbe der Besetzung durch die Mauren im Mittelalter und werden bis heute als Kulturgut behandelt. Zwar geht der Einsatz der Fliesen bei der Fassadengestaltung seit Jahrzehnten zurück, doch schätzen die Portugiesen ihre Azulejos nach wie vor und setzen sich auch auf höchster politischer Ebene für ihren Erhalt ein. Das 1960 in Lissabon eröffnete „Museu Nacional do Azulejo“, das Nationale Kachelmuseum, dokumentiert die Geschichte der kleinen Steine in Portugal bis in die Gegenwart.
Nautische Szenen sind ein häufiges Motiv der Wandverkleidungen, Foto © Dimitrios Tsatsas
Wörtlich übersetzt bedeutet Azulejo „kleiner polierter Stein“, Foto © Dimitrios Tsatsas
Fliesen schmücken Wohnhäuser ebenso wie öffentliche Bauten, Foto © Dimitrios Tsatsas
Geometrisches Dekor, Foto © Dimitrios Tsatsas
Ihren Ursprung haben die Azulejos in Persien, Foto © Dimitrios Tsatsas
Zahlreiche Fassaden erzählen von der bewegten Geschichte Lissabons, Foto © Dimitrios Tsatsas
Florale Ornamente, Foto © Dimitrios Tsatsas
Die Besetzung durch die Mauren brachte die Fliesenkunst nach Portugal, Foto © Dimitrios Tsatsas
Azulejos am portugiesischen Expo-Pavillon von Alvaro Siza aus dem Jahr 1998, Foto © Dimitrios Tsatsas
Die Fliesen sind fester Bestandteil des Stadtbildes von Lissabon, Foto © Dimitrios Tsatsas
Bis heute wird die Tradition der Keramikfassaden aufrechterhalten, Foto © Dimitrios Tsatsas
Architektur › 2012 › August
Die kleinen Steine von Lissabon
von Esther Schulze-Tsatsas | 24. August 2012
Dass Fassaden mehr sind als funktionale Bauteile, kann man besonders gut in Lissabon sehen. Hier sind die Gesichter der Häuser dank der „Azulejos“ vielfach ebenso bunt und bewegt wie die Geschichte der Stadt.
Die Fassade ist bekanntlich das Antlitz eines Gebäudes. Doch seit Fassaden größtenteils zu funktionalen Elementen eines Bauwerks geworden sind und dämmen, belüften, verschatten und einiges mehr leisten sollen, hat ihr Charakter etwas gelitten. Nur noch selten erzählen sie Geschichten und verleihen dem städtischen Leben einen besonderen Charme.

Etwas mehr Charakter würde den Städten hier und da sicher gut tun. Blickt man beispielsweise nach Lissabon, so findet man schnell einige überzeugende Antworten auf die Frage, wie das einst bewerkstelligt wurde. Die Bilder der farbigen, in der Sonne glänzenden Fassaden der portugiesischen Hauptstadt brennen sich in das Gedächtnis eines jeden Reisenden ein. Unzählige kleine Fliesen schmücken Wohngebäude ebenso wie Kirchen, Museen und Paläste. Das jahrhundertelange Einwirken des rauen Klimas des Atlantiks und die unzähligen Sonnenstunden beschleunigten allerdings den Verfall und unterstreichen heute den maroden Charme der Stadt.

Mit Motiven wie Seeschlachten, floralen Stillleben und allerlei orientalischen Dekors geben die keramischen Wandverkleidungen wie alte Zeitzeugen die bewegte Historie Lissabons wieder. „Azulejos“ heißen die bunt bemalten und glasifizierten Keramikfliesen, was wörtlich übersetzt „kleine polierte Steine“ bedeutet. Ihren Ursprung haben die Azulejos in Persien. In Portugal sind sie Erbe der Besetzung durch die Mauren im Mittelalter und werden bis heute als Kulturgut behandelt. Zwar geht der Einsatz der Fliesen bei der Fassadengestaltung seit Jahrzehnten zurück, doch schätzen die Portugiesen ihre Azulejos nach wie vor und setzen sich auch auf höchster politischer Ebene für ihren Erhalt ein. Das 1960 in Lissabon eröffnete „Museu Nacional do Azulejo“, das Nationale Kachelmuseum, dokumentiert die Geschichte der kleinen Steine in Portugal bis in die Gegenwart.