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Galina Balaschowa im Prototyp der von ihr entworfenen Raumkapsel Sojus 19 (1975). Foto © Archiv Galina Balaschowa
Nur die Aquarelle
sind verglüht
Im Gespräch: Galina Balaschowa
29. Juni 2015
Galina Balaschowa ist eine bescheidene und warmherzige Frau. Sie lässt beim Presserundgang zur Ausstellung „Galina Balaschowa. Architektin des sowjetischen Raumfahrtprogramms“ im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt am Main anderen den Vortritt: Dem Übersetzer, der auch mit aufs Gruppenfoto kommen soll, dem Kurator Philipp Meuser, den sie bittet, als erstes zu sprechen, ja selbst dem Handwerker, der noch die letzten Handgriffe in den Ausstellungsräumen erledigt, gewährt sie dem Vortritt, als sie aus dem Aufzug steigt. So viel Aufmerksamkeit auf einmal ist die heute 84 Jahre alte Galina Balaschowa nicht gewohnt, wirkte sie doch eher im Hintergrund: Als Architektin und Designerin – und einzige Frau – im Dienste des sowjetischen Experimental-Konstruktionsbüros, kurz OKB-1, und des späteren Raumfahrtkonzern „RKK Energija“, war sie allein verantwortlich für die Innenräume der Raumfahrzeuge.

Adeline Seidel: Wie kam es eigentlich dazu, dass Sie die Innenräume von Raumfahrzeugen gestaltet haben?

Galina Balaschowa: Es war reines Glück. Ich war für das OKB-1 als leitende Architektin tätig und plante die Wohnhäuser für die Mitarbeiter des Betriebs. Eines Tages bat mich Konstantin Petrowitsch Feoktistow, einen Entwurf für den Innenraum des „Wohnmoduls“ eines Raumschiffes zu machen. Denn dem Leiter des OKB-1, Sergej Pawlowitsch Koroljow, gefiel der Vorschlag der Ingenieure nicht, er war ihm wohl zu wenig wohnlich. Eigentlich hatte Feoktistow zuerst den Künstler Viktor Petrowitsch Djumin gefragt, weil er dachte, so etwas sei die Aufgabe von Künstlern. Djumin aber verwies dann darauf, die Gestaltung von Innenräumen sei die Aufgabe eines Architekten. Und so habe ich mich dann am Wochenende an die Arbeit gemacht und einen Entwurf gezeichnet.

Was hatten denn die Ingenieure für das Wohnmodul vorgeschlagen?

Galina Balaschowa: (lacht) Die hatten einfach zwei rote Kisten in die Pläne gezeichnet. Koroljow muss damals sehr geschimpft haben, als er das sah: Wie sollen es unsere Kosmonauten so längere Zeit im All aushalten?

Was braucht es, damit sich die Kosmonauten in den kleinen Kapseln wohlfühlen?

Galina Balaschowa: Kosmonauten fühlen sich wie zuhause, wenn der kleine Raum, der sie umgibt, harmonisch gestaltet ist. Wenn er schön ist – funktional und einfach zu nutzen. Der Raum muss genau so ausgestattet sein wie eine Wohnung: Mit einem Bett, einem Tisch, mit Stühlen, einer Toilette und einer Dusche. Für gute Architektur gelten immer dieselben Regeln, egal ob Haus oder Raumschiff.

Die da wären?

Galina Balaschowa: Ich hatte gute Lehrer auf der Universität: Michail Fjodorowitsch Olenew und Jurij Nikolajewitsch Schewerdjajew. Schewerdjajew hat uns gleich in der ersten Stunde gesagt, dass es das Wichtigste für uns sein würde, einen guten Geschmack zu erlernen. Dass wir immer den richtigen Maßstab zwischen Mensch, Raum und Architektur beachten sollen. Und dass Funktion und Schönheit immer zu vereinen seien – letzteres hatte er von Palladio.

Und wie gestaltet man einen Raum, in dem es eigentlich kein Oben und kein Unten mehr gibt?

