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Eine
Naht
Weniger
Foto © Gerhardt Kellermann
von
Markus Frenzl
15. Mai 2013
Auch im Lederhandwerk geht heutzutage Masse zumeist vor Klasse. Bewusst in die andere Richtung orientiert sich das neue Taschenlabel Tsatsas. Die Taschen, die es anbietet, sind nicht nur handwerklich perfekt gemacht, sie überzeugen auch durch klare Formen.



Das Lederhandwerk kennt unzählige Varianten der Lederverarbeitung, strapazierfähige Sattlernähte und vegetabil gegerbtes Leder. Es kennt aber längst auch Lederimitat, mit billigstem Innenfutter versehene Lederreste und Oberflächenbeschichtungen, die kaum noch das darunter liegende Material erkennen lassen, aber dennoch als „echtes Leder“ durchgehen. Es kennt Ziernähte, unzählige kaschierende Tricks und eine handwerkliche Einstellung, bei der zulasten der Ästhetik kurzerhand noch eine weitere Naht über die Materiallagen gezogen wird, wenn das ganze Konstrukt einfach noch nicht zusammenhalten will. Was einstmals die Qualität handwerklich verarbeiteter Ledererzeugnisse ausmachte, ist durch die allgegenwärtige Billigware kaum mehr zu erahnen.


Mit ihrem kürzlich in Frankfurt am Main gegründeten Taschenlabel Tsatsas haben sich Esther Schulze-Tsatsas und Dimitrios Tsatsas deshalb das Ziel gesetzt, zu den traditionellen handwerklichen Werten des Lederhandwerks zurückkehren und das in Deutschland noch immer vorhandene Wissen um hoch qualitative Materialien und Fertigung zu nutzen. Gleichzeitig sollen ihre Taschen aber eine zeitgemäße Eleganz verfolgen und nicht in traditioneller Ästhetik verharren. Die Entwürfe, mit denen das Duo im vergangen Jahr sein Label startete, sind das Ergebnis mehrjähriger Vorarbeit: Es sind unprätentiöse, unaufgeregte und in jedem Detail wohlüberlegte Taschen, die handwerkliche Qualität mit zeitgenössischen, geradlinigen Schnitten verbinden. Sie überzeugen durch formale Einfachheit und überlassen dem Material die Hauptrolle – wie bei den Taschen der „Lucid“-Serie. Sie spielen mit einer besonderen Materialästhetik wie bei der ungewöhnlich geschnittenen Tasche „Fluke“, die aus geschrumpftem neuseeländischem Lammnappa gefertigt wird. Oder aber die Tasche kommt daher wie ein simpler Turnbeutel, den jeder aus seiner Schulzeit kennt, und der doch bei der ersten Berührung des butterweichen Handschuhleders zu einem neuen Lieblingsstück wird.


Es zählt zu den Prinzipien des Ehepaares Tsatsas, bei ihren Entwürfen die Schönheit des Materials in den Vordergrund zu stellen. Für ihre Taschen nutzen die beiden Gestalter nur besonders hochwertiges anilingefärbtes Leder zertifizierter Gerbereien aus Frankreich, Italien oder Deutschland – selbst für das Innenfutter. Die großen Lederflächen werden nicht hinterklebt oder verstärkt, es gibt keine Applikationen oder überflüssigen Elemente, alle Lagen einer Tasche werden mit einer Naht verbunden. Auch für Einzelteile wie die Reißverschlüsse haben sich die Macher auf die Suche nach der besten Qualität gemacht: Die Reißverschlüsse, die entgratet und poliert werden, beziehen sie aus der Schweiz. Details wie den rechteckigen Reißverschluss-Zupfer kaufen sie nicht fertig von Zulieferern ein, sondern lassen sie eigens anfertigen und so zu den diskreten Microcodes ihres Labels avancieren.


Gefertigt wird jede Tasche komplett von Hand in der Werkstatt von Vater Tsatsas, der seine mehr als dreißigjährige handwerkliche Kompetenz in das Projekt von Sohn und Schwiegertochter einbringt. Jede Tasche wird dezent im Inneren mit dem Logo versehen und fortlaufend nummeriert. So bezeugt sie das handwerkliche und gestalterische Know-how, das in ihr steckt. Es sind bis ins Kleinste durchdachte und perfekt ausgeführte Entwürfe, die eine Eleganz und beiläufige Selbstverständlichkeit ausstrahlen, die aus ihnen echte Begleiter des Alltags machen.


