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von 2139 Forward End
Nichts, das vorbeizieht
2. Februar 2010
Front: Sofia Lagerkvist, Charlotte von der Lancken und Anna Lindgren (v. l.n. r.)

Sie experimentieren, kombinieren unterschiedliche Techniken und spielen mit den visuellen und taktilen Gewohnheiten des Menschen, indem sie eine Illusion schaffen, die unsere Sinne irritiert. Da verformen sich schon mal Vasen im Windkanal oder scheinen wie in einer Serie von Momentaufnahmen zu Boden zu fallen. Unter dem Namen „Front" arbeiten die drei schwedischen Designerinnen Sofia Lagerkvist, Anna Lindgren und Charlotte von der Lancken seit ihrem Studium zusammen. Ihre Auszeichnung als „A&W-Designer des Jahres" - der Preis ist eine monografische Ausstellung und wird seit vierzehn Jahren von der Zeitschrift Architektur & Wohnen verliehen -, und vor allem ihr Auftritt bei der Preisverleihung gehörte zweifellos zu den glamourösen Höhepunkten des Passagen-Programms während der Kölner Möbelmesse. Weiterhin verlieh der Sponsor Audi an diesem Abend den „Audi-Mentorpreis by A&W" an die von FRONT vorgeschlagene deutsche Designerin Julia Lohmann.

Um mit einem Zitat aus der deutschen Presse zu beginnen: „Die Arbeiten von Front gelten als die Speerspitze der jungen Designszene." Was interessiert Sie am Design?

Sofia Lagerkvist: Design interessiert uns, weil es etwas ist, das sich auf jeden Menschen bezieht und das jeder hat, ob er es weiß oder nicht. Denn fast alle Dinge sind doch auf die eine oder andere Art und Weise von einem Designer hervorgebracht worden; die meisten Dinge sind eben gestaltet. Deswegen denken wir, ist Design ein sehr spannendes Feld, um sich auszudrücken.

Nun verfolgen Sie mit ihren Arbeiten eher einen konzeptionellen Ansatz und bewegen sich zwischen den Disziplinen Design und Kunst. Glauben Sie, klassisches Design ist überholt?
Anna Lindgren: Design ist faszinierend, weil es ein sehr weites Feld ist und alle Spielarten von Design darauf Platz haben, ganz gleich ob experimentelles oder traditionelles Design.
Sofia Lagerkvist: Ich glaube, es ist Raum für viele Formen des Designs, sei es modern, zeitgenössisch oder klassisch, wobei das zeitgenössische Design stärker von Trends beeinflusst wird als das klassische. Es ist die Vielfalt, die unsere Zeit auszeichnet.

Was ist für Sie gutes Design?
Charlotte von der Lancken: Vielleicht ist es etwas, das dich reflektieren lässt, das dich über die Dinge nachdenken oder sogar weiterdenken lässt. Auf jeden Fall nichts, das einfach nur vorbeizieht.

Bei verschiedenen Arbeiten, wie bei der Moment Collection für Moroso, wird das Objekt in ein illusionistisches Bild verwandelt. Wie ist Ihr Verhältnis zum Objekt und zum Bild?
Sofia Lagerkvist: Die meisten Designer haben ein sehr enges Verhältnis zu Bildern. Bilder sind ein so großer Teil unserer Arbeit und eines der Werkzeuge, die wir benutzen, wenn wir etwas produzieren und herstellen. Wir visualisieren Objekte, die noch nicht existieren, weil wir wollen, dass die Leute unsere Sicht der Dinge verstehen. Und am Ende, wenn das Objekt schon produziert wurde, ist das Bild auch sehr wichtig in dem Sinn, dass es in den Magazinen und anderen Medien eine Botschaft vermittelt. Design ist eine recht bildbasierte Profession.

