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Immer gleiche Alltagsdinge langweilen mich
25. Oktober 2011
Fernando Brízio

Fernando Brízios Entwürfe sind humorvoll und intelligent zugleich. Der portugiesische Designer entwickelt Objekte, Möbel und Kleider, die Geschichten zu ihrem Entstehungsprozess erzählen und ihren Lebenszyklus wie Seismographen aufzeichnen. Sein „Target-Table" verwandelt eine Zielscheibe zum Bogenschießen samt Pfeilen in einen Beistelltisch, das „Restart"-Kleid wird im Laufe eines Abends bunt gemustert, je nachdem welche Filzstifte in den kleinen Taschen des weißen Baumwollkleides stecken. Während der ExperimentaDesign sind all diese erstaunlichen Werke im Antigo Convento da Trindade in Lissabon in einer großen Einzelschau zu sehen, die in eine flirrende Ideenwelt entführt. Sandra Hofmeister sprach mit Fernando Brízio über Entwurfsprozesse, lokales Handwerk und Buster Keaton.

Sandra Hofmeister: Nach welchen Kriterien haben Sie die Ausstellungsobjekte aus Ihrem persönlichen Archiv ausgewählt?

Fernando Brízio: Zusammen mit der Kuratorin Carla Cardoso haben wir alles durchgesehen, woran ich bis heute gearbeitet habe. Carla war beeindruckt von der Zahl der Projekte, die noch nie vorher gezeigt wurden. Ich habe alle Zeichnungen und Modelle aus meiner Studienzeit aufgehoben. Damals – ich habe 1996 in Lissabon abgeschlossen – gab es weder Computer noch Internet, außerdem auch keine Magazine und keine schicken Designbücher. Deshalb ist mein Archiv nicht digital, es besteht vielmehr aus Papierbögen mit Skizzen, aus Prototypen, Modellen und anderen Dokumenten. Als ich all dies mit Carla durchgesehen habe, kam ein mehr oder weniger individuelles und alleine stehendes Werk zum Vorschein.

Viele Ihrer Objekte erzählen etwas über den Prozess ihres Entwurfs. Welche Bedeutung kommt dem fertigen Produkt am Ende der Prozesskette zu?

Brízio: Wenn ich einen Auftrag habe, muss das Produkt die ernsten Fragen des Briefings lösen, und am Ende müssen meine Auftraggeber glücklich sein mit dem Ergebnis. Wenn ich hingegen ohne Auftraggeber an eigenen Projekten und Ideen arbeite, dann ist mein Vorsatz immer, dass etwas Nützliches dabei rauskommen muss. Als ich von der Universität kam, habe ich meine Projekte mit Künstlern umgesetzt und war mir unsicher, in welche Richtung ich weitermachen sollte. Aber ich habe mich entschieden, als Designer zu arbeiten, weil ich möchte, dass die Menschen meine Ideen nutzen. Ich interessiere mich für ihren Umgang mit Objekten. Der Produktionsprozess kann industriell oder handwerklich sein – was mich eigentlich packt, ist die Art und Weise, wie die Menschen diesen Prozess für sich nutzen.

Sie beziehen sich auf Buster Keaton als ein Vorbild für den Umgang mit Alltagsdingen. Ist die Frage des Gebrauchs Ihrer Meinung nach immer mit Humor verbunden?

Brízio: Ich bin glücklich, wenn die Leute meine Arbeiten mögen. Mein Ansatz geht aber nicht von der Frage eines Nutzens im Sinne physischer oder funktionaler Aspekte aus. Ich arbeite normalerweise mit bestimmten Typologien, deren Funktionalität schon vor Langem geklärt wurde. Ich arbeite mit und an Emotionen, die sich aus dem Gebrauch von Objekten ergeben. Und ich interessiere mich für die Fähigkeit von Dingen, Geschichten zu erzählen und Qualitäten zu zeigen, die dafür verantwortlich sind, dass wir Gegenstände lieben und ihnen mit Augenzwinkern begegnen. Für mich geht es im Design nicht nur um Formen, sondern um Menschen: ihre Kultur, ihre Wünsche, ihre Bedürfnisse und ihre Gefühle. Deshalb bedeutet Entwerfen, Ideen für Menschen zu haben. Dabei ist es wichtig, dass diese Ideen intuitiv verstanden werden. Wenn die Leute beim Anblick meiner Entwürfe lachen, dann ist das für mich ein Zeichen von Erfolg. Die menschliche Basis, nach der ich suche, ist nicht vom kulturellen Hintergrund im Allgemeinen abhängig und liegt nicht in herausragenden sozialen Merkmalen. Das hat nichts mit Hochkultur oder populärer Kultur zu tun.

