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Hella Jongerius gilt als Farbexpertin. Ihre Entwürfe entstehen durch Skizzen und Arbeit mit Materialien … an den Computer geht sie erst später. Foto © Markus Jans
Die Cut-outs der „Cross Collection“ waren eine große Herausforderung bei der Entwicklung. Foto © Danskina
Die Knoten bei „Cocoon“ entstehen, weil das Garn hier länger und zu kleinen Schlingen geformt ist. Foto © Danskina
Zwei Drittel von „Cross Cut“ sind quadratisch, ein Drittel mit Rauten gelöchert. Foto © Danskina
Die besondere Optik von „Landscape“ entsteht nicht nur durch den Mix aus Leinen und Wolle, sondern durch die unterschiedlichen Höhen der Garne. Foto © Danskina
„Farbe ist wie ein Material für mich“, sagt Hella Jongerius. Dieser „Cross“-Teppich kombiniert eine geschlossene Oberfläche mit blockartigen Fransen. Foto © Danskina
Gewebt, nicht getuftet
21. Januar 2016
Hella Jongerius ist für Experimentierfreude und einen routinierten als auch mutigen Umgang mit Farbe bekannt. Ihre oft ungewöhnlichen Entwürfe für Vitra, Kvadrat, Belux oder die Porzellan-Manufaktur Nymphenburg drehen sich nicht nur um das Thema Material, sondern auch um eine besondere Farbkomposition. Für Danskina hat die Niederländerin fünf neue Teppiche entworfen: „Cross Cut“, „Cross Border“, „Cross“ sowie „Landscape“ und „Cocoon“. Uta Abendroth hat mit Jongerius über die Bedeutung von Farbe im Gestaltungsprozess, über innovative Garne und die Möglichkeit, sich durch einen Teppich zu erden, gesprochen.

Uta Abendroth: Vor Jahren drehte sich bei Ihnen alles um das Thema Materialien, jetzt scheint es mehr um Farben zu gehen. Ist das Teil einer persönlichen Entwicklung?

Hella Jongerius: Das sehe ich nicht so, es geht immer noch um Materialien. Ich bin zwar bei verschiedenen Unternehmen für die Entwicklung der Farbpalette zuständig, aber der Ausgangspunkt ist immer noch das Material. Und es dreht sich immer um das gleiche Thema, ein Produkt interessant oder innovativ zu gestalten. Farbe ist einer der Aspekte, den ein Objekt ausmacht.

Also eine Symbiose aus Farbe und Material?

Jongerius: Ja, wenn man sich einen Teppich anschaut, dann ist das Material doch das Entscheidende; dazu kommt dann die Farbe. Bei Danskina geht es sehr stark um die Garne. Wir gestalten neue Garne und Textilfasern, erfinden in der Hinsicht neue Techniken oder bringen zum Beispiel zwei Techniken auf eine neue Weise zusammen, die eine unerwartete Kombination ergeben. In der Hinsicht mache ich für Danskina eine Art Materialforschung. Und das nicht nur in der Entwicklungsphase. Es ist leicht, ein kleines hübsches Stück eines Gewebes zu entwickeln, von dem man sich vorstellen könnte, dass es mal ein Teppich wird. Aber in der Realität sieht das ganz anders aus. Es ist wirklich schwierig, von der Idee eines Teppichs zu einem finalen Produkt zu kommen.

Wegen der Qualität, die ein Teppich haben muss?

Jongerius: Nein, das eigentliche Problem sind die Hersteller, die aus einem sehr konservativen Markt kommen. Sie machen seit Jahren das, was ihre Maschinen können und sonst nichts. Wir müssen die Industrie pushen und mit den Verantwortlichen neue Wege entwickeln, wie sie ihre Maschinen einsetzen können – egal ob fürs Weben oder Tuften. Und wir müssen noch mehr an der Entwicklung von Garnen arbeiten, denn es gibt nicht so viele, die unseren Ansprüchen genügen, die sich für den Objekt-Bereich ebenso eignen wie für den Privatbereich. Natürlich können wir nicht immer die Standards erreichen, aber wir wollen eine hohe Qualität, die den Teppich nicht nur interessant aussehen lässt, sondern auch gut über einen langen Zeitraum. Und das zu einem guten Preis – da sind so viele Faktoren, die richtig gemacht werden müssen.

Wie lange hat denn beispielsweise die Entwicklung der „Cross Collection“ gedauert?