Worum geht es Ihnen bei Ihrer Arbeit mit Bildern und Illusionen?
Anna Lindgren: Wir wollen eine Art Mischung aus dreidimensionalen Objekten und zweidimensionalen Bildern erzeugen. Das Bild soll in ein Produkt übergehen, um so eine Verbindung zwischen Bild und Möbel zu schaffen. Es ist ein Spiel zwischen wirklichen, realen und den gedruckten Schatten.
Sofia Lagerkvist: Es geht auch darum, was wir von Objekten erwarten. Uns interessiert der Moment, wenn der Betrachter denkt, er habe ein Holzsofa vor sich, aber sobald er an einem bestimmten Punkt gelangt an dem er, weil er das Sofa berührt oder dich darauf setzt, bemerkt, dass es sich um etwas ganz anderes handelt. Es ist die Neugierde, die uns die Dinge, die wir sehen, lesen, aber auch falsch verstehen lässt. Zum Beispiel der Teppich mit den Schatten: Sobald du ihn gesehen hast, denkst du vielleicht anders über die gewöhnlichen Dinge nach, die vom Licht berührt werden.

Bei einigen Ihrer Entwürfe wird der Nutzer oder ein Tier Teil des Designprozesses. Fällt es Ihnen schwer, die Kontrolle über die Gestaltung aus der Hand zu geben?
Anna Lindgren: Oh, es war wirklich hart mit ihnen zusammenzuarbeiten. Mit diesem Projekt wollten wir zeigen, dass es viele zufällige Faktoren gibt, die das Endresultat beeinflussen, etwa verschiedene Herstellungsmöglichkeiten, Fragen der Wirtschaftlichkeit, wie sich Diskussionen entwickeln, welche Farbe der Hersteller mag; all das können Faktoren sein. Als wir Tiere einluden, Teil des Projektes zu werden, wollten wir die vielen Einflüsse verdeutlichen.

Wie sieht für Sie die Zukunft des Designs aus?
Anna Lindgren: Ich denke, Design hat nicht nur mit Objekten zu tun. Es könnte bei vielen verschiedenen Bereichen eine Rolle spielen, beispielsweise anhand der Frage, wie wir miteinander kommunizieren. Für mich ist das die Herausforderung der Zukunft.
Charlotte von der Lancken: Vielleicht verändern sich die Vertriebskanäle genauso wie sich die Strukturen beim Verkauf von Musik verändert haben? So etwas könnte auch im Design passieren.

Gibt es Ideen, die Sie verwerfen, weil die Umsetzung zu schwierig ist?
Anna Lindgren: Wenn es ein Projekt ist, dem wir leidenschaftlich verbunden sind, dann wollen wir es auch realisieren. Aber manchmal funktionieren die Sachen nicht so wie wir es uns am Anfang dachten. Das kann allerdings auch sehr interessant sein - und am Ende zu etwas ganz anderem führen.

Sie verwerfen die Idee also nicht?
Charlotte von der Lancken: Ich denke, das ist Teil des Prozesses. Wir haben über den Aspekt der Zusammenarbeit im Designprozess gesprochen. Es gibt so viele Einflüsse, die deine ursprüngliche Idee verändern. Das heißt, es gibt immer einen gewissen Unterschied zwischen der ersten Idee und dem finalen Objekt.
Sofia Lagerkvist: Oft experimentieren wir am Anfang mit verschiedenen Techniken. Dabei triffst du auf Fachleute, denen du sagst, dass du etwas Neues ausprobieren möchtest. Und sie sagen dir: „Nein, nein, das geht auf keinen Fall". Du musst also einen Weg finden, wie du sie überzeugen kannst es dennoch zu versuchen. Vielleicht funktioniert es tatsächlich nicht, aber sie haben nie darüber nachgedacht, dass es doch klappen könnte. Manchmal funktioniert es wirklich nicht. Aber du musst es auf jeden Fall versuchen.

Entwerfen Männer und Frauen unterschiedlich?
Sofia Lagerkvist: Schwer zu sagen.
Anna Lindgren: Es ist das gleiche wie mit den Nationalitäten. Ob wir schwedisches Design machen oder weibliches Design? Es ist kompliziert, das einzuschätzen. Einmal sagte man uns, wir würden sehr weibliches Design machen, weil wir mit Tieren arbeiten. Aber wir arbeiten genauso mit Explosionen, mit Technologien und Computerspielen. Womöglich ist es für Menschen einfacher, Leute einzusortieren: Sie sind Frauen und das ist dann diese Art von Design.

