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Rot gewinnt – Selbstdarstellungen der Autoindustrie 1
von Thomas Wagner | 11. September 2009
Audi Werbung

Machen wir uns nichts vor: Wer diese legendären roten Renner aus Maranello in der Campagna Romana eine Allee entlang sausen und durch die Straßenschluchten von Manhattan und Hong Kong flitzen sieht oder an der Copa Cabana plötzlich die Arie eines Zehnzylinders von der Straße herüberwehen hört, für den ist das postfossile, sprich: das elektrische Zeitalter der Automobilität noch fern. Wer freilich niemals auf dem Weg zu einer Rennstrecke sein Herz höher schlagen fühlte, wer niemals angezogen vom Fauchen der Motoren seinen Schritt beschleunigte und begierig den Geruch von verbranntem Gummi eingesogen hat, der wird solche Werbung schlicht für überholt halten. Die Straße ist keine Rennstrecke, werden all jene sagen, die es schon immer besser wussten. Und wer einfach nur Benzin tankt, der findet Sprüche wie diesen albern oder gar jugendgefährdend: „Shell V-Power, Ferrari Fuel for the Road".

Dabei rasen die Jungen, von ihren Spielkonsolen verdorben, heute nur durchs virtuelle Reich anderer Überlegenheitsträume. Autofahren bedeutet, da hilft alles Vernünfteln nichts, Energie verbrennen und Geschwindigkeit erleben. Hier tobt die Mensch-Maschine, ganz gleich ob mit Verbrennungs- oder Elektromotor angetrieben. Doch wenn la macchina ein Ferrari ist, dann ist das eben auch ein Stück Kultur und ein Beitrag zur Ästhetik der Geschwindigkeit.

Ob wir das nun mögen oder nicht, im Grunde genommen sind wir, was das Autofahren angeht, alle schizoid. Weshalb sollte es die Auto-Werbung also nicht sein? Auch wir brausen über die Autobahn und reden von Entschleunigung; wir wollen schnell und mobil sein, es aber nicht merken; und wir wollen Hybride und Elektroautos, damit alles so bleibt wie es ist - nur ein bisschen sparsamer und leiser, nur ein wenig vernünftiger und rationaler.

Und so bestehen auch die alten Kämpfe fort. Hier der Matador, dort der Herausforderer. Heute noch brüllend und benzingetrieben, sicher schon bald geräuschlos und emissionsarm. Also gleitet ein in rot lackierter Audi R8 5.2 FSI quattro mit 525 PS und 316 km/h Spitze langsam aber unübersehbar durch die Straßen einer kleinen italienischen Stadt. Die Menschen horchen auf, sie drehen sich nach dem Boliden um, doch etwas ist anders als sonst. Sie ballen die Fäuste, drohen, spucken aus, und versuchen, den Eindringling zu vertreiben. Als der Audi beschleunigt, begreift man die Aufregung: „Maranello - City of Ferrari" steht auf dem von einem roten Balken durchkreuzten Ortsschild. Ein Audi in Maranello, das ist gut gebrüllt.

Noch also faucht die futuristische Katze, bald schon wird sie flüstern oder schweigen. Dann hören wir den Motor nur noch virtuell über die Musikanlage im Cockpit und die Straßen gehören endgültig dem Techno-Wummern der überdimensionierten Subwoofer. Wir fahren dann längst mit der Eisenbahn und hören bei 300 km/h die Zwölftonmusik eines Ferraris oder Lamborghini vom Ipod - und so viel Nostalgie wird uns ganz melancholisch machen. Denn die Autos werden nach dem ökologischen Krieg wieder sein wie jener Opel Kadett, der mit seinen vierzig PS 120 Stundenkilometer schnell war.

