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Inseln aus alten Flaschen und schwimmende Moscheen
von Brita Köhler | 28. September 2011
Das Buch "Float!" unter Wasser aufgenommen, alle Fotos: David Giebel, Stylepark

Sie nennen ihn „The Floating Dutchman". Koen Olthuis ist für seine Entwürfe schwimmender Bauten bekannt und gründete 2002 gemeinsam mit Rolf Peters das Architekturbüro „Waterstudio", das sich ausschließlich dieser Thematik widmet. Pionierarbeit, denn zunächst muss sich noch die öffentliche Wahrnehmung dahingehend ändern, dass ein Wohnen auf dem Wasser dem Leben auf dem festen Land gleichwertig ist und darüber hinaus stadtplanerisch neue Freiheiten schafft.

Das Buch „Float!" von Koen Olthuis und dem Architekturjournalisten David Keuning bietet einen umfassenden Einblick in das Bauen auf dem Wasser. „Float" steht als Abkürzung für „Flexible Land On Aquatic Territory". Eine schwimmfähige Konstruktion kann je nach Projekt und Nutzer ihren Standort wechseln. Sie hinterlässt keine „Narben" auf dem Grundstück. Eine Bebauung muss somit nicht notwendigerweise abgerissen werden, sondern kann seine eigentliche Lebensdauer voll ausschöpfen. Der Gefahr durch Überflutung entgehen die schwimmenden Gebäude, in dem sie naturgemäß mit den Gezeiten steigen und fallen. Die Voraussetzung dafür ist jedoch ein verantwortungsbewusstes Wasser-Management.

Beim Aufschlagen des Buches „Float!" erwartet man eine bunte Bilderwelt mit zahlreichen gebauten und geplanten Projekten. Diese Beispiele gibt es auch, darüber hinaus vertiefen sich die Autoren innerhalb der neun Kapitel aber auch in Analysen internationaler Metropolen, umreißen Visionen für eine Stadterweiterung zu Wasser sowie für Großstrukturen auf dem offenen Meer. Die Überlegungen reichen von der „De-Polderisation" in den Niederlanden gegen den steigenden Meeresspiegel über Lösungen für expandierende, am Wasser gelegene Metropolen bis hin zu künstlichen Inseln für die von Überflutung bedrohten Malediven.

Die gesellschaftlichen, politischen, technologischen und wirtschaftlichen Einflussfaktoren auf die Stadtplanung sind eindrücklich aufgeführt. Auf viele daraus resultierende Probleme geben die schwimmenden Bauten als neue, flexible Stadtbausteine eine Antwort. Angesichts von Klimawandel und Ressourcenknappheit bieten die schwimmenden Bauten nachhaltige Lösungen an, um weiter expandieren zu können und gleichzeitig die Stadtbevölkerung mit Grünflächen, Frischwasser, Nahrung und Energie zu versorgen.

Anekdotenhaft werden die unterschiedlichsten Projekte dokumentiert, etwa „Spiral Island", eine auf recycelten Plastikflaschen schwimmende Insel eines nach Südamerika ausgewanderten Briten und Öko-Pioniers. Oder eine schwimmende Moschee in Dubai, die nach Plänen von Waterstudio.NL mittels Solarzellen und Wasserkühlung ohne Verbindung zum Festland betrieben werden soll.

„Float!" kommt grafisch ansprechend und übersichtlich daher. Hier und da leidet die Lesbarkeit der Skizzen unter der Farbe, in der sie gedruckt wurde. Manch ein Piktogramm oder Plan hätte man sich groß abgebildet gewünscht, dafür Textpassagen etwas komprimierter. Auch wenn das vorliegende Buch nicht als detaillierter Planungsatlas zu verstehen ist, so steckt es doch voller Inspiration und Motivation für die Architekten der „Generation Klimawandel", um dem stetig wachsenden Raumbedarf mit ausgeklügelten und nachhaltigen Konzepten entgegen zu treten. Noch sind die Marktpreise für das Bauen auf dem Wasser zu hoch, die Akzeptanz in der Gesellschaft zu niedrig, aber die Möglichkeiten und neuen Freiheiten durch schwimmende Bauten sind immens und die technologischen Voraussetzungen greifbar nah. Keine Frage, es ist Zeit, wieder einmal in die Niederlande zu reisen, um innovative Wohnformen zu entdecken und sich inspirieren zu lassen.