Galina Balaschowa: Ich hatte damals zwei Vorschläge gezeichnet. Bei dem einen haben wir den Raum mit Boden und Decke versehen. Der Boden war in Grün gehalten, die Decke in Hellblau und die Seitenwände in einem hellen Gelb. So, wie beispielsweise bei den Sojus-Raumkapseln. Die andere Idee war: Nicht klar zwischen Oben und Unten zu unterscheiden, sondern den Raum der Kapsel durch unterschiedliche Volumen zu strukturieren – so wie hier. (Balaschova zeigt auf die Skizze für das Mondorbitalraumschiff „LOK“.)

Weshalb hat sich Sojus-Variante durchgesetzt?

Galina Balaschowa: Bevor unsere Kosmonauten in den Weltraum geflogen sind, trainierten sie in einem identischen und maßstabsgetreuen Modell. Hier auf der Erde herrscht nun mal die Schwerkraft und es fiel uns allen leichter, in den Räumen zu arbeiten, wenn Oben und Unten definiert waren.

Gab es von Seiten der Kosmonauten Wünsche hinsichtlich der Ausstattung?

Galina Balaschowa: Die Kosmonauten mochten die Innenarchitektur. Nur einmal fragte einer nach helleren Farben. Es wäre doch ein klein wenig dunkel in der Station – denn um Gewicht zu sparen, hatte man nur die notwendigste Beleuchtung installiert.

Sind Sie darauf eingegangen?

Galina Balaschowa: Wir haben mehr Lampen eingebaut. Eine andere Herausforderung war die Befestigung der Dokumente und des Equipments – in der Schwerelosigkeit fliegt ja alles durch die Gegend. Also haben wir … (Balaschowa zieht einen Umschlag mit Stoffproben aus ihrer Handtasche) … das Innere und sämtliche Gegenstände mit Klettband ausgestattet. Auch die farbige Verkleidung der Wände, des Bodens und der Decke, bestand aus Klettband. So konnte man Gegenstände überall leicht anbringen, aber auch ebenso leicht wieder lösen. Nur die Bezüge an Stühlen und Betten waren aus normalem Stoff, hier haben sich die Kosmonauten mit Gurten befestigt. Mit Klettverschlüssen wären ihre Anzüge durch die permanente Belastung zu schnell kaputt gegangen.

Auf einigen Ihrer Zeichnungen sind Bilder an den Wänden der Raumschiffe dargestellt. Ist ein Gemälde in der Raumfahrt, wo jedes Gramm Gewicht und jeder Zentimeter Platz zählt, nicht ein unnötiger Gegenstand?

Galina Balaschowa: (lacht) Die Bilder hatte ich in den Entwürfen einfach so gezeichnet. Nachdem die Zeichnungen von Koroljow persönlich abgesegnet, gestempelt und unterschrieben worden sind, wurden sie an die Ingenieure weitergeleitet. Die haben dann nach meinen Zeichnungen die Innenausstattung gebaut. Bis ins Detail, also auch die Regler der technischen Geräte in der Servante. Als ich zur Abnahme kam, fragte man mich, woher sie denn das Bild für die Wand bekommen sollten. Als ich sagte, das muss nicht installiert werden, entgegnete man mir: „Nein, so wurde es unterschreiben und genau so bauen wir es auch.“ Also habe ich mich nachts hingesetzt und Bilder für die Raumkapsel gemalt. Meist Aquarelle, die russische Landschaften zeigen. Sie sind aber alle bei der Landung verglüht.

Anforderungen und Raumgrößen erinnern durchaus an den Bootsbau. Haben Sie sich mit diesem Bereich befasst, als Sie für Ihre Entwürfe recherchiert haben?

Galina Balaschowa: Ich wollte einmal das Innere eines U-Boots besichtigen und bin dafür extra nach St. Petersburg gefahren. Aber man wollte mich nicht reinlassen. Ich war ja nur eine Frau und aus einer ganz anderen Abteilung. Sie sagten: Wenn ich einen Kosmonauten mitbrächte – die waren damals ja die absoluten Superstars –, würden sie mich durch das U-Boot führen.

Was war das Schönste, was ein Kosmonaut zu Ihnen nach seiner Rückkehr zur Erde gesagt hat?