Shell Werbung
Opel Kadett
News & Stories › 2009 › September
Rot gewinnt – Selbstdarstellungen der Autoindustrie 1
von Thomas Wagner | 11. September 2009
Auf der Internationalen Automobilausstellung IAA in Frankfurt sind sie, Krise hin oder her, schon bald zu bestaunen - all die neuen, schönen, besseren, schnelleren, noch sicherer und noch sparsamer gewordenen Automobile. Wie aber stellt sich die Autoindustrie in ihren Werbespots dar? Welche Instinkte werden hier angesprochen, welche Werte propagiert?
Machen wir uns nichts vor: Wer diese legendären roten Renner aus Maranello in der Campagna Romana eine Allee entlang sausen und durch die Straßenschluchten von Manhattan und Hong Kong flitzen sieht oder an der Copa Cabana plötzlich die Arie eines Zehnzylinders von der Straße herüberwehen hört, für den ist das postfossile, sprich: das elektrische Zeitalter der Automobilität noch fern. Wer freilich niemals auf dem Weg zu einer Rennstrecke sein Herz höher schlagen fühlte, wer niemals angezogen vom Fauchen der Motoren seinen Schritt beschleunigte und begierig den Geruch von verbranntem Gummi eingesogen hat, der wird solche Werbung schlicht für überholt halten. Die Straße ist keine Rennstrecke, werden all jene sagen, die es schon immer besser wussten. Und wer einfach nur Benzin tankt, der findet Sprüche wie diesen albern oder gar jugendgefährdend: „Shell V-Power, Ferrari Fuel for the Road".

Dabei rasen die Jungen, von ihren Spielkonsolen verdorben, heute nur durchs virtuelle Reich anderer Überlegenheitsträume. Autofahren bedeutet, da hilft alles Vernünfteln nichts, Energie verbrennen und Geschwindigkeit erleben. Hier tobt die Mensch-Maschine, ganz gleich ob mit Verbrennungs- oder Elektromotor angetrieben. Doch wenn la macchina ein Ferrari ist, dann ist das eben auch ein Stück Kultur und ein Beitrag zur Ästhetik der Geschwindigkeit.

Ob wir das nun mögen oder nicht, im Grunde genommen sind wir, was das Autofahren angeht, alle schizoid. Weshalb sollte es die Auto-Werbung also nicht sein? Auch wir brausen über die Autobahn und reden von Entschleunigung; wir wollen schnell und mobil sein, es aber nicht merken; und wir wollen Hybride und Elektroautos, damit alles so bleibt wie es ist - nur ein bisschen sparsamer und leiser, nur ein wenig vernünftiger und rationaler.

Und so bestehen auch die alten Kämpfe fort. Hier der Matador, dort der Herausforderer. Heute noch brüllend und benzingetrieben, sicher schon bald geräuschlos und emissionsarm. Also gleitet ein in rot lackierter Audi R8 5.2 FSI quattro mit 525 PS und 316 km/h Spitze langsam aber unübersehbar durch die Straßen einer kleinen italienischen Stadt. Die Menschen horchen auf, sie drehen sich nach dem Boliden um, doch etwas ist anders als sonst. Sie ballen die Fäuste, drohen, spucken aus, und versuchen, den Eindringling zu vertreiben. Als der Audi beschleunigt, begreift man die Aufregung: „Maranello - City of Ferrari" steht auf dem von einem roten Balken durchkreuzten Ortsschild. Ein Audi in Maranello, das ist gut gebrüllt.

Noch also faucht die futuristische Katze, bald schon wird sie flüstern oder schweigen. Dann hören wir den Motor nur noch virtuell über die Musikanlage im Cockpit und die Straßen gehören endgültig dem Techno-Wummern der überdimensionierten Subwoofer. Wir fahren dann längst mit der Eisenbahn und hören bei 300 km/h die Zwölftonmusik eines Ferraris oder Lamborghini vom Ipod - und so viel Nostalgie wird uns ganz melancholisch machen. Denn die Autos werden nach dem ökologischen Krieg wieder sein wie jener Opel Kadett, der mit seinen vierzig PS 120 Stundenkilometer schnell war.