Welche Rolle spielen Technologien und Handwerk für Ihre Entwürfe und wo sehen Sie ihre Bedeutung für die Zukunft?

Brízio: Aus meiner Sicht ist die menschliche Seite die wichtigste. Doch die Entwicklung wird verschiedene Wege einschlagen und natürlich ist die Technologie ein wichtiger Bereich. Ich selbst arbeite nicht mit Hightec-Technologien weil sie normalerweise sehr teuer sind. Jedenfalls lebe ich in Lissabon und nicht in Deutschland. Ich nutze Handwerkstechniken, arbeite mit Materialien wie Keramik oder Holz. Das ist billiger und erlaubt mir außerdem, mit den Handwerkern wie dem Töpfer in der Nähe meines Studios zusammenzuarbeiten. Generell glaube ich, dass man mit Technologien immer sorgfältig umgehen muss. Einige von ihnen können gefährlich sein, weil sie unsere Wahrnehmung verändern.

Die Relation zwischen virtueller und realer Welt wurde zu einem wichtigen Teil unserer Gesellschaft. Inwiefern ist sie gefährlich?

Brízio: Die Idee der Augmented Reality halte ich persönlich für Unfug. Wer zum Beispiel mit einem iPad in eine gotische Kirche geht, um etwas über die Geschichte der Kirche, der Skulpturen oder anderer architektonischen Details zu erfahren, der wird seine Raumerfahrung und seine Wahrnehmung insgesamt auf negative Weise verändern. Ich bin überzeugt davon, dass wir für diese Art der Technologien eines Tages bezahlen müssen. Wir zerstören unsere sinnliche Erfahrung, die den Raum, das Licht, die Temperatur und Klänge betrifft. Wenn der Gebrauch solcher Hilfsmittel wichtiger wird als die direkten Momenteindrücke, dann löschen wir unsere Fähigkeit für ganzheitliche Erfahrungen aus.

Während Ihres Studiums gab es keine digitalen Hilfsprogramme, wie gehen Sie heute mit ihnen um?

Brízio: Ich arbeite nicht direkt mit Software, aber es gibt im Ernstfall jemanden in meinem Studio, der mir damit helfen kann. Ich zeichne mit der Hand – auch im Eins-zu-eins-Maßstab, und ich fertige Modelle an. Der Computer ist, glaube ich, außerordentlich, aber er kreiert eine nicht reale Welt. Als Professor habe ich manchmal Probleme, meinen Studenten diesen Zusammenhang zu erklären. Sie glauben, dass alles mit Software entworfen werden kann. Wenn sie ein bestimmtes Material oder eine handwerkliche Lösung für etwas suchen, gehen sie nicht in die Werkstatt um die Ecke und auch nicht Archive, Läden oder Bibliotheken, sondern bleiben an ihrem Schreibtisch vor dem Computer. Das kann nur zum Scheitern führen, weil man auf diese Weise keinen Sinn für ein Projekt gewinnt.

Ist die Wirtschaftskrise eine Chance oder ein Risiko für Sie als Designer?

Brízio: Natürlich kennen wir alle die Wirtschafsregeln der Designwelt. Aber Design ist ein sehr weites Feld und ein Beruf für viele verschiedene Menschen. Viele von ihnen nehmen nicht Teil am internationalen Designzirkus, sondern entwickeln ihre Projekte auf andere Art. Letztlich ist Design eine schlagkräftige Methode, um über die Realität und die Zukunft nachzudenken, die menschlichen und die kulturellen Bedingungen der Entwicklung. Ich bin überzeugt davon, dass wir diese Entwicklung beeinflussen können. Was ich an heutigen Tendenzen nicht leiden mag, ist, dass Design mehr oder weniger immer dasselbe Muster hat, dieselben Formen und Ideen. Wir haben das Gefühl für ursprüngliche Quellen verloren und durch eine globale Sicht ersetzt. Zeitschriften sind voll von Berichten über Ereignisse, die zeitgleich in Peking, Berlin oder woanders stattfinden. Diese Haltung löscht die Identität eines Ortes aus.