Erst seit Ende 2012 mit ihrem Label auf dem Markt, wurden die Tsatsas nun bereits von dem britischen Magazin Wallpaper* beauftragt, für die diesjährige Edition der Ausstellung „Wallpaper* Handmade“ einen Trolley zu entwerfen. Auch dabei blieben die beiden ihren Prinzipien treu: Der von alten Reisekoffern inspirierte Entwurf „Kage“, den sie zur Mailänder Designwoche präsentierten, ist handwerklich perfekt ausgeführt und besteht außen aus schlammgrauem und innen aus blauem Leder. Auch hier findet sich nur eine Naht, die alle Lederlagen zusammenhält. Das handgefertigte Griffgestänge aus Messing beansprucht keinen Platz im Inneren des handgepäcktauglichen Trolleys, sondern bleibt als formal prägendes Element stets sichtbar – zum Tragen wird es einfach über den Korpus geklappt. Auch der Koffer mit der laufenden Nummer 000127 überzeugt durch reduzierte Form, Materialqualität und Farbigkeit, eine überlegte Innenaufteilung und die labeltypischen Details wie den polierten Reißverschluss und den charakteristischen Rechteck-Zupfer.


Jeder Tsatsas-Tasche merkt man an, dass hinter ihr Gestalter und Handwerker stecken, die das Risiko wagen, mit höchstmöglicher Qualität auf den Markt zu gehen, obwohl Billigprodukte aus Fernost längst die Preiserwartungen der Konsumenten prägen. Denn natürlich haben die hochwertigen Produkte von Tsatsas ihren Preis. Und natürlich orakeln manche, dass nur etablierte Luxusmarken solche Preise verlangen können. Den beiden Machern von Tsatsas aber ist zu wünschen, dass möglichst viele Menschen das Herzblut, die Liebe zum Material, die perfekte handwerkliche Verarbeitung und die Mühe auf der Suche nach der überzeugenden zeitgemäßen Form zu schätzen wissen, die in jedem ihrer Entwürfe stecken. Noch kann man sich eine der Taschen mit einer niedrigen Produktionsnummer sichern. Bald aber, daran ist nicht zu zweifeln, werden die Tsatsas-Taschen in den angesagten Concept-Stores zu finden sein. Eine Naht weniger kann sehr überzeugend sein.

