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von 2143 Forward End
Hollywood Costume
von Silke Gehrmann-Becker
5. Dezember 2012
Gerade erst verfolgte der Agent mit dem Doppelnull-Status seinen neuen Gegenspieler quer durch die Londoner U-Bahn, kämpfte auf dem schottischen Landgut „Skyfall“ ums nackte Überleben – und zielt nun mit seiner Waffe, ganz Bond im schwarzen Tuxedo, in die entgegengesetzte Richtung? Aus dem Gesicht von Javier Bardem alias Raoul Silva spricht pure Langeweile, gar Desinteresse, das möglicherweise Dick Tracey und Terminator geschuldet ist, die sich zwischen 007 und den schurkischen Gegner des britischen Empire gedrängelt haben.

Der zweite Blick auf die Szenerie offenbart: Die Macher der aktuellen Blockbuster Ausstellung „Hollywood Costume“ im Victoria&Albert Museum in London haben das digitale, auf einem LED-Bildschirm flimmernde Gesicht von Javier Bardem nicht in den Kampf im 23. James Bond Abenteuer geschickt, sondern es mittels Kostümwahl dem Auftragskiller Anton Chigurh aus dem Coen-Film „No Country for old Men“ zugeschrieben. So offenbart sich anhand dieses Beispiels die Vielschichtigkeit, mit der die von Deborah Nadoolman Landis kuratierte Ausstellung auftrumpfen kann – und gleichzeitig zu kämpfen hat.

Mehr als 130 Kostüme unvergessener Filmcharaktere der vergangenen hundert Jahre versammelt „Hollywood Costume“ in drei Galerien des Victoria&Albert Museum, das mit seinen umfassenden Sammlungen – unter anderem aus den Themengebieten Fashion, Textiles oder Theatre & Perfomance – den perfekten Rahmen für die vom „Golden Age“ bis heute reichende Schau bietet. Dabei haben sich die Kuratoren, die amerikanische Kostümdesignerin Deborah Nadoolman Landis, die sich mit Michael Jacksons „Thriller“-Video oder dem Outfit für Harrison Ford alias Indiana Jones ein Denkmal setze, Sir Christopher Frayling, Gastkurator und ehemaliger Rektor des Royal College of Art sowie der am V&A tätige Assistenzkurator Keith Lodwick, nicht nur auf die ikonische Wirkung der Kleidung verlassen. Die Ausstellung widmet sich der zentralen Rolle des Kostümdesigns und des Berufsstandes, aber auch den sich verändernden sozialen und technologischen Kontexten, die sowohl die Arbeit der Kostümdesigner als auch die Handlung und Erzählweise eines Films bestimmen.

Drei Räume bilden innerhalb der Ausstellung die drei Themenkomplexe „Dekonstruktion“, „Dialog“ und „Finale“. Im Eingang erwartet den Besucher zunächst eine überdimensionale Leinwand mit Filmausschnitten, die in kurzen Sequenzen Kate Winslet, Audrey Hepburn, Sharon Stone, Charlie Chaplin, John Wayne, Natalie Portman, Uma Thurman, John Travolta, Johnny Depp oder Vivien Leigh unter dröhnender Filmmusik bereits ihre ganze Geschichte erzählen lässt. Ob „Black Swan“, „Titanic“, „Frühstück bei Tiffany“, „Basic Instinct“ oder „Fluch der Karibik“ – wann immer inszenierte Kleidung einen Schauspieler umhüllt, braucht es nur wenige Puzzleteile, Handlung und Titel des Films zu erkennen und das Kopfkino zu starten. Dabei lässt sich durch die Textilien der emotionale, der kritische, der spannende, der romantische oder gar existenzielle Punkt eines Films genau bestimmen.

