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Brandenburg Spezial
Landlust
Brutalismus
Von Florian Heilmeyer
3. März 2015
Der Scharmützelsee ist nicht nur der zweitgrößte See Brandenburgs – Theodor Fontane nannte ihn das „Märkische Meer“ –, er gehört auch zu den schönsten und beliebtesten. Eine enge Beziehung zur Großstadt, die etwa 70 Kilometer entfernt liegt, hat der See schon seit dem frühen 20. Jahrhundert, als im angrenzenden Saarow über Mineralschlamm und Thermalquellen Heil- und Badean-stalten für geplagte Berliner errichtet wurden, für die bald eine Eisenbahnlinie gebaut wurde. Die Gemeinde wuchs rasch entlang der Seeufer und 1923 folgte der offizielle Titel: „Bad Saarow“.

Auf einem bemerkenswerten Grundstück am äußersten Rand der Gemeinde haben Augustin und Frank Architekten aus dem typischen Erscheinungsbild eines einfachen Satteldachhauses mit wenigen Handgriffen einen einprägsamen Baukörper geschaffen: Das Haus steht an einem besonders steilen Ufer, etwa neun Meter über dem See; einen Nachbarn gibt es nur auf der linken Seite, rechts beginnt der Brandenburger Kiefernwald. Das schenkt dem Haus eine gewisse Einsamkeit und vor allem einen wunderbaren Panoramablick: In der Ferne glitzert das Wasser und die weißen Segel der Schiffe ziehen vorbei. Natürlich ist der Bauherr selbst ein passionierter Segler.

Auf dem langgestreckten Grundstück (130 mal 24 Meter) stand ursprünglich nur eine kleine Fertiggarage als Container für Segelutensilien und direkt am Seeufer ein hübsches kleines Backsteinhäuschen, das heute als Gästehaus dient. Der Neubau bietet mit 190 Quadratmetern Wohnfläche genügend Raum auch für längere Aufenthalte. Der Bauherr wünschte sich ein massives Haus, eine reduzierte Schutzhülle in der Natur – und die haben Augustin und Frank auch entworfen: Im Prinzip handelt es sich um ein Ur-Haus aus einem kompakten Körper und einem Satteldach. Nur besteht dieser Körper gänzlich aus geriffeltem Stahlbeton, der einen abstrakte Körper bildet, der wirkt, als sei er aus einem einzigen Block gehauen.

Der wuchtige Betonkörper wurde außerdem um eine Etage angehoben und das Erdgeschoss ist an den Längsseiten vollständig verglast. So fließt die Landschaft unter dem schweren Körper durch einen großen, offenen Wohn- und Kochbereich, der von keiner Wand und keiner Stütze unterbrochen wird. Tragend ist allein die Gebäudehülle. Dieses „Schweben“ wird durch ein kleines, aber entscheidendes Detail der Metalltreppe betont, die ins Obergeschoss zu den Schlaf- und Waschräumen führt: Die Treppe berührt den Boden nicht, sie hängt vom Obergeschoss ab und wirkt so wie eine heruntergelassene Schiffsbrücke.

Um die Glasscheiben und das Hausinnere bei Abwesenheit der Besitzer zu schützen, lassen sich aus dem Betonkörper des Obergeschosses automatische Rollläden aus Lochblech herunterfahren, die das Haus in eine Trutzburg aus Beton und Metall verwandeln. Im Inneren überwiegt eine wohnliche Atmosphäre. Im Erdgeschoss fühlt man sich im schmalen Haus wie mitten in der Natur; je nach Jahreszeit können große Teile der Glasfassade aufgeschoben werden. Im Obergeschoss sind die Wände mit Sperrholz verkleidet, alle Zimmer sind zum See hin ausgerichtet, und der Blick in den Giebel hinauf ist offen geblieben, was ein eigenwilliges Raumgefühl erzeugt. Blickt man auf die Schiffe in der Ferne, so fühlt man sich, als befände man sich in einem kopfüber an Land zum Trocknen abgelegten, hölzernen Schiffskörper. Eine Assoziation, die dem Hausherren mit Sicherheit gefällt.
Der Bauherr wünschte sich ein massives Haus, eine reduzierte Schutzhülle in der Natur. Die Betonhülle umschließt den Bau wie eine Klammer. So konnte der Bereich im Erdgeschoss offen gestaltet werden. Foto © Werner Huthmacher
Längsschnitt durch das Gebäude – in Richtung Seeseite blickend. Zeichnung © Augustin + Frank Architekten
Der Obergeschoss ist mit warmen Holz ausgestattet. Hinter den Holzwänden verstecken sich Wandschränke. Foto © Werner Huthmacher
Roher Beton und eine Stahltreppe prägen das großzügige Erdgeschoss. Foto © Werner Huthmacher
Um Platz zu sparen wurden im Obergeschoss zur Seeseite Schiebetüren eingebaut, die die einzelnen Zonen von einander separieren. Foto © Werner Huthmacher
Baden mit Ausblick zum See – so kann man das Landleben genießen.
Foto © Werner Huthmacher
Von weitem erst wird deutlich, dass sich das Gebäude wunderbar in die Umgebung einfügt.
Foto © Werner Huthmacher
An warmen Tagen wird das Erdgeschoss zu einem Teil des Aussenraums – man muss nur die großzügigen Schiebefenster öffnen. Foto © Werner Huthmacher
Von der Seite wirkt das Haus mit dem Satteldach ein wenig wie die Vorstellung des Ur-Hauses. Foto © Werner Huthmacher
Querschnitte. Zeichnungen © Augustin + Frank Architekte
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Längschnitt – in Richtung Wald blickend. Zeichnung © Augustin + Frank Architekten
Grundriss Erdgeschoss. Zeichnung © Augustin + Frank Architekten
Grundriss Obergeschoss. Zeichnung © Augustin + Frank Architekten
Architektur › 2015 › März
Landlust
Brutalismus
von Florian Heilmeyer | 3. März 2015
Die Berliner Architekten Augustin + Frank haben eine Art Ur-Haus gebaut: In herrlicher Lage am Scharmützelsee und umgeben von Kiefern, scheint es, als würde die Landschaft durch den Betonbau hindurch fließen.
Der Scharmützelsee ist nicht nur der zweitgrößte See Brandenburgs – Theodor Fontane nannte ihn das „Märkische Meer“ –, er gehört auch zu den schönsten und beliebtesten. Eine enge Beziehung zur Großstadt, die etwa 70 Kilometer entfernt liegt, hat der See schon seit dem frühen 20. Jahrhundert, als im angrenzenden Saarow über Mineralschlamm und Thermalquellen Heil- und Badean-stalten für geplagte Berliner errichtet wurden, für die bald eine Eisenbahnlinie gebaut wurde. Die Gemeinde wuchs rasch entlang der Seeufer und 1923 folgte der offizielle Titel: „Bad Saarow“.