Seit Ende des letzten Jahres besteht Front nur noch aus drei statt vier Designerinnen. Wie werden Sie als Gruppe weiterarbeiten?
Anna Lindgren: Wir machen weiter wie gewohnt. Wir haben alle einen recht ähnlichen Hintergrund. Wir sind eine Gruppe. Katja hat sich dafür entschieden, im Moment etwas anderes zu machen. Gerade lebt sie sogar in Berlin.
Sofia Lagerkvist: Und wir sind noch gute Freunde. Wir haben als Freundinnen begonnen und wir sind Freundinnen.

Suchen Sie nach einer vierten Person?
Sofia Lagerkvist: Willst du dich bewerben? (lachen)

Und wie muss ich mir die Arbeit vorstellen?
Sofia Lagerkvist: Wir denken recht ähnlich. Der Formfindungsprozess geht zumeist sehr leicht. Aber vorher reden wir sehr viel darüber, was die Idee ist. Die Form ist für uns nicht so wichtig wie die Idee. So haben wir eine Arbeitsweise entwickelt, die wir miteinander teilen. Deswegen würde es recht schwierig werden, jemand neuen mit einzubinden.
Charlotte von der Lancken: Wir arbeiten nicht in getrennten Räumen. Wir machen alle die gleichen Sachen. Deswegen können wir zu dritt die gleichen Sachen machen wie zu viert. Im Prinzip ist es die gleiche Art zu arbeiten, nur sind wir jetzt eine Person weniger.

Hat sich die Arbeitsweise in den letzten fünf bis sechs Jahren, also seit dem gemeinsamen Anfang, verändert?
Anna Lindgren: Wir arbeiten ähnlich, wir diskutieren über verschiedene Themen, aber wir arbeiten hoffentlich ein bisschen professioneller (lachen). Manchmal denken wir, dass es gut ist, noch wie ein Student zu denken, mit derselben Neugierde und derselben Ambition etwas Neues zu versuchen. Wir wollen keinesfalls in Routine verfallen, sondern nah am Prozess sein, uns mit Herstellern auseinandersetzen. Und gegenwärtig sind wir in der Lage, mit den besten Herstellern der Welt zusammenzuarbeiten. Ich denke, wir sind in der Hinsicht gewachsen, dass sich unsere Rolle gegenüber den Herausforderungen geändert hat. Es sind so viele verschiedene Projekte und mit jedem Projekt gewinnt man Erfahrung und Wissen dazu. So wirst du besser und besser. Hoffentlich!

Was bedeutet die Auszeichnung „A&W Designer des Jahres" für Sie?
Sofia Lagerkvist: Es ist wirklich sehr aufregend. A&W war das erste Magazin, das uns interviewt hat. Nun sind mehr als fünf Jahre vergangen und wir haben diesen Preis erhalten. Auch die Ausstellung in so einer kurzen Zeit zusammenzustellen, war sehr interessant für uns, denn zum ersten Mal sehen wir all die Dinge zusammen und merken, wo wir gerade stehen. Und natürlich ist es ein unbeschreibliches Gefühl, wenn wir in der Eingangshalle all die anderen Preisträger sehen und dann steht dort am Ende der Reihe unser Name, nach Gaetano Pesce und Castiglioni. Toll!

Warum haben Sie Julia Lohmann als Nachwuchsdesignerin für den „Audi-Mentorpreis by A&W" ausgewählt?
Sofia Lagerkvist: Wir mögen sie. Sie ist eine aufregende Designerin. Sie durchstößt die Grenzen des Designs, arbeitet mit sehr unerwarteten Materialien und Techniken. Sie hat einen sehr interessanten prozessualen Ansatz und sie ist neugierig. Wir mögen ihre Arbeit wirklich.

Worauf dürfen wir bei Front als nächstes gespannt sein?
Charlotte von der Lancken: Auf der Stockholm Furniture Fair zeigen wir eine neue Lampe.
Sofia Lagerkvist: Das ist schon in zwei Wochen. Wir sind auch mit Projekten auf dem Salone in Mailand dabei. Aber an sich ist alles noch ein Geheimnis!

