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Fundstücke: Anleitung zum artgerechten Umgang mit Baumängeln
von Sandra Hofmeister | 7. Januar 2009
Steckdosen hinterm Heizkörper, Bauschaum oberhalb der Türzarge, eingeflieste Fensterbefestigungen und durchhängende Decken: Dem Pfusch am Bau sind keine Grenzen gesetzt. Dem Ärger bei der Beseitigung der Mängel auch nicht. Wie das Ganze trotzdem konstruktiv angegangen werden kann - und wie überschaubar Baumängel letztlich doch sein können, wenn sie erstmal übersichtlich und schriftlich festgehalten sind, zeigt das Mängelset von karhard design: Eine humorvoll ernst gemeinte Garnitur aus vier sinnvollen Dingen für den Mängelcheck, den die beiden Berliner Architekten Thomas Karsten und Alexandra Erhard aus jahrelanger eigener Erfahrung bestens kennen. Sozusagen ein Lebens- und Überlebensset für frustrierte Bauherren und Architekten.

Mängel verorten, auflisten, bewerten

Da wäre zunächst der Leitfaden im praktischen Pocketformat - ein sachkundiger Überblick zum Aufspüren der Baumängel. Er stellt eine Checkliste auf, weist auf Gewährleistungsansprüche hin und gibt Hilfestellungen zur Beurteilung und Bewertung der Fehler. Damit vage Vermutungen gleich konkrete Tatsachen werden können, sind die Toleranzen in verschiedenen Bereichen gleich mit genauen Maßangaben aufgelistet. Ergänzend zum Leitfaden hat karhard design eine Mängelliste entwickelt, die als Formularblock mit zu jeder Bauabnahme genommen werden kann und ganz einfach durch Ankreuzen und kurze Angaben auszufüllen ist. Hilfreiche Aufkleber in Knallrot sind in den Block eingelegt - zur Markierung der Mängel. Türen und Fenster, Wände und Decken, Boden und Elektro sind samt drei weiteren Kategorien als Überschriften angeführt. Selbst relativ unerfahrenen Augen sollte mit dieser Liste nichts mehr durch die Lappen gehen. In der letzten Zeile des Formulars können Bauherren und Unternehmer unterzeichnen. Auf dieses Protokoll ist dann Verlass - es sorgt für Klarheit und Orientierung unter Handwerkern, Bauherren oder Hauseigentümern. Die praktische Seite des Mängelsets ist mit einem schlichten weißen Meterstab vervollständigt, auf den keine Bauabnahme verzichten kann. Stichworte an seiner Schmalseite - „Versiegelung unsauber" oder „Türblatt flügelt" -, können den Sprachfluss bei der Bauabnahme erleichtern.

Spielerisch mit Baumängeln umgehen - das Quartett

Abgerundet wird das Produkt-Set mit einem Mängelquartett: „Baumängel sind kein Kinderspiel" steht auf der ebenso von Borries Schwesinger gestalteten Packung des Kartensets. Spielerischer Spaß entsteht schon durch die entlarvenden Fotos auf den Karten: gnadenlos verpfuschte Details, die mit jeweils unterschiedlichen Frustrationsfaktoren, den konkreten Kosten zur Mängelbeseitigung und den originellen Erklärungen von Bauleitern ergänzt sind: „Das machen wir immer so" zum Beispiel - und besonders gebräuchlich: „Da machen wir Acryl rein". Jeweils vier Einzelkarten gehören zu einem Set - wer die meisten Quartette vollständig hat, der hat gewonnen. Letztlich darf sich also glücklich fühlen, wer am meisten Mängel gesammelt hat. Nur Bauleiter möchte man nach diesem Spiel ganz sicher nicht sein.

Das Mängelquartett ist bereits in der vierten, überarbeiteten und nun im Design dem Set angeglichenen Auflage erschienen. Sein Erfolg spricht für sich selbst: Nicht nur frustrierte Bauherren und Architekten finden sich in diesem Spiel und im ganzen Set auf einfache Weise wieder. Unbedingt empfehlenswert ist das Set auch deshalb, weil seine Wirkung so effektiv ist: Neben der Erleichterung der Praxis tut oft allein schon die Perspektive gut, dass andere Menschen offenbar ähnliche Erfahrungen machen. Mit gnadenlosen Baumängeln.

www.maengelquartett.de
www.karhard.de