Bedeutet das, dass unsere kulturellen Unterschiede den Regeln des Marktes unterliegen?

Brízio: Immer gleiche Alltagsdinge langweilen mich. In Lissabon zum Beispiel verschwinden traditionelle Handwerksbetriebe peu à peu. Alte Berufe wurden durch internationale Trends, Marken, Bilder und Raumerfahrungen ersetzt. Ich fürchte, es wird bald schwierig sein, ein authentisches Café in der Stadt zu finden, das sich von einem Café in Rom oder New York unterscheidet. Dieselben Marken und Produkte werden heute in verschiedenen Ländern der ganzen Welt verkauft. Mit dieser Tendenz verlieren wir unsere kulturelle Diversität und Identität. Design ist verantwortlich für die primäre Identität und ihre stete Erneuerung. Ich denke daher lieber nicht global, sondern arbeite an regionalen Lösungen. Es gibt die Chance zu dieser Art der Identität, auch in einer globalen Welt.

http://fernandobrizio.com

ExperimentaDesign
Von 28. September bis 27. November 2011
Lissabon
www.experimentadesign.pt

Painting with Giotto #3 von Fernando Brizio, 2005 Foto: Miguel Ângelo Guerreiro
Painting with watercolors von Fernando Brizio, 2009 Foto: Miguel Ângelo Guerreiro
Restarted dress, 2005/2007 Foto: Federico Botta
Aus der Ausstellung „Fernando Brízio: Inhabited Designs“ zur ExperimentaDesign 2011 in Lissabon, Foto: Rodrigo Peixoto
Viagem 2005
Viagem 2005
Viagem 2005
Elefantes 2010
Target-Table
Aus der Ausstellung „Fernando Brízio: Inhabited Designs“ zur ExperimentaDesign 2011 in Lissabon, Foto: Rodrigo Peixoto
„Fernando Brízio: Inhabited Designs“ mit Restarted dress, Foto: Luís Rocha
News & Stories › 2011 › Oktober
Immer gleiche Alltagsdinge langweilen mich
25. Oktober 2011
Sogar aus seiner Studienzeit hat Fernando Brízio alle Entwürfe aufgehoben. Das zahlt sich jetzt aus: Gerade ist eine umfassende Einzelschau des portugiesischen Designers mit bisher unveröffentlichten Werken in Lissabon zu sehen. Das „Restart"-Kleid mit dem Filzstift-gefärbten Stoff darf dabei natürlich auch nicht fehlen. Sandra Hofmeister traf Fernando Brízio für ein Gespräch.
Fernando Brízios Entwürfe sind humorvoll und intelligent zugleich. Der portugiesische Designer entwickelt Objekte, Möbel und Kleider, die Geschichten zu ihrem Entstehungsprozess erzählen und ihren Lebenszyklus wie Seismographen aufzeichnen. Sein „Target-Table" verwandelt eine Zielscheibe zum Bogenschießen samt Pfeilen in einen Beistelltisch, das „Restart"-Kleid wird im Laufe eines Abends bunt gemustert, je nachdem welche Filzstifte in den kleinen Taschen des weißen Baumwollkleides stecken. Während der ExperimentaDesign sind all diese erstaunlichen Werke im Antigo Convento da Trindade in Lissabon in einer großen Einzelschau zu sehen, die in eine flirrende Ideenwelt entführt. Sandra Hofmeister sprach mit Fernando Brízio über Entwurfsprozesse, lokales Handwerk und Buster Keaton.

Sandra Hofmeister: Nach welchen Kriterien haben Sie die Ausstellungsobjekte aus Ihrem persönlichen Archiv ausgewählt?