Auf einem bemerkenswerten Grundstück am äußersten Rand der Gemeinde haben Augustin und Frank Architekten aus dem typischen Erscheinungsbild eines einfachen Satteldachhauses mit wenigen Handgriffen einen einprägsamen Baukörper geschaffen: Das Haus steht an einem besonders steilen Ufer, etwa neun Meter über dem See; einen Nachbarn gibt es nur auf der linken Seite, rechts beginnt der Brandenburger Kiefernwald. Das schenkt dem Haus eine gewisse Einsamkeit und vor allem einen wunderbaren Panoramablick: In der Ferne glitzert das Wasser und die weißen Segel der Schiffe ziehen vorbei. Natürlich ist der Bauherr selbst ein passionierter Segler.

Auf dem langgestreckten Grundstück (130 mal 24 Meter) stand ursprünglich nur eine kleine Fertiggarage als Container für Segelutensilien und direkt am Seeufer ein hübsches kleines Backsteinhäuschen, das heute als Gästehaus dient. Der Neubau bietet mit 190 Quadratmetern Wohnfläche genügend Raum auch für längere Aufenthalte. Der Bauherr wünschte sich ein massives Haus, eine reduzierte Schutzhülle in der Natur – und die haben Augustin und Frank auch entworfen: Im Prinzip handelt es sich um ein Ur-Haus aus einem kompakten Körper und einem Satteldach. Nur besteht dieser Körper gänzlich aus geriffeltem Stahlbeton, der einen abstrakte Körper bildet, der wirkt, als sei er aus einem einzigen Block gehauen.

Der wuchtige Betonkörper wurde außerdem um eine Etage angehoben und das Erdgeschoss ist an den Längsseiten vollständig verglast. So fließt die Landschaft unter dem schweren Körper durch einen großen, offenen Wohn- und Kochbereich, der von keiner Wand und keiner Stütze unterbrochen wird. Tragend ist allein die Gebäudehülle. Dieses „Schweben“ wird durch ein kleines, aber entscheidendes Detail der Metalltreppe betont, die ins Obergeschoss zu den Schlaf- und Waschräumen führt: Die Treppe berührt den Boden nicht, sie hängt vom Obergeschoss ab und wirkt so wie eine heruntergelassene Schiffsbrücke.

Um die Glasscheiben und das Hausinnere bei Abwesenheit der Besitzer zu schützen, lassen sich aus dem Betonkörper des Obergeschosses automatische Rollläden aus Lochblech herunterfahren, die das Haus in eine Trutzburg aus Beton und Metall verwandeln. Im Inneren überwiegt eine wohnliche Atmosphäre. Im Erdgeschoss fühlt man sich im schmalen Haus wie mitten in der Natur; je nach Jahreszeit können große Teile der Glasfassade aufgeschoben werden. Im Obergeschoss sind die Wände mit Sperrholz verkleidet, alle Zimmer sind zum See hin ausgerichtet, und der Blick in den Giebel hinauf ist offen geblieben, was ein eigenwilliges Raumgefühl erzeugt. Blickt man auf die Schiffe in der Ferne, so fühlt man sich, als befände man sich in einem kopfüber an Land zum Trocknen abgelegten, hölzernen Schiffskörper. Eine Assoziation, die dem Hausherren mit Sicherheit gefällt.