Galina Balaschowa: Nach dem Apollo-Sojus-Programm haben unsere Kosmonauten gesagt, das den amerikanischen Astronauten unsere Innenraumgestaltung gefallen hätte, weil sie so gemütlich gewesen wäre. Der amerikanische Teil war wohl viel technischer und weniger häuslich eingerichtet. Das hat mich stolz gemacht, denn Ingenieure denken nicht an die Architektur, sondern nur an die Technik. (Es entsteht eine kurze Pause, dann erklärt Balaschowa verschmitzt) Wissen Sie, das Beste an an meiner Arbeit war die Freiheit, die ich hatte: Niemand hat mir gesagt, nimm diese Farbe oder mach das so. Ich konnte alle Entscheidungen so treffen, wie ich es für richtig hielt, denn keiner interessierte sich für das was ich da tat.


Die Ausstellung:
Design für die sowjetische Raumfahrt.
Die Architektin Galina Balaschowa
Deutsches Architekturmuseum (D.A.M.), Frankfurt am Main
bis 15. November 2015
Di., Do. bis So. 11 bis 18 Uhr, Mi. 11 bis 20 Uhr
www.dam-online.de

Die Monographie:
Philipp Meuser
Galina Balaschowa. Architektin des sowjetischen Raumfahrtprogramms
160 S., 189 Abb., br.,
Dom Publishers, Berlin 2014
28,00 Euro
www.dom-publishers.com
Balaschowas erster Entwurf für eine Sojus-Raumkapsel, den sie 1963 an einem Wochenende zeichnete. Bild © Archiv Galina Balaschowa
Finaler Entwurf für die Innenausstattung des Orbitalmodules von Sojus (1964). Balaschowa war nicht nur für die Innenarchitektur verantwortlich, sondern auch für das Design der technischen Gerätschaften. Bild © Archiv Galina Balaschowa
Erste Skizze für das Mondorbitalraumschiff LOK (1966), bei denen der Innenraum durch unterschiedliche Volumen strukturiert werden sollte – und nicht durch ein „Oben“ und „Unten“, also Decke und Boden. Der Entwurf wurde nie umgesetzt. Bild © Archiv Galina Balaschowa
Entwurf der Kabine für die Raumstation „Mir“ (1980), der letztlich auch so gebaut wurde. Der Boden ist in Grün gehalten, die Decke in Blau und die Wände in Gelb.
Bild © Archiv Galina Balaschowa
Modell der „Mir“, mit dem die Kosmonauten auf der Erde trainierten.
Foto © Archiv Galina Balaschowa
Der Entwurf für das Technikmodul der Raumstation „Mir“ ist Balaschowas Lieblingszeichnung, wie sie auf dem Presserundgang verrät. Bild © Archiv Galina Balaschowa
Architekt, Industriedesigner und Grafiker in einer Person: Balaschova war u.a. auch für die Platzierung des Namens auf der Raumstation "Mir" verantwortlich.
Bild © Archiv Galina Balaschowa
News & Stories › 2015 › Juni
Nur die Aquarelle
sind verglüht
29. Juni 2015
Wie wohnt es sich in der Umlaufbahn? Adeline Seidel hat mit Galina Balaschowa, der Innenarchitektin der russischen Raumkapseln, über grüne Böden, blaue Decken und Wohnlichkeit im Weltall gesprochen.

Galina Balaschowa ist eine bescheidene und warmherzige Frau. Sie lässt beim Presserundgang zur Ausstellung „Galina Balaschowa. Architektin des sowjetischen Raumfahrtprogramms“ im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt am Main anderen den Vortritt: Dem Übersetzer, der auch mit aufs Gruppenfoto kommen soll, dem Kurator Philipp Meuser, den sie bittet, als erstes zu sprechen, ja selbst dem Handwerker, der noch die letzten Handgriffe in den Ausstellungsräumen erledigt, gewährt sie dem Vortritt, als sie aus dem Aufzug steigt. So viel Aufmerksamkeit auf einmal ist die heute 84 Jahre alte Galina Balaschowa nicht gewohnt, wirkte sie doch eher im Hintergrund: Als Architektin und Designerin – und einzige Frau – im Dienste des sowjetischen Experimental-Konstruktionsbüros, kurz OKB-1, und des späteren Raumfahrtkonzern „RKK Energija“, war sie allein verantwortlich für die Innenräume der Raumfahrzeuge.

