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Die neue Bodenreform
von Thomas Wagner | 10. September 2008
Wohnen ist keineswegs naturgegeben, und Einrichten allemal eine Kunst. Das schlägt buchstäblich durch bis auf den Boden. Auch dieser bleibt nicht länger eine öde, weitgehend ungestaltete Fläche, auf der man Möbel platzieren kann. Vorbei ist aber nicht nur die Zeit öder, muffiger Teppichböden. Auch im Bereich anderer Bodenbeläge tut sich derzeit einiges. Dabei mochte es, seit das Parkett auf breiter Front in die Wohnräume zurückgekehrt ist, oft scheinen, als sei dieses fest und unabänderlich mit einem Wohnstil verbunden, der mittels Naturnähe vor allem auf Gediegenheit und Langlebigkeit setzt. Mit einem Parkett holt man sich auch ein Stück Natur ins Haus, samt aller ästhetischen Konsequenzen. Laminatböden indes gerieten stets in den Verdacht, bloße Imitate zu sein, die Natur nicht real, sondern lediglich als Dekor ins Heim holen. Aus dieser Zwickmühle wagt Parador, neben der Präsentation einiger hochwertiger Neuheiten im Bereich des klassischen Holzparketts, nun einen besonders bemerkenswerten Ausbruchsversuch.

Die Tendenz, ein Produkt dadurch aufzuwerten, dass man von hochkarätigen Designern entworfene Editionen auflegt, hält damit also auch Einzug in den Markt der Bodenbeläge aus Laminat. Mit „Parador Identity“ bietet die Firma Unternehmen, Architekten und Designern zunächst auf der Basis der Technik des Digitaldrucks die Möglichkeit, bei einer Mindestabsatzmenge von 500 Quadratmetern eigene Entwürfe für einen Laminatboden in Premiumqualität zu realisieren. Das ist aber längst nicht alles.

Was Vorwerk vor über zehn Jahren im Bereich der Teppichböden mit seiner Kollektion „Kunst der Gegenwart: First Edition“ versucht hat, die beispielsweise so renommierte Künstler, Architekten und Designer wie Roy Lichtenstein, David Hockney, Norman Foster, Arata Isozaki, Jean Nouvel, Gerhard Richter, Zaha Hadid, Sol LeWitt, Matteo Thun und Mimmo Paladino gewinnen konnte, das versucht Parador jetzt in Bezug auf Laminatbeläge ohne Künstler, aber mit namhaften Architekten und Designern.

Konsequent ist das in zweifacher Hinsicht: erstens lässt sich, will man sich nicht auf historischem Terrain oder in neuen Intarsien verlieren, die nur schwerlich zu den gegenwärtigen Wohntrends passen würden, allein mit Laminatböden eine Verbindung zu einer zeitgenössischen Ästhetik herstellen, und zweitens bietet das Material, das noch allzu oft als bloßes Holzimitat abgetan wird, einiges an Potenzial, wenn es darum geht, in öffentlichen wie privaten Räumen nicht nur mit Mustern und Farben zu spielen, sondern auch ästhetisch auf Distinktion zu setzen.

Bei der „Laminat Edition 1“ mit von der Partie sind mit Jean Marie Massaud, Ben van Berkel, Karim Raschid, Konstantin Grcic, Matteo Thun und Ora Ito, allesamt klangvolle Namen in Architektur und Design der Gegenwart. Rückt Parador mit seinen Holzparkett-Böden den Aspekt eines naturnahen und luxurierenden Lebensgefühls ins Zentrum und erweitert dieses mittels dem von Januar 2009 an angebotenen Outdoor-Dielenprogramm „Classic 7020“ bis auf Terrasse und Garten, so beschreitet man mit der „Laminat Edition 1“ den umgekehrten Weg und präsentiert Dekors, die sich bewusst artifiziell geben oder mit dem Motiv der Holzmaserung spielen.

Während Konstantin Grcic von jeder Art von Nachahmung absetzt, indem er mit seinen Entwürfen „Sunray“ und „Monochrom“ auf die Kombination einzelner, einheitlich in Pastelltönen gefärbter Flächen setzt, die sich im Grad ihrer Helligkeit voneinander abheben, nimmt Matteo Thun es noch einmal mit dem Thema „Imitation“ auf. „Wood Memory 1“ und „Wood Memory 2“ sind – mal in unterschiedlichen Grauschattierungen, mal expressiver im Kontrast von gelb-grünem Fond und schwarzer Maserung – bewusst künstliche Ornamente, die zwar an Holz erinnern, aber nicht nur materiell, sondern auch in Form und Farbe keines sind. Ora Ito hingegen setzt ganz auf feine Linienmuster, wie sie als Dekor auch auf einem anderen Material realisiert werden könnten.

