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Rizinus statt Erdöl
Teil 3
5. März 2013
Weiter geht’s, noch haben wir nicht alles geschafft. Wir kommen zu VELUX. Ich möchte von Amandus Sattler wissen, ob er die Marke kennt. „Natürlich kennt man Velux“, antwortet er wie aus der Pistole geschossen. Eine Zusammenarbeit habe es aber bislang nicht gegeben, da man als ambitionierter Architekt eher selten auf Standardlösungen in Sachen „Dachflächenfenster“ zurückgreife. Trotzdem möchte ich Sattler zeigen, dass VELUX zusammen mit Foster + Partner ein neues, originäres Oberlicht-System entwickelt hat. Wir fragen am Stand nach, wo wir das anschauen können. Ob Sattler wohl ein Problem damit hat, wenn „Foster“ auf dem Produkt steht?
Amandus Sattler: Sagen wir so: Die Verwendung von Bauprodukten, die von Architekten entwickelt worden sind, finde ich total unproblematisch. Bei Designprodukten sind wir dann schon eher vorsichtig. Die Leuchte von Herzog & de Meuron haben wir, um ein Beispiel zu geben, in eigenen Gebäuden nicht verwendet, obwohl sie uns gefällt. Bei Bauprodukten, die zunächst einen funktionalen Anspruch erfüllen und zudem von einem Architekten gut gestaltet worden sind, sehe ich das durchaus positiv.

Am Velux-Stand herrscht zunächst etwas Verwirrung. Weil wir den Eindruck erwecken, dass wir uns auskennen, werden wir gefragt: „Sind Sie auch von Velux?“ Sattler spielt das Spiel mit: „Wir können uns ja mal Ihre Velux Nadel ausleihen, dann sind wir auch von Velux.“ Weil der Architektenberater meint, dann bekämen wir alle Ärger, überlassen wir es ihm, uns das Produkt zu erläutern. Wir erfahren, dass die schmale Profilansicht eine Konsequenz aus der Zusammenarbeit mit Foster + Partners ist. Das modulare System habe einen integrierten Kettenmotor und werde fertig geliefert, wodurch sich die Montagedauer verkürze.
Amandus Sattler: Das spart Geld. Was ist denn die maximale Größe, die Sie produzieren können?

Feststehend sei die Maximalgröße 1 mal 3 Meter, wenn sich das Modul öffnen lassen solle, seien 2,40 Meter die maximale Länge. Beginnen würde es bei 1,20 Meter, und dann gehe es in Schritten von jeweils 20 Zentimeter weiter. Es gebe also vielfältigste Möglichkeiten. Bereits bei vier Projekten habe man das System in Deutschland eingesetzt, einige weitere kämen in den nächsten Monaten hinzu.

Amandus Sattler: Und wie sieht es mit dem Wärmeschutz aus?

Architektenberater: Wir bieten eine Zweifachverglasung und eine Dreifachverglasung an, beides ist möglich.

Amandus Sattler: Gut, alles klar.

Architektenberater: Leicht gemacht, das ist unser Ansatz. Sie können genauso gut mit einer Schüco-Konstruktion arbeiten, wenn Sie wollen, wo das Isolierglas bündig mit der Dachfläche in die Konstruktion eingelegt wird.

Robert Volhard: Dann gehen wir doch lieber zu Schüco, kommen Sie.

Alle lachen. „Die bessere Alternative“, sagt der Architektenberater, „finden Sie hier. Auch die kostengünstigere.

Amandus Sattler: Naja. Und Sie sind wofür zuständig?

Architektenberater: Ich bin Architektenberater.

Amandus Sattler: Nun, dann danken wir vielmals.

