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Brandenburg Spezial
Loftwohnen
auf dem Land
Von Florian Heilmeyer
19. Februar 2015
Vom Berliner Hauptbahnhof dauert es mit der Regionalbahn knappe 50 Minuten bis nach Brandenburg an der Havel – ein Katzensprung. Die Stadt bezeichnet sich selbst als die „Wiege“ Brandenburgs, was wohl auch stimmt, blickt sie doch auf eine über tausendjährige Geschichte zurück, war Fürsten- und Bischofssitz und während der Industrialisierung im 19. Jahrhundert ein großes Wirtschaftszentrum. Auch wenn die Einwohnerzahl seit der Wende kontinuierlich gesunken ist, so ist Brandenburg mit 70.000 Einwohnern doch noch immer die drittgrößte Stadt des Bundeslandes und hat, wie der Architekt Detlev Delfs betont, im Gegensatz zu den meisten mittelgroßen Städten Ostdeutschlands, die Trendwende geschafft. Seit einigen Jahren ziehen mehr Menschen zu als weg; gäbe es die hohe Sterberate nicht, die Zahl der Einwohner würde steigen.

Delfs selbst ist mit seiner Familie aus dem nordrhein-westfälischen Moers nach Brandenburg gekommen, weil er sich „in die Stadt mit ihrer Geschichte und ihrer Landschaft“ verliebt hatte. Seitdem betreibt er dort sein Büro und entwickelt seit über 10 Jahren als Bauträgergesellschaft eigene Projekte. So auch die Heidrichsmühle südlich des Brandenburger Doms, ein mächtiges Backsteindenkmal, in das er 20 Loftwohnungen eingesetzt hat. Während des Umbaus fiel ihm das benachbarte Gelände der ehemaligen Kammgarnspinnerei auf, ein etwa drei Hektar großes Areal mit mehreren Gebäuden, in dem 119 Jahre lang die Wollprodukte der Brüder Alfred und Emil Kummerlé hergestellt worden waren, zuletzt noch als „VEB Brandenburger Kammgarnspinnerei“.

Das große Areal liegt nicht nur direkt an der Havel, sondern auch in bester Innenstadtlage zwischen historischer Alt- und Neuendorfer Vorstadt. In einem Bieterverfahren konnte Delfs die Kammgarnspinnerei 2008 erwerben und entwickelt das Ensemble seitdem in einzelnen Abschnitten.

Nach der Reinigung des Geländes von Schutt und Abraum wurden zunächst die Freiflächen gestaltet sowie Erschließungs- und Infrastrukturmaßnahmen durchgeführt. Ziel des Gesamtprojektes ist es, die vorhandenen Strukturen so weit als möglich zu erhalten, zu ergänzen und – zusammen mit der Unteren Denkmalschutzbehörde – wirtschaftlich zu entwickeln. Bei den Ergänzungen setzt Delfs vor allem historische Baustoffe und Abrissmaterialien ein, sowohl beim Hochbau als auch bei der Gestaltung der Flächen.

So konnte bei den Gebäuden an vielen Stellen das originale Tragwerk aus Stahlstützen und Backstein sichtbar bleiben, und das Baudenkmal dennoch auf KfW70-Standard ertüchtigt werden. In die 5.000 Quadratmeter große Produktionshalle sind ein Supermarkt und eine Drogerie eingezogen, auf den verbliebenen 2.000 Quadratmetern wird bis 2015 eine Kita errichtet, die dann in der alten Halle sowohl einen überdachten Freibereich als auch einen offenen Innenhof bieten wird. In einem alten Gebäude entlang der Straße ist ein Pflegeheim untergekommen, in den ehemaligen Werkstattgebäuden und der großen Sheddach-Halle am Wasser wurden Lofts und Einfamilienhäuser eingebaut.

Die Wohneinheiten haben Wasserblick und offene, helle Räume – gerade die Verbindung mit den Sheddächern und den alten Backsteinwänden macht aus den Wohnungen etwas ganz Besonderes. Drei weitere Lofts sowie 15 Ferienwohnungen sollen bis 2016 in weiteren Gebäuden auf dem Gelände entstehen, eine davon im ehemaligen Wasserturm, der mit seinem direkten Wasserzugang und der Möglichkeit, die oberste Wohnebene in 16 Metern Höhe mit einem beeindruckendem Blick über die Stadt anzulegen, das Potenzial hat, ein weiteres Highlight auf dem Gelände zu werden.

