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Spanische Zauberformel
von Robert Volhard | 14. Juli 2013
Sondermüll oder Goldgrube? Für Cosentino trifft letzteres zu, sie verarbeiten die Reste aus ihrem Marmorsteinbruch zum Plattenmaterial „Silestone“. Foto © Robert Volhard, Stylepark
Man fühlt sich unweigerlich an ein kleines gallisches Dorf erinnert, an Asterix, Obelix und, nicht zu vergessen, an Miraculix, den Druiden mit dem langen weißen Bart. Und das fernab der bretonischen Küste, in Spanien, einem Land, das wirtschaftlich derzeit schwierige Zeiten erleben muss. Denn auch dort, so denkt man, gibt es ein „kleines Dorf“ in dem die Bewohner über ein besonderes Rezept, ja über eine „Zauberformel“ verfügen.

Die Rede ist von einem Dorf Namens Cantoria im Südwesten Spaniens. Es liegt inmitten einer unwirtlichen Gegend, nur zwei Hügel trennt es von der einzigen Wüste Europas. Die Bewohner des Dorfes – zumindest einige – tragen den Namen Cosentino. Ebenso wie ein Familienunternehmen, das 1940 nicht mehr als einen Marmorsteinbruch betrieb, sich dann aber, über viele Höhen und Tiefen hinweg, damit beschäftigte, wie sich die Reste, die beim Brechen von Marmor unweigerlich entstehen, verwendet werden könnten. Sprich, sie beschäftigten sich mit einer „Zauberformel“. Diese sieht vor, eine flüssige Masse durch Druck und Temperatur zu einem festen Plattenmaterial zu formen. In den 1980er Jahren kam schließlich ein Material auf den Markt, das die Vorteile einer industriellen Fertigung mit den Eigenschaften, aber auch mit den Nachteilen von Marmor verbunden hat. Es erwies sich als Flop. Es verfärbte sich, war säureanfällig und so weiter.

Kurzentschlossen veränderten und verbesserten die Cosentinos ihre „Zauberformel“. Der Marmor wurde durch Quarz ersetzt und 1990 war „Silestone“ geboren, ein formbares, beständiges, hygienisches und in vielen verschiedenen Farben und Strukturen erhältliches Material. Inzwischen trägt „Silestone“ zu mehr als 80 Prozent zum Umsatz des Unternehmens bei. Damit aber nicht genug. Die Frage, wie sich innovative Oberflächen von hohem Wert in verantwortlicher Weise entwickeln lassen, treibt die Firma weiter an. Und so wurde die „Zauberformel“ immer weiter entwickelt.
Bei der Variante „Eco“ wird recyceltes Glas eingemischt, womit man in der Lage ist, für Lead-zertifizierte Gebäude ein Material anzubieten, das dem überstrapazierten Begriff der Nachhaltigkeit tatsächlich entspricht.

Der Miraculix der Cosentinos aber forscht immer weiter. Denn „Silestone“ hat zwar viele Vorteile, aber noch den Nachteil, dass es nicht die Brandschutzklasse b1 erfüllt und deshalb für Fassaden und Außenbereiche nicht einsetzbar ist. Also wurde die „Zauberformel“ abermals verfeinert. Ergebnis: „Dekton by Cosentino“ ein Material, das eine erstaunliche Festigkeit besitzt, sowohl, was Kratz- und Abriebfestigkeit, als auch was die Stabilität bei Stößen angeht. Überdies ist es druckbeständig und eignet sich aufgrund seiner UV- und Farbbeständigkeit für den Einsatz bei extremen Temperaturen, um nur die wichtigsten Eigenschaften zu nennen.
Wer mehr als 1.000 Quadratmeter bestellt, der kann das aufgedruckte Muster selbst bestimmen.

Es ist schon beachtlich, wie sich dieses Familienunternehmen in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat. Aus einer kleinen Firma, die einen Steinbruch betreibt, ist ein Industrieunternehmen geworden. Für „Dekton“ wurde sogar eigens eine neue Fabrik gebaut, die einige Superlative bereithält. So quetscht etwa die stärkste Presse der Welt mit einem Druck von 25.000 Tonnen auch noch den letzten Tropfen Wasser und den letzten Rest Luft aus dem Material. In einem riesigen Drucker wird es bedruckt und in einem 180 Meter langen Ofen – soviel ist von der „Zauberformel“ bekannt – wird das Material bei 1.200 Grad Celsius in feste Platten verwandelt. Welche Zutaten die „Zauberformel“ der Cosentinos sonst noch enthält? Das bleibt so geheim wie die Formel von Coca-Cola.