Wir laufen, inzwischen schon etwas müde geworden, weiter. Amandus Sattler betritt spontan den Stand von „Keimfarben“.
Amandus Sattler: Das ist hier ein sehr schönes Beispiel für Farben, bei denen die ursprüngliche Materialqualität erhalten bleibt. Die Firma „Keimfarben“ stellt nämlich Farben her, bei denen – ob bei Innenraumfarbe, Putzfarbe oder Betonfarbe – das Untergrundmaterial sichtbar und spürbar bleibt. Wenn man einen Kalkputz aufbringt und streicht dann Dispersion drauf, dann ist der Kalkputz hin!

Robert Volhard: Arbeiten Sie oft mit diesen Farben?

Amandus Sattler: Wann immer es geht!

Robert Volhard: Haben Sie schon gehört, dass Vorwerk neben Teppichen nun auch mit „Re/Cover green“ einen Boden aus ökologischen Elastomeren, also gleichsam ein „grünes“ PVC anbietet?

Amandus Sattler: Nein, das wusste ich nicht.

Robert Volhard: Das Material basiert auf Rizinusöl.

Bei Vorwerk erläutert man uns, der Boden basiere zu neunzig Prozent auf Rizinusöl. Man zeigt uns die Samen der Pflanze und erklärt, dass deren Öl aus ökologischen Gründen anstelle von Erdöl eingesetzt werde. Zudem wachse die Rizinuspflanze, die keine Lebensmittelpflanze sei, selbst auf armen Böden, wo eigentlich nichts anderes wachse. Also nehme man niemandem etwas weg. Der Dialog geht wie folgt weiter: „Die Samen isst man normalerweise auch nicht.“ – „Nein, die sind hochgiftig.“ – „Und was kann der Boden? Ich meine, warum hat der so Punkte?“ – „Vorwerk hat die letzten fünf Jahre den Markt beobachtet und mit Hadi Teherani die Designs entwickelt“.
Amandus Sattler schaut auf die Uhr und sagt: „Wir machen so einen Rundgang und haben es eilig.“
Robert Volhard: ... und am Ende wird der Stand prämiert, an dem ein neues Produkt in der kürzesten Zeit am besten vorgestellt wurde. Sie haben noch eine Chance.

Sofort legt unser Berater los:

„Okay, ich hab verstanden. Alles gut. Ja, wo waren wir jetzt? Die Oberfläche. Ich meine, der Markt hat ja in Eiche, Ahorn und Buche 100.000 Dekore. Wir sagen: Wir brauchen unsere eigene Optik. Einen Boden aus dem Grundstoff Rizinusöl, das können andere auch machen. Es ist ein Produkt „Made in Germany“. Es gibt einen einzigen Hersteller, der so etwas verkauft. Was die Designs angeht, so ergeben die Punkte eine Struktur auf der Fläche. Je nach Lichteinfall kommt das ganz anders rüber.“ Es gebe aber auch Varianten in „Rostmetall“ oder „Steinoptik“.


Robert Volhard: Und was fällt uns bei den Holzdekors auf?

Amandus Sattler: Fugenlos!

Robert Volhard: Ja, es sind keine Jahresringe oder Rippen zu sehen. Das „Holz“ ist „gemappt“, es ist eben nicht „Holz“, das nachgeahmt wird. Sonst müsste der Baum ja Jahrhunderte alt sein.

Wir nennen das, meint der Berater, „endless wood“. Alle diese Böden stehen unter der Programmatik einer „ECO-Balance“ – nachhaltig, sozial und ökonomisch. Also da ist alles wunderbar im Gleichgewicht und wir können dem Markt ganz befreit das Beste aus zwei Welten – hart und weich – empfehlen und anbieten. Ist schon eine tolle Sache, oder?

Amandus Sattler: Sehr gut. Wunderbar. Ob das mit den ‚endless wood’ der richtige Weg für ein neues Flächenprodukt ist, wollen wir jetzt nicht vertiefen.

Wir laufen weiter und erreichen den Stand von Dallmer.

Robert Volhard: Kennen Sie die Firma Dallmer?

Amandus Sattler: Nein, kenne ich nicht.
Robert Volhard: Sie kennen Dallmer nicht?