Fernando Brízio: Zusammen mit der Kuratorin Carla Cardoso haben wir alles durchgesehen, woran ich bis heute gearbeitet habe. Carla war beeindruckt von der Zahl der Projekte, die noch nie vorher gezeigt wurden. Ich habe alle Zeichnungen und Modelle aus meiner Studienzeit aufgehoben. Damals – ich habe 1996 in Lissabon abgeschlossen – gab es weder Computer noch Internet, außerdem auch keine Magazine und keine schicken Designbücher. Deshalb ist mein Archiv nicht digital, es besteht vielmehr aus Papierbögen mit Skizzen, aus Prototypen, Modellen und anderen Dokumenten. Als ich all dies mit Carla durchgesehen habe, kam ein mehr oder weniger individuelles und alleine stehendes Werk zum Vorschein.

Viele Ihrer Objekte erzählen etwas über den Prozess ihres Entwurfs. Welche Bedeutung kommt dem fertigen Produkt am Ende der Prozesskette zu?

Brízio: Wenn ich einen Auftrag habe, muss das Produkt die ernsten Fragen des Briefings lösen, und am Ende müssen meine Auftraggeber glücklich sein mit dem Ergebnis. Wenn ich hingegen ohne Auftraggeber an eigenen Projekten und Ideen arbeite, dann ist mein Vorsatz immer, dass etwas Nützliches dabei rauskommen muss. Als ich von der Universität kam, habe ich meine Projekte mit Künstlern umgesetzt und war mir unsicher, in welche Richtung ich weitermachen sollte. Aber ich habe mich entschieden, als Designer zu arbeiten, weil ich möchte, dass die Menschen meine Ideen nutzen. Ich interessiere mich für ihren Umgang mit Objekten. Der Produktionsprozess kann industriell oder handwerklich sein – was mich eigentlich packt, ist die Art und Weise, wie die Menschen diesen Prozess für sich nutzen.

Sie beziehen sich auf Buster Keaton als ein Vorbild für den Umgang mit Alltagsdingen. Ist die Frage des Gebrauchs Ihrer Meinung nach immer mit Humor verbunden?

Brízio: Ich bin glücklich, wenn die Leute meine Arbeiten mögen. Mein Ansatz geht aber nicht von der Frage eines Nutzens im Sinne physischer oder funktionaler Aspekte aus. Ich arbeite normalerweise mit bestimmten Typologien, deren Funktionalität schon vor Langem geklärt wurde. Ich arbeite mit und an Emotionen, die sich aus dem Gebrauch von Objekten ergeben. Und ich interessiere mich für die Fähigkeit von Dingen, Geschichten zu erzählen und Qualitäten zu zeigen, die dafür verantwortlich sind, dass wir Gegenstände lieben und ihnen mit Augenzwinkern begegnen. Für mich geht es im Design nicht nur um Formen, sondern um Menschen: ihre Kultur, ihre Wünsche, ihre Bedürfnisse und ihre Gefühle. Deshalb bedeutet Entwerfen, Ideen für Menschen zu haben. Dabei ist es wichtig, dass diese Ideen intuitiv verstanden werden. Wenn die Leute beim Anblick meiner Entwürfe lachen, dann ist das für mich ein Zeichen von Erfolg. Die menschliche Basis, nach der ich suche, ist nicht vom kulturellen Hintergrund im Allgemeinen abhängig und liegt nicht in herausragenden sozialen Merkmalen. Das hat nichts mit Hochkultur oder populärer Kultur zu tun.

Welche Rolle spielen Technologien und Handwerk für Ihre Entwürfe und wo sehen Sie ihre Bedeutung für die Zukunft?

Brízio: Aus meiner Sicht ist die menschliche Seite die wichtigste. Doch die Entwicklung wird verschiedene Wege einschlagen und natürlich ist die Technologie ein wichtiger Bereich. Ich selbst arbeite nicht mit Hightec-Technologien weil sie normalerweise sehr teuer sind. Jedenfalls lebe ich in Lissabon und nicht in Deutschland. Ich nutze Handwerkstechniken, arbeite mit Materialien wie Keramik oder Holz. Das ist billiger und erlaubt mir außerdem, mit den Handwerkern wie dem Töpfer in der Nähe meines Studios zusammenzuarbeiten. Generell glaube ich, dass man mit Technologien immer sorgfältig umgehen muss. Einige von ihnen können gefährlich sein, weil sie unsere Wahrnehmung verändern.

