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Lob des Handofens
von Nina Reetzke | 26. Dezember 2010
Warme Hände sind viel wert. Wenn der Rest des Körpers friert, kann eine Wärmequelle an den Händen das Wohlbefinden steigern. Man denke zum Beispiel an eine Tasse heißen Glühweins in den Händen, wenn man durchgefroren auf dem Weihnachtsmarkt steht. Anfangs ist er vielleicht noch zu heiß zum Trinken, aber es fühlt sich schon gut an, die klammen Finger an der Tasse zu wärmen. In den letzten Jahren schwappte eine Welle von Wärme spendenden Gelkissen durch die Discounter, die jedoch kaum jemanden dauerhaft überzeugten und über ihren Status als Gimmick nicht hinauskamen. Daneben bieten Outdoor-Läden einige funktional mehr oder weniger durchdachte, jedoch gestalterisch meist uninspirierte Taschenöfen an. Betrachtet man jedoch die über Jahrhunderte andauernde, glorreiche Historie von Handöfen, möchte man sofort möglichst viele Gestalter dazu aufrufen, sich schnellstmöglich dieser momentan wenig beachteten Produkttypologie anzunehmen und sie zu neuem Leben zu erwecken.

Frühe Formen des Taschenofens sind so genannte Wärmekugeln, die vom achten bis zum achtzehnten Jahrhundert verwendet wurden. Diese miniaturisierten Öfen mit einem Durchmesser von etwa zehn Zentimeter bestanden aus Metallen wie Gold, Silber, Bronze, Kupfer, Messing oder Eisen. Die Hohlkugeln ließen sich zur Befüllung mit Brennmitteln öffnen, in ihrem Inneren wurden Glut und Flammen - dank kardanischer Aufhängung - sicher in horizontaler Stellung gehalten. Glimmende Holzkohle, glühende Metallstücke, Wachskerzen, Öl oder Weingeist sorgten für angenehme Temperaturen. Oft waren die kostbaren Wärmekugeln verziert - etwa mit Tier- oder Pflanzenmotiven - und in aufwendig gemachten Schalen oder Etuis aufbewahrt. Manchmal wurden sie auch an Ringen und Ketten wie Schmückstücke getragen. Vielleicht auch um den Brandgeruch zu übertünchen, wurden manche Wärmekugeln mit Bisamäpfeln - Parfumkugeln - kombiniert, so dass die Wärme die Duftentfaltung förderte. Verwendet wurden die Wärmekugeln ursprünglich von Priestern zum Temperieren der Hände, um das Heilige Abendmahl besser verteilen zu können. Später erfreute sich auch der eine oder andere Aristokrat an den Annehmlichkeiten der kleinen tragbaren Öfen.

Heute - in Zeiten beheizter Wohn- und Büroräume - erfreuen Taschenöfen den Frierenden auf Reisen, bei Outdoor-Sportarten oder Openair-Festivals. Die momentan verfügbaren Modelle unterscheiden sich vor allem durch ihren Brennstoff. Die mit Feuerzeugbenzin betriebenen Taschenöfen von Herstellern wie Zippo und Peacock erscheinen wie große Geschwister der bekannten Benzinfeuerzeuge. Eine Füllung reicht bis zu zwölf Stunden, die Temperatur lässt sich nicht reglen und das Feuer kann leider auch nicht vorzeitig gelöscht werden.

Weit verbreitet sind Modelle für Holzkohlestäbchen, zum Beispiel von Relags und Herbertz, die mit ihrem länglichen Format - und Samtbezug - an ein Brillenetui oder ein Schmuckkästchen erinnern. Die Brenndauer eines Briketts liegt bei etwa drei Stunden; die Wärme lässt sich verstärken, indem man das Stäbchen an beiden Enden anzündet; wird keine Wärmequelle mehr benötigt, lässt sich das Stäbchen löschen.

Taschenöfen mit elektrisch aufladbaren Batterien, wie der „Eneloop Kairo" von Sanyo, sehen aus wie Akkueinheiten. Eine Ladung reicht für fast drei Stunden, die Temperatur lässt sich in drei Stufen einstellen - und natürlich jederzeit abschalten.

Während die historischen Wärmekugeln einen hohen repräsentativen Wert darstellten, haben Taschenöfen heute einen rein funktionalen Nutzen. Wärmekugeln standen dekorativ auf Tischen oder wurden sogar als Schmückstück getragen, Taschenöfen aber verschwinden einfach in der Tasche. Vielleicht liegt es schlicht daran, dass bisher keine überragenden zeitgenössischen Designentwürfe von Taschenöfen ausmachen sind. Doch wer weiß, vielleicht fühlt sich der eine oder andere Industriedesigner mit klammen Fingern ja angesprochen, damit aus einem Handofen nicht nur ein praktischer Begleiter, sondern auch ein dekoratives Accessoire für verschneite Wintertage wird.
Handwärmer von Zippo, mittels Feuerzeugbenzin betrieben
Taschenofen für Holzkohlestäbchen von Relags, alle Fotos: Dimitrios Tsatsas, Stylepark
wiederaufladbarer Handwärmer "eneloop kairo" von Sanyo
Gelkissen von Herbertz