www.frontdesign.se

Produkte
Moooi: Pig Table @ Stylepark
Moooi
Pig Table
Front
Moroso: Soft Wood Sofa @ Stylepark
Moroso
Soft Wood Sofa
Front
SKITSCH: Bookshelf Bücherregal @ Stylepark
SKITSCH
Bookshelf Bücherregal
Front
News & Stories › 2010 › Februar
Nichts, das vorbeizieht
2. Februar 2010
Die Arbeiten der schwedischen Designgruppe „Front" lassen die Grenzen verschwimmen. Denn nicht immer ist, was man sieht, auch das, was man fühlt. Im Rahmen der Kölner Möbelmesse vergab die Zeitschrift Architektur&Wohnen zusammen mit Audi den Preis „A&W Designer des Jahres". Nancy Jehmlich sprach mit den Designerinnen über Tiere als Gestalter, gutes Design und die Arbeit zu dritt.
Sie experimentieren, kombinieren unterschiedliche Techniken und spielen mit den visuellen und taktilen Gewohnheiten des Menschen, indem sie eine Illusion schaffen, die unsere Sinne irritiert. Da verformen sich schon mal Vasen im Windkanal oder scheinen wie in einer Serie von Momentaufnahmen zu Boden zu fallen. Unter dem Namen „Front" arbeiten die drei schwedischen Designerinnen Sofia Lagerkvist, Anna Lindgren und Charlotte von der Lancken seit ihrem Studium zusammen. Ihre Auszeichnung als „A&W-Designer des Jahres" - der Preis ist eine monografische Ausstellung und wird seit vierzehn Jahren von der Zeitschrift Architektur & Wohnen verliehen -, und vor allem ihr Auftritt bei der Preisverleihung gehörte zweifellos zu den glamourösen Höhepunkten des Passagen-Programms während der Kölner Möbelmesse. Weiterhin verlieh der Sponsor Audi an diesem Abend den „Audi-Mentorpreis by A&W" an die von FRONT vorgeschlagene deutsche Designerin Julia Lohmann.

Um mit einem Zitat aus der deutschen Presse zu beginnen: „Die Arbeiten von Front gelten als die Speerspitze der jungen Designszene." Was interessiert Sie am Design?

Sofia Lagerkvist: Design interessiert uns, weil es etwas ist, das sich auf jeden Menschen bezieht und das jeder hat, ob er es weiß oder nicht. Denn fast alle Dinge sind doch auf die eine oder andere Art und Weise von einem Designer hervorgebracht worden; die meisten Dinge sind eben gestaltet. Deswegen denken wir, ist Design ein sehr spannendes Feld, um sich auszudrücken.

Nun verfolgen Sie mit ihren Arbeiten eher einen konzeptionellen Ansatz und bewegen sich zwischen den Disziplinen Design und Kunst. Glauben Sie, klassisches Design ist überholt?
Anna Lindgren: Design ist faszinierend, weil es ein sehr weites Feld ist und alle Spielarten von Design darauf Platz haben, ganz gleich ob experimentelles oder traditionelles Design.
Sofia Lagerkvist: Ich glaube, es ist Raum für viele Formen des Designs, sei es modern, zeitgenössisch oder klassisch, wobei das zeitgenössische Design stärker von Trends beeinflusst wird als das klassische. Es ist die Vielfalt, die unsere Zeit auszeichnet.

Was ist für Sie gutes Design?
Charlotte von der Lancken: Vielleicht ist es etwas, das dich reflektieren lässt, das dich über die Dinge nachdenken oder sogar weiterdenken lässt. Auf jeden Fall nichts, das einfach nur vorbeizieht.

Bei verschiedenen Arbeiten, wie bei der Moment Collection für Moroso, wird das Objekt in ein illusionistisches Bild verwandelt. Wie ist Ihr Verhältnis zum Objekt und zum Bild?
Sofia Lagerkvist: Die meisten Designer haben ein sehr enges Verhältnis zu Bildern. Bilder sind ein so großer Teil unserer Arbeit und eines der Werkzeuge, die wir benutzen, wenn wir etwas produzieren und herstellen. Wir visualisieren Objekte, die noch nicht existieren, weil wir wollen, dass die Leute unsere Sicht der Dinge verstehen. Und am Ende, wenn das Objekt schon produziert wurde, ist das Bild auch sehr wichtig in dem Sinn, dass es in den Magazinen und anderen Medien eine Botschaft vermittelt. Design ist eine recht bildbasierte Profession.