Wenn an dem grünen Samtkleid, 1939 von Walter Plunkett in Szene gesetzt, eine Vorhangkordel als Gürtel baumelt, braucht es nur wenig, die von Schulden geplagte Scarlett O’Hara vor Augen zu haben, die unter missbilligenden Blicken von Mammy die Gardinen zu einem Auftritt à la Grande Dame verarbeitet und so den Neustart ihres geliebten Gutes „Tara“ durch spendable Geldgeber ermöglicht. Auch ist keine Windmaschine von Nöten, Marilyn Monroe im „Verflixten siebten Jahr“ auf dem Luftschacht zu imaginieren – das pludrig-plissierte Kleid bändigend. Kostümdesigner sind Geschichtenerzähler, die das Band zwischen Autor und Schauspieler spannen, meint Landis. Und Ikonen werden geboren, wenn der Zuschauer mit den Darstellern eine Liebesbeziehung eingeht: „Das ist es, worum es beim Kostümdesign geht“, so die Kuratorin. Dabei soll nach Ansicht von Sir Frayling der Selbstverständlichkeit des Designs ebenso entgegengewirkt werden wie seinem Missverständnis, reine Dekoration zu sein.

Um den Charakter in einem Film genau bestimmen zu können, werden Gespräche geführt, Moodboards komponiert, Einzelteile zusammengesucht. „Dekonstruktion“ beschäftigt sich mit Kleidung und Identität, mit Individuen, die in unterschiedlichen Epochen zuhause sind und denen Realität oder Futuristisches, beides in Fiktion, abverlangt wird. So stehen opulente Roben aus dem elisabethanischen Zeitalter in einer Reihe, treffen üppige Stoffbahnen von 1955, die Bette Davis umhüllten, auf Kirsten Dunsts „Marie Antoinette“ von 2006. Auch der von Landis selbst zugeschnittene Hut, der Harrison Fords Gesicht bei seinen Abenteuern als Archäologe nicht zu sehr verdecken durfte, und daher auf spezielle Weise an der Krempe bearbeitet wurde, ist hier zu sehen.

„Dialog“ verweist auf die intensive Zusammenarbeit zwischen Regisseur und Kostümdesigner, wie das Duo Alfred Hitchcock/Edith Head, Tim Burton/Colleen Atwood oder Martin Scorsese/Sandy Powell sie pflegten. An Tischen sitzen digitale Gesprächspartner, die sich über „Die Vögel“, „Sweeney Todd“ oder „Gangs of New York“ und die Herausforderungen authentischer Darstellung unterhalten. Ein wenig befremdlich ist die sitzende, crossmediale Runde schon, zumal die Lautstärke der jeweiligen Intervieweinspielungen sich gegenseitig behindert; es fällt schwer, sich auf die einzelnen Episoden zu konzentrieren.

Besser gelingt dies in der Szenerie, die Meryl Streep und Robert De Niro zusammenbringt: Beide Schauspieler sind zugleich langjährige Sammler ihrer eigenen Kostüme und reflektieren anhand der jeweiligen filmischen Charaktere – stellvertretend werden hier fünf Kostüme der beiden Oscar-Preisträger, unter anderem aus „Taxi Driver“ und „Mamma Mia!“, gezeigt – ihre Karriere und persönliche Entwicklung. Dass die gleichzeitige Entzauberung des mystischen „Darth Vader“ Kostüms vom schicken aber gefallenen Jedi zum billigen Ramschträger (mickrige Knöpfe aus Plastik am Bauch und ein schäbiger Umhang, ganz zu schweigen von dem Topf auf dem Kopf!) schräg gegenüber stattfindet, machen die Cleopatra-Roben von Elizabeth Taylor (1963 von Irene Sharaff designt und mit einem Oscar ausgezeichnet) in diesem Ausstellungsteil mehr als wett.

