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Im Schatten des Lichts
von Juliane Grützner | 24. Februar 2012
195 Oberlichter, die aus der Rasenfläche äugen, prägen das Erscheinungsbild des neuen Erweiterungsgebäudes des Städel Museum. Wie flache Linsen liegen sie auf dem Grün und befördern Tageslicht in die 3.000 Quadratmeter große Ausstellungshalle, die sich unter dem Garten befindet. Dank einer Sonderanfertigung filtert das Isolierglas aus sphärisch gekrümmten, kalt verformten Scheiben nicht nur das Tageslicht, sondern es lässt sich auch von geringer Verschattung bis zu vollständiger Verdunklung regulieren. An düsteren Tagen sowie zur Nacht übernehmen integrierte LED-Strahler die Lichtzufuhr der Halle.

Betritt man das Museum und schreitet über die steile Treppe in den Gartensaal herab, wird schnell klar, dass man das Paradies hinter sich gelassen und eine von kaltem, künstlichem Licht bestimmte Welt betreten hat. „Wir wollten ein Gebäude schaffen, in dem sich Menschen wohlfühlen, auch wenn es unter der Erdoberfläche liegt", so die ausführenden Architekten des Frankfurter Büros Schneider und Schumacher bei der Eröffnung. Dazu mag die Deckenhöhe von acht Metern beitragen, jedoch das sterile Licht animiert zu langem Verweilen nicht.

Auch die Ausleuchtung der Kunstwerke aus dem Sammlungsbereich der Gegenwartskunst wird über die Oberlichter gesteuert, was dazu führt, dass sie oft im Dunkeln hängen und sich der Besucher den Weg durch die Ausstellung allein suchen muss. Zusätzliche Spots hätten nicht nur Highlights setzen können, sondern sie hätten womöglich auch verhindert, dass sich der Betrachter in der Verglasung der meisten Bilder selbst spiegelt beziehungsweise Motive einander gegenüberhängender Bilder miteinander verschmelzen. Hier besteht Verbesserungsbedarf.

Lobenswert am Ansatz von Schneider und Schumacher ist dagegen die Entscheidung, möglichst viele Kunstwerke auf einer Fläche auszustellen, damit der Betrachter zwischen den einzelnen Exponaten hin- und herwandern und sie miteinander in Verbindung setzen kann. Die mittige Deckenwölbung stellt nicht nur einen Bezug zur Kuppel des Städel-Altbaus her, sondern will auch die gestalterisch zurückhaltende Halle gliedern, die keine Aufmerksamkeit für sich beansprucht, sondern allein der Kunst dient.

Die Deckenwölbung ist asymmetrisch und markiert die Hallenmitte, die als Marktplatz fungiert. Von ihr ausgehend bilden Trennwände einen Parcours aus Räumen und Wegen, die sich über die gesamte Fläche erstrecken und sich jederzeit auf Wunsch der Kuratoren umstellen lassen. Ein einfaches Konzept, entworfen vom Berliner Architekturbüro Kuehn Malvezzi.

Zum vierten Mal ist das Städel Museum seit 1878 erweitert worden. Und jedes Mal war es, wie jede andere Kulturinstitution auch, für die Bewältigung des Projektes auf Spenden angewiesen. Max Hollein, Direktor des Museums, lobte in diesem Zusammenhang die große Spendenbreitschaft der Bürger, die gut die Hälfte der 52 Millionen Euro für den Neubau sowie die Sanierung des Altbaus gestiftet hatten. „Das Museum ist ein Museum der Bürger für die Bürger", so Hollein. Es öffnet sich den Bürgern wie der Gartensaal dem Licht.