Worum geht es Ihnen bei Ihrer Arbeit mit Bildern und Illusionen?
Anna Lindgren: Wir wollen eine Art Mischung aus dreidimensionalen Objekten und zweidimensionalen Bildern erzeugen. Das Bild soll in ein Produkt übergehen, um so eine Verbindung zwischen Bild und Möbel zu schaffen. Es ist ein Spiel zwischen wirklichen, realen und den gedruckten Schatten.
Sofia Lagerkvist: Es geht auch darum, was wir von Objekten erwarten. Uns interessiert der Moment, wenn der Betrachter denkt, er habe ein Holzsofa vor sich, aber sobald er an einem bestimmten Punkt gelangt an dem er, weil er das Sofa berührt oder dich darauf setzt, bemerkt, dass es sich um etwas ganz anderes handelt. Es ist die Neugierde, die uns die Dinge, die wir sehen, lesen, aber auch falsch verstehen lässt. Zum Beispiel der Teppich mit den Schatten: Sobald du ihn gesehen hast, denkst du vielleicht anders über die gewöhnlichen Dinge nach, die vom Licht berührt werden.

Bei einigen Ihrer Entwürfe wird der Nutzer oder ein Tier Teil des Designprozesses. Fällt es Ihnen schwer, die Kontrolle über die Gestaltung aus der Hand zu geben?
Anna Lindgren: Oh, es war wirklich hart mit ihnen zusammenzuarbeiten. Mit diesem Projekt wollten wir zeigen, dass es viele zufällige Faktoren gibt, die das Endresultat beeinflussen, etwa verschiedene Herstellungsmöglichkeiten, Fragen der Wirtschaftlichkeit, wie sich Diskussionen entwickeln, welche Farbe der Hersteller mag; all das können Faktoren sein. Als wir Tiere einluden, Teil des Projektes zu werden, wollten wir die vielen Einflüsse verdeutlichen.

Wie sieht für Sie die Zukunft des Designs aus?
Anna Lindgren: Ich denke, Design hat nicht nur mit Objekten zu tun. Es könnte bei vielen verschiedenen Bereichen eine Rolle spielen, beispielsweise anhand der Frage, wie wir miteinander kommunizieren. Für mich ist das die Herausforderung der Zukunft.
Charlotte von der Lancken: Vielleicht verändern sich die Vertriebskanäle genauso wie sich die Strukturen beim Verkauf von Musik verändert haben? So etwas könnte auch im Design passieren.

Gibt es Ideen, die Sie verwerfen, weil die Umsetzung zu schwierig ist?
Anna Lindgren: Wenn es ein Projekt ist, dem wir leidenschaftlich verbunden sind, dann wollen wir es auch realisieren. Aber manchmal funktionieren die Sachen nicht so wie wir es uns am Anfang dachten. Das kann allerdings auch sehr interessant sein - und am Ende zu etwas ganz anderem führen.

Sie verwerfen die Idee also nicht?
Charlotte von der Lancken: Ich denke, das ist Teil des Prozesses. Wir haben über den Aspekt der Zusammenarbeit im Designprozess gesprochen. Es gibt so viele Einflüsse, die deine ursprüngliche Idee verändern. Das heißt, es gibt immer einen gewissen Unterschied zwischen der ersten Idee und dem finalen Objekt.
Sofia Lagerkvist: Oft experimentieren wir am Anfang mit verschiedenen Techniken. Dabei triffst du auf Fachleute, denen du sagst, dass du etwas Neues ausprobieren möchtest. Und sie sagen dir: „Nein, nein, das geht auf keinen Fall". Du musst also einen Weg finden, wie du sie überzeugen kannst es dennoch zu versuchen. Vielleicht funktioniert es tatsächlich nicht, aber sie haben nie darüber nachgedacht, dass es doch klappen könnte. Manchmal funktioniert es wirklich nicht. Aber du musst es auf jeden Fall versuchen.

Entwerfen Männer und Frauen unterschiedlich?
Sofia Lagerkvist: Schwer zu sagen.
Anna Lindgren: Es ist das gleiche wie mit den Nationalitäten. Ob wir schwedisches Design machen oder weibliches Design? Es ist kompliziert, das einzuschätzen. Einmal sagte man uns, wir würden sehr weibliches Design machen, weil wir mit Tieren arbeiten. Aber wir arbeiten genauso mit Explosionen, mit Technologien und Computerspielen. Womöglich ist es für Menschen einfacher, Leute einzusortieren: Sie sind Frauen und das ist dann diese Art von Design.

