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Porzellan eine neue Seele einhauchen
von Franziska Holzmann | 8. November 2009
In Prag hat zum elften Mal die Veranstaltung „Designblok" stattgefunden. Neben zahlreichen, über die Stadt verteilten Ausstellungen, fand die Hauptveranstaltung auch in diesem Jahr wieder im Superstudio Classic 7 im Stadtteil Holosevice statt, erstmalig ergänzt durch das benachbarte Superstudio A7. Trotz geschrumpften Budgets präsentierte sich eine Vielzahl unterschiedlicher Aussteller, vom Jungdesigner bis zum namhaften internationalen Hersteller. Auch wenn manche den Eindruck hatten, den beiden Superstudio-Ausstellungen habe es an Spektakulärem gefehlt, so ließen sich auf dem Feld des tschechischen Designs doch einige Kleinode ausfindig machen.

Wie rote Fäden ziehen sich die Verwurzelung im tschechischen Glas- und Keramikkunsthandwerk sowie das stets präzise ausformulierte Detail durch die Arbeiten. So experimentierte das Studio K.O.V. der Prager „Akademie der Künste, Design und Architektur", geleitet von Eva Eisler, mit dem Zusammenspiel von Proportion, Material und Detail, wobei die gezeigten Formstudien vor allem durch Präzision und Feinheit faszinierten. Konkreter wurde der junge Designer Pavel Brejcha mit seinen Schuhentwürfen, perfekt gearbeiteten und eigenwilligen graphischen Kompositionen.

Improvisierter ging Tomas Bambusek zu Werke, der Betonwaschbecken entwirft, deren Rauheit er in einem chaotisch bunten Raum wie in einem Spielzeughaus inszeniert hatte. Und bei Silvie Lubenova - alias Maestrokatastrof - konnte man dem eigenen, alten Porzellan eine neue Seele einhauchen lassen, indem sie es mit ihren Bildern und Gedanken übermalte.

Ein Highlight war zweifelsohne Krehky in der Window Galerie im Stadtzentrum, eine als Wanderausstellung konzipierte Schau, die bereits in Mailand, Tokyo, Paris und New York zu sehen war. „Krehky" bedeutet im Tschechischen „zerbrechlich", wie die gezeigten zeitgenössischen Porzellan- und Glasarbeiten, aber auch wie die gegenwärtige Situation des tschechischen Designs, das auch im Jahr Zwanzig nach der Samtenen Revolution noch mitten in der Entwicklung steckt. Eines der Zugpferde der Schau war zweifellos Maxim Velcovsky von Qubus Design, der mit viel Humor Kleinkinderköpfe in Porzellankerzenständer oder Schneemänner in Zuckerstreuer verwandelte.

Im Ganzen betrachtet ist die Situation junger Designer im heutigen Tschechien gespalten. Einerseits fehlt es an finanzkräftigen Herstellern, sowohl aus der Möbel- und Konsumgüterindustrie als auch aus dem Kreis der traditionsreichen Glashütten, von denen schon viele schließen mussten, wodurch auch Arbeitstätten für Designer verloren gingen. Andererseits bekommen viele Designer ein großes Forum und es wird ihnen ein entsprechendes Maß an Aufmerksamkeit zuteil. Das ist durchaus typisch für kleinere Länder mit einem ausgeprägten Bewusstsein für die eigenen Traditionen. Denn um diese erneuen zu können, braucht man das Design.


www.designblok.cz
www.krehky.cz
www.qubus.cz
www.tomasbambusek.com
www.pavelbrejcha.com
www.vsup.cz
Museum of Decorative Arts, Bibliothek
Installation mit Betonwaschbecken von Tomas Bambusek
Restaurant Dynamo
Installation mit Betonwaschbecken von Tomas Bambusek
Maestrokatastrof
Villa Müller von Adolf Loos
Museum of Decorative Arts
Alle Fotos: Franziska Holzmann
Schuhe von Pavel Brejcha
Installation von Handa Gote
Krehky; Foto von profilmedia