Jongerius: Gute vier Jahre haben wir gebraucht. Anfangs waren bestimmt 20 Ideen da. Dann ging es los, dauernd mussten wir unseren Ansatz ändern, weil sich durch die Perforation der Oberfläche ziemlich viele Herausforderungen ergeben haben. Die Aussparungen müssen gut gearbeitet sein, die Schlingen auch beim Gebrauch stehen bleiben und sich nicht flach legen, denn dann sieht die Oberseite nach nichts aus. Zunächst haben wir Wolle verwendet, aber das hat nicht funktioniert. Also haben wir eine Kombination mit Viskose entwickelt, die einen leichten Schimmer mitbringt und die Oberfläche lebhafter erscheinen lässt. Und dann mussten wir die Rückseite, da wir ja „Löcher“ im Teppich haben wollten – normalerweise würde man sie dadurch sehen. Wir haben als Trägermaterial einen Filz gewählt und noch ein spezielles Anti-Rutsch-Spray entwickelt. Was wir machen, ist „Micro Engineering“. Für uns selbst ist es schier unglaublich, wie oft wir einen Entwurf immer und immer wieder auf dem Tisch haben, bevor es wirklich ein Produkt wird.

Das hört sich nach viel, viel Arbeit an…

Jongerius: Ja, aber ich mache das ja nicht alleine. Ich habe ein ganzes Team von Leuten bei Danskina, Spezialisten in den verschiedensten Bereichen.

Bei Teppichen gibt es bereits ein sehr breites Angebot. Wie leicht ist es, mit etwas wirklich Neuem zu kommen?

Jongerius: Was ich auch dem Markt sehe, sind vor allem viele Muster. Aber so arbeiten wir nicht. Wir entwickeln neue Konstruktionen, bauen den Teppich neu auf. Das fängt schon beim Garn an, das von höchster Qualität ist und wir achten sehr auf Details, zum Beispiel auf die Fransen. Und ich persönlich finde es nicht so modern, was der Markt sonst zu bieten hat. Ich habe viel Erfahrung in Sachen Weben, das macht was aus im Produktionsprozess. Alles in allem ist es unglaublich, wie schwierig es ist, einen Teppich zu machen. Aber wenn man geduldig ist und an ein Projekt glaubt, dann kommt auch was dabei heraus. Wir haben diese Geduld und machen auch nur einen Teppich, der Sinn macht, der wirklich etwas Neues in den Markt bringt.

Warum erlebt der Teppich derzeit ein Comeback?

Jongerius: Ein Teppich hat akustische Qualitäten, mit denen er ein Haus angenehmer machen kann. Und wir haben diese offenen Räume, in denen man lebt und arbeitet. Aber auch dort möchte man eine gewisse Privatheit, einen gewissen Komfort. Es ist eine Utopie zu glauben, dass es schön sei, in ganz und gar offenen Räumen zu leben. Ein Raum braucht verschiedene Areale, die kann ein Teppich schaffen. Dazu kommen noch die taktilen Aspekte. Wir sind so viel in der digitalen Welt unterwegs, völlig losgelöst vom unserem ursprünglichen Tastsinn. Ein Teppich hilft einem, sich in seinem Zuhause zu erden.

Vielen Dank für das Gespräch!

www.jongeriuslab.com

www.danskina.com


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News & Stories › 2016 › Januar
Gewebt, nicht getuftet
21. Januar 2016
Hella Jongerius fasst den Teppich an: Uta Abendroth hat mit der Designerin über ihre fünf neuen Modelle für Danskina gesprochen.
Hella Jongerius ist für Experimentierfreude und einen routinierten als auch mutigen Umgang mit Farbe bekannt. Ihre oft ungewöhnlichen Entwürfe für Vitra, Kvadrat, Belux oder die Porzellan-Manufaktur Nymphenburg drehen sich nicht nur um das Thema Material, sondern auch um eine besondere Farbkomposition. Für Danskina hat die Niederländerin fünf neue Teppiche entworfen: „Cross Cut“, „Cross Border“, „Cross“ sowie „Landscape“ und „Cocoon“. Uta Abendroth hat mit Jongerius über die Bedeutung von Farbe im Gestaltungsprozess, über innovative Garne und die Möglichkeit, sich durch einen Teppich zu erden, gesprochen.

Uta Abendroth: Vor Jahren drehte sich bei Ihnen alles um das Thema Materialien, jetzt scheint es mehr um Farben zu gehen. Ist das Teil einer persönlichen Entwicklung?

Hella Jongerius: Das sehe ich nicht so, es geht immer noch um Materialien. Ich bin zwar bei verschiedenen Unternehmen für die Entwicklung der Farbpalette zuständig, aber der Ausgangspunkt ist immer noch das Material. Und es dreht sich immer um das gleiche Thema, ein Produkt interessant oder innovativ zu gestalten. Farbe ist einer der Aspekte, den ein Objekt ausmacht.

Also eine Symbiose aus Farbe und Material?