Amandus Sattler: Nein, machen die Trennschienen?

Robert Volhard: Die machen eigentlich alles, damit etwas abläuft. Die kleinste Aufbauhöhe solcher Abflussrinnen betrug bislang 69 Millimeter. Nun wurde diese, um bestehende Bäder nachrüsten zu können, auch dank des Einsatzes einer Pumpe, auf 39 Millimeter reduziert. Die Pumpe hat aber auch „akustische“ Merkmale. Am beste, wir testen das mal.

Amandus Sattler: Okay. Also, es braucht bei einem Duschablauf kein Ablaufgefälle bei der Leitung, sondern das Wasser wird jetzt einfach abgepumpt. Aber das Geräusch ist „strange“, oder? Irgendwie schlabbert da was. (lachen) Das ist gemein. Ich ziehe meine Aussage zurück. Sagen wir so: Bei der Sanierung von Altbauten Duschen ohne Stufe einzubauen, ist sehr gefragt. Das Abpumpen aber bedeutet wieder mehr Stromverbrauch. Wir reden von Energieeinsparung und fast alle Neuentwicklungen brauchen wieder mehr Strom. Also dann lieber im Altbau mit mehr Bauhöhe und ohne Pumpe arbeiten. Aber die Abflussrinnen sehen ja wirklich gut aus.

Mittlerweile sind wir mehr als geschafft und machen uns auf den Rückweg zur Garderobe. Sattler fragt: „Warum macht ihr eigentlich keine Führungen für Architekten, die keine Zeit haben, zwei Tage lang auf einer großen Messe herumzuirren? Man müsste nur die wichtigsten Neuheiten heraussuchen – wie nachhaltige Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen, coole Designs ohne mehr Stromverbrauch und Bodenbeläge, die nicht vorgeben ein anderes Material zu sein und so weiter – das ist doch Zufall, dass man so etwas entdeckt, bei so vielen schlecht gestalteten Ständen und dem ganzen Durcheinander der Themen. Eigentlich geht man doch immer nur zu den Herstellern, die man schon kennt.“
Robert Volhard: Wurden Sie tatsächlich hier und da überrascht?

Amandus Sattler: Ja, sicher. Ich wäre nie von alleine zum Beispiel zu Vorwerk gegangen. Die haben mich heute überrascht. Ähnliches gilt für Velux. Velux interessiert mich eigentlich nicht besonders. Wir bauen keine Häuser mit Fokus auf Dachflächenfenstern und von daher würde ich weder auf den Stand gehen, noch schaue ich mir normalerweise Werbung oder Prospekte von diesen Herstellern an. Dass Velux hier interessante Produktinnovationen zeigt, das hätte ich ohne unseren gemeinsamen Rundgang nicht bemerkt.

Robert Volhard: Dann war unsere kleine Wandertour wenigstens nicht vergebens.

Amandus Sattler: Bestimmt nicht. In der kürze der Zeit war nicht mehr drin.

Robert Volhard: Herr Sattler, ich danke Ihnen für Ihre Neugier und Ihr Durchhaltevermögen.
Produkte
Vorwerk: RE/COVER green Raw Diamond @ Stylepark
Vorwerk
RE/COVER green Raw Diamond
Vorwerk: Nandou Webteppich @ Stylepark
Vorwerk
Nandou Webteppich
Vorwerk: RE/COVER green Endless Wood @ Stylepark
Vorwerk
RE/COVER green Endless Wood
News & Stories › 2013 › März
Rizinus statt Erdöl
Teil 3
5. März 2013
Dachflächenfenster interessieren ihn eigentlich nicht. Im dritten Teil unseres Rundgangs mit Amandus Sattler über die „Bau“ in München entdeckt er, dass diese trotzdem gut gemacht sein können, etwa wenn sie zusammen mit Foster+Partners entwickelt wurden. Auch sind nicht alle Abflussrinnen gleich, Farben nicht gleich Farben und „grünes“ PVC durchaus reizvoll.