Detlev Delfs selbst wohnt mit seiner Familie in einem seiner neuen Lofts direkt am Wasser und hat hier auch sein Architekturbüro. An der Sorgfalt, mit der die vielfältige Entwicklung des Geländes vorangetrieben wird, merkt man, dass hier jemand am Werk ist, der sich in die Stadt, die Gegend und ihre Geschichte verliebt hat. Auch die Liste an ökologischen Maßnahmen ist lang und reicht von der energieeffizienten Ertüchtigung der Gebäude über die Entsiegelung und Begrünung großer Freiflächen bis zu Nisthilfen für Vögel. Das gesamte Areal ist barrierefrei gestaltet worden und für die Akzeptanz bei den Anwohnern sorgte eine intensive Öffentlichkeitsarbeit, die das gesamte Projekt von Anfang an begleitete: regelmäßige Führungen, Broschüren, Theatervorführungen in der alten Schmiede und Schautafeln, auf denen die Entwicklung des Areals vorgestellt wird, haben aus der alten Kammgarnspinnerei rasch einen akzeptierten, lebendigen Teil der Innenstadt werden lassen.

So konnte ein großes, verschlossenes Stück der Stadt neu geöffnet werden – auch zum Wasser, wo Boote anlegen können, um sich direkt mit Proviant vom Supermarkt versorgen können. Weitere Einzelhandelsflächen sind bereits geplant. Die Verbindung von Alt und Neu ist dabei das zentrale Motiv des gesamten Projektes.

www.kammgarnspinnerei.com
www.detlev-delfs.de
Einen direkten Wasserzugang bieten die Wohnungen in der ehemaligen Kammgarnspinnerei. Foto © Detlev Delfs
Die alten Backsteinmauern bleiben bestehen, das Dach wurde für Terrassen teilweise entfernt. Foto © Detlev Delfs
Pragmatische Entscheidung: Die Tragstruktur des Daches bleibt bestehen – auch ohne Dach. Dafür gibt es einen Garten. Foto © Detlev Delf
Die Backsteinwände bleiben hier roh – so spürt man den Hauch von Industrie noch in den Räumen. Foto © Detlev Delf
Foto © Detlev Delfs
Foto © Detlev Delfs
Foto © Detlev Delfs
Zusätzliche Einbauten schaffen unterschiedliche Räume in den großen Lofts. Foto © Detlev Delfs
In kleinen Schritten wird die Anlage umgebaut. Foto © Detlev Delfs
Die ehemalige Fabrik vor dem sukzessiven Umbau. Foto © Detlev Delfs
Produkte
USM: USM Haller Regal/Raumteiler @ Stylepark
USM
USM Haller Regal/Raumteiler
Fritz Haller
Paul Schärer
Artemide: Tolomeo Braccio @ Stylepark
Artemide
Tolomeo Braccio
Michele de Lucchi
Giancarlo Fassina
Cassina: LC2 @ Stylepark
Cassina
LC2
Pierre Jeanneret
Le Corbusier
Charlotte Perriand
Architektur › 2015 › Februar
Loftwohnen
auf dem Land
von Florian Heilmeyer | 19. Februar 2015
Die ehemalige Kammgarnspinnerei in Brandenburg an der Havel wird umgebaut: Ateliers, Büroräume, eine Kindertagesstätte und mitunter ungewöhnliche Wohnungen finden in dem Backsteinbau ihren Platz.
Vom Berliner Hauptbahnhof dauert es mit der Regionalbahn knappe 50 Minuten bis nach Brandenburg an der Havel – ein Katzensprung. Die Stadt bezeichnet sich selbst als die „Wiege“ Brandenburgs, was wohl auch stimmt, blickt sie doch auf eine über tausendjährige Geschichte zurück, war Fürsten- und Bischofssitz und während der Industrialisierung im 19. Jahrhundert ein großes Wirtschaftszentrum. Auch wenn die Einwohnerzahl seit der Wende kontinuierlich gesunken ist, so ist Brandenburg mit 70.000 Einwohnern doch noch immer die drittgrößte Stadt des Bundeslandes und hat, wie der Architekt Detlev Delfs betont, im Gegensatz zu den meisten mittelgroßen Städten Ostdeutschlands, die Trendwende geschafft. Seit einigen Jahren ziehen mehr Menschen zu als weg; gäbe es die hohe Sterberate nicht, die Zahl der Einwohner würde steigen.