Adeline Seidel: Wie kam es eigentlich dazu, dass Sie die Innenräume von Raumfahrzeugen gestaltet haben?

Galina Balaschowa: Es war reines Glück. Ich war für das OKB-1 als leitende Architektin tätig und plante die Wohnhäuser für die Mitarbeiter des Betriebs. Eines Tages bat mich Konstantin Petrowitsch Feoktistow, einen Entwurf für den Innenraum des „Wohnmoduls“ eines Raumschiffes zu machen. Denn dem Leiter des OKB-1, Sergej Pawlowitsch Koroljow, gefiel der Vorschlag der Ingenieure nicht, er war ihm wohl zu wenig wohnlich. Eigentlich hatte Feoktistow zuerst den Künstler Viktor Petrowitsch Djumin gefragt, weil er dachte, so etwas sei die Aufgabe von Künstlern. Djumin aber verwies dann darauf, die Gestaltung von Innenräumen sei die Aufgabe eines Architekten. Und so habe ich mich dann am Wochenende an die Arbeit gemacht und einen Entwurf gezeichnet.

Was hatten denn die Ingenieure für das Wohnmodul vorgeschlagen?

Galina Balaschowa: (lacht) Die hatten einfach zwei rote Kisten in die Pläne gezeichnet. Koroljow muss damals sehr geschimpft haben, als er das sah: Wie sollen es unsere Kosmonauten so längere Zeit im All aushalten?

Was braucht es, damit sich die Kosmonauten in den kleinen Kapseln wohlfühlen?

Galina Balaschowa: Kosmonauten fühlen sich wie zuhause, wenn der kleine Raum, der sie umgibt, harmonisch gestaltet ist. Wenn er schön ist – funktional und einfach zu nutzen. Der Raum muss genau so ausgestattet sein wie eine Wohnung: Mit einem Bett, einem Tisch, mit Stühlen, einer Toilette und einer Dusche. Für gute Architektur gelten immer dieselben Regeln, egal ob Haus oder Raumschiff.

Die da wären?

Galina Balaschowa: Ich hatte gute Lehrer auf der Universität: Michail Fjodorowitsch Olenew und Jurij Nikolajewitsch Schewerdjajew. Schewerdjajew hat uns gleich in der ersten Stunde gesagt, dass es das Wichtigste für uns sein würde, einen guten Geschmack zu erlernen. Dass wir immer den richtigen Maßstab zwischen Mensch, Raum und Architektur beachten sollen. Und dass Funktion und Schönheit immer zu vereinen seien – letzteres hatte er von Palladio.

Und wie gestaltet man einen Raum, in dem es eigentlich kein Oben und kein Unten mehr gibt?

Galina Balaschowa: Ich hatte damals zwei Vorschläge gezeichnet. Bei dem einen haben wir den Raum mit Boden und Decke versehen. Der Boden war in Grün gehalten, die Decke in Hellblau und die Seitenwände in einem hellen Gelb. So, wie beispielsweise bei den Sojus-Raumkapseln. Die andere Idee war: Nicht klar zwischen Oben und Unten zu unterscheiden, sondern den Raum der Kapsel durch unterschiedliche Volumen zu strukturieren – so wie hier. (Balaschova zeigt auf die Skizze für das Mondorbitalraumschiff „LOK“.)

Weshalb hat sich Sojus-Variante durchgesetzt?

Galina Balaschowa: Bevor unsere Kosmonauten in den Weltraum geflogen sind, trainierten sie in einem identischen und maßstabsgetreuen Modell. Hier auf der Erde herrscht nun mal die Schwerkraft und es fiel uns allen leichter, in den Räumen zu arbeiten, wenn Oben und Unten definiert waren.

Gab es von Seiten der Kosmonauten Wünsche hinsichtlich der Ausstattung?

Galina Balaschowa: Die Kosmonauten mochten die Innenarchitektur. Nur einmal fragte einer nach helleren Farben. Es wäre doch ein klein wenig dunkel in der Station – denn um Gewicht zu sparen, hatte man nur die notwendigste Beleuchtung installiert.

Sind Sie darauf eingegangen?