Städel Museum, Frankfurt am Main
www.staedelmuseum.de
Blick auf den Gartensaal, das neue Erweiterungsgebäude des Städel Museum, Foto © Norbert Miguletz
Die Deckenwölbung des Gartensaals stellt einen formalen Bezug zur Kuppel des Städel-Altbaus her, Foto © Norbert Miguletz
Durch die Oberlichter gelangt Tageslicht in den Gartensaal, Foto © Juliane Grützner, Stylepark
Trennwände gliedern die Ausstellungshalle in Räume und Wege, Foto © Norbert Miguletz
Weiterer Blick in die Sammlung Gegenwartskunst, Foto © Norbert Miguletz
Die meisten Werke aus der Sammlung Gegenwartskunst sind Leihgaben, Foto © Norbert Miguletz
Das kreisrunde Oberlicht der neuen Ausstellungshalle ist eine Sonderanfertigung: Isolierglas aus sphärisch gekrümmten, kalt verformten Scheiben, Foto © Juliane Grützner, Stylepark
Die Oberlichter beleuchten die Ausstellungshalle, doch die Kunst bleibt im Schatten, Foto © Juliane Grützner, Stylepark
Durch eine steile Treppe ist das Erweiterungsgebäude mit dem Altbau verbunden, Foto © Norbert Miguletz
Die Deckenwölbung markiert die Hallenmitte. Sie fungiert als Marktplatz, Foto © Norbert Miguletz
Architektur › 2012 › Februar
Im Schatten des Lichts
von Juliane Grützner | 24. Februar 2012
Durch kreisrunde Oberlichter ist das unterirdische Erweiterungsgebäude des Frankfurter Städel Museum mit der Außenwelt verbunden. Sie versorgen den neuen Gartensaal mit Tageslicht, das jedoch nicht an allen Stellen in ausreichender Qualität zu den Exponaten gelangt.
195 Oberlichter, die aus der Rasenfläche äugen, prägen das Erscheinungsbild des neuen Erweiterungsgebäudes des Städel Museum. Wie flache Linsen liegen sie auf dem Grün und befördern Tageslicht in die 3.000 Quadratmeter große Ausstellungshalle, die sich unter dem Garten befindet. Dank einer Sonderanfertigung filtert das Isolierglas aus sphärisch gekrümmten, kalt verformten Scheiben nicht nur das Tageslicht, sondern es lässt sich auch von geringer Verschattung bis zu vollständiger Verdunklung regulieren. An düsteren Tagen sowie zur Nacht übernehmen integrierte LED-Strahler die Lichtzufuhr der Halle.

Betritt man das Museum und schreitet über die steile Treppe in den Gartensaal herab, wird schnell klar, dass man das Paradies hinter sich gelassen und eine von kaltem, künstlichem Licht bestimmte Welt betreten hat. „Wir wollten ein Gebäude schaffen, in dem sich Menschen wohlfühlen, auch wenn es unter der Erdoberfläche liegt", so die ausführenden Architekten des Frankfurter Büros Schneider und Schumacher bei der Eröffnung. Dazu mag die Deckenhöhe von acht Metern beitragen, jedoch das sterile Licht animiert zu langem Verweilen nicht.

Auch die Ausleuchtung der Kunstwerke aus dem Sammlungsbereich der Gegenwartskunst wird über die Oberlichter gesteuert, was dazu führt, dass sie oft im Dunkeln hängen und sich der Besucher den Weg durch die Ausstellung allein suchen muss. Zusätzliche Spots hätten nicht nur Highlights setzen können, sondern sie hätten womöglich auch verhindert, dass sich der Betrachter in der Verglasung der meisten Bilder selbst spiegelt beziehungsweise Motive einander gegenüberhängender Bilder miteinander verschmelzen. Hier besteht Verbesserungsbedarf.

Lobenswert am Ansatz von Schneider und Schumacher ist dagegen die Entscheidung, möglichst viele Kunstwerke auf einer Fläche auszustellen, damit der Betrachter zwischen den einzelnen Exponaten hin- und herwandern und sie miteinander in Verbindung setzen kann. Die mittige Deckenwölbung stellt nicht nur einen Bezug zur Kuppel des Städel-Altbaus her, sondern will auch die gestalterisch zurückhaltende Halle gliedern, die keine Aufmerksamkeit für sich beansprucht, sondern allein der Kunst dient.

Die Deckenwölbung ist asymmetrisch und markiert die Hallenmitte, die als Marktplatz fungiert. Von ihr ausgehend bilden Trennwände einen Parcours aus Räumen und Wegen, die sich über die gesamte Fläche erstrecken und sich jederzeit auf Wunsch der Kuratoren umstellen lassen. Ein einfaches Konzept, entworfen vom Berliner Architekturbüro Kuehn Malvezzi.

Zum vierten Mal ist das Städel Museum seit 1878 erweitert worden. Und jedes Mal war es, wie jede andere Kulturinstitution auch, für die Bewältigung des Projektes auf Spenden angewiesen. Max Hollein, Direktor des Museums, lobte in diesem Zusammenhang die große Spendenbreitschaft der Bürger, die gut die Hälfte der 52 Millionen Euro für den Neubau sowie die Sanierung des Altbaus gestiftet hatten. „Das Museum ist ein Museum der Bürger für die Bürger", so Hollein. Es öffnet sich den Bürgern wie der Gartensaal dem Licht.

Städel Museum, Frankfurt am Main
www.staedelmuseum.de