Jongerius: Ja, wenn man sich einen Teppich anschaut, dann ist das Material doch das Entscheidende; dazu kommt dann die Farbe. Bei Danskina geht es sehr stark um die Garne. Wir gestalten neue Garne und Textilfasern, erfinden in der Hinsicht neue Techniken oder bringen zum Beispiel zwei Techniken auf eine neue Weise zusammen, die eine unerwartete Kombination ergeben. In der Hinsicht mache ich für Danskina eine Art Materialforschung. Und das nicht nur in der Entwicklungsphase. Es ist leicht, ein kleines hübsches Stück eines Gewebes zu entwickeln, von dem man sich vorstellen könnte, dass es mal ein Teppich wird. Aber in der Realität sieht das ganz anders aus. Es ist wirklich schwierig, von der Idee eines Teppichs zu einem finalen Produkt zu kommen.

Wegen der Qualität, die ein Teppich haben muss?

Jongerius: Nein, das eigentliche Problem sind die Hersteller, die aus einem sehr konservativen Markt kommen. Sie machen seit Jahren das, was ihre Maschinen können und sonst nichts. Wir müssen die Industrie pushen und mit den Verantwortlichen neue Wege entwickeln, wie sie ihre Maschinen einsetzen können – egal ob fürs Weben oder Tuften. Und wir müssen noch mehr an der Entwicklung von Garnen arbeiten, denn es gibt nicht so viele, die unseren Ansprüchen genügen, die sich für den Objekt-Bereich ebenso eignen wie für den Privatbereich. Natürlich können wir nicht immer die Standards erreichen, aber wir wollen eine hohe Qualität, die den Teppich nicht nur interessant aussehen lässt, sondern auch gut über einen langen Zeitraum. Und das zu einem guten Preis – da sind so viele Faktoren, die richtig gemacht werden müssen.

Wie lange hat denn beispielsweise die Entwicklung der „Cross Collection“ gedauert?

Jongerius: Gute vier Jahre haben wir gebraucht. Anfangs waren bestimmt 20 Ideen da. Dann ging es los, dauernd mussten wir unseren Ansatz ändern, weil sich durch die Perforation der Oberfläche ziemlich viele Herausforderungen ergeben haben. Die Aussparungen müssen gut gearbeitet sein, die Schlingen auch beim Gebrauch stehen bleiben und sich nicht flach legen, denn dann sieht die Oberseite nach nichts aus. Zunächst haben wir Wolle verwendet, aber das hat nicht funktioniert. Also haben wir eine Kombination mit Viskose entwickelt, die einen leichten Schimmer mitbringt und die Oberfläche lebhafter erscheinen lässt. Und dann mussten wir die Rückseite, da wir ja „Löcher“ im Teppich haben wollten – normalerweise würde man sie dadurch sehen. Wir haben als Trägermaterial einen Filz gewählt und noch ein spezielles Anti-Rutsch-Spray entwickelt. Was wir machen, ist „Micro Engineering“. Für uns selbst ist es schier unglaublich, wie oft wir einen Entwurf immer und immer wieder auf dem Tisch haben, bevor es wirklich ein Produkt wird.

Das hört sich nach viel, viel Arbeit an…

Jongerius: Ja, aber ich mache das ja nicht alleine. Ich habe ein ganzes Team von Leuten bei Danskina, Spezialisten in den verschiedensten Bereichen.

Bei Teppichen gibt es bereits ein sehr breites Angebot. Wie leicht ist es, mit etwas wirklich Neuem zu kommen?

Jongerius: Was ich auch dem Markt sehe, sind vor allem viele Muster. Aber so arbeiten wir nicht. Wir entwickeln neue Konstruktionen, bauen den Teppich neu auf. Das fängt schon beim Garn an, das von höchster Qualität ist und wir achten sehr auf Details, zum Beispiel auf die Fransen. Und ich persönlich finde es nicht so modern, was der Markt sonst zu bieten hat. Ich habe viel Erfahrung in Sachen Weben, das macht was aus im Produktionsprozess. Alles in allem ist es unglaublich, wie schwierig es ist, einen Teppich zu machen. Aber wenn man geduldig ist und an ein Projekt glaubt, dann kommt auch was dabei heraus. Wir haben diese Geduld und machen auch nur einen Teppich, der Sinn macht, der wirklich etwas Neues in den Markt bringt.

Warum erlebt der Teppich derzeit ein Comeback?

Jongerius: Ein Teppich hat akustische Qualitäten, mit denen er ein Haus angenehmer machen kann. Und wir haben diese offenen Räume, in denen man lebt und arbeitet. Aber auch dort möchte man eine gewisse Privatheit, einen gewissen Komfort. Es ist eine Utopie zu glauben, dass es schön sei, in ganz und gar offenen Räumen zu leben. Ein Raum braucht verschiedene Areale, die kann ein Teppich schaffen. Dazu kommen noch die taktilen Aspekte. Wir sind so viel in der digitalen Welt unterwegs, völlig losgelöst vom unserem ursprünglichen Tastsinn. Ein Teppich hilft einem, sich in seinem Zuhause zu erden.

Vielen Dank für das Gespräch!

www.jongeriuslab.com

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(29. August 2011)