www.tsatsas.com
Sowohl in der Hand als auch über der Schulter zu tragen ist die Tasche „Niche“, Foto © Gerhardt Kellermann
Nur hochwertigstes anilingefärbtes Leder zertifizierter Gerbereien wird für die Taschen verwendet, Foto © Gerhardt Kellermann
„Fluke“ wird aus geschrumpftem neuseeländischem Lammnappa gefertigt, Foto © Gerhardt Kellermann
Formale Einfachheit: Das Modell „Lucid“, Foto © Gerhardt Kellermann
Alle Tsatsas Taschen werden in Deutschland von Hand produziert, Foto © Gerhardt Kellermann
„Lucid Ninety“ aus lombardischem Rindleder, Foto © Gerhardt Kellermann
Jede Tasche ist mit einer fortlaufenden Produktionsnummer ausgezeichnet, Foto © Gerhardt Kellermann
„Xela“ erinnert an den klassischen Turnbeutel unserer Schulzeit, Foto © Gerhardt Kellermann
Zeitgemäße Eleganz, jenseits der traditionellen Ästhetik: Die Tasche „Lucid“, Foto © Gerhardt Kellermann
Die erste Kollektion des Gestalterpaares Tsatsas umfasst sechs Modelle, Foto © Gerhardt Kellermann
Bis in kleinste Detail durchdacht: Schweizer Reißverschlüsse und eigens entworfene Zupfer werden für jedes Produkt verwendet, Foto © Gerhardt Kellermann
Eine über dreißigjährige handwerkliche Kompetenz zeichnet das Atelier aus, in dem die Taschen gefertigt werden, Foto © Gerhardt Kellermann
Durch ihre klare Gestaltung sind fast alle Tsatsas Taschen Unisex-Modelle, Foto © Gerhardt Kellermann
Innen wie außen besteht „Xela“ aus butterweichem Handschuhleder, Foto © Gerhardt Kellermann
Der Trolleykoffer „Kage“, Foto © Gerhardt Kellermann
Laptop, Zeitschiften und die Reisedokumente hat man bei „Kage“ im direkten Zugriff, Foto © Gerhardt Kellermann
Entworfen wurde „Kage“ für das „Wallpaper* Handmade“ Projekt, das im April 2013 in Mailand präsentiert wurde, Foto © Gerhardt Kellermann
Außen schlammgrau, innen pazifikblau: Der Koffer besteht komplett aus Leder, Foto © Gerhardt Kellermann
Drei passgenaue Taschen dienen als Necessaire und Aufbewahrung für Reiseutensilien, Foto © Gerhardt Kellermann
Das handgefertigte Griffgestänge aus Messing, Foto © Gerhardt Kellermann
Eine smarte Lösung: Durch eine simple Mechanik verwandelt sich der Koffer in einen ziehbaren Trolley, Video © Gerhardt Kellermann
Die Verbindung von handwerklicher Qualität mit zeitgenössischen, geradlinigen Schnitten zeichnet auch den Trolley aus, Foto © Gerhardt Kellermann
News & Stories › 2013 › Mai
Eine Naht weniger
von Markus Frenzl | 15. Mai 2013
Auch im Lederhandwerk geht heutzutage Masse zumeist vor Klasse. Bewusst in die andere Richtung orientiert sich das neue Taschenlabel Tsatsas. Die Taschen, die es anbietet, sind nicht nur handwerklich perfekt gemacht, sie überzeugen auch durch klare Formen.
Das Lederhandwerk kennt unzählige Varianten der Lederverarbeitung, strapazierfähige Sattlernähte und vegetabil gegerbtes Leder. Es kennt aber längst auch Lederimitat, mit billigstem Innenfutter versehene Lederreste und Oberflächenbeschichtungen, die kaum noch das darunter liegende Material erkennen lassen, aber dennoch als „echtes Leder“ durchgehen. Es kennt Ziernähte, unzählige kaschierende Tricks und eine handwerkliche Einstellung, bei der zulasten der Ästhetik kurzerhand noch eine weitere Naht über die Materiallagen gezogen wird, wenn das ganze Konstrukt einfach noch nicht zusammenhalten will. Was einstmals die Qualität handwerklich verarbeiteter Ledererzeugnisse ausmachte, ist durch die allgegenwärtige Billigware kaum mehr zu erahnen.

Mit ihrem kürzlich in Frankfurt am Main gegründeten Taschenlabel Tsatsas haben sich Esther Schulze-Tsatsas und Dimitrios Tsatsas deshalb das Ziel gesetzt, zu den traditionellen handwerklichen Werten des Lederhandwerks zurückkehren und das in Deutschland noch immer vorhandene Wissen um hoch qualitative Materialien und Fertigung zu nutzen. Gleichzeitig sollen ihre Taschen aber eine zeitgemäße Eleganz verfolgen und nicht in traditioneller Ästhetik verharren. Die Entwürfe, mit denen das Duo im vergangen Jahr sein Label startete, sind das Ergebnis mehrjähriger Vorarbeit: Es sind unprätentiöse, unaufgeregte und in jedem Detail wohlüberlegte Taschen, die handwerkliche Qualität mit zeitgenössischen, geradlinigen Schnitten verbinden. Sie überzeugen durch formale Einfachheit und überlassen dem Material die Hauptrolle – wie bei den Taschen der „Lucid“-Serie. Sie spielen mit einer besonderen Materialästhetik wie bei der ungewöhnlich geschnittenen Tasche „Fluke“, die aus geschrumpftem neuseeländischem Lammnappa gefertigt wird. Oder aber die Tasche kommt daher wie ein simpler Turnbeutel, den jeder aus seiner Schulzeit kennt, und der doch bei der ersten Berührung des butterweichen Handschuhleders zu einem neuen Lieblingsstück wird.