Seit Ende des letzten Jahres besteht Front nur noch aus drei statt vier Designerinnen. Wie werden Sie als Gruppe weiterarbeiten?
Anna Lindgren: Wir machen weiter wie gewohnt. Wir haben alle einen recht ähnlichen Hintergrund. Wir sind eine Gruppe. Katja hat sich dafür entschieden, im Moment etwas anderes zu machen. Gerade lebt sie sogar in Berlin.
Sofia Lagerkvist: Und wir sind noch gute Freunde. Wir haben als Freundinnen begonnen und wir sind Freundinnen.

Suchen Sie nach einer vierten Person?
Sofia Lagerkvist: Willst du dich bewerben? (lachen)

Und wie muss ich mir die Arbeit vorstellen?
Sofia Lagerkvist: Wir denken recht ähnlich. Der Formfindungsprozess geht zumeist sehr leicht. Aber vorher reden wir sehr viel darüber, was die Idee ist. Die Form ist für uns nicht so wichtig wie die Idee. So haben wir eine Arbeitsweise entwickelt, die wir miteinander teilen. Deswegen würde es recht schwierig werden, jemand neuen mit einzubinden.
Charlotte von der Lancken: Wir arbeiten nicht in getrennten Räumen. Wir machen alle die gleichen Sachen. Deswegen können wir zu dritt die gleichen Sachen machen wie zu viert. Im Prinzip ist es die gleiche Art zu arbeiten, nur sind wir jetzt eine Person weniger.

Hat sich die Arbeitsweise in den letzten fünf bis sechs Jahren, also seit dem gemeinsamen Anfang, verändert?
Anna Lindgren: Wir arbeiten ähnlich, wir diskutieren über verschiedene Themen, aber wir arbeiten hoffentlich ein bisschen professioneller (lachen). Manchmal denken wir, dass es gut ist, noch wie ein Student zu denken, mit derselben Neugierde und derselben Ambition etwas Neues zu versuchen. Wir wollen keinesfalls in Routine verfallen, sondern nah am Prozess sein, uns mit Herstellern auseinandersetzen. Und gegenwärtig sind wir in der Lage, mit den besten Herstellern der Welt zusammenzuarbeiten. Ich denke, wir sind in der Hinsicht gewachsen, dass sich unsere Rolle gegenüber den Herausforderungen geändert hat. Es sind so viele verschiedene Projekte und mit jedem Projekt gewinnt man Erfahrung und Wissen dazu. So wirst du besser und besser. Hoffentlich!

Was bedeutet die Auszeichnung „A&W Designer des Jahres" für Sie?
Sofia Lagerkvist: Es ist wirklich sehr aufregend. A&W war das erste Magazin, das uns interviewt hat. Nun sind mehr als fünf Jahre vergangen und wir haben diesen Preis erhalten. Auch die Ausstellung in so einer kurzen Zeit zusammenzustellen, war sehr interessant für uns, denn zum ersten Mal sehen wir all die Dinge zusammen und merken, wo wir gerade stehen. Und natürlich ist es ein unbeschreibliches Gefühl, wenn wir in der Eingangshalle all die anderen Preisträger sehen und dann steht dort am Ende der Reihe unser Name, nach Gaetano Pesce und Castiglioni. Toll!

Warum haben Sie Julia Lohmann als Nachwuchsdesignerin für den „Audi-Mentorpreis by A&W" ausgewählt?
Sofia Lagerkvist: Wir mögen sie. Sie ist eine aufregende Designerin. Sie durchstößt die Grenzen des Designs, arbeitet mit sehr unerwarteten Materialien und Techniken. Sie hat einen sehr interessanten prozessualen Ansatz und sie ist neugierig. Wir mögen ihre Arbeit wirklich.

Worauf dürfen wir bei Front als nächstes gespannt sein?
Charlotte von der Lancken: Auf der Stockholm Furniture Fair zeigen wir eine neue Lampe.
Sofia Lagerkvist: Das ist schon in zwei Wochen. Wir sind auch mit Projekten auf dem Salone in Mailand dabei. Aber an sich ist alles noch ein Geheimnis!

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