Auf eine ganz andere Art und Weise gilt dies auch für die Entwürfe von Jean Marie Massaud, die er „Aleph“ und „AGTC“ genannt und dadurch mit Bedeutung aufgeladen hat. „Aleph“ besteht aus einem technisch anmutenden, aus unregelmäßigen Fünfecken gebildeten Netzwerk, aus dessen Überlagerung eine Illusion von Tiefe entsteht, wobei das Wort „Aleph“ auf die gleichnamige Erzählung von Jorge Luis Borges anspielt, in der es einen Ort bezeichnet, an dem, ohne sich zu vermischen, „alle Orte des Erdenrunds“ beisammen sind. „AGTC“ wiederum – helle, seriell angeordnete, Langlöchern ähnliche und in unterschiedlichen Grüntönen gehaltene Rechtecke – bezieht sich auf die Nukleinbasen der DNA, also auf die Darstellung wiederkehrender Gensequenzen.

Ganz anders verfährt Karim Rashid. Er repetiert in freien floralen – „Orgo“ ­– und geometrischen Mustern – „Senses“ – seinen wohlbekannten Neo-Pop. Wesentlich konsequenter erscheint da das zwischen Nachahmung und Künstlichkeit oszillierende und die Wahrnehmung herausfordernde ästhetische Programm der Entwürfe von Ben van Berkel. „Silksquares“ besteht aus silbrig schimmernden, an einen Seidenstoff erinnernden Flächen, die sich zu wellen oder zu schweben scheinen. „Driftwood“ hingegen nimmt die Anmutung von Holz auf hintersinnige und raffinierte Weise noch einmal auf. So wirkt der Boden, als zögen sich endlos lange schmale Bahnen aus Furnier oder dünnen Leisten durch den Raum, auf denen der Blick dahin driftet.

So sprengt Parador mit seiner „Laminat Edition 1“ die Grenzen eines Materials, dessen Karriere offenbar erst begonnen hat.

www.parador.de
Sunray von Konstantin Grcic
Edgy Popline von Ora Ito
AGTC von Jean Marie Massaud
Orgo von Karim Rashid
Silksquares von Ben van Berkel
Wood memory 1 von Matteo Thun
Monochrom von Konstantin Grcic
Infinite capsules von Ora Ito
Aleph von Jean Marie Massaud
Senses von Karim Rashid
Driftwood von Ben van Berkel
Wood memory 2 von Matteo Thun
News & Stories › 2008 › September
Die neue Bodenreform
von Thomas Wagner | 10. September 2008
Nicht nur auf dem Boden tut sich was. Auch der Boden selbst wird reformiert. Parador stellt mit der „Laminat Edition 1“ Entwürfe von Designern und Architekten wie Konstantin Grcic und Ben van Berkel vor, die geeignet sind, das Material aus der Ecke des billigen Imitats herauszuholen.
Wohnen ist keineswegs naturgegeben, und Einrichten allemal eine Kunst. Das schlägt buchstäblich durch bis auf den Boden. Auch dieser bleibt nicht länger eine öde, weitgehend ungestaltete Fläche, auf der man Möbel platzieren kann. Vorbei ist aber nicht nur die Zeit öder, muffiger Teppichböden. Auch im Bereich anderer Bodenbeläge tut sich derzeit einiges. Dabei mochte es, seit das Parkett auf breiter Front in die Wohnräume zurückgekehrt ist, oft scheinen, als sei dieses fest und unabänderlich mit einem Wohnstil verbunden, der mittels Naturnähe vor allem auf Gediegenheit und Langlebigkeit setzt. Mit einem Parkett holt man sich auch ein Stück Natur ins Haus, samt aller ästhetischen Konsequenzen. Laminatböden indes gerieten stets in den Verdacht, bloße Imitate zu sein, die Natur nicht real, sondern lediglich als Dekor ins Heim holen. Aus dieser Zwickmühle wagt Parador, neben der Präsentation einiger hochwertiger Neuheiten im Bereich des klassischen Holzparketts, nun einen besonders bemerkenswerten Ausbruchsversuch.

Die Tendenz, ein Produkt dadurch aufzuwerten, dass man von hochkarätigen Designern entworfene Editionen auflegt, hält damit also auch Einzug in den Markt der Bodenbeläge aus Laminat. Mit „Parador Identity“ bietet die Firma Unternehmen, Architekten und Designern zunächst auf der Basis der Technik des Digitaldrucks die Möglichkeit, bei einer Mindestabsatzmenge von 500 Quadratmetern eigene Entwürfe für einen Laminatboden in Premiumqualität zu realisieren. Das ist aber längst nicht alles.

