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Spaziergänge auf vermeintlich gemeinsamem Grund
von Thomas Wagner | 3. September 2012
Die Architekturbiennale von Venedig ist auch in ihrer 13. Ausgabe ein großes, funkelndes Kaleidoskop. Es zerlegt – in den Giardini mit dem Palazzo delle Esposizioni und den Länderpavillons ebenso wie in den Arsenalen und den über die Stadt verstreuten Pavillons – nahezu alles, was aktuell mit Bauen, Raum und Stadt zu tun hat, in mehr oder weniger bunte Facetten.

Was machen Architekten und was treibt sie dabei an?
Wo stoßen sie an ihre Grenzen?
Ist es ihre vordringliche Aufgabe, neue Häuser zu bauen?
Sollten sie sich mehr darauf konzentrieren, Bestehendes zu erhalten, zu optimieren und neu zu nutzen?
Verbrauchen Häuser Energie oder können sie Energie produzieren?
Gibt es eine neue Architektur von unten?
Lassen sich Megacitys überhaupt noch planen?
Was kann man von anderen Baukulturen lernen?
Mit welchen politischen Strukturen muss sich Architektur auseinandersetzen?
Wird der öffentliche Raum mehr und mehr zu einem kommerziellen Raum und was lässt sich dagegen tun?
Verändern spontan entstehende Projekte öffentliche und private Räume mehr als komplexe Bauvorhaben mit ihren langen Planungszeiten und schwierigen Abstimmungsprozessen?
Müssen sich Architekten mehr als bisher auf das Kollektiv besinnen?
Können praktizierte Formen der Kooperation der Tendenz zur Vereinzelung entgegenwirken?

Fragen über Fragen, angesichts derer einem leicht schwindelig werden kann. David Chipperfield, als Direktor der Architekturbiennale für die zentrale Ausstellung verantwortlich, wollte seine Kollegen wohl auch deshalb auf einen „Common Ground“ locken und sie zu ermutigen, sich für die anstehenden Fragen zu öffnen. Ganz so leicht konnte man sich in der Zunft dann doch nicht darüber verständigen, was überhaupt unter dem großen Gemeinsamen und einer Basis allen Bauens zu verstehen sei. Sicher ist nur, dass es in Venedig viele Projekte, Konzepte, Modelle, Installationen und Bilder zu bestaunen gibt, die selbst dann auf etwas Gemeinsames verweisen, wenn sich dieses dem eingeschränkten Blick des Beobachters auf dieses oder jenes Projekt hartnäckig entzieht.