Galina Balaschowa: Wir haben mehr Lampen eingebaut. Eine andere Herausforderung war die Befestigung der Dokumente und des Equipments – in der Schwerelosigkeit fliegt ja alles durch die Gegend. Also haben wir … (Balaschowa zieht einen Umschlag mit Stoffproben aus ihrer Handtasche) … das Innere und sämtliche Gegenstände mit Klettband ausgestattet. Auch die farbige Verkleidung der Wände, des Bodens und der Decke, bestand aus Klettband. So konnte man Gegenstände überall leicht anbringen, aber auch ebenso leicht wieder lösen. Nur die Bezüge an Stühlen und Betten waren aus normalem Stoff, hier haben sich die Kosmonauten mit Gurten befestigt. Mit Klettverschlüssen wären ihre Anzüge durch die permanente Belastung zu schnell kaputt gegangen.

Auf einigen Ihrer Zeichnungen sind Bilder an den Wänden der Raumschiffe dargestellt. Ist ein Gemälde in der Raumfahrt, wo jedes Gramm Gewicht und jeder Zentimeter Platz zählt, nicht ein unnötiger Gegenstand?

Galina Balaschowa: (lacht) Die Bilder hatte ich in den Entwürfen einfach so gezeichnet. Nachdem die Zeichnungen von Koroljow persönlich abgesegnet, gestempelt und unterschrieben worden sind, wurden sie an die Ingenieure weitergeleitet. Die haben dann nach meinen Zeichnungen die Innenausstattung gebaut. Bis ins Detail, also auch die Regler der technischen Geräte in der Servante. Als ich zur Abnahme kam, fragte man mich, woher sie denn das Bild für die Wand bekommen sollten. Als ich sagte, das muss nicht installiert werden, entgegnete man mir: „Nein, so wurde es unterschreiben und genau so bauen wir es auch.“ Also habe ich mich nachts hingesetzt und Bilder für die Raumkapsel gemalt. Meist Aquarelle, die russische Landschaften zeigen. Sie sind aber alle bei der Landung verglüht.

Anforderungen und Raumgrößen erinnern durchaus an den Bootsbau. Haben Sie sich mit diesem Bereich befasst, als Sie für Ihre Entwürfe recherchiert haben?

Galina Balaschowa: Ich wollte einmal das Innere eines U-Boots besichtigen und bin dafür extra nach St. Petersburg gefahren. Aber man wollte mich nicht reinlassen. Ich war ja nur eine Frau und aus einer ganz anderen Abteilung. Sie sagten: Wenn ich einen Kosmonauten mitbrächte – die waren damals ja die absoluten Superstars –, würden sie mich durch das U-Boot führen.

Was war das Schönste, was ein Kosmonaut zu Ihnen nach seiner Rückkehr zur Erde gesagt hat?

Galina Balaschowa: Nach dem Apollo-Sojus-Programm haben unsere Kosmonauten gesagt, das den amerikanischen Astronauten unsere Innenraumgestaltung gefallen hätte, weil sie so gemütlich gewesen wäre. Der amerikanische Teil war wohl viel technischer und weniger häuslich eingerichtet. Das hat mich stolz gemacht, denn Ingenieure denken nicht an die Architektur, sondern nur an die Technik. (Es entsteht eine kurze Pause, dann erklärt Balaschowa verschmitzt) Wissen Sie, das Beste an an meiner Arbeit war die Freiheit, die ich hatte: Niemand hat mir gesagt, nimm diese Farbe oder mach das so. Ich konnte alle Entscheidungen so treffen, wie ich es für richtig hielt, denn keiner interessierte sich für das was ich da tat.


Die Ausstellung:
Design für die sowjetische Raumfahrt.
Die Architektin Galina Balaschowa
Deutsches Architekturmuseum (D.A.M.), Frankfurt am Main
bis 15. November 2015
Di., Do. bis So. 11 bis 18 Uhr, Mi. 11 bis 20 Uhr
www.dam-online.de

Die Monographie:
Philipp Meuser
Galina Balaschowa. Architektin des sowjetischen Raumfahrtprogramms
160 S., 189 Abb., br.,
Dom Publishers, Berlin 2014
28,00 Euro
www.dom-publishers.com