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Ingo Maurers Münchner U-Bahn-Trilogie
von Franziska Horn | 30. März 2010
Über eine Million Personen nutzen Tag für Tag in München U-Bahn, Busse und Straßenbahnen. Im Jahr 2009 waren es sogar 500 Millionen, ein Rekord, wie die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) im März bekannt gegeben hat. Dass im Lauf der Zeit das teilweise bis zu vierzig Jahre alte U-Bahn-Netz - der erste Streckenabschnitt wurde im Jahr 1971 eröffnet -, baulich überholt und die Stationen saniert werden müssen, versteht sich von selbst. Der Chic der Siebzigerjahre schlug dem unter der Stadt Reisenden aus so manchem U-Bahn-Schacht entgegen und machte eine Neukonzeption nötig. Hinzu kam der Bau neuer Stationen zur Erweiterung des Netzes. Bereits 1998 beauftragte die MVG den Lichtdesigner Ingo Maurer mit der Beleuchtung des Bahnsteigs und des Park&Ride-Bereiches des U-Bahnhofs „Westfriedhof" der Linie U1, der vom Architekturbüro Auer+Weber gemeinsam mit dem städtischen U-Bahn-Referat geplant wurde. Touristen wie Einheimische schätzen ihn heute als schönsten unterirdischen Bahnhof Münchens.

Fernab trister, anonymer Umschlagplätze ist es Ingo Maurer gelungen, im U-Bahnhof Westfriedhof an der Grenze zwischen den Vierteln Nymphenburg und Neuhausen, einen Ort ganz eigenständiger, angenehmer Atmosphäre zu schaffen. Im Gegensatz zu vielen anderen Stationen befällt den Passagier angesichts unterirdischer, mit kaltem Neon-Licht beleuchteter Gänge, hier weder ein Gefühl der Beengung noch der Beklemmung, weil es Maurer gelang, den Raum in ein anderes Licht zu tauchen und damit aufzuwerten. Maurer und sein Team installierten dazu über dem Bahnsteig elf schalenförmige Aluminiumleuchten von jeweils 3,80 Meter Durchmesser mit verschiedenfarbig lackierten Innenseiten. Wie überdimensionierte Wärmelampen machen sie den Bahnsteig zur Bühne und tauchen ihn in angenehm warmes Licht. Statt sich im hektischen Treiben der Großstadt ausgesetzt zu fühlen, umfängt den Wartende eine Art schützende Atmosphäre.

Ein Jahr später, 1999, folgte im Osten der Stadt an der Linie U2 der U-Bahnhof „Moosfeld". Geplant vom Büro Kessler+Sturm in Zusammenarbeit mit der Hauptabteilung U-Bahn-Bau des Baureferats, bestimmt hier ein der Topografie geschuldeter horizontaler Knick der Wände den Raum. Auf den Wänden steht, einmal in großen roten Lettern auf grauem Grund, einmal in grauen Lettern auf rotem Grund, der Schriftzug „Am Moosfeld". Von der Deckenmitte ausgehend installierte Maurer mit seinem Team achtzig schaufelförmige Reflektorschirme, die paarweise angeordnet das Licht fokussieren und verstärken. Sie sind senkrecht zum Bahnsteig, zu den Gleisen und zur Schrift an der Wand aufgehängt und verringern dadurch optisch die Dynamik der Bewegung im Bahnhof. Außerdem, so die Pressestelle des Baureferats, galt es, für den U-Bahnhof Am Moosfeld „eine Vorgabe aus dem Umweltschutz umzusetzen, nämlich einen Bahnhof prototypisch mit einem sehr geringen Stromverbrauch für die Beleuchtung zu realisieren. Der 120 Meter lange Bahnsteig kommt mit 5,4 Kilowatt Anschlussleistung aus. Das ist eine Einsparung von 40 Prozent." Überdies tendierte die Behörde dazu, wie auch beim Bahnhof „Westfriedhof", „von der bisherigen durchgehenden Beleuchtung parallel zum Bahnsteig weg zu kommen".

Der jüngste Coup in Maurers U-Bahn-Trilogie ist die Station „Münchner Freiheit", bei der es sich im Gegensatz zu den beiden vorherigen um eine Umgestaltung sowie Modernisierung eines bestehenden Bahnhofs handelt. Neue Licht- und Oberflächengestaltung, so lautete der Planungsauftrag. „Beim Bahnhof Münchner Freiheit", so das Baureferat, „ging es darum, der Station als Endstation der neuen Straßen¬bahnlinie 23 einen frischen, heiteren Charakter zu verleihen." Mit Hilfe von 3.200 Spiegelelementen an der Decke, die von 204 quadratischen Lichtkassetten bestrahlt werden, wurde der Raum optisch geöffnet und mit Lichtspielen belebt. Zwei Farben dominieren die Szenerie: Zum grünstichigen Gelb der Wände setzen die kobaltblau illuminierten Säulen einen Komplementärkontrast. „Provokant und unterhaltsam", nannte Maurer zufrieden sein Licht-Farb-Konzept nach der Fertigstellung.

Sowohl die Stadtwerke München als auch das Baureferat äußerten sich anerkennend zur erfolgreichen Zusammenarbeit mit dem Lichtplaner. „Wir baten Ingo Maurer 1995 um einen Lichtentwurf für den U-Bahnhof Westfriedhof. Aus dieser sehr positiven Zusammenarbeit, für die auch der Bund Deutscher Architekten eine Anerkennung aussprach, folgten die beiden weiteren Projekte."

Light + Building 2010
11. April 2010 - 16. April 2010
Ingo Maurer
Halle 1.2, Stand H18

light-building.messefrankfurt.com
U-Bahnhof Am Moosfeld in München, gestaltet von Ingo Maurer, Foto: Florian Schütz
U-Bahnhof Westfriedhof in München, gestaltet von Ingo Maurer, Foto: Bullinger
U-Bahnhof Westfriedhof in München, gestaltet von Ingo Maurer, Foto: Bullinger
U-Bahnhof Münchner Freiheit in München, gestaltet von Ingo Maurer
U-Bahnhof Münchner Freiheit in München, gestaltet von Ingo Maurer
U-Bahnhof Münchner Freiheit in München, gestaltet von Ingo Maurer
Ingo Maurer im U-Bahnhof Münchner Freiheit