13. Architekturbiennale Venedig 2012
bis 25. November
www.labiennale.org
Bastelfassade statt Nobeleingang: Alison Crawshaw, „The Politics of Bricolage“, Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Zwischenspiel mit menschenleeren Städten: Thomas Struth, „Unconscious Places”, Foto © Thomas Wagner, Stylepark
David Chipperfields Motto der Biennale: „Common Ground“, Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Apartheid und AIDS: Noero Architects zusammen mit dem Keiskamma Trust und einer Hamburger Frauen-Kooperative, Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Auf dem gemeinsamen Grund der Architektur: Blick in die Corderie des Arsenale, Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Zitat aus Lucio Costas Installation „Risposatevi“, Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Zeig mir dein Modell und zeig mir deine Liebe zu Spanien: Luis-Fernández-Galiano, Francisco Mangado, Mansilla + Tunón, Nieto Sobejano, Paredes Pedrosa und RCR Arquitectes, Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Die diskursive Basis der Architektur: Steve Parnell, Architekturmagazine, Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Wie man eine Landschaft rekonstruiert: Miyato-Jima Reconstruction Project, Kazuyo Sejima + Ryue Nishizawa / SANAA, Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Es grünt so grün… Oder „Made in Italy“ von Adriano Olivetti bis zur grünen Ökonomie: „Die vier Jahreszeiten“ im neuen Padiglione Italia in den Arsenalen, Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Neue Ideen importieren: im Pavillon von Großbritannien, Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Altäre für die Architektur: Das kritische Projekt von Crimson Architectural Historians im Padiglione Centrale, Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Blicke durchs Schlüsselloch: Im russischen Pavillon in den Giardini, Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Abtauchen in die Augmented Reality Russlands: Im russischen Pavillon in den Giardini, Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Lauter beleuchtete Schlüssellöcher: Im russischen Pavillon in den Giardini, Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Entwürfe für eine bessere Welt: Domenico Silvestro im Pavillon Venezuelas, Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Acht Geschichten für ein neues Athen: Eingang zum griechischen Pavillon, Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Schleier und iPad: In den Gassen Venedigs, Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Skylines aus Holz im kanadischen Pavillon: „Migrating Landscapes“ , Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Heftige Debatte um die Hamburger Elbphilharmonie: Herzog & de Meuron in den Arsenalen, Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Die historische Herleitung organoider Formen: Zaha Hadid, „Arum“ , Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Ein Restaurant aus Caracas: Urban-Think Tank (Alfredo Brillembourg, Hubert Klumpner) und Justin McGuirk, Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Ausruhen im brasilianischen Pavillon: Lucio Costas Installation „Riposatevi“ von 1964, Foto © Thomas Wagner, Stylepark
In Venedig, Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Neue Möglichkeiten Gemüse zu pflanzen: aus dem SPAINLab in den Giardini, Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Eine architektonische Struktur hinter den Arsenalen: Álvaro Siza Vieira und Eduardo Souto Moura, Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Dreimal R für Deutschland: Reduce, Reuse, Recycle von Muck Petzet und Konstantin Grcic, Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Vom behutsamen Umgang mit der Vergangenheit: Mexiko widmet sich unter anderem der Restaurierung der venezianischen Chiesa di San Lorenzo, Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Jeder bastle ein Modell: „40.000 Stunden“, ein Projekt von Studierenden unterschiedlicher Architekturhochschulen, Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Kunst trifft Architektur: „Modellstudiengang“ von Thomas Demand zusammen mit Martin Boyce und Thomas Scheibitz, Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Wenn aus Infrastruktur städtischer Lebensraum wird: Ein Urban Recreation Projekt von Atelier Jean Nouvel und Habiter Autrement, Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Irritationen mittels geringfügiger Raumveränderungen: „Making the walls quake as if they were dilating with the secret knowledge of great powers“ im polnischen Pavillon, Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Post vom Architekten: Briefmarken mit Architekturmotiven im Pavillon Rumäniens, Foto © Thomas Wagner, Stylepark
Wie man den Raum zwischen den Häusern auf ganz andere Weise nutzen kann: Vorschläge im Pavillon Angolas auf der Isola di San Giorgio Maggiore, Foto © Thomas Wagner, Stylepark
News & Stories › 2012 › September
Spaziergänge auf vermeintlich gemeinsamem Grund
von Thomas Wagner | 3. September 2012
Auch die 13. Architekturbiennale von Venedig präsentiert sich als Kaleidoskop. Wie vielfältig, aber auch wie zerrissen und widersprüchlich der von David Chipperfield beschworene „Common Ground“ der Architektur in all den Ausstellungen und Pavillons erscheint, lässt ein Rundgang in Bildern durch die Giardini und die Arsenale erahnen.
Die Architekturbiennale von Venedig ist auch in ihrer 13. Ausgabe ein großes, funkelndes Kaleidoskop. Es zerlegt – in den Giardini mit dem Palazzo delle Esposizioni und den Länderpavillons ebenso wie in den Arsenalen und den über die Stadt verstreuten Pavillons – nahezu alles, was aktuell mit Bauen, Raum und Stadt zu tun hat, in mehr oder weniger bunte Facetten.

Was machen Architekten und was treibt sie dabei an?
Wo stoßen sie an ihre Grenzen?
Ist es ihre vordringliche Aufgabe, neue Häuser zu bauen?
Sollten sie sich mehr darauf konzentrieren, Bestehendes zu erhalten, zu optimieren und neu zu nutzen?
Verbrauchen Häuser Energie oder können sie Energie produzieren?
Gibt es eine neue Architektur von unten?
Lassen sich Megacitys überhaupt noch planen?
Was kann man von anderen Baukulturen lernen?
Mit welchen politischen Strukturen muss sich Architektur auseinandersetzen?
Wird der öffentliche Raum mehr und mehr zu einem kommerziellen Raum und was lässt sich dagegen tun?
Verändern spontan entstehende Projekte öffentliche und private Räume mehr als komplexe Bauvorhaben mit ihren langen Planungszeiten und schwierigen Abstimmungsprozessen?
Müssen sich Architekten mehr als bisher auf das Kollektiv besinnen?
Können praktizierte Formen der Kooperation der Tendenz zur Vereinzelung entgegenwirken?

Fragen über Fragen, angesichts derer einem leicht schwindelig werden kann. David Chipperfield, als Direktor der Architekturbiennale für die zentrale Ausstellung verantwortlich, wollte seine Kollegen wohl auch deshalb auf einen „Common Ground“ locken und sie zu ermutigen, sich für die anstehenden Fragen zu öffnen. Ganz so leicht konnte man sich in der Zunft dann doch nicht darüber verständigen, was überhaupt unter dem großen Gemeinsamen und einer Basis allen Bauens zu verstehen sei. Sicher ist nur, dass es in Venedig viele Projekte, Konzepte, Modelle, Installationen und Bilder zu bestaunen gibt, die selbst dann auf etwas Gemeinsames verweisen, wenn sich dieses dem eingeschränkten Blick des Beobachters auf dieses oder jenes Projekt hartnäckig entzieht.

13. Architekturbiennale Venedig 2012
bis 25. November
www.labiennale.org