Das „Finale“, in dem die bekanntesten Kostüme der Helden und Femmes Fatales Hollywoods in einer Reihe stehen, erinnert dann leider eher an Madame Tussaud’s: Jedem Kostüm, für sich ein Juwel, wurde ein digitaler LED-Screen-Kopf aufgesetzt, der den entsprechenden Schauspieler mit seinem „realen“ Unterleib verbindet. So erst entspannt sich die anfangs erwähnte Verwirrung um die Frage, warum 007 seinen Revolver auf Batman und nicht auf den Gegenspieler im Blaumann richtet. Ihre Rollen trennen und einen Daniel Craig und Javier Bardem zugleich, indem sie auf die Bilder und Schnitte im Kopf des Besuchers nicht reagieren können – hier bleibt das Kostüm dann doch nur die Hülle des Schauspielers mit Celebrity-Status. Das von Hubert de Givenchy für Audrey Hepburn entworfene kleine Schwarze, eine Ikone der unerfüllten Sehnsüchte an Schaufensterscheiben mit einem „Coffee to Go“ in der Hand, steht hier für die Beziehung zwischen Mode und Film. So tritt, trotz oder gerade aufgrund der dichten Kostümreihung im dritten Raum, die Reflexion des Gesehenen, der Abstand, den der Betrachter zu den Figuren im Film hat und der Bezug, den er den filmischen Erlebnissen seinem eigenen Leben gibt, ein. Das letzte Exponat, eine Replik der roten Schuhe von Judy Garland alias Dorothy aus „Der Zauberer von Oz“ (Adrian, 1939) vereinen Fiktion und Realität in Perfektion – sind sie doch der Eyecatcher auf dem umfassenden, äußerst lesenswerten Begleitkatalog und markieren zugleich den Eintritt in die Wunderwelt des „Hollywood Costume“ Merchandising Shops.

„Hollywood Costume", V&A Victoria and Albert Museum, London, bis 27. Januar 2013

Begleitkatalog: 320 Seiten, Hardcover 35 £, Paperback 25 £, V&A Publishing

www.vam.ac.uk
Harrison Ford als „Indiana Jones“ im Abenteuerfilm „Jäger des verlorenen Schatzes“ (1981), Foto © Lucasfilm/ Paramount/ The Kobal Collection
Tippi Hedren als „Melanie Daniels” in Alfred Hitchcocks Horrorfilm „Die Vögel“ (1963), Foto © Universal Pictures/ Photofest/ The Kobal Collection
Judy Garland als „Dorothy“ im Musicalfilm „Der Zauberer von Oz“ (1939), Foto © MGM/ The Kobal Collection
Dorothys rote Schuhe aus „Der Zauberer von Oz“, zu sehen in der Ausstellung „Hollywood Costumes“, Foto © VA Images
Cate Blanchett als britische Königin in „Elizabeth – Das goldene Königreich“ (2007), Foto © Universal Pictures/ The Kobal Collection/ Greg Williams
Filmkostüme aus dem Film „Elizabeth – Das goldene Königreich“, ausgestellt im Victoria&Albert Museum in London, Foto © VA Images
Robert De Niro in Martin Scorseses Drama „Taxi Driver“ (1976), Foto © Columbia/ The Kobal Collection
Kate Winslets Kostüm aus dem Film „Titanic“ (1997), Foto © V&A Images
News & Stories › 2012 › Dezember
Hollywood Costume
von Silke Gehrmann-Becker | 5. Dezember 2012
Was wäre „Vom Winde verweht“ ohne Scarlett O’Haras grünes Samtkleid, was „Frühstück bei Tiffany“ ohne Audrey Hepburns kleines Schwarzes? In einer großen Ausstellung widmet sich das Victoria & Albert Museum in London der zentralen Rolle des Kostümdesigns, das Handlung und Erzählweise eines Films wesentlich mitbestimmt.
Gerade erst verfolgte der Agent mit dem Doppelnull-Status seinen neuen Gegenspieler quer durch die Londoner U-Bahn, kämpfte auf dem schottischen Landgut „Skyfall“ ums nackte Überleben – und zielt nun mit seiner Waffe, ganz Bond im schwarzen Tuxedo, in die entgegengesetzte Richtung? Aus dem Gesicht von Javier Bardem alias Raoul Silva spricht pure Langeweile, gar Desinteresse, das möglicherweise Dick Tracey und Terminator geschuldet ist, die sich zwischen 007 und den schurkischen Gegner des britischen Empire gedrängelt haben.

Der zweite Blick auf die Szenerie offenbart: Die Macher der aktuellen Blockbuster Ausstellung „Hollywood Costume“ im Victoria&Albert Museum in London haben das digitale, auf einem LED-Bildschirm flimmernde Gesicht von Javier Bardem nicht in den Kampf im 23. James Bond Abenteuer geschickt, sondern es mittels Kostümwahl dem Auftragskiller Anton Chigurh aus dem Coen-Film „No Country for old Men“ zugeschrieben. So offenbart sich anhand dieses Beispiels die Vielschichtigkeit, mit der die von Deborah Nadoolman Landis kuratierte Ausstellung auftrumpfen kann – und gleichzeitig zu kämpfen hat.

