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Ein Saubermann
von Mathias Remmele | 29. Juli 2011
Francesc Rifé mag zu den international beachteten „Stars" der spanischen Innenarchitekten und Möbeldesigner zählen – im persönlichen Auftreten ist er ein zurückhaltender, fast ein wenig unbeholfen wirkender Mensch, der mit leiser Stimme spricht und dabei stets den Eindruck vermittelt, als sei es ihm eher unangenehm über sich und seine Arbeit zu reden. Nur ein paar wohl überlegte, schnörkellose Sätze sind ihm zu seinen Entwürfen zu entlocken. Viel lieber als auf Worte vertraut er ganz offensichtlich auf die Überzeugungskraft von Bildern.

Er sei, so bekennt Francesc Rifé, beruflich in einer Zeit sozialisiert worden, in der im spanischen Design laute Töne, exaltierte Formen und möglichst schrille Gestaltungen angesagt gewesen wären. Er persönlich habe das nie gemocht und so stand für ihn von Anfang an fest, dass er ganz andere Wege beschreiten wolle. Tatsächlich absolvierte der 1969 geborene Rifé seine Ausbildung Anfang der neunziger Jahre während der Spätphase der Postmoderne. Seit er 1994 in seiner Heimatstadt Barcelona sein eigenes Studio gegründet hat, verfolgt er, unbeirrt von kurzlebigen Trends, die Entwicklung seines eigenen Stils, der sich vor allem durch Klarheit und formale Reduktion auszeichnet.

Er strebe nach gestalterischen Lösungen, die auf der Höhe der Zeit stehen, ohne modisch zu sein. Im Vordergrund seiner Arbeit stehe immer die Suche nach einer deutlich erkennbaren und funktional sinnvollen räumlichen Ordnung. Dass er dabei meist auf klar definierte, geometrisch bestimmte Formen zurückgreift, ist nicht zu übersehen. Schlichtheit und Verknappung sind – ganz im Sinn des Mies'schen „less is more" – sein Königsweg zur Zeitbeständigkeit. Die scheinbare Einfachheit seiner Gestaltungen, hinter der sich freilich oft genug sowohl Raffinesse als auch handwerklich-technischer Aufwand verbirgt, lenkt die Aufmerksamkeit unwillkürlich auf Oberflächen und Materialien.

Rifé verehrt das Material. Seine Vorliebe gilt dem Holz, besonders der Eiche. Daneben arbeitet er mit Naturstein, Glas, Stahl und in jüngerer Zeit immer öfter auch mit Textilien. Er schätzt edle Materialien nicht wegen ihres hohen Preises und des damit verbundenen Prestiges, sondern wegen ihrer Qualitäten. Von wertvollen Materialien, so sagt er, gehe eine disziplinierende Wirkung aus: sie zwingen zur Präzision und einer adäquaten handwerklichen Verarbeitung. Natürlich spielt auch das Licht in seinen Interieurs eine wesentliche Rolle. Mit ausgetüftelten Beleuchtungskonzepten setzt er die Schönheit des Materials effektvoll in Szene. Zugleich unterstützt er damit die Lesbarkeit der räumlichen Struktur, die den Dreh- und Angelpunkt fast all seiner Entwürfe bildet.

Rifés Arbeitsgebiet ist weit gespannt und umfasst fast alle Aufgaben der klassischen Innenarchitektur: Wohnungen und Häuser richtet er ebenso ein wie Bars, Restaurants und Hotels. Daneben plant er Büros, Praxen und Geschäftslokale, bisweilen Schauräume und Messestände. Auch als Designer tritt Rifé seit Jahren immer wieder in Erscheinung. Vorwiegend für spanische Firmen entwirft er Wohn- und Büromöbel, aber auch Leuchten und Teppiche, die im gehobenen Preissegment angesiedelt sind und perfekt in seine Räume passen.

Egal was man von Rifés Arbeiten halten mag – kein Gestalter ist jedermanns Liebling – an ihrer professionellen Qualität ist nicht zu zweifeln. Seine gestalterischen Lösungen sind klar und sauber, geschmackvoll, in sich stimmig und auf den Punkt gebracht. Dass seine Interieurs immer einen ungemein aufgeräumten und wohlgeordneten Eindruck machen, zählt in den meisten Fällen zu ihren charakteristischen Stärken. Mitunter aber wirken sie gerade deswegen ein wenig unterkühlt und seltsam unbeseelt. Das gilt etwa für die Küchen in den von ihm eingerichteten Wohnungen, die eher die Anmutung von Reinraum-Laboratorien, denn von lebendigen sozialen Treffpunkten vermitteln. Man möchte dort gar nicht anfangen zu kochen, weil eine solche Aktivität gezwungenermaßen eine Störung der schönen Ordnung bedeuten würde.

Vor diesem Hintergrund erscheinen Arbeiten wie das 2010 fertiggestellte Restaurant „Arrop" in Valencia, bei dem Rifé gezwungen war, die denkmalgeschützten Reste jahrhundertealter Gemäuer in seine Gestaltung zu integrieren, besonders spannend. Die rauen, archaisch anmutenden Mauerfragmente bilden einen wohltuend belebenden Kontrast zu der glatten Gradlinigkeit und Reinlichkeit des Rifé'schen Interieurs. Der betonte Gegensatz von Alt und Neu macht hier den Reiz der Räume aus und sorgt für deren atmosphärische Aufladung. Manchmal wünscht man sich in seinen Arbeiten mehr von solchen gestalterischen Brüchen.

Übrigens, wer sich in Deutschland ein Bild von Rifés Arbeit machen möchte, hat jetzt in Berlin Gelegenheit dazu: Das von ihm eingerichtete, zu einer portugiesischen Hotelkette gehörende „Sana Berlin Hotel" wurde Anfang Dezember eröffnet.

www.rife-design.com
Arrop Restaurant in Valencia, Architekten: Francesc Rifé Studio
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GAN by Gandia Blasco: Tile ivory @ Stylepark
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Bordonabe: KU Regal @ Stylepark
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Bordonabe: MH System @ Stylepark
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