Float!
Von Koen Olthuis und David Keuning
Hardcover, 304 Seiten, englisch
Frame Publishers, Amsterdam, 2010
49.90 Euro

www.framemag.com

Architektur › 2011 › September
Inseln aus alten Flaschen und schwimmende Moscheen
von Brita Köhler | 28. September 2011
Schiffähnliche Module für Wohnraum, Naherholung und Versorgung gehen über die landläufige Vorstellung eines Hausboot-Idylls weit hinaus. In dem Buch „Float!" zeigen die beiden Holländer Koen Olthuis und David Keuning die Chancen schwimmender Bauten auf.
Sie nennen ihn „The Floating Dutchman". Koen Olthuis ist für seine Entwürfe schwimmender Bauten bekannt und gründete 2002 gemeinsam mit Rolf Peters das Architekturbüro „Waterstudio", das sich ausschließlich dieser Thematik widmet. Pionierarbeit, denn zunächst muss sich noch die öffentliche Wahrnehmung dahingehend ändern, dass ein Wohnen auf dem Wasser dem Leben auf dem festen Land gleichwertig ist und darüber hinaus stadtplanerisch neue Freiheiten schafft.

Das Buch „Float!" von Koen Olthuis und dem Architekturjournalisten David Keuning bietet einen umfassenden Einblick in das Bauen auf dem Wasser. „Float" steht als Abkürzung für „Flexible Land On Aquatic Territory". Eine schwimmfähige Konstruktion kann je nach Projekt und Nutzer ihren Standort wechseln. Sie hinterlässt keine „Narben" auf dem Grundstück. Eine Bebauung muss somit nicht notwendigerweise abgerissen werden, sondern kann seine eigentliche Lebensdauer voll ausschöpfen. Der Gefahr durch Überflutung entgehen die schwimmenden Gebäude, in dem sie naturgemäß mit den Gezeiten steigen und fallen. Die Voraussetzung dafür ist jedoch ein verantwortungsbewusstes Wasser-Management.

Beim Aufschlagen des Buches „Float!" erwartet man eine bunte Bilderwelt mit zahlreichen gebauten und geplanten Projekten. Diese Beispiele gibt es auch, darüber hinaus vertiefen sich die Autoren innerhalb der neun Kapitel aber auch in Analysen internationaler Metropolen, umreißen Visionen für eine Stadterweiterung zu Wasser sowie für Großstrukturen auf dem offenen Meer. Die Überlegungen reichen von der „De-Polderisation" in den Niederlanden gegen den steigenden Meeresspiegel über Lösungen für expandierende, am Wasser gelegene Metropolen bis hin zu künstlichen Inseln für die von Überflutung bedrohten Malediven.

Die gesellschaftlichen, politischen, technologischen und wirtschaftlichen Einflussfaktoren auf die Stadtplanung sind eindrücklich aufgeführt. Auf viele daraus resultierende Probleme geben die schwimmenden Bauten als neue, flexible Stadtbausteine eine Antwort. Angesichts von Klimawandel und Ressourcenknappheit bieten die schwimmenden Bauten nachhaltige Lösungen an, um weiter expandieren zu können und gleichzeitig die Stadtbevölkerung mit Grünflächen, Frischwasser, Nahrung und Energie zu versorgen.

Anekdotenhaft werden die unterschiedlichsten Projekte dokumentiert, etwa „Spiral Island", eine auf recycelten Plastikflaschen schwimmende Insel eines nach Südamerika ausgewanderten Briten und Öko-Pioniers. Oder eine schwimmende Moschee in Dubai, die nach Plänen von Waterstudio.NL mittels Solarzellen und Wasserkühlung ohne Verbindung zum Festland betrieben werden soll.

„Float!" kommt grafisch ansprechend und übersichtlich daher. Hier und da leidet die Lesbarkeit der Skizzen unter der Farbe, in der sie gedruckt wurde. Manch ein Piktogramm oder Plan hätte man sich groß abgebildet gewünscht, dafür Textpassagen etwas komprimierter. Auch wenn das vorliegende Buch nicht als detaillierter Planungsatlas zu verstehen ist, so steckt es doch voller Inspiration und Motivation für die Architekten der „Generation Klimawandel", um dem stetig wachsenden Raumbedarf mit ausgeklügelten und nachhaltigen Konzepten entgegen zu treten. Noch sind die Marktpreise für das Bauen auf dem Wasser zu hoch, die Akzeptanz in der Gesellschaft zu niedrig, aber die Möglichkeiten und neuen Freiheiten durch schwimmende Bauten sind immens und die technologischen Voraussetzungen greifbar nah. Keine Frage, es ist Zeit, wieder einmal in die Niederlande zu reisen, um innovative Wohnformen zu entdecken und sich inspirieren zu lassen.

Float!
Von Koen Olthuis und David Keuning
Hardcover, 304 Seiten, englisch
Frame Publishers, Amsterdam, 2010
49.90 Euro

www.framemag.com