Mehr als 130 Kostüme unvergessener Filmcharaktere der vergangenen hundert Jahre versammelt „Hollywood Costume“ in drei Galerien des Victoria&Albert Museum, das mit seinen umfassenden Sammlungen – unter anderem aus den Themengebieten Fashion, Textiles oder Theatre & Perfomance – den perfekten Rahmen für die vom „Golden Age“ bis heute reichende Schau bietet. Dabei haben sich die Kuratoren, die amerikanische Kostümdesignerin Deborah Nadoolman Landis, die sich mit Michael Jacksons „Thriller“-Video oder dem Outfit für Harrison Ford alias Indiana Jones ein Denkmal setze, Sir Christopher Frayling, Gastkurator und ehemaliger Rektor des Royal College of Art sowie der am V&A tätige Assistenzkurator Keith Lodwick, nicht nur auf die ikonische Wirkung der Kleidung verlassen. Die Ausstellung widmet sich der zentralen Rolle des Kostümdesigns und des Berufsstandes, aber auch den sich verändernden sozialen und technologischen Kontexten, die sowohl die Arbeit der Kostümdesigner als auch die Handlung und Erzählweise eines Films bestimmen.

Drei Räume bilden innerhalb der Ausstellung die drei Themenkomplexe „Dekonstruktion“, „Dialog“ und „Finale“. Im Eingang erwartet den Besucher zunächst eine überdimensionale Leinwand mit Filmausschnitten, die in kurzen Sequenzen Kate Winslet, Audrey Hepburn, Sharon Stone, Charlie Chaplin, John Wayne, Natalie Portman, Uma Thurman, John Travolta, Johnny Depp oder Vivien Leigh unter dröhnender Filmmusik bereits ihre ganze Geschichte erzählen lässt. Ob „Black Swan“, „Titanic“, „Frühstück bei Tiffany“, „Basic Instinct“ oder „Fluch der Karibik“ – wann immer inszenierte Kleidung einen Schauspieler umhüllt, braucht es nur wenige Puzzleteile, Handlung und Titel des Films zu erkennen und das Kopfkino zu starten. Dabei lässt sich durch die Textilien der emotionale, der kritische, der spannende, der romantische oder gar existenzielle Punkt eines Films genau bestimmen.

Wenn an dem grünen Samtkleid, 1939 von Walter Plunkett in Szene gesetzt, eine Vorhangkordel als Gürtel baumelt, braucht es nur wenig, die von Schulden geplagte Scarlett O’Hara vor Augen zu haben, die unter missbilligenden Blicken von Mammy die Gardinen zu einem Auftritt à la Grande Dame verarbeitet und so den Neustart ihres geliebten Gutes „Tara“ durch spendable Geldgeber ermöglicht. Auch ist keine Windmaschine von Nöten, Marilyn Monroe im „Verflixten siebten Jahr“ auf dem Luftschacht zu imaginieren – das pludrig-plissierte Kleid bändigend. Kostümdesigner sind Geschichtenerzähler, die das Band zwischen Autor und Schauspieler spannen, meint Landis. Und Ikonen werden geboren, wenn der Zuschauer mit den Darstellern eine Liebesbeziehung eingeht: „Das ist es, worum es beim Kostümdesign geht“, so die Kuratorin. Dabei soll nach Ansicht von Sir Frayling der Selbstverständlichkeit des Designs ebenso entgegengewirkt werden wie seinem Missverständnis, reine Dekoration zu sein.

Um den Charakter in einem Film genau bestimmen zu können, werden Gespräche geführt, Moodboards komponiert, Einzelteile zusammengesucht. „Dekonstruktion“ beschäftigt sich mit Kleidung und Identität, mit Individuen, die in unterschiedlichen Epochen zuhause sind und denen Realität oder Futuristisches, beides in Fiktion, abverlangt wird. So stehen opulente Roben aus dem elisabethanischen Zeitalter in einer Reihe, treffen üppige Stoffbahnen von 1955, die Bette Davis umhüllten, auf Kirsten Dunsts „Marie Antoinette“ von 2006. Auch der von Landis selbst zugeschnittene Hut, der Harrison Fords Gesicht bei seinen Abenteuern als Archäologe nicht zu sehr verdecken durfte, und daher auf spezielle Weise an der Krempe bearbeitet wurde, ist hier zu sehen.