Die Relation zwischen virtueller und realer Welt wurde zu einem wichtigen Teil unserer Gesellschaft. Inwiefern ist sie gefährlich?

Brízio: Die Idee der Augmented Reality halte ich persönlich für Unfug. Wer zum Beispiel mit einem iPad in eine gotische Kirche geht, um etwas über die Geschichte der Kirche, der Skulpturen oder anderer architektonischen Details zu erfahren, der wird seine Raumerfahrung und seine Wahrnehmung insgesamt auf negative Weise verändern. Ich bin überzeugt davon, dass wir für diese Art der Technologien eines Tages bezahlen müssen. Wir zerstören unsere sinnliche Erfahrung, die den Raum, das Licht, die Temperatur und Klänge betrifft. Wenn der Gebrauch solcher Hilfsmittel wichtiger wird als die direkten Momenteindrücke, dann löschen wir unsere Fähigkeit für ganzheitliche Erfahrungen aus.

Während Ihres Studiums gab es keine digitalen Hilfsprogramme, wie gehen Sie heute mit ihnen um?

Brízio: Ich arbeite nicht direkt mit Software, aber es gibt im Ernstfall jemanden in meinem Studio, der mir damit helfen kann. Ich zeichne mit der Hand – auch im Eins-zu-eins-Maßstab, und ich fertige Modelle an. Der Computer ist, glaube ich, außerordentlich, aber er kreiert eine nicht reale Welt. Als Professor habe ich manchmal Probleme, meinen Studenten diesen Zusammenhang zu erklären. Sie glauben, dass alles mit Software entworfen werden kann. Wenn sie ein bestimmtes Material oder eine handwerkliche Lösung für etwas suchen, gehen sie nicht in die Werkstatt um die Ecke und auch nicht Archive, Läden oder Bibliotheken, sondern bleiben an ihrem Schreibtisch vor dem Computer. Das kann nur zum Scheitern führen, weil man auf diese Weise keinen Sinn für ein Projekt gewinnt.

Ist die Wirtschaftskrise eine Chance oder ein Risiko für Sie als Designer?

Brízio: Natürlich kennen wir alle die Wirtschafsregeln der Designwelt. Aber Design ist ein sehr weites Feld und ein Beruf für viele verschiedene Menschen. Viele von ihnen nehmen nicht Teil am internationalen Designzirkus, sondern entwickeln ihre Projekte auf andere Art. Letztlich ist Design eine schlagkräftige Methode, um über die Realität und die Zukunft nachzudenken, die menschlichen und die kulturellen Bedingungen der Entwicklung. Ich bin überzeugt davon, dass wir diese Entwicklung beeinflussen können. Was ich an heutigen Tendenzen nicht leiden mag, ist, dass Design mehr oder weniger immer dasselbe Muster hat, dieselben Formen und Ideen. Wir haben das Gefühl für ursprüngliche Quellen verloren und durch eine globale Sicht ersetzt. Zeitschriften sind voll von Berichten über Ereignisse, die zeitgleich in Peking, Berlin oder woanders stattfinden. Diese Haltung löscht die Identität eines Ortes aus.

Bedeutet das, dass unsere kulturellen Unterschiede den Regeln des Marktes unterliegen?

Brízio: Immer gleiche Alltagsdinge langweilen mich. In Lissabon zum Beispiel verschwinden traditionelle Handwerksbetriebe peu à peu. Alte Berufe wurden durch internationale Trends, Marken, Bilder und Raumerfahrungen ersetzt. Ich fürchte, es wird bald schwierig sein, ein authentisches Café in der Stadt zu finden, das sich von einem Café in Rom oder New York unterscheidet. Dieselben Marken und Produkte werden heute in verschiedenen Ländern der ganzen Welt verkauft. Mit dieser Tendenz verlieren wir unsere kulturelle Diversität und Identität. Design ist verantwortlich für die primäre Identität und ihre stete Erneuerung. Ich denke daher lieber nicht global, sondern arbeite an regionalen Lösungen. Es gibt die Chance zu dieser Art der Identität, auch in einer globalen Welt.

http://fernandobrizio.com

ExperimentaDesign
Von 28. September bis 27. November 2011
Lissabon
www.experimentadesign.pt