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Dielen, die die Welt bedeuten
von Daniel von Bernstorff | 8. Juni 2009
Jels ist ein kleiner verschlafener Ort nicht allzu weit hinter der deutsch-dänischen Grenze. Dass hier einer der international erfolgreichsten Produzenten von hochwertigen Holzböden residiert, würde man nicht vermuten. Doch ein Besuch der Firma Dinesen, gegründet im Jahr 1898 von Hans Peter Dinesen und heute in vierter Generation von Heidi und Thomas Dinesen geführt, macht die Reise in die dänische Provinz zu einem Erlebnis.
Hans Peter Dinesen hatte seinerzeit ein kleines Sägewerk gegründet, nachdem er für seine Bautätigkeit kein geeignetes Holz fand. Der Auslöser für den heutigen Erfolg war eine Anfrage eines Architekten im Jahr 1965, der für die Renovierung des Schlosses Sønderborg auf der Suche nach ungewöhnlich langen Holzdielen war. Dinesen nahm sich der Aufgabe an und entschied sich für die Holzart Douglasie, aus der bis heute Dielen in einer fast unglaublichen Länge bis 15 Meter und Breite bis 45 Zentimeter gefertigt werden. Das Holz kommt aus verschiedenen europäischen Wäldern und wird sorgfältig ausgewählt. Angekommen in Jels, wird es in Wärmekammern für längere Zeit getrocknet, um die gesamte Feuchtigkeit aus dem Holz zu bekommen. Danach werden die Dielen in einem aufwändigen Verfahren zugeschnitten und per Hand geprüft. So ist jeder Boden eine Spezialanfertigung, die einen langen Prozess durchlaufen hat.

Die Qualität, Verarbeitung und Langlebigkeit der Böden überzeugte die Architekten dermaßen, dass Dinesen über viele Jahrzehnte hauptsächlich Böden für Schlösser, Herrensitze und Kirchen produzierte. In den letzten Jahren hat die Diele aber zunehmend den modernen Interior-Design-Bereich erobert, was Dinesen ungeahnte neue Märkte erschloss. Heute finden sich Böden von Dinesen in modernen Wohnungen, Showrooms (so sind alle neuen Bulthaup Showrooms mit Dinesen-Böden bestückt), Hotels, Restaurants, Museen und Galerien. Entgegen hartnäckiger Vorurteile können die Dielen problemlos mit einer Fußbodenheizung verlegt werden und die Pflege ist nicht aufwändiger als bei anderen Böden.

Einen Meilenstein setzte im Jahr 2008 die Eröffnung der neuen Saatchi Gallery in London, für die Dinesen als „Founding Patron" 5.000 Quadratmeter Dielen aus Douglasie lieferte. Charles Saatchi soll von der Wirkung des Bodens als gestalterisches Element so begeistert gewesen sein, dass er weniger Kunstwerke als geplant in die Galerien positionierte, um den Boden besser zur Geltung kommen zu lassen. Ob das genauso stimmt, ist eigentlich unerheblich, denn das Raumerlebnis ist wirklich phänomenal.
Ähnlich im Ende Mai eröffneten Museum Brandhorst von Sauerbruch Hutton Architekten in München. Hier liegt ein Dinesen-Boden aus Eiche, auch hier bildet er ein wichtiges gestalterisches Element in der Gesamtkonzeption. Auch das im April eröffnete Restaurant „Table" in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt setzt auf die überdimensionalen Dielen, auch hier wird der Boden zum zentralen Element.

Wer also heutzutage über Holzböden im klassischen wie modernen Ambiente nachdenkt, der wird an Dinesen nicht vorbeikommen.

www.dinesen.com
Saatchi Gallery, London
Saatchi Gallery, London
„Table“ Restaurant in der Schirn Kunsthalle, Frankfurt | Photo © Dimitrios Tsatsas, Stylepark
„Table“ Restaurant in der Schirn Kunsthalle, Frankfurt | Photo © Dimitrios Tsatsas, Stylepark
Saatchi Gallery, London
Saatchi Gallery, London
Museum Brandhorst, München; © Noshe
„Table“ Restaurant in der Schirn Kunsthalle, Frankfurt | Photo © Dimitrios Tsatsas, Stylepark
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