Delfs selbst ist mit seiner Familie aus dem nordrhein-westfälischen Moers nach Brandenburg gekommen, weil er sich „in die Stadt mit ihrer Geschichte und ihrer Landschaft“ verliebt hatte. Seitdem betreibt er dort sein Büro und entwickelt seit über 10 Jahren als Bauträgergesellschaft eigene Projekte. So auch die Heidrichsmühle südlich des Brandenburger Doms, ein mächtiges Backsteindenkmal, in das er 20 Loftwohnungen eingesetzt hat. Während des Umbaus fiel ihm das benachbarte Gelände der ehemaligen Kammgarnspinnerei auf, ein etwa drei Hektar großes Areal mit mehreren Gebäuden, in dem 119 Jahre lang die Wollprodukte der Brüder Alfred und Emil Kummerlé hergestellt worden waren, zuletzt noch als „VEB Brandenburger Kammgarnspinnerei“.

Das große Areal liegt nicht nur direkt an der Havel, sondern auch in bester Innenstadtlage zwischen historischer Alt- und Neuendorfer Vorstadt. In einem Bieterverfahren konnte Delfs die Kammgarnspinnerei 2008 erwerben und entwickelt das Ensemble seitdem in einzelnen Abschnitten.

Nach der Reinigung des Geländes von Schutt und Abraum wurden zunächst die Freiflächen gestaltet sowie Erschließungs- und Infrastrukturmaßnahmen durchgeführt. Ziel des Gesamtprojektes ist es, die vorhandenen Strukturen so weit als möglich zu erhalten, zu ergänzen und – zusammen mit der Unteren Denkmalschutzbehörde – wirtschaftlich zu entwickeln. Bei den Ergänzungen setzt Delfs vor allem historische Baustoffe und Abrissmaterialien ein, sowohl beim Hochbau als auch bei der Gestaltung der Flächen.

So konnte bei den Gebäuden an vielen Stellen das originale Tragwerk aus Stahlstützen und Backstein sichtbar bleiben, und das Baudenkmal dennoch auf KfW70-Standard ertüchtigt werden. In die 5.000 Quadratmeter große Produktionshalle sind ein Supermarkt und eine Drogerie eingezogen, auf den verbliebenen 2.000 Quadratmetern wird bis 2015 eine Kita errichtet, die dann in der alten Halle sowohl einen überdachten Freibereich als auch einen offenen Innenhof bieten wird. In einem alten Gebäude entlang der Straße ist ein Pflegeheim untergekommen, in den ehemaligen Werkstattgebäuden und der großen Sheddach-Halle am Wasser wurden Lofts und Einfamilienhäuser eingebaut.

Die Wohneinheiten haben Wasserblick und offene, helle Räume – gerade die Verbindung mit den Sheddächern und den alten Backsteinwänden macht aus den Wohnungen etwas ganz Besonderes. Drei weitere Lofts sowie 15 Ferienwohnungen sollen bis 2016 in weiteren Gebäuden auf dem Gelände entstehen, eine davon im ehemaligen Wasserturm, der mit seinem direkten Wasserzugang und der Möglichkeit, die oberste Wohnebene in 16 Metern Höhe mit einem beeindruckendem Blick über die Stadt anzulegen, das Potenzial hat, ein weiteres Highlight auf dem Gelände zu werden.

Detlev Delfs selbst wohnt mit seiner Familie in einem seiner neuen Lofts direkt am Wasser und hat hier auch sein Architekturbüro. An der Sorgfalt, mit der die vielfältige Entwicklung des Geländes vorangetrieben wird, merkt man, dass hier jemand am Werk ist, der sich in die Stadt, die Gegend und ihre Geschichte verliebt hat. Auch die Liste an ökologischen Maßnahmen ist lang und reicht von der energieeffizienten Ertüchtigung der Gebäude über die Entsiegelung und Begrünung großer Freiflächen bis zu Nisthilfen für Vögel. Das gesamte Areal ist barrierefrei gestaltet worden und für die Akzeptanz bei den Anwohnern sorgte eine intensive Öffentlichkeitsarbeit, die das gesamte Projekt von Anfang an begleitete: regelmäßige Führungen, Broschüren, Theatervorführungen in der alten Schmiede und Schautafeln, auf denen die Entwicklung des Areals vorgestellt wird, haben aus der alten Kammgarnspinnerei rasch einen akzeptierten, lebendigen Teil der Innenstadt werden lassen.

So konnte ein großes, verschlossenes Stück der Stadt neu geöffnet werden – auch zum Wasser, wo Boote anlegen können, um sich direkt mit Proviant vom Supermarkt versorgen können. Weitere Einzelhandelsflächen sind bereits geplant. Die Verbindung von Alt und Neu ist dabei das zentrale Motiv des gesamten Projektes.

www.kammgarnspinnerei.com
www.detlev-delfs.de