www.cosentino-group.net
In den zwei 180 Meter langen Ofenstraßen wird das Dekton gebrannt. Foto © Robert Volhard, Stylepark
Die Verladestelle des Logistikzentrums. Foto © Cosentino
Mit Marmorverarbeitung hat Cosentino vor Jahren begonnen und noch heute wird Marmor in verschiedenen Produkten verwendet. Foto © Robert Volhard, Stylepark
Fünf der täglich 1500 produzierten Platten in den Materialstärken von einem bis drei Zentimeter. Foto © Robert Volhard, Stylepark
Mit zwei überschaubaren Fabrikhallen begann 1940 die Cosentino Firmengeschichte in Spanien. Foto © Robert Volhard, Stylepark
Cosentino baut den Quarz- und Naturstein in 14 Steinbrüchen ab. Foto © Robert Volhard, Stylepark
Drei der zwölf unterschiedlichen Farb- und Texturvarianten von Dekton. Foto © Robert Volhard, Stylepark
Die Cosentino Haupverwaltung in Cantoria im Südwesten Spaniens. Foto © Robert Volhard, Stylepark
Cosentino besitzt mittlerweile eine Fabrikfläche von über einer Million Quadratmeter. Foto © Cosentino
Den Werkstoff „Silestone" gibt es in großer Material- und Farbvielfalt. Foto © Robert Volhard, Stylepark
Video © Robert Volhard
Video © Robert Volhard
Architektur › 2013 › Juli
Spanische Zauberformel
von Robert Volhard | 14. Juli 2013
Auch wenn man sich in Spanien befindet, man denkt, wenn es um Cosentino und „Silestone“geht, unweigerlich an ein kleines gallisches Dorf und die Macht einer Zauberformel.

Man fühlt sich unweigerlich an ein kleines gallisches Dorf erinnert, an Asterix, Obelix und, nicht zu vergessen, an Miraculix, den Druiden mit dem langen weißen Bart. Und das fernab der bretonischen Küste, in Spanien, einem Land, das wirtschaftlich derzeit schwierige Zeiten erleben muss. Denn auch dort, so denkt man, gibt es ein „kleines Dorf“ in dem die Bewohner über ein besonderes Rezept, ja über eine „Zauberformel“ verfügen.

Die Rede ist von einem Dorf Namens Cantoria im Südwesten Spaniens. Es liegt inmitten einer unwirtlichen Gegend, nur zwei Hügel trennt es von der einzigen Wüste Europas. Die Bewohner des Dorfes – zumindest einige – tragen den Namen Cosentino. Ebenso wie ein Familienunternehmen, das 1940 nicht mehr als einen Marmorsteinbruch betrieb, sich dann aber, über viele Höhen und Tiefen hinweg, damit beschäftigte, wie sich die Reste, die beim Brechen von Marmor unweigerlich entstehen, verwendet werden könnten. Sprich, sie beschäftigten sich mit einer „Zauberformel“. Diese sieht vor, eine flüssige Masse durch Druck und Temperatur zu einem festen Plattenmaterial zu formen. In den 1980er Jahren kam schließlich ein Material auf den Markt, das die Vorteile einer industriellen Fertigung mit den Eigenschaften, aber auch mit den Nachteilen von Marmor verbunden hat. Es erwies sich als Flop. Es verfärbte sich, war säureanfällig und so weiter.

Kurzentschlossen veränderten und verbesserten die Cosentinos ihre „Zauberformel“. Der Marmor wurde durch Quarz ersetzt und 1990 war „Silestone“ geboren, ein formbares, beständiges, hygienisches und in vielen verschiedenen Farben und Strukturen erhältliches Material. Inzwischen trägt „Silestone“ zu mehr als 80 Prozent zum Umsatz des Unternehmens bei. Damit aber nicht genug. Die Frage, wie sich innovative Oberflächen von hohem Wert in verantwortlicher Weise entwickeln lassen, treibt die Firma weiter an. Und so wurde die „Zauberformel“ immer weiter entwickelt.
Bei der Variante „Eco“ wird recyceltes Glas eingemischt, womit man in der Lage ist, für Lead-zertifizierte Gebäude ein Material anzubieten, das dem überstrapazierten Begriff der Nachhaltigkeit tatsächlich entspricht.

Der Miraculix der Cosentinos aber forscht immer weiter. Denn „Silestone“ hat zwar viele Vorteile, aber noch den Nachteil, dass es nicht die Brandschutzklasse b1 erfüllt und deshalb für Fassaden und Außenbereiche nicht einsetzbar ist. Also wurde die „Zauberformel“ abermals verfeinert. Ergebnis: „Dekton by Cosentino“ ein Material, das eine erstaunliche Festigkeit besitzt, sowohl, was Kratz- und Abriebfestigkeit, als auch was die Stabilität bei Stößen angeht. Überdies ist es druckbeständig und eignet sich aufgrund seiner UV- und Farbbeständigkeit für den Einsatz bei extremen Temperaturen, um nur die wichtigsten Eigenschaften zu nennen.
Wer mehr als 1.000 Quadratmeter bestellt, der kann das aufgedruckte Muster selbst bestimmen.

Es ist schon beachtlich, wie sich dieses Familienunternehmen in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat. Aus einer kleinen Firma, die einen Steinbruch betreibt, ist ein Industrieunternehmen geworden. Für „Dekton“ wurde sogar eigens eine neue Fabrik gebaut, die einige Superlative bereithält. So quetscht etwa die stärkste Presse der Welt mit einem Druck von 25.000 Tonnen auch noch den letzten Tropfen Wasser und den letzten Rest Luft aus dem Material. In einem riesigen Drucker wird es bedruckt und in einem 180 Meter langen Ofen – soviel ist von der „Zauberformel“ bekannt – wird das Material bei 1.200 Grad Celsius in feste Platten verwandelt. Welche Zutaten die „Zauberformel“ der Cosentinos sonst noch enthält? Das bleibt so geheim wie die Formel von Coca-Cola.


www.cosentino-group.net