Was Vorwerk vor über zehn Jahren im Bereich der Teppichböden mit seiner Kollektion „Kunst der Gegenwart: First Edition“ versucht hat, die beispielsweise so renommierte Künstler, Architekten und Designer wie Roy Lichtenstein, David Hockney, Norman Foster, Arata Isozaki, Jean Nouvel, Gerhard Richter, Zaha Hadid, Sol LeWitt, Matteo Thun und Mimmo Paladino gewinnen konnte, das versucht Parador jetzt in Bezug auf Laminatbeläge ohne Künstler, aber mit namhaften Architekten und Designern.

Konsequent ist das in zweifacher Hinsicht: erstens lässt sich, will man sich nicht auf historischem Terrain oder in neuen Intarsien verlieren, die nur schwerlich zu den gegenwärtigen Wohntrends passen würden, allein mit Laminatböden eine Verbindung zu einer zeitgenössischen Ästhetik herstellen, und zweitens bietet das Material, das noch allzu oft als bloßes Holzimitat abgetan wird, einiges an Potenzial, wenn es darum geht, in öffentlichen wie privaten Räumen nicht nur mit Mustern und Farben zu spielen, sondern auch ästhetisch auf Distinktion zu setzen.

Bei der „Laminat Edition 1“ mit von der Partie sind mit Jean Marie Massaud, Ben van Berkel, Karim Raschid, Konstantin Grcic, Matteo Thun und Ora Ito, allesamt klangvolle Namen in Architektur und Design der Gegenwart. Rückt Parador mit seinen Holzparkett-Böden den Aspekt eines naturnahen und luxurierenden Lebensgefühls ins Zentrum und erweitert dieses mittels dem von Januar 2009 an angebotenen Outdoor-Dielenprogramm „Classic 7020“ bis auf Terrasse und Garten, so beschreitet man mit der „Laminat Edition 1“ den umgekehrten Weg und präsentiert Dekors, die sich bewusst artifiziell geben oder mit dem Motiv der Holzmaserung spielen.

Während Konstantin Grcic von jeder Art von Nachahmung absetzt, indem er mit seinen Entwürfen „Sunray“ und „Monochrom“ auf die Kombination einzelner, einheitlich in Pastelltönen gefärbter Flächen setzt, die sich im Grad ihrer Helligkeit voneinander abheben, nimmt Matteo Thun es noch einmal mit dem Thema „Imitation“ auf. „Wood Memory 1“ und „Wood Memory 2“ sind – mal in unterschiedlichen Grauschattierungen, mal expressiver im Kontrast von gelb-grünem Fond und schwarzer Maserung – bewusst künstliche Ornamente, die zwar an Holz erinnern, aber nicht nur materiell, sondern auch in Form und Farbe keines sind. Ora Ito hingegen setzt ganz auf feine Linienmuster, wie sie als Dekor auch auf einem anderen Material realisiert werden könnten.

Auf eine ganz andere Art und Weise gilt dies auch für die Entwürfe von Jean Marie Massaud, die er „Aleph“ und „AGTC“ genannt und dadurch mit Bedeutung aufgeladen hat. „Aleph“ besteht aus einem technisch anmutenden, aus unregelmäßigen Fünfecken gebildeten Netzwerk, aus dessen Überlagerung eine Illusion von Tiefe entsteht, wobei das Wort „Aleph“ auf die gleichnamige Erzählung von Jorge Luis Borges anspielt, in der es einen Ort bezeichnet, an dem, ohne sich zu vermischen, „alle Orte des Erdenrunds“ beisammen sind. „AGTC“ wiederum – helle, seriell angeordnete, Langlöchern ähnliche und in unterschiedlichen Grüntönen gehaltene Rechtecke – bezieht sich auf die Nukleinbasen der DNA, also auf die Darstellung wiederkehrender Gensequenzen.

Ganz anders verfährt Karim Rashid. Er repetiert in freien floralen – „Orgo“ ­– und geometrischen Mustern – „Senses“ – seinen wohlbekannten Neo-Pop. Wesentlich konsequenter erscheint da das zwischen Nachahmung und Künstlichkeit oszillierende und die Wahrnehmung herausfordernde ästhetische Programm der Entwürfe von Ben van Berkel. „Silksquares“ besteht aus silbrig schimmernden, an einen Seidenstoff erinnernden Flächen, die sich zu wellen oder zu schweben scheinen. „Driftwood“ hingegen nimmt die Anmutung von Holz auf hintersinnige und raffinierte Weise noch einmal auf. So wirkt der Boden, als zögen sich endlos lange schmale Bahnen aus Furnier oder dünnen Leisten durch den Raum, auf denen der Blick dahin driftet.

So sprengt Parador mit seiner „Laminat Edition 1“ die Grenzen eines Materials, dessen Karriere offenbar erst begonnen hat.

www.parador.de