Es zählt zu den Prinzipien des Ehepaares Tsatsas, bei ihren Entwürfen die Schönheit des Materials in den Vordergrund zu stellen. Für ihre Taschen nutzen die beiden Gestalter nur besonders hochwertiges anilingefärbtes Leder zertifizierter Gerbereien aus Frankreich, Italien oder Deutschland – selbst für das Innenfutter. Die großen Lederflächen werden nicht hinterklebt oder verstärkt, es gibt keine Applikationen oder überflüssigen Elemente, alle Lagen einer Tasche werden mit einer Naht verbunden. Auch für Einzelteile wie die Reißverschlüsse haben sich die Macher auf die Suche nach der besten Qualität gemacht: Die Reißverschlüsse, die entgratet und poliert werden, beziehen sie aus der Schweiz. Details wie den rechteckigen Reißverschluss-Zupfer kaufen sie nicht fertig von Zulieferern ein, sondern lassen sie eigens anfertigen und so zu den diskreten Microcodes ihres Labels avancieren.

Gefertigt wird jede Tasche komplett von Hand in der Werkstatt von Vater Tsatsas, der seine mehr als dreißigjährige handwerkliche Kompetenz in das Projekt von Sohn und Schwiegertochter einbringt. Jede Tasche wird dezent im Inneren mit dem Logo versehen und fortlaufend nummeriert. So bezeugt sie das handwerkliche und gestalterische Know-how, das in ihr steckt. Es sind bis ins Kleinste durchdachte und perfekt ausgeführte Entwürfe, die eine Eleganz und beiläufige Selbstverständlichkeit ausstrahlen, die aus ihnen echte Begleiter des Alltags machen.

Erst seit Ende 2012 mit ihrem Label auf dem Markt, wurden die Tsatsas nun bereits von dem britischen Magazin Wallpaper* beauftragt, für die diesjährige Edition der Ausstellung „Wallpaper* Handmade“ einen Trolley zu entwerfen. Auch dabei blieben die beiden ihren Prinzipien treu: Der von alten Reisekoffern inspirierte Entwurf „Kage“, den sie zur Mailänder Designwoche präsentierten, ist handwerklich perfekt ausgeführt und besteht außen aus schlammgrauem und innen aus blauem Leder. Auch hier findet sich nur eine Naht, die alle Lederlagen zusammenhält. Das handgefertigte Griffgestänge aus Messing beansprucht keinen Platz im Inneren des handgepäcktauglichen Trolleys, sondern bleibt als formal prägendes Element stets sichtbar – zum Tragen wird es einfach über den Korpus geklappt. Auch der Koffer mit der laufenden Nummer 000127 überzeugt durch reduzierte Form, Materialqualität und Farbigkeit, eine überlegte Innenaufteilung und die labeltypischen Details wie den polierten Reißverschluss und den charakteristischen Rechteck-Zupfer.

Jeder Tsatsas-Tasche merkt man an, dass hinter ihr Gestalter und Handwerker stecken, die das Risiko wagen, mit höchstmöglicher Qualität auf den Markt zu gehen, obwohl Billigprodukte aus Fernost längst die Preiserwartungen der Konsumenten prägen. Denn natürlich haben die hochwertigen Produkte von Tsatsas ihren Preis. Und natürlich orakeln manche, dass nur etablierte Luxusmarken solche Preise verlangen können. Den beiden Machern von Tsatsas aber ist zu wünschen, dass möglichst viele Menschen das Herzblut, die Liebe zum Material, die perfekte handwerkliche Verarbeitung und die Mühe auf der Suche nach der überzeugenden zeitgemäßen Form zu schätzen wissen, die in jedem ihrer Entwürfe stecken. Noch kann man sich eine der Taschen mit einer niedrigen Produktionsnummer sichern. Bald aber, daran ist nicht zu zweifeln, werden die Tsatsas-Taschen in den angesagten Concept-Stores zu finden sein. Eine Naht weniger kann sehr überzeugend sein.

www.tsatsas.com