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NODE oder Menschenfreundliche Infrastruktur
12. Oktober 2012
Doreen Heng Liu von NODE Architecture & Urbanism, Foto © NODE Architecture & Urbanism

Geschwindigkeit und Effizienz entscheiden aus Ihrer Sicht nicht allein darüber, wie gut eine Mobilitätsinfrastruktur in Ballungsräumen wie dem Pearl River Delta funktioniert. Welche anderen Faktoren müssen hinzukommen und künftig stärker berücksichtigt werden?

Doreen Heng Liu: Effizienz ist höchstwahrscheinlich in diesem Stadium der urbanen Entwicklung in China immer noch das einzige Kriterium für die Bewertung der Verkehrsinfrastruktur. Das BIP und die wirtschaftliche Entwicklung machen eine hohe Effizienz in Form von A-nach-B-Mobilität und Monokultur etc. erforderlich. Dies scheint die einzige Möglichkeit für höheren Gewinn zu sein. Die Konsequenz dessen ist die Segregation wie wir sie heute in einem anderen Bereich beobachten. Land, Gemeinschaft, Grün kommen uns abhanden; und das Schlimmste ist, dass wir eine nachhaltige Zukunft aufs Spiel setzen, indem wir alle Ressourcen der Erde aufbrauchen… Angesichts der Tatsache, dass 30 bis 45 Prozent des Landes für die Verkehrsinfrastruktur gebraucht werden, müssen wir daraus das Beste machen. Eine chinesische Redewendung besagt: “Das Beste aus den Dingen machen und sie am richtigen Ort bereitstellen”. Die Differenzierung von Bedürfnissen und die entsprechenden Ebenen der Mobilitätsinfrastruktur sollten erkannt und in andere Möglichkeiten integriert werden, wie eine fußgängerfreundliche Mobilität, soziales Miteinander und Erleben und so weiter.

Welche Maßnahmen sind nötig, um Mobilität und soziales Leben zu versöhnen? Wie könnte eine neue Identität der Region jenseits von Wachstum und Ausbeutung aussehen?

Doreen Heng Liu: Es gibt direkte und indirekte Wege, diese beiden Aspekte einzubeziehen und in Einklang zu bringen. Wie ich bereits zuvor erwähnt habe, wird 30 bis 45 Prozent der Fläche in einer jeden beliebigen Stadt in China für den Verkehr genutzt; es bleibt uns nicht viel Land für eine zukünftige Entwicklung. Eine besonders dringliche Frage ist daher, wie die Intensität dieser Flächennutzung und die Kapazität der Infrastruktur erhöht werden können. Diesem Problem müssen wir uns widmen und Lösungen dafür finden. Wir geben diesbezüglich dem indirekten Weg den Vorzug. Wir würden gerne andere Formen unfreundlicher Mobilität abschaffen, wie den Güterverkehr, der gegenwärtig 20 Prozent der Straßenkapazität für sich beansprucht und in naher Zukunft noch mehr beanspruchen wird, um somit Raum für Menschen und Leben freizugeben; wir sind der Überzeugung, dass die aktuellen Prozesse des Infrastrukturbaus und der Technologie diesen Gedankenwandel zulassen. Wir glauben, dass man auf diese Weise einen nachhaltigen positiven Einfluss auf die Stadt und die Lebensqualität in ihr nehmen kann.

Haben Sie eine Vorstellung davon, in welche Richtung sich die Infrastruktur entwickeln wird?

Doreen Heng Liu: Wie ich bereits zuvor gesagt habe, die Kapazität der Infrastruktur zu erhöhen und sie “effizienter” zu machen, ist der wesentliche Aspekt für eine andere Mobilitätsinfrastruktur in der Zukunft. Sie sollte menschenfreundlicher sein, sich besser in die sichtbare Bebauung und den Raum einfügen; um dies zu erreichen, müssen wir menschenunfreundliche und nicht integrierbare Mobilitätsformen gewissermaßen unsichtbar machen und somit mehr Raum für freundliche und ganzheitliche Erlebnisse und Erkundungsmöglichkeiten schaffen. Wir möchten in einer Stadt leben, die nicht chaotisch ist, die eine angenehme Umgebung bietet und offen und kreativ ist, eine echte Traumstadt, eine Stadt die alles bietet und unendlich viele Möglichkeiten eröffnet – und die doch auch eine Stadt ist, die höchst effizient ist und dicht bevölkert. Ist das in naher Zukunft, vielleicht bis 2030 zu erreichen? Wir glauben schon.


NODE steht für Nansha Original DEsign (oder NO DEsign) und wurde 2004 in Nansha, einem Verkehrsknotenpunkt in Chinas Pearl River Delta, gegründet. Gründerin und Leiterin des Büros ist Doreen Heng Liu, die ihren Master of Architecture an der University of California in Berkeley erhielt und ihren Doctor of Design an der Harvard Graduate School of Design. Mit ihren Forschungsprojekten konzentriert sie sich auf zeitgenössische Formen des Städtebaus im Pearl River Delta und den besonderen Einfluss der städtebaulichen Entwicklung auf Design und Architekturpraxis in China.

www.audi-urban-future-initiative.com
www.nodeoffice.com

Das Projekt von NODE Architecture & Urbanism, alle Bilder © NODE Architecture & Urbanism
News & Stories › 2012 › Oktober
NODE oder Menschenfreundliche Infrastruktur
12. Oktober 2012
Am 18. Oktober wird in Istanbul zum zweiten Mal der von Stylepark gemeinsam mit Audi kuratierte „Audi Urban Future Award“ verliehen. Im Vorgriff auf die Szenarien, die fünf Architektenteams für hochverdichtete Metropolen und Regionen erarbeitet haben, stellen wir Ihnen Teilnehmer und Projekte vor. Doreen Heng Liu von NODE haben wir gefragt, wie die Mobilitätsinfrastruktur in Regionen wie dem Pearl River Delta effizient sein und zugleich den Menschen dienen kann.
Geschwindigkeit und Effizienz entscheiden aus Ihrer Sicht nicht allein darüber, wie gut eine Mobilitätsinfrastruktur in Ballungsräumen wie dem Pearl River Delta funktioniert. Welche anderen Faktoren müssen hinzukommen und künftig stärker berücksichtigt werden?