„Dialog“ verweist auf die intensive Zusammenarbeit zwischen Regisseur und Kostümdesigner, wie das Duo Alfred Hitchcock/Edith Head, Tim Burton/Colleen Atwood oder Martin Scorsese/Sandy Powell sie pflegten. An Tischen sitzen digitale Gesprächspartner, die sich über „Die Vögel“, „Sweeney Todd“ oder „Gangs of New York“ und die Herausforderungen authentischer Darstellung unterhalten. Ein wenig befremdlich ist die sitzende, crossmediale Runde schon, zumal die Lautstärke der jeweiligen Intervieweinspielungen sich gegenseitig behindert; es fällt schwer, sich auf die einzelnen Episoden zu konzentrieren.

Besser gelingt dies in der Szenerie, die Meryl Streep und Robert De Niro zusammenbringt: Beide Schauspieler sind zugleich langjährige Sammler ihrer eigenen Kostüme und reflektieren anhand der jeweiligen filmischen Charaktere – stellvertretend werden hier fünf Kostüme der beiden Oscar-Preisträger, unter anderem aus „Taxi Driver“ und „Mamma Mia!“, gezeigt – ihre Karriere und persönliche Entwicklung. Dass die gleichzeitige Entzauberung des mystischen „Darth Vader“ Kostüms vom schicken aber gefallenen Jedi zum billigen Ramschträger (mickrige Knöpfe aus Plastik am Bauch und ein schäbiger Umhang, ganz zu schweigen von dem Topf auf dem Kopf!) schräg gegenüber stattfindet, machen die Cleopatra-Roben von Elizabeth Taylor (1963 von Irene Sharaff designt und mit einem Oscar ausgezeichnet) in diesem Ausstellungsteil mehr als wett.

Das „Finale“, in dem die bekanntesten Kostüme der Helden und Femmes Fatales Hollywoods in einer Reihe stehen, erinnert dann leider eher an Madame Tussaud’s: Jedem Kostüm, für sich ein Juwel, wurde ein digitaler LED-Screen-Kopf aufgesetzt, der den entsprechenden Schauspieler mit seinem „realen“ Unterleib verbindet. So erst entspannt sich die anfangs erwähnte Verwirrung um die Frage, warum 007 seinen Revolver auf Batman und nicht auf den Gegenspieler im Blaumann richtet. Ihre Rollen trennen und einen Daniel Craig und Javier Bardem zugleich, indem sie auf die Bilder und Schnitte im Kopf des Besuchers nicht reagieren können – hier bleibt das Kostüm dann doch nur die Hülle des Schauspielers mit Celebrity-Status. Das von Hubert de Givenchy für Audrey Hepburn entworfene kleine Schwarze, eine Ikone der unerfüllten Sehnsüchte an Schaufensterscheiben mit einem „Coffee to Go“ in der Hand, steht hier für die Beziehung zwischen Mode und Film. So tritt, trotz oder gerade aufgrund der dichten Kostümreihung im dritten Raum, die Reflexion des Gesehenen, der Abstand, den der Betrachter zu den Figuren im Film hat und der Bezug, den er den filmischen Erlebnissen seinem eigenen Leben gibt, ein. Das letzte Exponat, eine Replik der roten Schuhe von Judy Garland alias Dorothy aus „Der Zauberer von Oz“ (Adrian, 1939) vereinen Fiktion und Realität in Perfektion – sind sie doch der Eyecatcher auf dem umfassenden, äußerst lesenswerten Begleitkatalog und markieren zugleich den Eintritt in die Wunderwelt des „Hollywood Costume“ Merchandising Shops.

„Hollywood Costume", V&A Victoria and Albert Museum, London, bis 27. Januar 2013

Begleitkatalog: 320 Seiten, Hardcover 35 £, Paperback 25 £, V&A Publishing

www.vam.ac.uk