Doreen Heng Liu: Effizienz ist höchstwahrscheinlich in diesem Stadium der urbanen Entwicklung in China immer noch das einzige Kriterium für die Bewertung der Verkehrsinfrastruktur. Das BIP und die wirtschaftliche Entwicklung machen eine hohe Effizienz in Form von A-nach-B-Mobilität und Monokultur etc. erforderlich. Dies scheint die einzige Möglichkeit für höheren Gewinn zu sein. Die Konsequenz dessen ist die Segregation wie wir sie heute in einem anderen Bereich beobachten. Land, Gemeinschaft, Grün kommen uns abhanden; und das Schlimmste ist, dass wir eine nachhaltige Zukunft aufs Spiel setzen, indem wir alle Ressourcen der Erde aufbrauchen… Angesichts der Tatsache, dass 30 bis 45 Prozent des Landes für die Verkehrsinfrastruktur gebraucht werden, müssen wir daraus das Beste machen. Eine chinesische Redewendung besagt: “Das Beste aus den Dingen machen und sie am richtigen Ort bereitstellen”. Die Differenzierung von Bedürfnissen und die entsprechenden Ebenen der Mobilitätsinfrastruktur sollten erkannt und in andere Möglichkeiten integriert werden, wie eine fußgängerfreundliche Mobilität, soziales Miteinander und Erleben und so weiter.

Welche Maßnahmen sind nötig, um Mobilität und soziales Leben zu versöhnen? Wie könnte eine neue Identität der Region jenseits von Wachstum und Ausbeutung aussehen?

Doreen Heng Liu: Es gibt direkte und indirekte Wege, diese beiden Aspekte einzubeziehen und in Einklang zu bringen. Wie ich bereits zuvor erwähnt habe, wird 30 bis 45 Prozent der Fläche in einer jeden beliebigen Stadt in China für den Verkehr genutzt; es bleibt uns nicht viel Land für eine zukünftige Entwicklung. Eine besonders dringliche Frage ist daher, wie die Intensität dieser Flächennutzung und die Kapazität der Infrastruktur erhöht werden können. Diesem Problem müssen wir uns widmen und Lösungen dafür finden. Wir geben diesbezüglich dem indirekten Weg den Vorzug. Wir würden gerne andere Formen unfreundlicher Mobilität abschaffen, wie den Güterverkehr, der gegenwärtig 20 Prozent der Straßenkapazität für sich beansprucht und in naher Zukunft noch mehr beanspruchen wird, um somit Raum für Menschen und Leben freizugeben; wir sind der Überzeugung, dass die aktuellen Prozesse des Infrastrukturbaus und der Technologie diesen Gedankenwandel zulassen. Wir glauben, dass man auf diese Weise einen nachhaltigen positiven Einfluss auf die Stadt und die Lebensqualität in ihr nehmen kann.

Haben Sie eine Vorstellung davon, in welche Richtung sich die Infrastruktur entwickeln wird?

Doreen Heng Liu: Wie ich bereits zuvor gesagt habe, die Kapazität der Infrastruktur zu erhöhen und sie “effizienter” zu machen, ist der wesentliche Aspekt für eine andere Mobilitätsinfrastruktur in der Zukunft. Sie sollte menschenfreundlicher sein, sich besser in die sichtbare Bebauung und den Raum einfügen; um dies zu erreichen, müssen wir menschenunfreundliche und nicht integrierbare Mobilitätsformen gewissermaßen unsichtbar machen und somit mehr Raum für freundliche und ganzheitliche Erlebnisse und Erkundungsmöglichkeiten schaffen. Wir möchten in einer Stadt leben, die nicht chaotisch ist, die eine angenehme Umgebung bietet und offen und kreativ ist, eine echte Traumstadt, eine Stadt die alles bietet und unendlich viele Möglichkeiten eröffnet – und die doch auch eine Stadt ist, die höchst effizient ist und dicht bevölkert. Ist das in naher Zukunft, vielleicht bis 2030 zu erreichen? Wir glauben schon.


NODE steht für Nansha Original DEsign (oder NO DEsign) und wurde 2004 in Nansha, einem Verkehrsknotenpunkt in Chinas Pearl River Delta, gegründet. Gründerin und Leiterin des Büros ist Doreen Heng Liu, die ihren Master of Architecture an der University of California in Berkeley erhielt und ihren Doctor of Design an der Harvard Graduate School of Design. Mit ihren Forschungsprojekten konzentriert sie sich auf zeitgenössische Formen des Städtebaus im Pearl River Delta und den besonderen Einfluss der städtebaulichen Entwicklung auf Design und Architekturpraxis in China.

www.audi-urban-future-initiative.com
www.nodeoffice.com